Alzheimer: Die sieben Warnzeichen erkennen und richtig handeln

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Gehirn betrifft und zu einem schleichenden Verlust von Gedächtnis, Denkvermögen und Alltagskompetenzen führt. In Deutschland leben derzeit 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Demenz die häufigste Form darstellt. Eine frühe Erkennung ist entscheidend, um mit einer Therapie die Symptome und das Fortschreiten der Krankheit zu mildern und die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

Frühzeitige Erkennung: Warum sie so wichtig ist

Es ist wichtig, die Warnzeichen einer möglichen Demenz- und Alzheimer-Erkrankung ernst zu nehmen. Frühzeitige therapeutische Maßnahmen können dazu beitragen, Symptome und Verlauf der Krankheit zu mildern. Die selbstständige Bewältigung des Alltags ist so länger möglich und die Lebensqualität höher.

Warnzeichen erkennen: Was sind die Alarmsignale?

Die Unterscheidung zwischen normaler altersbedingter Vergesslichkeit und den ersten Anzeichen einer Demenz kann schwierig sein. Es gibt jedoch bestimmte Symptome, die auf eine beginnende Alzheimer-Erkrankung hindeuten können. Das amerikanische National Institute on Aging hat sieben Warnzeichen formuliert, die auf eine beginnende Alzheimer-Demenz hinweisen können:

  1. Wiederholtes Stellen derselben Frage: Der Betroffene wiederholt immer wieder die gleiche Frage, obwohl er bereits eine Antwort erhalten hat.
  2. Wiederholtes Erzählen derselben Geschichte: Der Betroffene erzählt immer wieder die gleiche kurze Geschichte, ohne sich dessen bewusst zu sein.
  3. Vergessen alltäglicher Tätigkeiten: Der Betroffene weiß nicht mehr, wie bestimmte alltägliche Tätigkeiten wie Kochen oder Kartenspielen ablaufen. Der Patient kommt z.B. auch mit der Handhabung einer TV-Fernbedienung nicht mehr zurecht.
  4. Probleme mit dem Umgang mit Geld: Der Betroffene hat den sicheren Umgang mit Geld, Überweisungen, Rechnungen und Ähnlichem verloren.
  5. Verlegen von Gegenständen an ungewöhnlichen Orten: Der Betroffene findet viele Gegenstände nicht mehr oder er legt sie an sehr ungewöhnliche Plätze (unabsichtliches Verstecken) und verdächtigt andere Personen, den vermissten Gegenstand weggenommen zu haben. Aufmerksam werden sollte man etwa, wenn verlegte Alltagsgegenstände an ungewöhnlichen Orten aufgefunden werden, zum Beispiel der Schlüssel im Kühlschrank.
  6. Vernachlässigung des Äußeren: Der Betroffene vernachlässigt anhaltend sein Äußeres, bestreitet dies aber.
  7. Wiederholung der Frage als Antwort: Der Betroffene antwortet auf Fragen, indem er die ihm gestellte Frage wiederholt.

Weitere Anzeichen können sein:

