Nächtliche Unruhe bei Demenz: Ursachen, Umgang und Lösungsansätze

Eine Demenzerkrankung ist vielschichtig und beeinträchtigt nicht nur die geistigen Fähigkeiten, sondern auch Wahrnehmung, Verhalten und Erleben der Betroffenen. In ihrer Welt können Dinge und Ereignisse eine völlig andere Bedeutung haben als für gesunde Menschen. Da sich Betroffene meist nur im Anfangsstadium der Demenz mitteilen können, ist es für Angehörige und Betreuende wichtig, sich in ihre Welt hineinzuversetzen, um sie besser zu verstehen.

Die veränderte Welt der Demenzkranken

Der Schlüssel zu vielen Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz liegt in ihrer Biografie. Einschneidende Erlebnisse, Ängste und Charaktereigenschaften zu kennen, hilft, sie im Krankheitsverlauf besser zu verstehen.

Symptome und Auswirkungen der Demenz

Am Beginn einer Demenzerkrankung steht meist die Schwierigkeit, sich Dinge zu merken. Betroffene können neue Informationen nicht mehr im Langzeitgedächtnis speichern, vergessen Termine, verlegen Gegenstände oder erinnern sich nicht an Namen. Oft bemerken sie ihre Leistungsverluste schneller als andere und fühlen sich durcheinander, gedemütigt und beschämt. Sie versuchen, ihre Vergesslichkeit zu verbergen, indem sie Merkzettel benutzen oder sich in Gesprächen zurückhalten.

Im weiteren Verlauf der Demenz werden sich die Betroffenen ihrer Gedächtnisprobleme immer weniger bewusst, leiden aber weiterhin unter den Folgen, wie dem Verlust von Unabhängigkeit. Zur schwindenden Merkfähigkeit kommt ein fortschreitender Gedächtnisabbau hinzu, wobei auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses verblassen. Dies beeinträchtigt das logische Denken, führt zum Verlust erworbener Fähigkeiten und reduziert das Sprachvermögen.

Verhalten und Erleben von Menschen mit Demenz

In fehlenden Erinnerungen liegt oft der Grund für unverständliches Verhalten. Wer sich nicht mehr an die Person erinnert, die einem aus den Kleidern helfen möchte, empfindet dies als Zumutung und wehrt sich möglicherweise. Mit zunehmenden Gedächtnislücken leidet auch das Denkvermögen. Menschen mit Demenz können einströmende Informationen und Eindrücke immer weniger ordnen oder bewerten. Dies erschwert Entscheidungen und das Lösen von Problemen durch logische Schlussfolgerungen.

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Oft leiden Betroffene unter Dingen, die sie nicht mehr nachvollziehen können. Besucher können die Befürchtung auslösen, dass sie vertraute Angehörige wegnehmen, raschelndes Laub wird als Einbrecher wahrgenommen, und ein knackendes Heizungsrohr wird zu Gewehrschüssen. Die Trauer über den Verlust von Fähigkeiten und Unabhängigkeit wird umso stärker empfunden, da sie ihren Gefühlen nicht mehr mit dem Verstand begegnen können. Das Zurechtfinden in vertrauter Umgebung wird immer schwieriger, Autofahren ist nicht mehr möglich, Telefonieren wird zur Qual, Schlüssel werden verlegt und Bargeld wird nicht mehr gefunden. In dieser Situation sehnen sich die Betroffenen danach, nicht noch mehr Einschränkungen und Verluste zu erleiden.

Nächtliche Unruhe bei Demenz: Ein häufiges Problem

Nächtliche Unruhe ist eine häufige Herausforderung bei Demenz. Das Umherirren in der Wohnung beeinträchtigt nicht nur den Schlaf des Betroffenen, sondern auch den der Angehörigen. Studien zeigen, dass etwa 60 % der Menschen mit Demenz unter verschiedenen Arten von Schlafstörungen leiden, wobei nächtliche Unruhe besonders häufig auftritt. Diese Unruhe kann sich in unterschiedlichen Formen manifestieren, wie etwa nächtliches Umherwandern, lautes Rufen oder ständiges Aufstehen und Hinlegen.

Arten von Schlafstörungen bei Demenz

Demenzkranke leiden häufig unter einer Vielzahl von Schlafstörungen. Die häufigsten sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen, bei denen es den Betroffenen schwerfällt, ein- oder durchzuschlafen. Ein weiteres häufiges Problem ist der fragmentierte Schlaf, bei dem der Schlaf durch häufiges Aufwachen und kurze Schlafepisoden unterbrochen wird. Zudem kann es zu einem veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus kommen, bei dem die Betroffenen nachts wach und tagsüber schläfrig sind.

