Aluminium im Essen und der angebliche Zusammenhang mit Alzheimer: Was ist dran?

Die Frage, ob Aluminium im Essen eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen könnte, ist ein viel diskutiertes Thema. Warum erkranken manche Menschen an Alzheimer, während andere im gleichen Alter nicht erkranken? Neben Genen und Vorerkrankungen scheinen auch der Lebensstil und Umwelteinflüsse eine Rolle zu spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Aluminium auf das menschliche Gehirn und geht der Frage nach, ob ein Zusammenhang zwischen Aluminiumaufnahme und Alzheimer-Risiko besteht.

Was ist Aluminium?

Aluminium gehört zur Gruppe der Leichtmetalle und ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Es ist in fast allen Nahrungsmitteln enthalten und wird daher vor allem über die Nahrung aufgenommen. Es ist aber auch Bestandteil des Trinkwassers und der Luft. Eine weitere Aufnahme kann durch Kosmetika (zum Beispiel Deodorants), Medikamente, aber auch durch Gebrauchsgegenstände wie Dosen, Folien oder Tuben erfolgen.

Wie nehmen wir Aluminium auf?

Aluminium ist allgegenwärtig. Es kommt natürlich in der Umwelt vor und wird in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens verwendet. Die Aufnahme von Aluminium erfolgt hauptsächlich über folgende Wege:

  • Nahrung: Aluminium ist in fast allen Nahrungsmitteln enthalten, wobei einige Lebensmittel wie Gewürze, Kakao, Tee und Muscheln höhere Konzentrationen aufweisen.
  • Trinkwasser: Aluminiumsalze werden in einigen Wasserwerken zur Reinigung des Trinkwassers eingesetzt.
  • Kosmetika: Aluminiumverbindungen sind in Deodorants, Sonnenschutzmitteln, Zahnpasta und Lippenstiften enthalten.
  • Medikamente: Einige Medikamente gegen Sodbrennen (Antazida) und Impfstoffe enthalten Aluminiumverbindungen.
  • Gebrauchsgegenstände: Aluminium kann aus Kochgeschirr, Grillschalen, Alufolie und anderen Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, in die Nahrung übergehen.

Aufnahmequellen von Aluminium

Als dritthäufigstes Element in der Erdkruste gelangt Aluminium auf natürlichem Weg in Lebensmittel und Trinkwasser. Obwohl es in der Natur meist in gebundener Form vorliegt, wird es durch sauren Regen und Bodenversauerung oder industrielle Einflüsse freigesetzt und gelangt so in Umwelt und Nahrung.

Das BfR hat ermittelt, dass die meisten natürlichen Lebensmittel weniger als 5 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Lebensmittel (Frischmasse) enthalten. Einige Lebensmittel liefern deutlich mehr. Die höchsten Aluminiumgehalte wurden unter anderem gemessen in:

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  • Gewürzen
  • Kakao und kakaohaltigen Lebensmitteln wie Bitterschokolade
  • Tee
  • Muscheln
  • Ölsaaten

Bei der Gesamtaufnahmemenge an Aluminium kommt es darauf an, wie viel von einem Lebensmittel konsumiert wird. Bei nicht vorverpackten Lebensmitteln genügt die Angabe "mit Farbstoff" zum Beispiel auf einem Schild am Verkaufsregal. Bestimmte Aluminiumverbindungen sind nur noch für definierte Anwendungen zugelassen. Zudem wurden Höchstgehalte an Aluminium aus den unterschiedlichen Eintragungsquellen festgelegt.

Weitere Aluminium-Quellen sind:

  • Impfstoffe
  • Arzneimittel
  • Lippenstifte
  • Zahnpasten
  • aluminiumhaltige Antitranspirantien
  • Lebensmittelbedarfsgegenstände aus Aluminium (z. B. Kochgeschirr, Grillschalen, Trinkflaschen, Backbleche oder Aluminium-Folie)

Die Aluminium-Aufnahme aus Lebensmittelverpackungen im Handel spielt eine untergeordnete Rolle. Üblicherweise trennt eine Kunststoffbeschichtung das Aluminium vom Inhalt, wie bei Getränkedosen, Joghurtdeckeln, Kaffeekapseln oder Schalen mit Fertiggerichten.

Für metallische Gegenstände mit Lebensmittelkontakt gibt es eine Resolution des Europarates. Diese schlägt für Aluminium einen Freisetzungsgrenzwert von 5 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel vor. Resolutionen sind für die Mitgliedsstaaten des Rates aber nur Empfehlungen, keine Gesetze. Die darin angegebenen Grenzwerte sind daher nicht verpflichtend.

Welche Grenzwerte sollten nicht überschritten werden?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, eine wöchentliche Aluminium-Aufnahme von 1 mg Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht nicht zu überschreiten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Aluminium eine tolerierbare Aufnahme von einem Milligramm (mg) pro Kilogramm (kg) Körpergewicht und Woche festgelegt (=Tolerable Weekly Intake (TWI)).

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Kann die Aufnahme von Aluminium die Gesundheit des Gehirns beeinträchtigen?

