Homöopathische Behandlung von Nervenerkrankungen: Ein umfassender Überblick

Nervenerkrankungen, insbesondere Neuralgien und Polyneuropathien, können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Neben der Schulmedizin gibt es eine Vielzahl von komplementären und alternativen Behandlungsmethoden, die Linderung verschaffen und die Lebensqualität verbessern können. Die Homöopathie stellt hierbei eine solche Therapieform dar, die sich durch einen ganzheitlichen Ansatz auszeichnet. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die homöopathische Behandlung von Nervenerkrankungen, einschließlich anderer komplementärmedizinischer Verfahren, die im KfN (Klinikzentrum für Naturheilverfahren) eingesetzt werden.

Einführung in die Homöopathie bei Nervenerkrankungen

Die Homöopathie betrachtet Krankheit als eine ganzheitliche Funktionsstörung und behandelt nicht nur einzelne Symptome, sondern den ganzen Menschen. Das Grundprinzip der Homöopathie ist das Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip): Eine Substanz, die bei einem Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, kann in verdünnter Form bei einem Kranken mit ähnlichen Symptomen heilend wirken. Homöopathische Mittel werden in Form von Tropfen oder Globuli (Zuckerkügelchen mit imprägnierter Medikation) eingenommen. Die Konzentration wird durch Potenzierung angegeben, wobei die Medikamente in einer Verdünnungsreihe mit dem Faktor 10 verdünnt werden (D1, D2, D3 usw.).

Komplementärmedizinische Verfahren im Überblick

Im KfN werden verschiedene komplementärmedizinische Verfahren zur Behandlung von Neuralgien eingesetzt. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Methode für jeden Patienten gleich gut geeignet ist. Patienten sollten die einzelnen Verfahren bewerten und diejenigen auswählen, die für eine längerfristige Anwendung im häuslichen Umfeld geeignet sind.

Allgemeine Maßnahmen

Ergänzend zu spezifischen Therapien sollten allgemeine Maßnahmen wie eine vollwertige Ernährung sowie Bewegungs- und Entspannungstherapien berücksichtigt werden. Regelmäßige Bewegung, wie Spaziergänge im Wald, Radfahren oder Schwimmen, kann ebenfalls zur Beruhigung beitragen. Als Hausmittel empfehlen sich Beruhigungstee, Buttermilch oder pflanzliche Präparate wie Baldrian und Hopfen.

Physiotherapie

Die klassische Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Neuralgien. Durch Mobilisierung und Muskelaufbau werden Muskelschwächen und Instabilitäten kompensiert. Sensomotorisch-funktionelle Einzelbehandlungen können die Oberflächen- und Tiefensensibilität günstig beeinflussen, was sich positiv auf die Schmerzverarbeitung und Schmerztrigger auswirken kann.

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Hydrothermotherapie

Kalte oder wechselwarme Güsse können zur Linderung der Symptomatik verordnet werden und sind auch im häuslichen Umfeld leicht fortzuführen. Bei gestörter Thermosensibilität ist jedoch Vorsicht geboten. Wenn es nicht innerhalb von 30-45 Minuten nach der Anwendung zu einer vollständigen Wiedererwärmung kommt, ist der Reiz individuell zu stark gewählt.

CO2-Bäder

CO2-Bäder werden von Patienten oft als sehr wohltuend empfunden und sind im häuslichen Umfeld leicht umzusetzen. Der CO2-Kontakt führt zu einer peripheren Stimulation des Gewebes mit Gefäßerweiterung und verbesserter Hautdurchblutung, was eine milde Kreislaufanregung bewirkt.

Elektrotherapie (TENS)

Die Elektrotherapie umfasst ein großes therapeutisches Spektrum. Bei Neuralgien kommt neben 2- und 4-Zellenbädern die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) in Betracht. Diese kann im Rahmen des stationären Aufenthalts auf ihre individuelle Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet und bei Erfolg für den häuslichen Gebrauch rezeptiert werden. Die Applikation des Stromreizes mittels Stimulationshandschuhen und/oder -socken hat sich besonders bei Polyneuropathie der Hände und Füße bewährt.