Ursachen für nächtliche Unruhe

Die Ursachen für nächtliche Unruhe bei Demenz sind vielfältig und komplex. Eine der Hauptursachen ist die Veränderung des Gehirns durch den Abbau von Nervenzellen, der mit der Krankheit einhergeht. Diese Veränderungen stören die sogenannte innere Uhr und beeinträchtigen das Schlaf-Wach-Zentrum im Gehirn. Der natürliche Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht. Der Verlust der zeitlichen Orientierung verstärkt dieses Problem zusätzlich. Menschen mit Demenz verlieren oft das Gefühl für die Tageszeit und können Tag und Nacht nicht mehr richtig unterscheiden.

Auch Medikamente, die zur Behandlung anderer Symptome der Demenz verabreicht werden, können den Schlaf negativ beeinflussen und zu Unruhe führen. Zudem spielen physische Beschwerden wie Schmerzen oder Unwohlsein eine Rolle, die oft nicht erkannt oder behandelt werden.

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Das Sundowning-Syndrom

Als Sundowning-Syndrom oder Sunsetting wird eine Verhaltensänderung bezeichnet, die in den späten Stunden des Nachmittags sowie in der Dämmerung (Abendstunden) einsetzt. Betroffene Demenzkranke zeigen dabei eine zunehmende Getriebenheit, Verwirrtheit sowie sprachliche und motorische Unruhe. Orientierungslosigkeit und Aggressivität können ebenfalls auftreten oder sich zu diesem Zeitpunkt weiter verstärken. Bis zu 45 % der Alzheimer-Patienten leiden unter dem Sundowning-Syndrom. Man geht davon aus, dass es in erster Linie durch Störungen der inneren Uhr ausgelöst wird, welche auf die Degeneration bestimmter Neuronen im Gehirn zurückzuführen sind. Bewegungs- und Aktivitätsmangel, eine zu geringe Tageslichtexposition sowie eine fehlende oder unzureichende Strukturierung des Tagesablaufs können diese Beeinträchtigung des körpereigenen Rhythmus zusätzlich verstärken. Auch die Einnahme von Medikamenten, welche den Betroffenen erst spät am Morgen erwachen lassen oder zu vermehrten Tagesschlafphasen führen, kann die Entstehung des Sundowning-Syndroms begünstigen.

Maßnahmen zur Milderung nächtlicher Unruhe

Es gibt verschiedene Ansätze und Maßnahmen, um die nächtliche Unruhe bei Demenz zu mildern.

Routinen und Schlafumgebung

Eine der effektivsten Methoden ist die Schaffung von Routinen. Eine feste Abendroutine kann helfen, den Körper auf die Nacht vorzubereiten und die innere Uhr zu stabilisieren. Hierzu gehören regelmäßige Schlafenszeiten und beruhigende Aktivitäten wie das Vorlesen oder das Hören von entspannender Musik. Eine optimierte Schlafumgebung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine ruhige und dunkle Umgebung ohne Lärmquellen fördert den Schlaf.

Tageslicht und Aktivität

Regelmäßige körperliche Aktivität während des Tages kann ebenfalls dazu beitragen, die nächtliche Müdigkeit zu steigern und den Schlaf zu verbessern. Dabei sollten die Aktivitäten jedoch an die körperlichen Möglichkeiten des Betroffenen angepasst sein, um Überanstrengung zu vermeiden. Neben der physischen Aktivität ist auch kognitive Stimulation wichtig.

Medikamentöse und natürliche Hilfsmittel

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Arzt kann bei Bedarf beruhigende Medikamente verschreiben, um die nächtliche Unruhe zu mindern.

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  • Beruhigungsmittel (Sedativa): Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine (z.B. Lorazepam) können helfen, die nächtliche Unruhe zu reduzieren und den Schlaf zu fördern. Diese Medikamente wirken, indem sie das zentrale Nervensystem beruhigen.
  • Antipsychotika: Bei schweren Fällen von Unruhe oder aggressivem Verhalten können Antipsychotika wie Risperidon oder Olanzapin verschrieben werden. Diese Medikamente helfen, die psychotischen Symptome wie Verwirrtheit und Halluzinationen zu reduzieren.
  • Antidepressiva: Manche Antidepressiva, wie z.B. Mirtazapin oder Trazodon, haben eine beruhigende Wirkung und können den Schlaf fördern. Sie sind besonders hilfreich, wenn die nächtliche Unruhe mit Angst oder Depression einhergeht.
  • Schlafmittel (Hypnotika): Schlafmittel wie Zolpidem oder Zopiclon können kurzfristig eingesetzt werden, um den Schlaf zu verbessern.
  • Melatonin: Melatonin, ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, kann bei Schlafstörungen hilfreich sein. Es wird oft bei älteren Menschen verwendet, da sie häufig einen Mangel an diesem Hormon haben.