Ja, Aluminium hat in sehr hohen Dosen eine neurotoxische Wirkung. Ein Beispiel für die Schädigung des Gehirns durch Aluminium ist die Dialyse-Enzephalopathie. An ihr erkrankten früher Menschen, die über einen langen Zeitraum aufgrund einer Nierenschädigung eine Dialyse benötigten. Ursache waren die Aluminiumsalze in der Dialyseflüssigkeit.

Warum wird ein Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer diskutiert?

Bereits in den 1970er Jahren fanden Forscher in den Gehirnen von verstorbenen Alzheimer-Patientinnen und -Patienten eine erhöhte Aluminium-Konzentration. Diese Beobachtung führte zu der Hypothese, dass Aluminium eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen könnte.

Frühe Forschung und Beobachtungen

In den 1980er Jahren war man noch der Meinung, dass Aluminium ein Risikofaktor für Alzheimer darstellt. Denn der Neuropathologe Daniel Perl von der Mount Sinai School of Medicine in New York hatte bei verstorbenen Alzheimer-Patienten in den zerstörten Gehirnbereichen eine Aluminiumbelastung festgestellt, was in den noch gesunden Gehirnbereichen nicht der Fall war.

Die Ferritin-Hypothese

Im Ärzteblatt las man im Jahr 2013 von einer italienischen Studie, in der man Interessantes entdeckt hatte. Wenn man seinen Eisenspiegel überprüfen lassen möchte, dann ist das Ferritin einer der wichtigsten Werte. Ist der Ferritinwert zu niedrig liegt ein Eisenmangel vor. In Wirklichkeit scheint das Ferritin nicht einfach nur ein Speicher zu sein, sondern eher ein Schutzmechanismus des Körpers, um sich vor einem Eisenüberschuss zu schützen, der äusserst schädlich sein kann. Da in zerstörten Alzheimergehirnen übermässig hohe Ferritinspiegel festgestellt werden können (7), glauben die italienischen Forscher nun, dass das Aluminium womöglich als blinder Passagier mit dem Ferritin ins Gehirn gelangen kann. De Sole war überzeugt davon, mit den neuen Erkenntnissen zum Verständnis der Entstehung der Alzheimer-Krankheit beigetragen zu haben.

Aktuelle Forschungsergebnisse

In der eingangs erwähnten Studie, die im April 2021 im Journal of Alzheimer's Disease Reports veröffentlicht wurde, stellte man nun fest, dass Aluminium nicht nur in den typischen Amyloidplaques vorhanden ist, sondern auch in den ebenfalls alzheimertypischen Tau-Proteinen (auch Alzheimer-Fibrillen genannt). Die Entstehung der Fibrillen geht stets mit dem Tod von Nervenzellen einher.

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Gegenläufige Meinungen und Forschung

Befragte man andere Fachleute dazu, etwa Prof. Dr. rer. nat. Beyreuther gab an, immer vermutet zu haben, dass das Aluminium aufgrund einer Störung der Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn der Alzheimerpatienten gelangen könnte. Beyreuther findet, dass die mögliche krankheitsauslösende Wirkung von Aluminium keineswegs „ein Mythos“ sei, wie es oft heiss (z. B. Er weist dabei auf eine Untersuchung von 2009 hin, in der man zeigen konnte, dass Aluminium im Inneren der alzheimertypischen Ablagerungen (Amyloidplaques) zu finden ist sowie auf eine Studie mit Kaninchen. Die Tiere hätten nach einer übermässigen Aluminiumaufnahme die sog.

Erhöht die Aufnahme von Aluminium das Alzheimer-Risiko?

Die oben genannten Beobachtungen sagen nichts über ein Verhältnis von Ursache und Wirkung aus. Der gestiegene Aluminiumgehalt muss keine Rolle in der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit spielen, sondern könnte auch eine Konsequenz sein. Versuche mit Mäusen, denen Aluminium verabreicht wurde, führten beispielsweise nicht zum Ausbruch der Alzheimer-Krankheit bei diesen Tieren. Zudem konnte in keiner epidemiologischen Studie ein Zusammenhang zwischen Aluminiumaufnahme und Alzheimer festgestellt werden.

Es gibt also derzeit keine Forschungsergebnisse, welche die Aufnahme von Aluminium als Ursache oder Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit belegen. Das BfR kommt deshalb zu der Erkenntnis, dass ein kausaler Zusammenhang von Aluminiumaufnahme und dem Auftreten der Alzheimer-Krankheit bisher nicht wissenschaftlich bewiesen werden konnte.

Gesundheitliche Risiken von Aluminium

Lange Zeit galt Aluminium als ungefährlich. Inzwischen ist bekannt, dass sich unter bestimmten Umständen Aluminium-Ionen aus Verpackungen und Haushaltsgegenständen lösen und in Lebensmittel wandern können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch hohe Aluminium-Aufnahmen für möglich. Eindeutige Zusammenhänge mit bestimmten Erkrankungen konnten bisher nicht sicher nachgewiesen werden.