Ätherische Öle

Ätherische Öle können zur äußeren Anwendung kommen und sind auch zur Langzeittherapie geeignet. In Frage kommen verschiedene Öle wie Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz- oder Rosmarinöl. Sie wirken über eine Anregung der Kälterezeptoren der Haut kühlend, wodurch die Schmerzweiterleitung vermindert wird. In höheren Konzentrationen wirken sie jedoch eher reizend und hyperämisierend. Ätherische Öle stehen in alkoholischen oder wässrig-alkoholischen Lösungen für Umschläge, Einreibungen oder als Salbenzubereitungen zur Verfügung. Bei PNP der Füße können abendliche warme Lavendel-Fußbäder (beruhigend, entspannend) oder morgendliche Rosmarin-Fußbäder (anregend, vitalisierend) versucht werden, ebenso Lehmpackungen und Heilerde-Auflagen.

Johanniskrautöl (Rotöl, Hypericum)

Johanniskrautöl hat im KfN eine besondere Stellung. Warme Johanniskrautölauflagen werden einmal täglich für ca. 20 Minuten appliziert und können auch gut im Gesichtsbereich aufgelegt werden, z.B. bei Trigeminusneuralgie oder atypischem Gesichtsschmerz.

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Capsaicin

Der Wirkstoff Capsaicin aus Cayennepfefferfrüchten ist längst etabliert in der Behandlung von Neuralgien. Es handelt sich um einen antiphlogistisch wirkenden Hautreizstoff, der von der EU-Arzneimittelkommission zur Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen als Monopräparat oder in Kombination mit anderen Arzneistoffen zugelassen ist. Capsaicin wirkt lokal hyperämisierend und analgetisch, antiphlogistisch, cortisonähnlich und juckreizlindernd. Es kommt zu einer fast vollständigen Ausschüttung von Substanz P, dann zu einer Hemmung des Transports und der Neusynthese von Substanz P, sodass die Schmerzleitung der Nerven quasi unterbrochen wird i. S. einer Desensibilisierung der Nozizeptoren. Der Wirkstoff kann in Form von Salben oder Wärmepflastern aufgetragen werden. Vorsicht ist geboten bei bekannten Allergien gegen Paprika oder Cayennepfeffer.

Weiße Senfsamen

Ähnlich wie Capsaicin wirken auch weiße Senfsamen, die als Breiumschlag appliziert werden können. Drei bis vier Esslöffel Senfmehl werden mit warmem Wasser zu einer breiartigen Konsistenz verrührt und dann als Umschläge 10-15 Min. auf der Haut belassen mit einer max. Anwendungshäufigkeit von zwei bis viermal täglich. Die Anwendungsdauer sollte aber nicht länger als zwei Wochen betragen, da Benzylsenföle zu Reizungen des Nierenepithels führen können und Haut- und Nervenreizungen hervorrufen können. Bei Nierenerkrankungen ist die Anwendung sogar kontraindiziert.

Orthomolekulare Medizin

Die Neuropathie ist eine Domäne der orthomolekularen Medizin. Im KfN werden bei dieser Indikation in der Regel hochdosierte neurotrope B-Vitamine (B1, B2, B6, B12 und Nicotinamid) über einen Zeitraum von ca. drei Monaten verordnet. Hierbei geht es nicht darum, etwaige Mangelzustände auszugleichen, sondern durch die passagere Einnahme von hohen Dosierungen therapeutische Effekte zu erzielen. Als neurotropes Antioxidans spielt auch Vitamin E eine wichtige Rolle in der Behandlung von Neuropathien, hier können 100-300 mg/Tag bedenkenlos auch längerfristig, d. h. über Monate, nebenwirkungsfrei substituiert werden. Bei Vitamin C wiederum ist eine Überdosierung kaum möglich, wir empfehlen therapeutisch die Einnahme von ein bis zwei Gramm pro Tag. Ein weiteres bewährtes Antioxidans bei Neuropathien stellt die Alpha-Liponsäure dar, die man durchaus zunächst ein bis zwei Wochen intravenös 600mg pro Tag geben kann, dann dauerhaft täglich 600 mg oral. Wegen ihrer neuroregenerativen Wirkung ist auch auf eine erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu achten. Ferner sollte der Selenspiegel in den hochnormalen Bereich angehoben werden.

