Für viele ältere Menschen ist das eigene Zuhause ein Ort voller Erinnerungen, Sicherheit und Orientierung. Die Diagnose Demenz kann daher zunächst Ängste auslösen, insbesondere die Sorge vor einem Umzug. Glücklicherweise können viele Betroffene, besonders im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit oder anderer Demenzformen, noch jahrelang in ihrer gewohnten Umgebung zurechtkommen. Oftmals benötigen sie lediglich Unterstützung bei Aufgaben, die hohe Konzentration erfordern, wie beispielsweise der Schriftverkehr mit Behörden oder Bankgeschäften. Auch später ist ein Umzug nicht immer notwendig, solange die benötigte Unterstützung gewährleistet ist. Diese Unterstützung kann bedeuten, dass jemand regelmäßig nach dem Rechten sieht, beim Kochen hilft oder "Essen auf Rädern" organisiert. Auch Nachbarn können eine wertvolle Hilfe sein, indem sie an Termine oder das Trinken erinnern.
Finanzielle Unterstützung und Leistungen
Pflegegeld
Menschen mit Demenz, die zu Hause von Angehörigen gepflegt werden und mindestens Pflegegrad 2 haben, haben Anspruch auf Pflegegeld. Dieses wird von der Pflegeversicherung auf das Konto des Pflegebedürftigen oder eines Bevollmächtigten überwiesen und kann frei verwendet werden, beispielsweise als Anerkennung für die Pflegeperson. Der Antrag auf Pflegegeld kann formlos gestellt werden.
Ambulante Betreuungsdienste
Neben der ambulanten Pflege können über die Pflegekassen auch ambulante Betreuungsleistungen abgerechnet werden. Diese werden von ambulanten Pflegediensten oder Betreuungsdiensten erbracht und bieten Unterstützung bei der Gestaltung des Alltags, im Haushalt sowie bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und Fähigkeiten.
Die Finanzierung erfolgt primär über Entlastungsleistungen in Höhe von 131 Euro monatlich. Reicht dieser Betrag nicht aus, können bis zu 40 Prozent der Sachleistungen des jeweiligen Pflegegrades für Betreuungsleistungen verwendet werden. Dies muss der Pflegekasse vorab schriftlich mitgeteilt werden, da sich dadurch das Pflegegeld oder die Sachleistung für die Pflege reduzieren.
Die Leistungen der häuslichen Betreuung und Haushaltsführung müssen unter der Leitung einer verantwortlichen Fachkraft erfolgen, die jedoch keine Pflegefachkraft sein muss. Geeignet sind qualifizierte Fachkräfte mit zweijähriger Berufserfahrung im erlernten Beruf, vorzugsweise aus dem Gesundheits- und Sozialbereich.
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Betreuungsangebote und soziale Kontakte
Betreuungsgruppen
Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie, regionale Alzheimer Gesellschaften, Mehrgenerationenhäuser und andere Organisationen bieten in vielen Städten und Gemeinden Gruppenbetreuungen für Menschen mit Demenz an. Diese Treffen ermöglichen es den Betroffenen, gemeinsam schöne Stunden zu verbringen, was besonders im frühen und mittleren Stadium der Demenz empfehlenswert ist. Geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer passen die Aktivitäten an die Wünsche und Vorlieben der Teilnehmenden an.
Angeboten werden beispielsweise Spielnachmittage, Gesangskreise, Gesprächsrunden, Kaffeekränzchen oder Bastelkreise, die auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit Demenz abgestimmt sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Treffen wird hier nicht erwartet, dass die Teilnehmenden langen Gesprächen folgen oder sich Details merken. Sie dürfen ganz sie selbst sein. Häufig werden Kaffee und Kuchen oder ein Mittagessen angeboten.
Da Bewegung auch für Menschen mit Demenz wichtig ist, bieten Vereine zunehmend Sportangebote für Betroffene an. Die Trainerinnen und Trainer sowie Betreuende sind entsprechend geschult.
Ehrenamtliche Hilfe
Menschen mit fortgeschrittener Demenz benötigen nicht nur Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen wie Essen oder Ankleiden, sondern auch soziale Kontakte, Beschäftigung und Bewegung. Professionelle Pflegekräfte können diese Leistungen oft nicht "nebenbei" erbringen. Angehörige können hier beispielsweise über einen Pflegedienst vertraglich vereinbaren oder ehrenamtliche Besuchs- oder Begleitdienste nutzen.
Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sollen und dürfen allerdings nicht zur klassischen Pflege herangezogen werden. Sie erbringen keine pflegerischen oder hauswirtschaftlichen Leistungen, sondern übernehmen andere wichtige Tätigkeiten. In der Betreuung von Menschen mit Demenz kommt es darauf an, im richtigen Maß aktivierend deren Fähigkeiten zu fordern und zu fördern und so auch den sozialen, seelischen und kognitiven Bedürfnissen gerecht zu werden. Solche "niedrigschwelligen Angebote" fördern nachweislich die Zufriedenheit der Betroffenen.
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Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer werden oft von den freien Trägern der Altenpflege eingesetzt, aber auch Gemeinden oder Kirchen vermitteln Ehrenamtliche. Dabei ist zu beachten, dass die Dienstleistungen von Ehrenamtlichen selten kostenlos sind, da die vermittelnden Institutionen die Dienste planen und die Mitarbeitenden schulen müssen.
Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe
In fast allen Bundesländern gibt es Regelungen zur Nachbarschaftshilfe, die jedoch je nach Bundesland unterschiedlich ausgestaltet sind. Die gesetzlichen Grundlagen, die Anzahl der betreuten Personen und die Höhe der Vergütung können variieren. Angehörige sollten sich daher über die Regelungen für ihr Bundesland informieren.
Grundsätzlich kann für die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe eine monatliche Aufwandsentschädigung bis zu 131 € bezahlt werden, sofern ein Pflegegrad vorliegt. Ist diese Leistung zur Unterstützung im Alltag nach Landesrecht anerkannt, kann sie im Rahmen der niedrigschwelligen Entlastungsleistungen von den Pflegekassen finanziert werden.
Ambulante Pflege
Ambulanter Pflegedienst
Professionelle ambulante Hilfe ermöglicht es alleinlebenden Menschen mit Demenz, länger zu Hause zu bleiben und pflegende Angehörige zu entlasten. Dadurch gewinnen Angehörige Zeit für berufliche Tätigkeiten, Einkäufe oder Erholung. Um die Pflegesachleistungen zu erhalten, muss die Pflegekraft bei einem Vertragspartner der Pflegekasse angestellt sein. Dies sind in der Regel private Pflegedienste, aber auch Pflegedienste von Wohlfahrtsverbänden wie AWO, Diakonie, DRK oder Caritas.
Es empfiehlt sich, zuerst einen Pflegedienst auszusuchen und dann den Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Viele Dienstleister helfen kostenlos beim Ausfüllen des Antrags. Auch Pflegestützpunkte und andere unabhängige Beratungsstellen helfen bei der Antragstellung und Vermittlung von Pflegediensten. Angehörige sollten sich ein Bild von den Angeboten vor Ort machen und diese vergleichen.
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Pflegedienste sind selten auf Menschen mit Demenz spezialisiert, sondern bieten allgemeine Leistungen der Altenpflege an. Alzheimer und andere Formen der Demenz erfordern aber besondere Kenntnisse und Fähigkeiten.
Tipps für die Auswahl eines ambulanten Pflegedienstes
- Gespräche mit Nachbarn und Bekannten können erste Anhaltspunkte liefern.
- Selbsthilfegruppen oder die Alzheimer Gesellschaft können ebenfalls Empfehlungen aussprechen.
- Termine bei Pflegediensten vor Ort vereinbaren, um über den Pflegeansatz zu sprechen und praktische Fragen zu klären.
Achten Sie auf Folgendes:
- Verfügt der Dienstleister über ein schriftliches Konzept, in dem er seinen Pflegeansatz darlegt?
- Geht der Dienstleister darin auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ein?
- Gibt es Fachkräfte, die speziell für die Pflege von Menschen mit Demenz ausgebildet beziehungsweise geschult sind?
- Gewährleistet der Dienstleister, dass sich eine begrenzte Zahl von Pflegekräften abwechselt?
- Erscheint die Pflegekraft in einem vereinbarten Zeitfenster von etwa einer halben Stunde?
- Geht der Dienstleister auf Ihre Wünsche ein, falls Sie nur bestimmte "Verrichtungen des täglichen Lebens" abgeben möchten?
- Bietet der Dienstleister eine 24-Stunden-Bereitschaft für Notfälle?
- Organisiert der Dienstleister eventuell eine Betreuungsgruppe?
- Bietet der Dienstleister Ihnen die Hilfe von Ehrenamtlichen an, die Sie entlasten können?
