Alzheimer erkennen: Frühe Anzeichen und Diagnose

Eine Demenzerkrankung, insbesondere Alzheimer, entwickelt sich meist langsam und schleichend über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Daher ist es wichtig, die frühen Anzeichen zu erkennen, um frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.

Einführung

Demenz ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein. Sie äußert sich durch den Verlust kognitiver Funktionen und Alltagskompetenzen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und macht etwa 60 Prozent aller Fälle aus. Es ist wichtig zu beachten, dass "Demenz" und "Alzheimer" nicht dasselbe sind. Demenz ist ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann, während Alzheimer eine spezifische Krankheit ist, die zu Demenz führt.

Frühe Anzeichen von Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit wirkt sich unter anderem auf die vier Bereiche Gedächtnis, Kommunikation, Orientierung und Konzentration aus. Zusätzlich können auch Symptome wie Antriebsarmut, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder verschiedene körperliche Störungen auftreten.

Am Anfang fallen Betroffene oft durch folgende Symptome auf:

  • Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit: Dies ist eines der Hauptsymptome einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung. Betroffene vergessen wichtige Termine, verlegen Gegenstände (z. B. Geldbeutel, Versicherungskarte) oder können sich nicht mehr erinnern, was vor kurzem gesagt wurde. Sie müssen häufiger noch einmal zurückgehen, um sich zu vergewissern, ob sie z. B. das Licht oder die Herdplatte ausgeschaltet haben. Es fällt ihnen schwer, sich neue Informationen zu merken, und sie sind auf Merkzettel angewiesen, um ihren Alltag zu bewältigen. Sie verlegen Gegenstände oder schauen an den falschen Orten nach ihnen.
  • Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Es fällt ihnen schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.
  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden. Gewisse alltägliche Arbeiten können sie nur mit Mühe durchführen. Manchmal wissen sie nicht mehr, wann oder wie sie die Arbeit durchführen sollen.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Sie erkennen Plätze nicht wieder, an denen sie früher waren. Sie finden einen vertrauten Weg, z. B. in einem oft besuchten Gebäude, nicht mehr. In einem Gebäude, in dem sie nur ein- oder zweimal waren, haben sie Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden.
  • Sprachprobleme: Sie stellen häufig die gleichen Fragen oder finden im Gespräch nicht sofort die richtigen Worte (Wortfindungsstörungen). Betroffenen fällt oft nicht das richtige Wort ein, obwohl es sich um Alltagsgegenstände handelt, oder sie benutzen falsche Begriffe (z. B. Schienenbus statt Bahn). Beim Reden reißt ihnen der rote Faden ab. Sie verlieren beim Lesen einer Geschichte in einer Zeitung oder in einem Buch den roten Faden.
  • Veränderungen im Urteilsvermögen: Ihr Urteilsvermögen ist eingeschränkt, so ziehen sie im kalten Winter z.B. leichte Sommersachen an.
  • Verhaltensänderungen: Bisher sanftmütige Menschen entwickeln sich z.B. zu streitsüchtigen, aggressiven Personen. Auch eine ungewohnte Unruhe am Tage und in der Nacht sowie Feindseligkeit, selbst gegenüber vertrauten Personen, zählen zu den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Demenz. Sie wiederholen häufig, was sie gerade gesagt haben, oder sie stellen eine Frage zwei- bis dreimal.
  • Rückzug aus dem sozialen Leben: Weiter ziehen sich die Patienten vielfach aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zurück, verlieren die Lust und das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten und Hobbys. Sie verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.
  • Stimmungsschwankungen: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können. Wenn jedoch eines oder mehrere dieser Anzeichen wiederholt auftreten, sollte man ärztlichen Rat einholen.

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Der Verdacht auf Demenz und die Diagnose

Der Verdacht einer Demenz wird häufig von den Angehörigen gestellt, denen Veränderungen im Wesen oder Verhalten des Patienten auffallen. Wenn Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.

Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten.

Die Diagnostik bei Demenz-Erkrankungen umfasst verschiedene Schritte. Ärztinnen und Ärzte erfragen zunächst die Krankengeschichte und beobachten, welche Demenz-Symptome auftreten. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf andere mögliche Ursachen liefern, gibt aber keine sichere Diagnose für Alzheimer. Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich strukturelle Veränderungen im Gehirn erkennen, die für eine Demenzerkrankung typisch sind.

Online-Demenz-Tests

Es gibt auch Online-Tests, die eine erste Einschätzung von möglichen Symptomen und Verhaltensweisen bei Alzheimer-Erkrankten darstellen können. Diese Tests sind jedoch kein Ersatz für eine ärztliche Beratung oder Diagnose.