Moderate Ganzkörperhyperthermie (mGKHT)

Probatorisch kann bei Neuropathien auch die moderate Ganzkörperhyperthermie (mGKHT) zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich um einen der stärksten naturheilkundlichen Reize überhaupt. Über die passagere Erhöhung der Körperkerntemperatur in den Fieberbereich bis max. 40,5 °C kommt es zu einer starken Stoffwechselsteigerung, sodass regenerative und regulative Prozesse angestoßen werden. Die mGKHT wirkt erwiesenermaßen u.a. schmerzlindernd, tiefgreifend entspannend auf die Muskulatur, vegetativ ausgleichend und mild antidepressiv.

Segmentale Therapie mit Schröpfen oder Blutegeln

Bei Polyneuropathien der unteren Extremitäten kann durchaus eine segmentale Therapie mit Schröpfen oder Blutegeln im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule erwogen werden. Bei Post-Zoster-Neuralgie im thorakalen Bereich hat sich die frühe Blutegeltherapie als gut wirksam erwiesen.

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Neuraltherapie

Neuraltherapeutisch kann an einen Einsatz der Neuraltherapie als Segmenttherapie gedacht werden.

Homöopathische Medikamente bei Polyneuropathie

Aufgrund der Vielfalt an Symptomen ist auch die Auswahl an homöopathischen Medikamenten groß. Gegen die stechenden und brennenden Nervenschmerzen wird häufig Aconitum eingesetzt. Agaricus muscarius, das Extrakt des Fliegenpilzes, hilft bei Missempfindungen, Kribbeln und Taubheit. Bei regelmäßig auftretenden Schmerzen hilft Spigelia (Wurmkraut), bei akut auftretenden Nervenschmerzen kann Verbascum (Königskerze) Linderung verschaffen. Kalium phosphoricum, Magnesium phosphoricum und Zincum chloratum sollen helfen Nervensystem und Muskulatur zu beruhigen. Diese Kombination wird auch „biochemische Schmerztrias“ genannt. Bei erhöhten Reizzuständen und Muskelkrämpfen werden auch Cina (Wurmsamen), Cypripedium pubescens (Frauenschuh) oder Natrium carbonicum (Soda) eingesetzt.

Ernährung in der Homöopathie

Auch die Ernährung spielt in vielen homöopathischen Behandlungsweisen eine wichtige Rolle. Hierbei wird eine vitaminreiche und fettreduzierte Kost empfohlen. Gerade bei der diabetischen Polyneuropathie hat die Entschlackung des Bindegewebes eine hohe Bedeutung, hier kann Silicea (Kieselsäure) das Bindegewebe stärken und Graphites (Kohlenstoff) die Ausscheidung der Schadstoffe unterstützen. Beides kann durch die Gabe von Acidum fluoricum (Flusssäure) und Equisetum (Schachtelhalm) noch verstärkt werden.

Neuralgie-Gastreu® R70 Tropfen

Neuralgie-Gastreu® R70 Tropfen sind eine Kombination aus 5 bewährten homöopathischen Wirkstoffen, welche verschiedene Formen von Nervenschmerzen, wie reißende, ziehende und krampfartige Schmerzen, lindern. Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Die Tropfen enthalten Aconitum Dil. D4, Cedron Dil. D4, Colocynthis Dil. D6, Kalmia Dil. D3 und Verbascum Dil. D2. Bei akuten Zuständen können alle halbe bis ganze Stunde, höchstens 6-mal täglich, je 5 Tropfen eingenommen werden. Eine über 1 Woche hinausgehende Anwendung sollte nur nach Rücksprache mit einem homöopathisch erfahrenen Therapeuten erfolgen. Bei chronischen Verlaufsformen 1- bis 3-mal täglich je 5 Tropfen einnehmen.