- Arbeitet der Pflegedienst mit Einrichtungen der Tagespflege oder kurzzeitigen Pflege zusammen, sodass im Notfall rasch teilstationäre Hilfen zur Verfügung stehen?
- Kooperiert der Pflegedienst mit einem Anbieter professioneller Sterbebegleitung, beispielsweise einer Hospizinitiative?
Grenzen ambulanter Pflege
Fragen Sie Pflegedienste auch, wo sie die Grenze ihrer Hilfe ziehen. Die Pflege mancher Menschen mit Demenz ist so anspruchsvoll, dass selbst Fachkräfte nicht mehr ausreichend unterstützen können. Das kann beispielsweise passieren, wenn Betroffene stark verhaltensauffällig werden und sich oder andere gefährden. In solchen Fällen kann es für alle Beteiligten besser sein, sich rechtzeitig nach einem guten Pflegeheim umzusehen.
Finanzierung
Die Kosten übernehmen bis zu einem festgelegten Betrag (Pflegesachleistungen), welcher vom Pflegegrad abhängig ist, die Pflegeversicherungen. Wenn der Betrag der Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Leistungen des Pflegedienstes zu bezahlen, muss der Restbetrag aus eigenen Mitteln finanziert werden oder es kann beim zuständigen Sozialamt ein Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ (SGB XII) gestellt werden.
Erfolgt die Pflege durch einen Pflegedienst und einen Angehörigen, können Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden.
Tipps für den Alltag mit Demenz
Das Leben mit einer Demenz-Erkrankung bringt viele Veränderungen und neue Herausforderungen mit sich. Es erfordert immer wieder neue Lösungen, wenn die Krankheit fortschreitet. Die folgenden Strategien können dabei helfen, den Alltag zu erleichtern:
- Gedächtnistraining: Gedächtnistraining kann frustrierend sein, wenn man trotz Anstrengung wichtige Dinge nicht behalten kann.
- Entrümpelung: Gemeinsam überlegen, auf welche Dinge verzichtet werden kann, um die Wohnung übersichtlicher zu gestalten.
- Kleiderschrank: Nicht mehr passende oder gefallende Kleidungsstücke aussortieren und nur saisonal passende Kleidung im Schrank lassen.
- Beschriftungen: Schränke und Schubladen mit Beschriftungen oder Bildern versehen, um den Alltag übersichtlicher zu gestalten.
- Sicherheitsvorkehrungen: Kärtchen mit Adresse und Telefonnummer in der Tasche oder in der Kleidung anbringen, um das Auffinden bei Orientierungslosigkeit zu erleichtern. In manchen Fällen kann auch ein GPS-Ortungssystem hilfreich sein.
- Verständniskärtchen: In der Öffentlichkeit können sogenannte "Verständniskärtchen" hilfreich sein, die ohne lange Erklärungen über die Krankheit informieren.
- Notfallplan: Einen Plan für den Notfall erstellen, mit wichtigen Telefonnummern und Informationen zu Medikamenten, Vorsorge- und Patientenverfügung.
- Selbstbestimmung: So viel Selbstständigkeit und Autonomie wie möglich überlassen. Beteiligung an Gesprächen, Familie und Haushalt.
- Überforderung vermeiden: In akuten Situationen der Überforderung kurzfristige Distanz oder Bewegung nutzen, um sich zu sammeln und zu deeskalieren.
- Gefahrenquellen beseitigen: Teppiche sichern, Stolperfallen beseitigen, Badezimmer umbauen (Haltegriffe anbringen), Herdabschaltautomatiken, Notknöpfe, Steckdosensicherungen installieren.
- Hektik vermeiden: Situationen vermeiden, die hektisch werden können. Dinge in Ruhe stattfinden lassen. Hintergrundgeräusche reduzieren.
- Aktivitäten: Aktivitäten, die Spaß machen, gemeinsam ausüben. Lieblingsmusik hören, alte Lieder singen, Fotoalben anschauen.
- Routinen: Tagesstrukturen und vertraute Abläufe beibehalten, aber auch auf die sich ändernden Bedürfnisse des Betroffenen eingehen.
- Bedürfnisse erkennen: Auf Gefühle und körperlichen Ausdruck des Betroffenen achten, um Wohlfühlmomente zu erkennen und Unwohlsein zu vermeiden.
Leben mit Demenz: Perspektiven und Unterstützung
Das Leben mit Demenz bringt immer neue Herausforderungen mit sich, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, das Leben positiv zu gestalten und Unterstützung zu finden.