  • Gedächtnisverlust: Insbesondere das Vergessen von kürzlich erlernten Informationen oder wichtigen Daten und Ereignissen.
  • Schwierigkeiten bei der Planung und Problemlösung: Beeinträchtigte Fähigkeit, einen Plan zu entwickeln und auszuführen oder mit Zahlen zu arbeiten. Sie können Probleme haben, den Anleitungen eines bekannten Rezepts zu folgen oder den Überblick über die monatlichen Rechnungen zu behalten.
  • Schwierigkeiten bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben: Probleme mit der Durchführung alltäglicher Aufgaben zu Hause, bei der Arbeit oder in der Freizeit.
  • Verwirrung bezüglich Zeit und Ort: Menschen mit Alzheimer verlieren den Bezug zu Daten, Jahreszeiten und dem Zeitverlauf. Sie können Probleme haben, Dinge zu verstehen, die nicht im gegenwärtigen Moment geschehen.
  • Sehprobleme: Schwierigkeiten beim Lesen, Einschätzen von Entfernungen und bei der Bestimmung von Farben oder Kontrast. In Bezug auf die Wahrnehmung können sie an einem Spiegel vorbeigehen und denken, dass sich eine andere Person im Raum befindet.
  • Sprachprobleme: Schwierigkeiten, einer Unterhaltung zu folgen oder daran teilzunehmen. Sie können mitten in der Unterhaltung aufhören zu sprechen und nicht wissen, wie sie fortfahren sollen, oder sie wiederholen sich. Sie können Probleme mit dem Vokabular haben oder das richtige Wort zu finden oder sie bezeichnen Dinge mit dem falschen Namen.
  • Verlust von Gegenständen: Personen mit der Alzheimer-Krankheit können Gegenstände auf ungewöhnlichen Plätzen ablegen. Sie können Dinge verlieren und sind nicht in der Lage, die Schritte nachzuvollziehen, um sie wieder aufzufinden. Manchmal bezichtigen sie andere des Diebstahls.
  • Vermindertes Urteilsvermögen: Menschen mit Alzheimer erleiden Veränderungen des Urteilsvermögens oder beim Treffen von Entscheidungen. Zum Beispiel zeigen sie ein schlechtes Urteilsvermögen beim Umgang mit Geld, geben große Beträge bei Teleshops aus.
  • Sozialer Rückzug: Personen mit Alzheimer können sich von Hobbys, sozialen Aktivitäten, Arbeitsprojekten oder sportlichen Aktivitäten zurückziehen. Sie können Schwierigkeiten haben, bei ihrer Lieblingsmannschaft auf dem Laufenden zu sein oder sie vergessen, wie man ein bevorzugtes Hobby ausführt.
  • Veränderungen in Stimmung und Persönlichkeit: Die Stimmung und Charakter von Menschen mit Alzheimer kann sich verändern. Sie können verwirrt, misstrauisch, depressiv, ängstlich oder unruhig sein. Sie können zu Hause, am Arbeitsplatz, mit Freunden oder an Orten, an denen sie sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung befinden, leicht aus der Fassung geraten. Auch Persönlichkeitsveränderungen wie zunehmendes Misstrauen, Ängstlichkeit bis hin zu Wahngedanken - dass beispielsweise die Angehörigen oder Nachbarn Dinge verlegen oder etwas im Schilde führen - können Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Anzeichen nicht zwangsläufig auf Alzheimer hindeuten müssen. Sie können auch andere Ursachen haben. Dennoch sollten sie ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn sie gehäuft auftreten oder sich im Laufe der Zeit verschlimmern.

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Der Weg zur Diagnose: Was passiert beim Arzt?

Wenn Sie oder Angehörige Warnzeichen einer möglichen Alzheimer-Erkrankung bemerken, ist der erste Ansprechpartner die Hausärztin oder der Hausarzt. Häufig seien es Angehörige, die Patienten in der Arztpraxis vorstellen, da die Betroffenen selbst erste Krankheitszeichen häufig nicht erkennen oder wahrhaben wollen, berichtet die Expertin. Die sorgfältige Diagnose umfasst die gründliche Untersuchung sowohl des körperlichen als auch des geistigen Zustandes.

Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt wird Sie oder Ihre Angehörigen ausführlich nach der Krankengeschichte und den beobachteten Symptomen befragen.
  • Körperliche Untersuchung: Um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Neurologische Untersuchung: Zur Überprüfung von Reflexen, Koordination und anderen neurologischen Funktionen.
  • Kognitive Tests: Verschiedene Tests zur Überprüfung des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit, der Sprache und anderer kognitiver Fähigkeiten. Ein Beispiel eines gängigen Testverfahrens ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Er hat sich als zuverlässiges Hilfsmittel zur Erstbeurteilung eines Patienten oder einer Patientin und zur Kontrolle des Verlaufs erwiesen. Zur Beurteilung des Erinnerungsvermögens kann Ihr zu Pflegender einen Selbsttest vornehmen. Ein solcher Test wurde beispielsweise von der Gedächtnisambulanz der Neurologischen Universitätsklinik des Allgemeinen Krankenhauses Wien entwickelt. Aussagekräftig ist auch der Uhrentest. Der Patient zeichnet ein Ziffernblatt und stellt darin eine bestimmte Uhrzeit dar.
  • Laboruntersuchungen: Zur Überprüfung von Blutwerten und anderen Parametern, um andere Erkrankungen auszuschließen. Neben körperlichen und geistigen Untersuchungen dienen Laborbestimmungen und bildgebende Verfahren dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Die für eine Alzheimer-Demenz typischen krankhaften Eiweiße im Gehirn können durch eine Nervenwasserentnahme (Lumbalpunktion) nachgewiesen werden.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT), Kernspintomografie (MRT) oder Positronenemissionstomografie (PET) eingesetzt werden, um Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen. So ist bei der Alzheimer-Demenz häufig das Hirnvolumen in bestimmten Bereichen vermindert und es kommt zu einer Verminderung von Durchblutung und Stoffwechsel (1). Diese Veränderungen lassen sich häufig mit modernen Untersuchungsverfahren wie Computertomografie, Kernspintomografie oder der Positronenemissionstomografie erkennen.