Ein solcher Test könnte beispielsweise folgende Fragen enthalten:

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  1. Ich vergesse, wo ich etwas hingelegt habe.
  2. Ich erkenne Plätze nicht wieder, an denen ich früher war.
  3. Ich finde es schwierig, den Inhalt eines Fernsehfilms zu verstehen.
  4. Wenn sich meine tägliche Routine ändert, fällt es mir schwer, mich an den neuen Ablauf zu gewöhnen.
  5. Ich muss häufiger noch einmal zurückgehen, um mich zu vergewissern, ob ich z. B. das Licht oder die Herdplatte ausgeschaltet habe.
  6. Ich weiß nicht mehr genau, was sich vor einem Tag oder einer Woche ereignet hat.
  7. Ich vergesse, Dinge (z. B. Geldbeutel, Versicherungskarte) mitzunehmen. Häufig muss ich deshalb zurückgehen.
  8. Ich vergesse häufig Dinge, die mir vor einem Tag oder vor ein paar Tagen gesagt wurden. Ich muss an sie erinnert werden.
  9. Ich beginne, etwas zu lesen, ohne zu bemerken, dass ich es schon einmal gelesen habe.
  10. Ich habe Schwierigkeiten, enge Verwandte oder Freunde wieder zu erkennen.
  11. Ich finde es schwer, ein neues Spiel zu erlernen.
  12. Ich kann häufig das richtige Wort nicht finden.
  13. Ich vergesse häufig, Dinge zu tun, die ich tun wollte.
  14. Ich vergesse wichtige Sachen, die ich gestern getan habe oder die sich gestern ereigneten.
  15. Beim Reden reißt mir der rote Faden ab.
  16. Ich verliere beim Lesen einer Geschichte in einer Zeitung oder in einem Buch den roten Faden.
  17. Ich vergesse, jemandem eine wichtige Botschaft zu übermitteln.
  18. Ich habe das Datum meines Geburtstages und/oder meinen Geburtsort vergessen.
  19. Ich bringe Dinge, die mir erzählt wurden, durcheinander. Ich kann sie nicht mehr in die richtige Reihenfolge bringen.
  20. Ich finde es schwer, alte Geschichten und lustige Begebenheiten zu berichten.
  21. Gewisse alltägliche Arbeiten kann ich nur mit Mühe durchführen. Manchmal weiß ich nicht mehr, wann oder wie ich die Arbeit durchführen soll.
  22. Bekannte Gesichter, die im Fernsehen oder in Zeitschriften erscheinen, sind mir plötzlich fremd.
  23. Ich finde einen vertrauten Weg, z. B. in einem oft besuchten Gebäude, nicht mehr.
  24. In einem Gebäude, in dem ich nur ein- oder zweimal war, habe ich Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden.
  25. Ich wiederhole häufig, was ich gerade gesagt habe, oder ich stelle eine Frage zwei- bis dreimal.

Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Test keine Beratung bzw. Diagnose eines Haus- oder Facharztes ersetzt. Sollten Sie während oder nach Durchführung dieses Online-Tests eventuelle Anzeichen einer Erkrankung feststellen, suchen Sie Ihren Hausarzt auf und fragen Sie ihn, ob bei Ihnen eine Alzhimer-Erkrankung vorliegen könnte. Aus dem Ergebnis des Tests kann keine direkte Entscheidung für oder gegen eine individuelle Behandlung abgeleitet werden. Der Test gilt nicht für Personen, die bereits, nachgewiesen durch ärztliche Diagnose, an der Krankheit, auf die dieser Test Bezug nimmt, erkrankt sind. Haftungsansprüche, die evtl. aus der Durchführung des Tests hergeleitet werden könnten, sind ausdrücklich ausgeschlossen.

Umgang mit der Diagnose Demenz

Die Diagnose Demenz stellt Angehörige oft vor große Herausforderungen. Doch es gibt Wege, das Zusammenleben zu erleichtern. Menschen mit Alzheimer verlieren im Verlauf der Erkrankung häufig die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Wichtig ist, dass Sie sich selbst nicht überfordern. Suchen Sie bei Bedarf Hilfe und Unterstützung - ob durch Angehörigengruppen, Pflegedienste oder Beratungsstellen. Sprechen Sie ruhig und in einfachen Sätzen, zeigen Sie Verständnis, und vermeiden Sie Überforderungen.

Behandlungsmöglichkeiten

Für die meisten Demenzerkrankungen wie Alzheimer gibt es keine Heilung. Bei der Behandlung von Demenzen wird zwischen primärer und sekundärer Demenz unterschieden.

  • Primäre Demenzen haben ihre Ursache im Gehirn selbst. Für sie gibt es bislang leider keine Heilungschancen. Neben der Alzheimer-Krankheit mit einem Anteil von circa 60 Prozent aller Fälle gibt es weitere primäre Demenzen. Die häufigsten sind vaskuläre (gefäßbedingte) Demenzen, die Lewy-Körperchen-Demenzen und die frontotemporalen Demenzen. Extrem selten ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Eine Heilung gibt es bisher nicht. Medikamente können jedoch den Verlauf dieser Demenzformen hinauszögern.
  • Sekundäre Demenz ist die Folge einer anderen Grunderkrankung, zum Beispiel von Tumor- und Stoffwechselerkrankungen oder Alkoholmissbrauch. Diese Demenzformen machen bis zu 10 Prozent aller Krankheitsfälle aus. Kann die Grunderkrankung behandelt werden, bessern sich oft auch die Demenz-Symptome.