Weitere Aspekte der Behandlung von Nervenerkrankungen

Bedeutung der Psyche

Auch die Psyche sollte nicht vergessen und bestmöglichst unterstützt werden. Nervenschmerzen können im wahrsten Sinne des Wortes richtig „nervig“ werden und die Nerven schnell „blank liegen“ lassen. Chronische neuropathische Schmerzen mit ihrer besonderen Schmerzcharakteristik sind auch psychisch sehr belastend und mindern die Lebensqualität. Aufgrund ausbleibender Therapieerfolge geraten Betroffene in einen Kreislauf aus Hoffnungslosigkeit und Angst.

Mikronährstoffe

Ein höherer Bedarf an Mikronährstoffen kann bei Nervenerkrankungen bestehen. Magnesium blockiert physiologisch die Schmerzreiz-Weiterleitung, wodurch Schmerz später und schwächer wahrgenommen wird. Alpha-Liponsäure hat sich v.a. bei diabetischer Neuropathie als wirksam erwiesen. Omega-3-Fettsäuren tragen aufgrund ihrer antientzündlichen und analgetischen Wirkung zu einer Regeneration der geschädigten Nerven bei.

Aromatherapie

Aromatherapeutische Mischungen können als Öl, Creme, Kompresse oder Wickel bei Neuropathien eingesetzt werden. Sie wirken sowohl durch ihre pflanzlichen Inhaltsstoffe auf der körperlichen Ebene als auch durch ihren Duft emotional stärkend. Schmerzlindernde Öle sind z.B. Cajeput und Rosmarin, entspannend wirken Lavendel und Majoran, stimmungsausgleichend sind u.a. Lemongras und Melisse.

Die Rolle des Nervensystems

Das Nervensystem steuert unseren Organismus, hauptsächlich durch das willkürliche und vegetative Nervensystem. Das vegetative Nervensystem teilt sich wiederum in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus) auf. Der Sympathikus bereitet den Körper auf physische und geistige Leistungen vor, während der Parasympathikus für Ruhe, Stoffwechsel, Verdauung und Kraftreserven zuständig ist.

Diagnose und Behandlung von Nervenschmerzen

Symptome von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen werden oft als brennend, kribbelnd, stechend oder elektrisierend beschrieben. Sie können mehr oder weniger intensiv sein und plötzlich einschießen oder den betroffenen Bereich übersensibel machen. Häufig treten die Symptome bei Ruhe oder in der Nacht auf.

Ursachen von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen können durch verschiedene Ursachen entstehen, wie z.B. eingeklemmte, gereizte oder entzündete Nerven, Spinalkanalstenose, Impingement Syndrom, Karpaltunnel-Syndrom, Trigeminusneuralgie, Morbus Sudeck, Gürtelrose, diabetische Polyneuropathie, Alkoholmissbrauch, Schlaganfall oder Multiple Sklerose.

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose umfasst eine gründliche Anamnese, neurologische Untersuchung, Nervenleitgeschwindigkeitsmessung und bildgebende Verfahren wie CT oder MRT.

Schulmedizinische Behandlung

Die konventionelle Standardtherapie umfasst oft die Einnahme von Medikamentenklassen wie Antidepressiva und Antiepileptika, die einen zusätzlich schmerzlindernden Effekt haben.

Naturheilkundliche Behandlung

Gerade bei Neuralgien profitieren Betroffene von einer ganzheitlichen Behandlung, die Hausmittel, Homöopathie, pflanzliche Mittel aus der Naturheilkunde und manuelle Therapien integrieren.

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