Sanfte Hausmittel können helfen, die nächtliche Unruhe bei Demenz zu lindern und eine ruhige, erholsame Nacht zu fördern.

  • Kräutertees: Kräutertees wie Kamillentee oder Baldriantee haben beruhigende Eigenschaften und können helfen, den Schlaf zu fördern.
  • Aromatherapie: Ätherische Öle wie Lavendel, Melisse oder Kamille können in einem Diffusor verwendet oder auf ein Kissen getropft werden, um eine beruhigende Umgebung zu schaffen.
  • Warme Milch mit Honig: Ein altes Hausmittel gegen Schlafstörungen ist warme Milch mit Honig.
  • Beruhigende Musik: Das Hören von sanfter, beruhigender Musik oder Naturklängen kann eine entspannende Atmosphäre schaffen und dabei helfen, die nächtliche Unruhe zu lindern.
  • Entspannungsübungen: Einfache Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder sanftes Dehnen können helfen, den Körper zu beruhigen und die Schlafbereitschaft zu erhöhen.
  • Gewichtdecken: Schwere Bettdecken, die einen sanften, gleichmäßigen Druck auf den Körper ausüben, können ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
  • Wärmekissen: Ein warmes Kissen oder eine Wärmflasche im Bett kann helfen, den Körper zu entspannen und die Schlafbereitschaft zu fördern.

Es ist wichtig, die Ursachen der Unruhe zu verstehen und individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen. Patienten sollten Medikamente immer in Absprache mit einem Arzt einnehmen, um Nebenwirkungen und Risiken zu minimieren.

Die Rolle von Tagesstruktur und Beschäftigung

Demente Menschen sollten nicht als klassisch „krank“ angesehen werden, denen man alle Arbeiten abnehmen muss. Gerade Menschen mit Demenz brauchen eine Tagesstruktur und eine Beschäftigung, um nachts nicht zum Nachtwanderer zu werden, sondern ruhig schlafen zu können. Werden die Betroffenen am Tage ausreichend gefordert und aktiviert, kann dafür gesorgt werden, dass sie tagsüber nicht mehr und dafür nachts besser und länger schlafen.

Es gibt viele Möglichkeiten, demente Menschen zu beschäftigen. Die Beschäftigungsart ist jedoch auch immer abhängig vom Grad der Demenz:

  • Spaziergänge an der frischen Luft sind sehr gut geeignet. Zum einen sind die Pflegebedürftigen körperlich aktiv und zum anderen wird mit dem Tageslicht die Tageszeit signalisiert.
  • Je ausgelasteter ein Mensch mit Demenz ist, umso eher wird er zur Ruhe kommen. Dazu zählen auch Spiele und Gedächtnistraining. Mittlerweile gibt es viele spezielle Aktivierungs-Spiele, speziell um Menschen mit Demenz zu aktivieren und zu fördern.
  • Demenziell veränderte Frauen können noch in viele Hausarbeiten mit eingebunden werden. Kartoffeln schälen, Staub saugen, Servietten falten, beim Kochen oder Backen helfen. Männer mit Demenz können vielleicht bei technischen Arbeiten mithelfen.

Wichtig ist, herauszufinden, was dem Betroffenen Spaß macht und wo er sich engagieren kann.