Es gibt standardisierte Tests, mit denen der Arzt die Leistungsfähigkeit des Gehirns beurteilen und eine erste Diagnose stellen kann. Sehr häufig wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) durchgeführt. Die Patienten müssen Worte behalten, rechnen, zeichnen und einfache Anweisungen befolgen.

Die sieben Stadien der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit verschlimmert sich mit der Zeit. Die Stufen unten geben einen Überblick, wie sich Fähigkeiten während des Verlaufs der Krankheit verändern. Die Symptome von Alzheimer können stark variieren. Die siebenstufige Skala basiert auf einem System, das von Barry Reisberg, M.D., Klinik-Direktor der New York University School of Medicine's Silberstein Aging and Dementia Research Center, entwickelt wurde. Die sieben Stadien, die von der Alzheimer's Association präsentiert werden, basieren auf einem System, das von Barry Reisberg entwickelt wurde, dem klinischen Direktor des Silberstein Aging and Dementia Research Centers der New York University School of Medicine.

  • Stadium 1: Keine Beeinträchtigung. Diese Person leidet nicht unter Gedächtnisproblemen.
  • Stadium 2: Sehr leichte Beeinträchtigung. oder sie Gedächtnislücken aufweist, bekannte Wörter vergisst oder Alltagsgegenstände verlegt. Ab der zweiten Stufe zeigen Betroffene ein leicht eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen, das auch als altersbedingte Veränderung interpretiert werden könnte. Beispiele dafür sind häufigeres Verlegen von Gegenständen oder gelegentliche Gedächtnislücken. Freunde, Familie oder Mitarbeiter bemerken erste Schwierigkeiten. Während eines ausführlichen ärztlichen Gesprächs können Ärzte möglicherweise Probleme mit dem Gedächtnis oder der Konzentration feststellen.
  • Stadium 3: Leichte Beeinträchtigung. Beeinträchtigte Fähigkeit, herausfordernde Rechenaufgaben im Kopf durchzuführen, z.B. In diesem Stadium haben Betroffene zunehmend Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Das Finden des passenden Wortes oder Namens fällt ihnen schwer, und auch Aufgaben im sozialen oder beruflichen Umfeld bereiten mehr Probleme.
  • Stadium 4: Mäßige Beeinträchtigung. (mäßige oder mittlere Alzheimer-Krankheit) Es zeigen sich auffällige Gedächtnis- und Denklücken und manche Betroffene fangen an, Hilfestellung bei alltäglichen Aktivitäten zu benötigen. Schwierigkeiten haben mit weniger anspruchsvollem Kopfrechnen, wie z.B. Ab der vierten Stufe wird ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt empfohlen, da typische Symptome auftreten können, wie: Vergessen kürzlich stattgefundener Ereignisse Schwierigkeiten bei Rechenaufgaben, etwa beim Rückwärtszählen in größeren Schritten Probleme bei komplexen Tätigkeiten, wie der Planung einer Essenseinladung Lücken im Gedächtnis, die die eigene Vergangenheit betreffen. Betroffene nehmen zunehmend wahr, dass sie vergesslicher werden und etwas mit ihnen nicht stimmt.
  • Stadium 5: Mäßig schwere Beeinträchtigung. Das Gedächtnis verschlechtert sich weiterhin, Persönlichkeitsveränderungen können auftreten und Personen benötigen umfangreiche Hilfe bei täglichen Aktivitäten. Im fünften Stadium benötigen Betroffene meist Unterstützung im Alltag. Sie können sich oft nicht mehr an ihre eigene Adresse erinnern und verlieren die Orientierung in Bezug auf Zeit und Ort. Das eigenständige Auswählen wettergerechter Kleidung fällt ihnen schwer, und selbst einfaches Kopfrechnen bereitet große Schwierigkeiten. In dieser Phase, die der mittelschweren bis mittleren Alzheimer-Demenz entspricht, verschlechtert sich das Wahrnehmungsvermögen und auch die Persönlichkeit des Betroffenen verändert sich oft merklich bis drastisch.
  • Stadium 6: Schwere Beeinträchtigung. Hilfe benötigen bei den verschiedenen Schritten des Toilettengangs (wie z.B. Wesentliche Veränderung des Charakters und des Benehmens erfahren, einschließlich Misstrauen und Wahnvorstellungen (wie z.B. Hilfe wird bei fast allen alltäglichen Aufgaben benötigt, wie beim An- und Ausziehen oder beim Essen. Selbst kürzlich Geschehenes kann nicht mehr gespeichert oder abgerufen werden, und enge Familienmitglieder wie Partner, Kinder oder Geschwister werden nicht mehr erkannt. Der Alltag ist häufig geprägt von Wahnvorstellungen, Misstrauen, zwanghaftem Verhalten und starken Stimmungsschwankungen. Auf körperlicher Ebene treten Kontrollverlust über Blase und Darm sowie Veränderungen im Schlafverhalten auf.
  • Stadium 7: Sehr schwere Beeinträchtigung. In der Endstufe dieser Krankheit verliert eine Person die Fähigkeit, sich seiner oder ihrer Umgebung mitzuteilen, eine Unterhaltung zu führen und schließlich Bewegungen zu kontrollieren. In diesem Stadium wird umfangreiche Hilfe bei der täglichen Betreuung benötigt, einschließlich beim Essen oder dem Gang zur Toilette. Die Fähigkeit zum Lächeln, ohne Unterstützung zu sitzen und den Kopf aufrecht zu halten kann verloren gehen. Reflexe werden abnormal. Muskeln werden starr. Stufe sieben markiert das tragische Endstadium der Krankheit: Betroffene können sich nicht mehr mit ihrer Umwelt verständigen und keine Unterhaltungen führen. Selbst grundlegende Fähigkeiten wie Lächeln, den Kopf gerade halten oder aufrecht sitzen gehen verloren. Die Muskulatur versteift sich zunehmend, und auch das Schlucken wird immer schwieriger.