Viele Menschen mit Demenz sprechen öffentlich über ihre Diagnose, um für mehr Verständnis zu werben und Mut zu machen. Auch für Angehörige bedeutet die Diagnose einer Demenz, dass sich ihr Leben verändert. Sie müssen immer mehr unterstützende Aufgaben übernehmen und ihr Leben entsprechend organisieren. Es ist wichtig, sich frühzeitig Unterstützung zu suchen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
Die Pflegeversicherung sichert seit 1994 einen Teil der Risiken bzw. Folgen der Pflegebedürftigkeit ab. Mit einer grundlegenden Reform wurde 2016 die Definition der Pflegebedürftigkeit dahingehend verändert, dass nicht mehr ausschließlich körperlich bedingte Einschränkungen ausschlaggebend sind. Geistig und psychisch bedingte Einschränkungen der Selbstständigkeit werden nun bei der Einschätzung eines Pflegebedarfs gleichrangig berücksichtigt.
Kann eine Person krankheitsbedingt die eigenen rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbstständig erledigen, bestellt das Gericht eine andere Person, die stellvertretend Entscheidungen treffen kann. Für die erkrankte Person wird eine sogenannte „rechtliche Betreuung“ eingerichtet. Vorrangig sollen nahe Angehörige die rechtliche Betreuung übernehmen.
Ernährung bei Demenz
Wer mit Alzheimer oder einer anderen Demenzform lebt, bekommt nicht nur Gedächtnisprobleme - häufig lässt auch der Geschmackssinn nach und das Gefühl von Hunger sowie Durst geht verloren. Um körperliche Schwäche und eine ernährungsbedingte Verschlechterung der Demenz zu vermeiden, sollten sich Menschen mit Demenz ausgewogen ernähren und ausreichend trinken. Feste Essenszeiten können dabei helfen.
Gesunde Ernährung
Im Alter benötigen wir weniger Energie, aber unser Bedarf an Nährstoffen bleibt gleich. Auch Menschen mit Demenz sollten sich also möglichst abwechslungsreich ernähren. Gut sind zum Beispiel Brot, Kartoffeln, Reis, Obst und Gemüse, Fisch, etwas Fleisch, Eier, Joghurt, Milch oder Käse. Gelegentlich ein Glas Wein oder ein Glas Bier ist ebenfalls erlaubt. Zwischen den Mahlzeiten können reichhaltige Obstsäfte die Ernährung ergänzen.
Wenn die Betroffenen sehr unruhig und angespannt sind oder viel umherwandern, dann benötigt ihr Körper mehr Energie als sonst. In diesem Fall können Sie die Bratensoße ruhig mit Sahne anreichern oder ihnen einen fettreicheren Käse anbieten.
Zum Essen verlockende Zubereitungsweisen
Vielen Menschen mit Demenz schmeckt nichts mehr, nicht einmal ihr Lieblingsgericht. Sie haben nur noch Lust auf Süßes. Das liegt daran, dass ihr Geschmackssinn aufgrund der Demenz abstumpft und sie alle anderen Geschmacksrichtungen (außer der süßen) immer schlechter schmecken können. Oft vergeht ihnen dadurch ganz die Lust am Essen.
Dagegen hilft zum einen Bewegung. Gemeint sind beispielsweise regelmäßige Spaziergänge vor dem Essen, um den Appetit anzuregen. Zum anderen kann auch die Zubereitungsart ihren Appetit steigern: Beteiligen Sie Menschen mit Demenz an der Nahrungszubereitung. Während sie beim Schnippeln von Obst oder Gemüse helfen, oder Ihnen auch nur beim Kochen und Backen zuschauen, können ihnen bereits verführerische Düfte in die Nase steigen.
Speisen für Menschen mit Demenz sollte man intensiver würzen und unter Umständen auch mit aromatischen Ölen und Fetten anreichern. Grundsätzlich scheint vielen von ihnen die deftige Hausmannkost, die sie aus ihrer Kindheit kennen, besser zu schmecken als die bei Jüngeren oft so beliebte internationale Küche. Zudem kann man aus der Not eine Tugend machen und ihre Vorliebe für Süßes beim Kochen einfach berücksichtigen.