Weitere Tipps für eine bessere Nachtruhe

  • Rituale schaffen: Ein fester Abendablauf vermittelt Sicherheit: Tee trinken, Musik hören, eine vertraute Geschichte oder ein Gebet.
  • Licht nutzen: Ein Nachtlicht verhindert dunkle Schatten und kann Ängste lindern.
  • Gefühle statt Logik: Sätze wie „Es ist doch schon spät, leg dich wieder hin“ bringen wenig. Besser ist: „Ich sehe, dass du unruhig bist. Ich bin bei dir.“
  • Sanfte Ablenkung: Fotoalben anschauen, Musik hören oder eine kleine Beschäftigung können Anspannung lösen.
  • Wohlfühlen im Schlafzimmer: Das Schlafzimmer muss gut abgedunkelt sein. Ein kleines Schlaflicht ist wegen der Sturzgefahr in der Nacht aber häufig hilfreich.
  • Trinken und Essen: Der größte Teil der Flüssigkeit sollte bis zu vier Stunden vor dem Schlafengehen konsumiert werden. Bieten Sie dem Pflegebedürftigen vor dem Schlafengehen eine Kleinigkeit aus Fett und Eiweiß an.
  • Aromapflege: Öle wie Lavendel, Benzoe, Zirbelkiefer, Mandarine oder Melisse können als Einreibung, Kissenspray, auf einem Duftstein oder einer Lampe tolle Wirkungen erzielen und haben kaum Nebenwirkungen.
  • Kein Fernsehen vor dem Schlafengehen: Es gibt Hinweise, dass das blaue Licht auf dem Bildschirm die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt.

Unterstützung für pflegende Angehörige

Die Pflege eines demenzkranken Angehörigen, besonders bei nächtlicher Unruhe, kann eine erhebliche Belastung sein.

Entlastungsangebote

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Pflegeunterstützung, die Angehörige entlasten können. Eine wichtige Unterstützung sind ambulante Pflegedienste, die regelmäßige Besuche durchführen und bei der Pflege helfen können. Eine weitere Möglichkeit ist die Inanspruchnahme von Tagespflegeeinrichtungen, in denen Demenzkranke tagsüber betreut werden. Dies gibt den pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich zu erholen oder andere wichtige Aufgaben zu erledigen. Zusätzlich gibt es Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die pflegenden Angehörigen Unterstützung und Austausch bieten.

24-Stunden-Betreuung

Eine besonders effektive Lösung zur Entlastung der Familie ist die 24-Stunden-Betreuung zu Hause. Diese Betreuung bietet zahlreiche Vorteile: Sie ermöglicht eine kontinuierliche Anwesenheit einer geschulten Betreuungsperson, die sofort auf nächtliche Unruhe reagieren kann. Ein großer Vorteil der 24-Stunden-Betreuung ist die individuelle Anpassung der Pflege an die Bedürfnisse des Demenzpatienten, was eine stabile und beruhigende Umgebung fördert. Für pflegende Angehörige bedeutet diese Art der Betreuung eine erhebliche Entlastung, da sie sich nicht mehr rund um die Uhr um die Pflege kümmern müssen und sich so ausreichend ausruhen können.

Selbstfürsorge für Angehörige

Oft schauen wir zuerst auf die Betroffenen - dabei leiden Angehörige mindestens genauso. Nacht für Nacht aufzustehen kostet unendlich viel Kraft. Viele fühlen sich erschöpft, allein gelassen oder schuldig, wenn sie einmal ungeduldig reagieren. Doch Pausen und Hilfe sind kein Zeichen von Schwäche - sondern Selbstfürsorge. Nur wer selbst Kraft hat, kann langfristig für andere da sein. Wenn die Gefahr besteht, dass pflegende Angehörige darunter leiden, dass der demente Mensch Tag und Nacht durcheinander bringt und deshalb selbst nicht mehr richtig schlafen, sollte daran gedacht werden, selbst eine Auszeit zu nehmen. Niemand kann auf Dauer sinnvoll pflegen, wenn ein permanenter Schlafentzug vorherrscht.

Aggressives Verhalten bei Demenz

Menschen mit Demenz verändern häufig ihr Verhalten. Sie können reizbar werden, sich über Kleinigkeiten aufregen oder sich zurückziehen. In manchen Fällen ist die Demenz mit Aggressivität und Wut verbunden. Aggressives und scheinbar bösartiges Verhalten bei Demenz ist ein komplexes und oft missverstandenes Verhaltensmuster, das bei etwa 50 Prozent der Menschen mit Demenz auftreten kann. Hier spielt besonders die Frustration über den kognitiven Abbau sowie äußere Faktoren eine große Rolle.

Ursachen für Aggressionen

Ursachen sind häufig Verwirrung und Frustration, die direkt durch die Erkrankung selbst ausgelöst werden. Das demenzerkrankte Gehirn kann nur noch einen Input, eine Information verarbeiten. Schon ein nebenbei laufender Fernseher, Radio oder Gespräche von mehreren Personen gleichzeitig können zu Unruhe und heftigen Reaktionen der Betroffenen führen. Weitere Ursachen können sein:

  • Schmerzen: Körperliche Schmerzen oder Unwohlsein
  • Zu viele Reize: Umweltfaktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
  • Allgemeiner Stress: Im Alltag von Menschen mit Demenz kommt es immer wieder zu Überforderungssituationen, die Frustration oder Angst auslösen können.