Risikofaktoren: Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt mehrere Risikofaktoren, die das Risiko für die Entwicklung der Alzheimer-Demenz erhöhen können. Diese lassen sich in veränderbare und nicht veränderbare Faktoren unterteilen:

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Nicht veränderbare Risikofaktoren:

  • Alter: Das Risiko für Alzheimer steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Betroffenen sind über 65 Jahre alt, und das Risiko verdoppelt sich alle fünf Jahre nach dem 65. Lebensjahr.
  • Genetik: Vererbung spielt eine wichtige Rolle. Wenn nahe Verwandte, wie Eltern oder Geschwister, an Alzheimer erkrankt sind, steigt das Risiko. Besonders das ApoE4-Gen ist mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden.
  • Geschlecht: Frauen haben ein höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, möglicherweise aufgrund biologischer Unterschiede oder längerer Lebenserwartung.
  • Familiengeschichte: Eine genetische Veranlagung kann das Risiko für die Entwicklung der Krankheit erhöhen. Wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind, ist das Risiko höher.

Zum größten Teil veränderbare Risikofaktoren:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte und Herzkrankheiten können die Gefahr für Alzheimer erhöhen.
  • Körperliche Inaktivität: Ein Mangel an Bewegung kann das Risiko steigern. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Gehirngesundheit und reduziert das Alzheimer-Risiko.
  • Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung, die reich an gesättigten Fetten und Zucker ist, kann das Risiko erhöhen.

Behandlung und Therapie: Was ist möglich?