Appetit anregende Darreichungsformen
Auch das Auge isst mit: Wenn die Kost aufgrund von Schluckbeschwerden passiert werden muss, sollte man keinesfalls alle Bestandteile zu einem undefinierbaren graubraunen Püree verarbeiten. Es ist erheblich ansprechender, wenn Fleisch und Beilagen, wie zum Beispiel Kartoffeln, Brokkoli und Karotten, einzeln auf dem Teller angerichtet werden. Es hilft Menschen mit Demenz auch, das Speisenangebot anhand der Farben zu erkennen. Außerdem können kleine, hübsch angerichtete Portionen sie eher zum Probieren und Essen animieren als riesige, mit Bergen von Fleisch und Gemüse überhäufte Teller.
(K)ein Hoch auf die Geselligkeit?
Ob Menschen mit Demenz in größerer Runde oder aber alleine besser essen, hängt sowohl von der Schwere ihrer Demenzform als auch von ihrer Persönlichkeit ab. Geselligen Personen schmeckt es meist bis zu einer späteren Phase der Demenz besser, wenn sie gemeinsam mit anderen essen. Probieren Sie aus, ob sie darüber hinaus noch Freude an Restaurant- und Café-Besuchen haben und es genießen, dabei fremde Menschen zu treffen oder zu beobachten.
Introvertierte Personen und Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz können von Umgebungsgeräuschen schnell gestresst sein. Dadurch werden sie vom eigenen Kauen und Schlucken oftmals abgelenkt. Es kann sich um Hintergrundlärm handeln, zum Beispiel vom Straßenverkehr. Auch ein Tellerklappern beim Abräumen kann bereits Einfluss zeigen. Ebenso können es Gespräche oder Essgeräusche anderer Personen sein. Den Betroffenen sollte man es ermöglichen, ihre Mahlzeiten ungestört in ruhiger Umgebung zu sich zu nehmen.
Kleine Appetitanreger
Es fördert den Appetit, wenn Sie kleine Schälchen mit Obst-, Gemüse- oder Schokoladenstückchen in der Wohnung verteilen. Viele Menschen mit Demenz lassen sich durch solche unaufdringlichen Angebote gerne dazu verführen, zusätzlich zu den regulären Mahlzeiten Vitamine und Nährstoffe zu sich zu nehmen.
Feste Essenszeiten
Um zu verhindern, dass Menschen mit Demenz das Essen einfach vergessen, sollten Sie feste Essenszeiten einhalten. Die für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot vorgesehenen Zeiten können Sie in eine Art Stundenplan eintragen. Solch eine Übersicht hilft zumindest Betroffenen, die noch lesen können, ihre Tage zu strukturieren und das Essen nicht zu vergessen. Vor allem für alleine lebende Menschen mit Demenz kann auch Unterstützung von außen hilfreich sein.
Ausreichend trinken
Menschen mit Demenz haben oft ein vermindertes Durstgefühl, sie trinken zu wenig und trocknen aus. Achten Sie deshalb darauf, dass sie täglich mindestens 1,5 Liter trinken. Das entspricht etwa acht großen oder zehn kleinen Tassen Wasser, Saft oder Tee. Um Menschen mit Demenz ans Trinken zu erinnern, können Sie an verschiedenen Stellen in der Wohnung Flaschen aufstellen, aus denen sie sich den ganzen Tag über bedienen können. Man kann das Trinken auch dadurch attraktiver machen, dass man ihnen süßere oder doch wenigstens buntere Getränke anbietet - also beispielsweise leuchtend rote Früchte-, und gelbgrüne Kräutertees, Saftschorlen oder Malzbier statt des farblosen und kalorienärmeren Wassers.
Nahrungsverweigerung
Im Laufe einer Demenz kann es aus unterschiedlichen Gründen zur Nahrungsverweigerung kommen. Zum einen können Zahnschmerzen, eine schlecht sitzende Zahnprothese oder Entzündungen im Mund-Rachen-Raum dazu führen, dass das Essen abgelehnt wird. Außerdem kommt es in der späteren Phase der Demenz aufgrund des verlangsamten Schließens des Kehldeckels beim Essen immer mal wieder dazu, dass sich der Mensch mit Demenz verschluckt.
Sobald derartige Schluckbeschwerden auftreten, sollten Sie vom behandelnden Arzt beziehungsweise behandelnden Ärztin eine logopädische Behandlung verordnen lassen. Bei einem solchen Schlucktraining wird die richtige Haltung beim Essen und Trinken und das Konzentrieren auf den Kau- und Schluckvorgang geübt. Zudem wird Angehörigen vermittelt, dass man die Nahrungsaufnahme durch verschiedene Formen angedickter Nahrung sowohl verbessern als auch erleichtern kann.