Umgang mit Aggressionen

Für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten ist das so erlebte „aggressive“ Verhalten eine der größten Herausforderungen im täglichen Umgang mit Demenz. Es braucht Zeit, um zu lernen, damit umzugehen. Auf jeden Fall ist es wichtig, in einem ruhigen Tonfall und in kurzen Sätzen zu sprechen. Als betreuende Person sollten Sie sich bewusst machen: Ein „aggressives“ Verhalten ist nie persönlich gemeint, sondern auf die Demenz zurückzuführen.

Umso wichtiger ist es, die Situation genau zu beleuchten: Was ist vor dem aggressiven Verhalten passiert? Denken Sie daran, dass Menschen mit Demenz Situationen anders einschätzen als ihre Mitmenschen. Menschen mit demenziellen Veränderungen können sich manchmal nicht richtig ausdrücken, fühlen sich unverstanden, sind gestresst, verängstigt, frustriert oder überfordert. Hinzu kommt, dass die Ursachen für Aggressionen bei Demenz vielfältig sein können und nicht immer offensichtlich sind.

Lösungsansätze

  • Schmerzmanagement: Sorgen Sie für regelmäßige Untersuchungen auf körperliche Beschwerden und verabreichen Sie bei Bedarf angemessene Schmerzmedikation.
  • Einfühlungsvermögen und Kommunikation: Erklären Sie eine bevorstehende Aktivität behutsam und vergewissern Sie sich, dass die betroffene Person verstanden hat, was geschieht.
  • Sexuelle Enthemmung: Bei aggressivem Verhalten aufgrund sexueller Enthemmung kann ein spezialisierter Therapeut hinzugezogen werden, der eine spezifische Strategie zur Behandlung des Verhaltens entwickelt.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente zur Beruhigung sollten nur unter strenger fachärztlicher Aufsicht eingesetzt werden, da sie Nebenwirkungen haben können. Auch die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten bedarf der genauen ärztlichen Überprüfung. Beobachten Sie bitte, ob verordnete Psychopharmaka die gewünschte Wirkung bei den Patienten zeigen. Gegebenfalls muss die medikamentöse Behandlung verändert werden. Manche Psychopharmaka wirken auch paradox, das heißt sie führen nicht zur Beruhigung, sondern verstärken das aufgeregte Verhalten der Patienten.

Schlafstörungen als Vorbote von Demenz?

Schlafstörungen können ein Vorbote für Alzheimer und Demenz sein. Neu ist die Erkenntnis, dass der beginnende Alzheimer müde machen kann. Das liegt daran, dass wach machende Regionen im Gehirn unter Alzheimer und Demenz leiden.

Arten von Schlafstörungen

  • Insomnie: Nicht einschlafen oder durchschlafen können, also qualitativ schlecht schlafen.
  • Obstruktive Schlafapnoe: Nächtliche Atmungsstörungen. Patienten, die schnarchen und Atemaussetzer haben, die haben zusätzlich einen niedrigen Sauerstoffgehalt.

Schlaf und Alzheimer

Bisher gingen wir davon aus, dass schlechter Schlaf Alzheimer oder Demenzerkrankungen provoziert. Man weiß, dass wenn man nur eine Nacht kürzer als sechs Stunden schläft, man am nächsten Tag eine erhöhte Konzentration von Tau-Proteinen und Beta-Amyloid im Liquor hat. Das bedeutet: Eine Nacht schlechter Schlaf erhöht die Konzentration der pathologischen Eiweiße im Gehirn. Wenn das nicht regelmäßig so ist, gleicht sich das wieder aus.

Die Bedeutung von gutem Schlaf

Wenn man gut schläft, werden diese Eiweiße über die Glymphe im Gehirn in das Lymphsystem geleitet. Dann gehen sie weiter ins Blut und in den Urin. So werden die Schadstoffe aus dem Gehirn ausgeschwemmt und das jede Nacht. Nur weil man nicht mehr der beste Schläfer ist, sollte man sich nicht gleich beim Schlafmediziner melden. Das heißt, wenn ich mal zwei bis drei Monate nicht gut schlafe…

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