Die Alzheimer-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die durch den Verlust kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Form der Demenz und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, doch auch jüngere Menschen können betroffen sein.
Was ist Alzheimer-Demenz?
Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der die geistigen Fähigkeiten nach und nach abnehmen. Mit der Zeit verlieren Betroffene zunehmend ihre Selbstständigkeit und verändern sich in ihrem Verhalten und ihrem Wesen. Im Verlauf der Krankheit lagert sich Eiweiß an den Nervenzellen ab, die deren Kontakt unterbinden. Wegen des fehlenden Austauschs der Nervenzellen kommt es zu den für die Krankheit typischen Gedächtnis-, Orientierungs-, Sprach- sowie Denkstörungen bei den Patientinnen und Patienten. In den meisten Fällen handelt es sich um eine altersbedingte Alzheimererkrankung, nur in seltenen Fällen entsteht diese aufgrund genetischer Faktoren. Der Begriff Demenz stellt den Oberbegriff verschiedener Demenzerkrankungen dar, etwa die Alzheimererkrankung oder die Lewy-Körper-Demenz. Manche Demenzerkrankungen entstehen durch Eiweißablagerungen, die den Kontakt zwischen den Nervenzellen beim Menschen unterbrechen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:
- Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere ab dem 65. Lebensjahr.
- Genetische Veranlagung: In seltenen Fällen kann Alzheimer genetisch vererbt werden. Doch bei nur 3 Prozent der Erkrankungen bildet die genetische Komponente den alleinigen Auslöser.
- Weitere Risikofaktoren: Risikofaktoren für einen Schlaganfall (wie Rauchen) erhöhen auch das Risiko, an Demenz zu erkranken.
Bei Alzheimer-Erkrankten beobachtet man zwischen den Nervenzellen vermehrt harte, unauflösliche Ablagerungen (Plaques). Im Inneren der Zellen wiederum kommt es zu einer chemischen Veränderung der sogenannten Tau-Fibrillen. Sie sind eigentlich wichtig für die Zellstruktur und den Nährstofftransport. Darüber hinaus ist weniger Acetylcholin im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vorhanden.
Symptome der Alzheimer-Demenz
Die Symptome der Alzheimer-Demenz entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich im Laufe der Zeit. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Gedächtnisverlust: Eines der Hauptsymptome einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung ist eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt. Diese Vergesslichkeit äußert sich beispielsweise darin, dass wichtige Termine vergessen, der Herd nicht ausgeschaltet oder der Alltag nur mit Hilfe von Merkzetteln bewältigt werden kann.
- Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.
- Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden.
- Sprachprobleme: Vielen Menschen mit Demenzerkrankungen fällt es schwer, einem Gespräch zu folgen und sich aktiv daran zu beteiligen. Sie verlieren den Faden, verwenden unpassende Füllwörter oder haben Wortfindungsprobleme.
- Orientierungsprobleme: Zunehmende Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und der Verlust alltäglicher Fähigkeiten können erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein.
- Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.
Stadien der Alzheimer-Demenz
Die Krankheit Alzheimer lässt sich anhand der Ausbreitung der Proteinablagerungen im Gehirn und der emotionalen, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen in Stadien einteilen.
- bis 2. Die ersten Ablagerungen bilden sich im Gehirn.
- bis 4. Die Ablagerungen breiten sich weiter aus und betreffen insbesondere den Hippocampus und die Amygdala.
- bis 6. Die letzten Stadien beschreiben die fortgeschrittene Demenz mit Ablagerungen im Frontal-, Parietal- und Temporallappen.
Zusätzlich zu dieser Einteilung kann eine Unterteilung in Stadien stattfinden, die den Verlauf von Alzheimer mit Blick auf die Beeinträchtigungen der Betroffenen beschreiben:
- Leichte kognitive Beeinträchtigung: In diesem Stadium werden die ersten Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses sichtbar (Amnesie).
- Leichtgradige Demenz: Zu den Symptomen gehören die Apraxie, sensorische Aphasie und Agnosie. Hier bemerken die Patientinnen und Patienten zunehmend ihre Beeinträchtigungen. Viele versuchen diese in dieser Phase zu verbergen.
- Mittelschwere Demenz: Die Beeinträchtigungen nehmen stark zu und die Betroffenen können ihrem Alltag nicht mehr ohne Hilfe nachgehen. Neben den Alltagsfähigkeiten lässt das Langzeitgedächtnis nach, wodurch sie sich nicht mehr an ihr Alter oder die Namen von Bezugspersonen erinnern können, ebenso wie die Sprechfähigkeit (motorische Aphasie).