Beginnt man früh mit einer medikamentösen Therapie, kann der Krankheitsverlauf hinausgezögert werden. Neben der Gedächtnisstörung können auch typische Symptome wie Orientierungslosigkeit, Konzentrationsschwäche oder Depression damit gemildert werden. Um die geistige Leistung zu stärken, werden vor allem sogenannte Antidementiva eingesetzt. Auch nicht medikamentöse Therapien können die geistigen Fähigkeiten fördern, Alltagsfertigkeiten stabilisieren und das seelische Wohlbefinden erhöhen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Demenz, dem Stadium der Erkrankung und den Symptomen ab.

Einige Beispiele für nicht-medikamentöse Therapien sind:

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  • Verhaltenstherapie: Hilft vor allem Patienten in einem frühen Stadium, mit der Krankheit besser umzugehen.
  • Logopädie: Für Menschen mit einer beginnenden Demenz, stärkt kommunikative Fähigkeiten und Wortfindung, verbessert Aussprache sowie Sprachverständnis.
  • Kognitives Training: Für Demenzkranke in einem frühen Stadium zum Training der geistigen Fähigkeiten.
  • Ergotherapie: Körperliche Aktivierung hilft Patienten in einem frühen und mittleren Stadium, Alltagstätigkeiten möglichst lange durchführen zu können.
  • Musiktherapie: Unterstützt Betroffene in allen Krankheitsstadien dabei, positive Erinnerungen und Gefühle zu wecken.
  • Realitätsorientierungstraining: Übt mit Demenzkranken aller Krankheitsstadien die zeitliche und räumliche Orientierung.
  • Erinnerungstherapie: Mithilfe von Fotos, Geschichten und Alltagsgegenständen werden Erinnerungen geweckt und die geistigen Fähigkeiten angeregt, wirkt stimmungsaufhellend in allen Krankheitsstadien.

Als Angehöriger können Sie dem Erkrankten helfen, indem Sie die Therapieinhalte auch im Alltag aufgreifen oder üben.

Verhaltensänderungen und Umgang damit

Demenzkranke verlieren nach und nach ihre Erinnerungen. Das löst bei ihnen Verwirrung und Angst aus. Auch andere Demenz Symptome wie den Verlust der Selbstständigkeit verkraften sie schwer. Sie fühlen sich häufig missverstanden und ausgeliefert.

Typische Verhaltensänderungen bei Demenz sind:

  • Unruhe, zum Beispiel Umherwandern oder Hinterherlaufen
  • Rückzug und depressive Symptome, aber auch Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • ständiges Fragen
  • wiederkehrende Handlungen wie Klatschen, Klopfen oder Schreien
  • Vorwürfe und Verdächtigungen
  • Aggressivität

Tipps für den richtigen Umgang mit an Demenz Erkrankten:

  • Sprechen Sie mit einem an Demenz erkrankten Menschen in kurzen, klaren Sätzen, damit er sich nicht überfordert fühlt.
  • Geben Sie ihm immer das Gefühl, dass Sie ihn verstehen und ernst nehmen.
  • Drängen oder hetzen Sie ihn nie. Demenzkranke können mit Stress nicht umgehen.
  • Meiden Sie Diskussionen und nehmen Sie Konfrontationen nicht persönlich.
  • Versuchen Sie, in schwierigen Situationen mit verständnisvollen Worten zu beruhigen.
  • Bleiben Sie in Konfliktsituationen ruhig. Wenn Sie für ein weiteres Gespräch zu wütend sind, dann verlassen Sie für einen Moment den Raum.
  • Versuchen Sie in einer angespannten Situation, den Erkrankten nicht festzuhalten. Das kann den empfundenen Ärger nur noch verstärken.
  • Demente reagieren sehr stark auf Stimmungen - je mehr Ruhe Sie ausstrahlen, umso besser kann der an Demenz Erkrankte damit umgehen.
  • Fördern Sie die Bewegung des an Demenz Erkrankten, das verbessert nachweislich die Durchblutung, das Koordinationsvermögen und den Gleichgewichtssinn.
  • Achten Sie auf eine ausreichende und gesunde Ernährung - an Demenz Erkrankte vergessen auch schon mal das Essen und Trinken, und gerade eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann Verwirrung noch verschlimmern.
  • Auch wenn es schwerfällt - seien Sie geduldig.

Risikofaktoren

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren für alle Demenzformen sind zum Beispiel Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Diabetes mellitus, da dabei jeweils auch die Durchblutung der Hirngefäße beeinträchtigt sein kann.

Rechtliche und organisatorische Aspekte

Regeln Sie bei allen Demenzformen rechtliche Fragen wie Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Kontaktieren Sie die AOK-Pflegeberatung und falls bereits notwendig: Beantragen Sie Leistungen der Pflegeversicherung für den an Demenz Erkrankten. Richten Sie die Wohnung demenzgerecht ein. Erkundigen Sie sich nach zusätzlichen Betreuungsangeboten wie Tagesbetreuung oder einem Pflegedienst.

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