Bisher ist die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

  • Medikamentöse Therapie: Cholinesterase-Hemmer und Memantin können die Symptome verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Am besten belegt sind die Wirkungen der Cholinesterase-Hemmer, die den Untergang der Nervenzellen verzögern. In der Tat lässt sich mit ihnen die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Cholinesterase-Hemmer gehören mittlerweile zur Standardtherapie bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz. Dennoch werden viele Patienten überhaupt nicht behandelt. Oftmals ist die Therapiedauer zu kurz und die Dosierung zu gering, um eine gute Wirkung zu erzielen. Als Ursache hierfür werden häufig Probleme mit der Verträglichkeit genannt, beispielsweise Erbrechen, Übelkeit und Schwindel. Verabreicht man das Medikament als Pflaster, lassen sich diese Nebenwirkungen verringern. Das Pflaster wird einmal am Tag aufgeklebt und bietet für den Pflegenden die Sicherheit einer optischen Kontrolle, dass das Medikament verabreicht worden ist (5).
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Gedächtnistraining, Ergotherapie, Physiotherapie und Musiktherapie können die kognitiven und körperlichen Fähigkeiten erhalten und die Lebensqualität verbessern. Regelmäßiges Gedächtnistraining beugt der Vergesslichkeit vor. Eine Möglichkeit, Betroffene lange geistig fit zu halten, ist „Zirkeltraining für das Gehirn“. Dabei bearbeiten Sie mit ihm immer wieder wechselnde Aufgaben, um alle Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit zu trainieren. In der alltäglichen Umgebung finden sich eine Reihe von Hilfsmitteln, die man ganz einfach für ein solches Training nutzen kann. So kann man Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Flexibilität und Planungsfähigkeit beispielsweise schon mit Hilfe einer Tageszeitung oder eines Fotos trainieren. Geben Sie Ihrem Patienten ein persönliches Foto zur Hand. Fragen Sie ihn, wann und wo das Foto aufgenommen wurde. Auch Bewegung unter physiotherapeutischer Anleitung kann ebenso anregend sein wie die systematische Nutzung handwerklicher und künstlerischer Fähigkeiten (Ergotherapie).
  • Psychosoziale Unterstützung: Gesprächstherapie, Angehörigengruppen und andere Unterstützungsangebote können helfen, mit der Erkrankung umzugehen und die Belastung für Betroffene und Angehörige zu reduzieren.

Tipps für den Umgang mit Alzheimer-Patienten

Der Umgang mit Alzheimer-Patienten kann eine große Herausforderung sein. Hier einige Tipps, die das Leben für Betroffene und Angehörige erleichtern können:

  • Verständnis und Geduld: Zeigen Sie Verständnis für die Situation des Betroffenen und haben Sie Geduld.
  • Klare Kommunikation: Verwenden Sie einfache und klare Sprache und vermeiden Sie lange Sätze.
  • Strukturierter Tagesablauf: Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Aktivitäten und Ruhephasen kann Orientierung geben. Alzheimer-Patienten finden sich besser zurecht, wenn sie zu regelmäßigen Zeiten morgens aufstehen und abends zu Bett gehen. Die Mahlzeiten sollten möglichst zur selben Zeit eingenommen werden. Ebenso empfehlenswert ist ein täglicher Spaziergang zur selben Zeit.
  • Sichere Umgebung: Schaffen Sie eine sichere Umgebung, in der sich der Betroffene frei bewegen kann, ohne sich zu verletzen. Sichern Sie aber mögliche Gefahrenquellen wie Gas- oder Elektrogeräte, Treppen und glatte Badewannen. Rutschfeste Einlagen in der Badewanne und der Dusche sind zu empfehlen. Zusätzlich sollten im Bad und an der Treppe Haltemöglichkeiten angebracht werden. Schließen Sie Chemikalien und Putzmittel weg. Entfernen Sie den Badezimmerschlüssel, da der Betroffene eventuell zwar abschließen, aber nicht mehr aufschließen kann. Kippen Sie Fenster, aber öffnen Sie sie niemals ganz. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung in allen Räumen. Bringen Sie in der Wohnung Hinweisschilder, farbige Kennzeichnungen und gut lesbare Uhren an.
  • Unterstützung der Selbstständigkeit: Fördern Sie die Selbstständigkeit des Betroffenen, indem Sie ihm Aufgaben übertragen, die er noch bewältigen kann. Halten Sie die Eigenständigkeit Ihres Patienten so lange wie möglich aufrecht.
  • Emotionale Unterstützung: Geben Sie dem Betroffenen emotionale Unterstützung und zeigen Sie ihm, dass Sie für ihn da sind. Suchen Sie den emotionalen Kontakt über Blicke, Gesten und Berührungen. Kleinere Auseinandersetzungen mit Demenzkranken sind nicht immer zu verhindern. Vermeiden Sie Diskussionen. Lösen Sie Konflikte durch Ablenkung und Zuwendung.
  • Selbstpflege: Vergessen Sie nicht, auf Ihre eigene Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zu achten. Nehmen Sie sich Auszeiten und suchen Sie Unterstützung bei anderen Angehörigen, Freunden oder Selbsthilfegruppen.