Über Lebensmittel aufgenommenes Aluminium gilt nicht als akut gesundheitsschädlich. Einen Großteil scheiden gesunde Menschen über die Nieren aus. Nicht ausgeschiedenes Aluminium kann sich aber im Laufe des Lebens vor allem im Skelettsystem ablagern. Einmal im Körper eingelagert, wird Aluminium sehr langsam wieder ausgeschieden. Laut BfR kann eine langfristig hohe Aufnahme von Aluminium daher das Nervensystem sowie Nieren und Knochen schädigen.

Zudem stört Aluminium das Gleichgewicht von Spurenelementen wie Magnesium und Eisen im Körper. Einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Aluminium und der Alzheimer-Krankheit konnten wissenschaftlich indes nicht eindeutig belegt werden. Das Gleiche gilt für die Verwendung von aluminiumhaltigen Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs, wie das BfR in einer Stellungnahme zusammenfasst.

Vorsorglich sollten Sie jedoch möglichst wenig Aluminium aufnehmen.

Die EFSA hat 1 Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht als maximal tolerierbare Aufnahmemenge pro Woche festgelegt. Das BfR geht davon aus, dass der Großteil der Bevölkerung über Lebensmittel bereits jede Woche etwa 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufnimmt. Kommt noch Aluminium aus Kosmetika, Arzneimitteln oder Materialien mit Lebensmittelkontakt hinzu, kann die tolerierbare Aufnahmemenge überschritten werden.

Tipps zur Verringerung der Aluminiumaufnahme

Obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen Aluminiumaufnahme und Alzheimer nicht bewiesen ist, ist es ratsam, die persönliche Aluminiumaufnahme zu reduzieren. Hier sind einige Tipps:

  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich: Eine ausgewogene Ernährung hilft, die Aufnahme von Aluminium aus einzelnen Lebensmitteln zu begrenzen.
  • Achten Sie auf den Umgang mit Verpackungen und Haushaltsgegenständen: Vermeiden Sie den Kontakt von säure- und salzhaltigen Lebensmitteln mit Alufolie und unbeschichteten Aluminiumgefäßen. Verwenden Sie stattdessen Glas-, Edelstahl- oder Kunststoffbehälter.
  • Wählen Sie bewusst aluminiumfreie Kosmetika aus: Es gibt zahlreiche Deodorants, Sonnenschutzmittel und Zahnpasten ohne Aluminiumverbindungen.
  • Verwenden Sie beim Grillen Grillschalen aus Edelstahl anstelle von Aluminiumschalen.
  • Vermeiden Sie Fertiggerichte in Aluminiumschalen.
  • Reinigen Sie Espressokocher aus Aluminium nicht in der Geschirrspülmaschine.
  • Informieren Sie sich über den Aluminiumgehalt von Medikamenten und Impfstoffen.

Zusätzliche Tipps für den Umgang mit Aluminium im Haushalt

  • Aluminium-Folie: Durch stark säure-, laugen- und salzhaltige Lebensmittel oder Kontakt mit anderen Metallen kann sich Aluminium aus der Folie lösen und ins Lebensmittel übergehen. Saures wie Apfelstücke, Zitronen, Tomaten, Essiggurken und Salziges wie Feta, Salzhering, Wurst und Schinken gehören nicht in Alufolie - weder zur Aufbewahrung noch zur Zubereitung.
  • Decken Sie metallische Servierplatten, Kochtöpfe und unbeschichtete Backbleche nicht mit Aluminium-Folie ab.
  • Bereiten Sie Saures und Salziges nicht in Aluminium-Kochgeschirr zu. Verwenden Sie bei Aluminium-Blechen im Backofen zumindest Backpapier.
  • In Laugengebäck werden durch das Laugen und anschließende Backen auf Aluminium-Blechen immer wieder hohe Aluminium-Gehalte festgestellt. Daher wird Bäckern empfohlen, auf Aluminium-Bleche zu verzichten oder zumindest Backpapier oder Backfolien aus Kunststoff zu verwenden. Das gilt auch für das Aufbacken von tiefgefrorenem Laugengebäck zu Hause.
  • Grillen auf Alu-Schalen ist vertretbar, um zu verhindern, dass Fett in die Glut tropft und beim Verbrennen krebserregende Stoffe entstehen.Empfehlung: Verzichten Sie dabei auf säurehaltige Marinaden und würzen und salzen Sie das Fleisch möglichst erst nach dem Grillen. Eine gute Alternative sind Grillschalen aus Edelstahl.
  • Verzichten Sie auf Fertiggerichte oder Mahlzeiten in Aluminium-Schalen (z. B. Essen auf Rädern), sofern Hersteller und Lieferdienste nicht auf eine Beschichtung hinweisen.Aktuelle Studien des BfR zeigen, dass bei der Zubereitung und Warmhaltung von sauren und salzigen Lebensmitteln in unbeschichteten Aluminium-Schalen viel Aluminium freigesetzt wird. Ein Erwachsener könnte bei täglichem Verzehr von 200 Gramm sauren Lebensmitteln aus unbeschichteten Aluminium-Schalen pro Woche etwa 0,5 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht zusätzlich aufnehmen.

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