- Schwere Demenz: Im letzten Stadium kommen zusätzlich die Apathie, Bettlägerigkeit, Inkontinenz sowie Inappetenz (fehlender Appetit) zum Krankheitsbild hinzu.
Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt neun Jahre, wovon jedes Stadium circa drei Jahre andauert.
Diagnose der Alzheimer-Demenz
Wenn Sie an sich selbst (oder bei einem Angehörigen) eine zunehmende Vergesslichkeit feststellen, sollten Sie einen Hausarzt aufsuchen. Gegebenenfalls überweist Sie dieser an einen Neurologen, Psychiater oder eine Gedächtnisambulanz. Bei einer solchen Ambulanz handelt es sich um eine auf Hirnleistungsstörungen spezialisierte Abteilung eines Krankenhauses. Dort werden verschiedene Untersuchungen gemacht, um dem Verdacht auf Alzheimer auf den Grund zu gehen. Die Diagnose von Alzheimer ist ein mehrstufiger Prozess, bei dem verschiedene Informationen zusammengeführt werden. Dazu gehören die klinische Untersuchung, neuropsychologische Tests und bildgebende Verfahren oder Biomarker. Kein einzelner Test reicht aus, um die Krankheit sicher zu diagnostizieren.
Die Diagnose umfasst in der Regel:
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- Anamnese: Bei Verdacht auf Alzheimer wird der Arzt sich zuerst ausführlich mit Ihnen unterhalten, um Ihre Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Er befragt Sie zu Ihren Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen. Außerdem erkundigt sich der Arzt nach allen Medikamenten, die Sie einnehmen. Denn manche Präparate können die Hirnleistung beeinträchtigen. Im Gespräch achtet der Arzt auch darauf, wie gut Sie sich konzentrieren können.
- Körperliche Untersuchung: Nach dem Gespräch wird der Arzt Sie routinemäßig untersuchen. Beispielsweise misst er den Blutdruck und prüft die Muskelreflexe und den Pupillenreflex.
- Demenztests: Ein Demenztest hilft dabei, eine mögliche kognitive Störung festzustellen, den Verdacht auf Demenz zu bestätigen und bei Bedarf weitere Untersuchungen einzuleiten. Dabei müssen Sie sich zum Beispiel aus einer Wortliste mit zehn Begriffen möglichst viele merken und wiederholen. Wichtige Demenztests sind der Uhrentest, MMST (Mini Mental Status Test) und der DemTect (Demenz-Detektions-Test).
- Apparative Untersuchungen: Bei deutlichen Anzeichen einer Demenzerkrankung wird das Gehirn des Patienten mittels Magnetresonanztomografie (MRT, auch Kernspintomografie genannt) untersucht. Bei unklarem Befund folgt eine Positronen-Emission-Computertomografie (PET/CT).
- Labortests: Auch anhand von Blut- und Urinproben des Patienten lässt sich herausfinden, ob eine andere Erkrankung als Alzheimer die Demenz verursacht.
Behandlung der Alzheimer-Demenz
Zwar kann die Krankheit Alzheimer bis heute nicht geheilt werden, dennoch stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Linderung der Symptome zur Verfügung. Hierzu gehören Medikamente, die in klinischen Studien dank ihrer Wirkstoffe insbesondere kognitive Beeinträchtigungen verbessern konnten. Darüber hinaus stehen zwei sogenannte monoklonale Antikörper bereit: Donanemab (Kisunla) und Lecanemab (Legembi). Einige Antikörper werden als Infusion verabreicht und greifen gezielt an Strukturen an, die im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Da mit jedem Medikament und dessen Wirkstoffen Risiken wie Nebenwirkungen auftreten können, werden die Patientinnen und Patienten zunächst gründlich diagnostiziert und anschließend von einem Fachärzteteam betreut.
Die Behandlung der Alzheimer-Demenz zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Die Behandlung umfasst in der Regel:
- Medikamentöse Therapie:
- Antidementiva: Bei der medikamentösen Alzheimer-Therapie kommen verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz:
- Sogenannte Cholinesterasehemmer (wie Donepezil oder Rivastigmin) blockieren im Gehirn ein Enzym, das den Nervenbotenstoff Acetylcholin abbaut. Dieser Botenstoff ist entscheidend für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und spielt eine wichtige Rolle bei kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis und Orientierung. Bei Alzheimer-Patienten wird nicht mehr ausreichend Acetylcholin produziert. Dieser Mangel lässt sich in frühen bis mittleren Krankheitsstadien mit Cholinesterasehemmern einige Zeit ausgleichen: Alltagsaktivitäten fallen den Betroffenen dadurch leichter. Zudem bleiben kognitive Fähigkeiten wie Denken, Lernen, Erinnern und Wahrnehmen länger erhalten.
- Bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz wird oft der Wirkstoff Memantin gegeben. Er kann wie Cholinesterasehemmer den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit bei manchen Patienten verzögern. Genauer gesagt verhindert Memantin, dass ein Überschuss des Nervenbotenstoffes Glutamat die Gehirnzellen schädigt. Experten vermuten, dass bei Alzheimer-Patienten ein Glutamat-Überschuss zum Absterben von Nervenzellen beiträgt.
- Extrakte aus Ginkgoblättern (Ginkgo biloba) sollen die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Nervenzellen schützen. Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz können dadurch möglicherweise Alltagsaktivitäten wieder besser bewältigen. In hoher Dosierung scheint Ginkgo auch die Gedächtnisleistung zu verbessern und psychische Beschwerden zu lindern, wie manche Studien zeigen.
- Antikörpertherapie: Die Wirkstoffe Donanemab und Lecanemab sind Antikörpertherapien. Antikörper sind Eiweißstoffe, die gezielt an krankhafte Strukturen binden. Diese Medikamente erkennen die typischen Eiweißablagerungen bei Alzheimer im Gehirn, das Beta‑Amyloid, und helfen dem Körper, sie abzubauen. Dadurch kann der Krankheitsverlauf etwas verlangsamt werden.
- Antidementiva: Bei der medikamentösen Alzheimer-Therapie kommen verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz:
- Nicht-medikamentöse Therapie: Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen sind sehr wichtig bei Alzheimer. Sie können helfen, den Verlust der geistigen Fähigkeiten hinauszuzögern und die Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten.
- So hilft zum Beispiel ein Realitäts-Orientierungs-Training den Patienten, sich räumlich und zeitlich zurechtzufinden. Die räumliche Orientierung wird etwa durch farbige Markierungen verschiedener Wohnräume wie Bad und Küche unterstützt. Die zeitliche Orientierung lässt sich mithilfe von Uhren, Kalendern und Bildern der aktuellen Jahreszeit verbessern.
- Vor allem bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz kann ein kognitives Training sinnvoll sein: Es kann die Lernfähigkeit und das Denkvermögen trainieren. Dazu eignen sich etwa einfache Wortspiele, das Erraten von Begriffen oder das Ergänzen von Reimen oder bekannten Sprichwörtern.
- Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) hilft ein Psychologe oder Psychotherapeut den Patienten, mit psychischen Beschwerden wie Depression besser umzugehen.
- Um die Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte wach zu halten, eignet sich die autobiografische Arbeit: Angehörige oder Betreuer fragen dabei Alzheimer-Patienten gezielt nach ihrem früheren Leben. Dabei können Fotos, Bücher oder persönliche Gegenstände helfen, Erinnerungen wachzurufen.
- Mittels Ergotherapie lassen sich alltägliche Fähigkeiten erhalten und fördern. Alzheimer-Patienten üben zum Beispiel Ankleiden, Kämmen, Kochen und das Aufhängen von Wäsche.
- Weitere nicht-medikamentöse Verfahren, die bei Morbus Alzheimer Anwendung finden, sind zum Beispiel Kunst- und Musiktherapie, Physiotherapie, Berührungstherapie und Massage.
- Unterstützung für Angehörige: Unsere Lotsin bietet Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, die sich mit vielen neuen Herausforderungen und Fragen auseinandersetzen müssen. Sie hilft dabei, den richtigen Anlaufpunkt innerhalb der St. Augustinus Gruppe zu finden, und vermittelt Kontakte zu passenden Angeboten, Beratungsstellen und Unterstützungsdiensten.
Leben mit Alzheimer-Demenz
Alzheimer verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern - doch der Mensch bleibt. Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Kleine Veränderungen im Alltag, Routinen, liebevolle Unterstützung und Geduld helfen dabei, Orientierung zu geben.
Auch wenn Alzheimer vieles verändert, gibt es vieles, was man selbst in der Hand behalten kann. Struktur gibt Halt. Feste Tagesabläufe, wiederkehrende Rituale und vertraute Umgebungen helfen, sich zu orientieren. Bleiben Sie aktiv - auf Ihre Weise. Bewegung, frische Luft, Musik, gemeinsames Kochen oder einfache Handarbeiten können viel Lebensfreude schenken. Es geht nicht um Leistung, sondern um Teilhabe und Freude an vertrauten Tätigkeiten. Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der Austausch mit vertrauten Menschen, mit Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen kann entlasten. Akzeptieren Sie Unterstützung. Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht Schwäche - es bedeutet Stärke. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Jeder Tag ist neu. Nicht jeder wird einfach sein - aber in vielen steckt ein kostbarer Moment: ein Lächeln, ein vertrauter Blick, ein Augenblick der Nähe. Diese Momente zählen.
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