Mythen über Alzheimer

Es gibt viele falsche Vorstellungen über Alzheimer. Hier einige der häufigsten Mythen:

  • Ein bisschen Alzheimer bekommt jeder im Alter: Falsch! Alzheimer ist keineswegs mit dem altersbedingten Nachlassen der Gedächtnisleistung gleichzusetzen. Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um eine schwerwiegende Gehirnerkrankung, bei der lebenswichtige Nervenbahnen nach und nach zerstört werden. Dadurch werden nicht nur geistige, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch körperliche Funktionen beeinträchtigt.
  • Alzheimer lässt sich mit Medikamenten heilen: Leider nein. Dennoch lässt sich mit Hilfe von Medikamenten die Ausprägung der Symptome zumindest zeitweise verringern.
  • Alzheimer tritt nur bei alten Menschen auf: Zunehmendes Alter gehört zu den Risikofaktoren, jedoch können - zwar seltener - aber auch Menschen ab 35 Jahren betroffen sein. Demenz gilt als Erkrankung des hohen Alters. Doch sie kann auch Menschen treffen, die mitten im Leben stehen - manchmal schon ab Mitte 40 oder 50. Fachleute sprechen von einer Frühdemenz, wenn die Erkrankung vor dem 65. Gerade bei jüngeren Betroffenen sind die Symptome oft unspezifisch. Veränderungen werden leicht übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben - etwa Stress, Überlastung oder psychischen Problemen. Oft fällt am Anfang auf, dass sich das allgemeine Verhalten verändert. Betroffene reagieren schneller gereizt, verlieren die Geduld oder zeigen weniger Interesse an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Manche ziehen sich zurück, andere wirken impulsiv oder gleichgültig. Angehörige berichten häufig, dass die Person "nicht mehr sie selbst" sei. Im Berufsalltag zeigen sich frühe Anzeichen häufig besonders deutlich. Komplexe Aufgaben fallen schwerer, Abläufe geraten durcheinander, Fehler häufen sich. Plötzlich bereiten vertraute Wege oder feste Abläufe Schwierigkeiten. Gespräche fallen schwerer, passende Worte fehlen oder Sätze bleiben unvollendet. Einige Betroffene zeigen weniger Einfühlungsvermögen oder ziehen sich zunehmend aus sozialen Kontakten zurück. Sie vermeiden Gespräche oder zeigen sich bei Treffen desinteressiert. Gewohnte Alltagstätigkeiten wie Kochen, Einkaufen oder der Umgang mit Geld werden zunehmend mühsam. Häufig sind es Angehörige, die zuerst bemerken, dass Betroffene mehr Unterstützung benötigen. Viele Betroffene wirken niedergeschlagen, müde oder innerlich leer. Da die geistigen Veränderungen anfangs unklar sind, wird eine Frühdemenz nicht selten als Depression fehlgedeutet.
  • Alzheimer ist vererbbar: Der Großteil der Krankheitsfälle ist nicht genetisch bedingt. Ein spezifischer Gentest kann Auskunft darüber geben, ob eine Veranlagung für Alzheimer vererbt wurde.
  • Alzheimer-Patienten kann man erziehen wie Kinder: Dies ist leider unmöglich. Für Pflegende ist es meist ein schmerzhafter Lernprozess zu erkennen, dass die Patienten logischen Argumentationen nicht mehr folgen können. Es ist zwecklos, Demenzerkrankte erziehen zu wollen oder mit ihnen über ihr Verhalten zu diskutieren. Viel wichtiger ist es, die Betroffenen so lange wie möglich in den Alltag mit einzubeziehen und ihnen ein positives Gefühl zu vermitteln.
  • Wer gesund lebt, kann keinen Alzheimer bekommen: Niemand ist vor dieser Demenzerkrankung völlig geschützt. Allerdings gibt es Hinweise, dass Bewegung und eine gesunde, vitaminreiche Ernährung das Risiko senken können. Umgekehrt sind Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte Risikofaktoren.
  • Alzheimer trifft nur Menschen mit niedrigem Bildungsgrad: Es gibt tatsächlich Untersuchungen, die dafür sprechen, dass Alzheimer bei Menschen mit einem höheren Bildungsgrad seltener auftritt. Manche Wissenschaftler begründen dies jedoch damit, dass man mit einer hohen Intelligenz die Symptome über einen längeren Zeitraum kompensieren könne (2). Auch Hochbegabte können an Alzheimer erkranken. Pflegende sollten daran denken, dass geistiges Training das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt.

Fazit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine schwerwiegende Erkrankung, die das Leben von Betroffenen und Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Eine frühe Erkennung und eine umfassende Betreuung sind jedoch entscheidend, um die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Achten Sie auf die Warnzeichen, suchen Sie rechtzeitig ärztlichen Rat und informieren Sie sich über die verschiedenen Therapie- und Unterstützungsangebote.

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