Auf Zwang verzichten
Zwingen Sie bitte niemals einen Menschen mit Demenz zum Essen! Lebensmittel und Getränke sollten immer wieder ohne Druck angeboten werden. Ob und wann eine künstliche Ernährung, eine PEG-Magensonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) sinnvoll ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Bei der Entscheidung dafür oder dagegen ist der mutmaßliche Wille des Menschen mit Demenz zu beachten.
Einführen einer individuellen Tischkultur
In der fortgeschrittenen Phase der Demenz können manche Betroffene nicht mehr mit Messer und Gabel umgehen und führen deshalb die Nahrung mit den Händen zum Mund. Das eigenständige Essen hat unbedingt Vorrang vor Sauberkeit und allgemeinen Verhaltensregeln am Tisch. Daher sollten dann möglichst viele Mahlzeiten in Form von „Fingerfood“ beziehungsweise kleinen Häppchen angeboten werden.
Auch vergessen manche Menschen mit Demenz, wofür sie welches Besteck benutzen sollten. Um zu verhindern, dass sie beispielsweise vergeblich versuchen, mit dem Messer die Suppe zu essen, sollte nur das Besteck aufgedeckt werden, dass für die jeweilige Mahlzeit benötigt wird. Zusätzlich ist es leichter, wenn immer nur ein Teller mit Essen auf dem Tisch steht. Ein vollgestelltes Tablett oder ein vollgestellter Essensplatz mit Vorspeise, Hauptgericht, Salat und Dessert überfordert manche Betroffene und kann zu ungewollten Situationen führen.
Horten von Nahrungsmitteln
Manche Menschen mit Demenz beginnen, Essen für Notzeiten zu horten. In vielen Fällen kann man versuchen, das Sammeln als solches dadurch zu kontrollieren, dass eine Absprache getroffen wird: Die Betroffenen dürfen horten, aber einmal in der Woche wird gemeinsam kontrolliert, ob die zusammengetragenen Lebensmittel noch genießbar sind. Es ist dabei aber wichtig, Vertrocknetes, Verfaultes oder Verschimmeltes nicht einfach wegzuwerfen, sondern durch etwas Frisches zu ersetzen.
Praxistipps für die Pflege bei Demenz
Die Pflege bei Demenz ist eine Herausforderung, sowohl für Erkrankte als auch für Angehörige.
1. Informieren Sie sich über die Erkrankung
Als Angehöriger informieren Sie sich bestenfalls direkt nach Diagnosestellung über die Erkrankung und den Umgang damit. Das bedeutet, deren Phasen, Symptome sowie Verhaltensweisen zu verstehen und ihnen begegnen zu lernen, um darauf vorbereitet zu sein. Es bedeutet auch, Anlaufstellen zu kennen, zu wissen, mit welcher Hilfe im persönlichen Kreis gerechnet werden kann, welche Hilfsmittel es gibt und welche finanziellen Möglichkeiten in Anspruch genommen werden können.
2. Frühzeitige Organisation der Pflege
Die Pflege bei Demenz benötigt verlässliche Pflegepersonen. Ein wichtiger Aspekt ist deshalb, für ausreichend Unterstützung zu sorgen. Auszeiten können auf unterschiedlichen Ebenen realisiert werden. So haben Sie ein Anrecht auf Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege, die ambulant oder stationär wahrgenommen werden kann. Auch Freunde und Verwandte können Unterstützung leisten - entweder, indem sie Ihnen direkte Auszeiten ermöglichen, oder indem sie Sie indirekt durch Hilfsdienste wie Kochen oder Besorgungen entlasten.
In Selbsthilfegruppen können Sie sich mit anderen Angehörigen austauschen und erhalten das Gefühl, dass Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine sind. Häufig bekommen Sie hier auch praktische Pflegetipps.
3. Unterwegs mit Demenz
Auch Demenzkranke und ihre Angehörigen möchten sich außerhalb des eigenen Wohnbereichs bewegen können. Dabei sind Pflegende oft in Sorge, ob und unter welchen Bedingungen dies möglich ist. Bei Ausflügen oder Spaziergängen sollten Sie auf vertraute Strecken und Umgebung achten, denn Veränderungen können Betroffene irritieren. Vermeiden Sie laute, volle oder anderweitig überreizende Orte, da sie Erkrankte schnell überfordern können.
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