Orientierungslosigkeit bei Alzheimer im Pflegeheim: Ursachen und Maßnahmen

Desorientierung ist ein häufiges und belastendes Symptom bei Menschen mit Demenz, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit. Sie betrifft verschiedene Bereiche der Orientierung: räumlich, zeitlich, situativ und personell. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Orientierungslosigkeit bei Alzheimer im Pflegeheim und zeigt Maßnahmen auf, die Betroffenen helfen können, sich besser zurechtzufinden und ihren Alltag sicherer und selbstbestimmter zu gestalten.

Ursachen der Orientierungslosigkeit bei Demenz

Die genauen Ursachen für Desorientierung bei Demenz sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass bestimmte Hirnregionen eine entscheidende Rolle spielen:

  • Hippocampus: Diese Hirnregion ist für das Speichern und Abrufen von Informationen zuständig, die für die räumliche Orientierung wichtig sind, wie Straßen, Gebäude und andere Orientierungspunkte. Schädigungen des Hippocampus beeinträchtigen das Zeitgefühl und die Fähigkeit, Entscheidungen über den nächsten Weg zu treffen.
  • Parietaler Kortex (Scheitellappen): Dieser Bereich verarbeitet Sinneseindrücke wie Sehen, Hören und Fühlen und ermöglicht es uns, Räume und Objekte darin zu erfassen. Schäden in diesem Bereich erschweren die räumliche Orientierung erheblich.

Die Ausprägung der Orientierungsprobleme hängt von der jeweiligen Demenzform und dem Stadium der Erkrankung ab. Im Allgemeinen verlieren Menschen mit Demenz allmählich ihren "inneren Anker", der ihnen hilft, sich in ihrer Umgebung und in der Zeit zurechtzufinden.

Formen der Desorientierung bei Alzheimer

Die Desorientierung bei Alzheimer kann sich in verschiedenen Bereichen äußern:

  • Räumliche Desorientierung: Betroffene verirren sich in ihrer Umgebung, selbst an vertrauten Orten. Sie erkennen bekannte Wege nicht mehr oder wissen nicht, wie sie von einem Raum in den anderen gelangen. Ein Mensch mit Demenz wird unter Umständen in der eigenen Wohnung, im eigenen Haus, in dem er schon seit Jahrzehnten lebt, die Toilette nicht mehr finden. Dasselbe kann beim Verlust der räumlichen Orientierung dann natürlich auch bei anderen Räumen, wie Küche, Schlafzimmer etc. passieren.
  • Zeitliche Desorientierung: Termine werden vergessen, der Tag und die Uhrzeit sind nicht mehr klar, und Handlungen wie das Zähneputzen werden mehrfach wiederholt. Die Fähigkeit, Ereignisse in die richtige Reihenfolge zu bringen, geht verloren. Beim Verlust der zeitlichen Orientierung kann sich der Betroffene fünf Minuten eben nicht mehr vorstellen, diese Zeitspanne ist für ihn nicht mehr greifbar. Da können dann auch vermeintlich sehr paradoxe Dinge passieren: Ein Betroffener sieht im Winter aus dem Fenster, bemerkt, dass die Sonne scheint und beschließt, spazieren zu gehen. Er tut dies dann in T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen bei Minus 10 Grad. Ihm fehlt die Orientierung in der Zeit, in diesem Fall in der Jahreszeit. Und dann fragen wir uns möglicherweise außerdem noch „wie kann denn das sein, dass da ein alter Mensch bei dieser Kälte kurzärmlig und in Sandalen rumläuft? Spürt der denn nicht, dass es kalt ist, friert er nicht? Warum zieht er sich nichts an? Warum geht er nicht ins Haus?“ Die Antwort lautet ganz klar: Doch! Ein dementiell Erkrankter spürt sehr wohl Kälte und Schmerz etc. - ebenso wie wir Gesunde. Es fehlt lediglich die Fähigkeit zur Abstraktion, zum verknüpften Denken und Handeln. Also die Fähigkeit, zu erkennen, was ich tun muss, damit dieses komische Gefühl, dieser Schmerz, das Zittern aufhört. Der Betroffene weiß nicht, dass er sich etwas überziehen oder nach drinnen gehen muss. Ein Demenzkranker verliert auch den Bezug zu den Wochentagen und Monaten.
  • Situative Desorientierung: In neuen oder ungewohnten Situationen sind die Erkrankten zunehmend überfordert. Schon einfache Probleme, wie beim Kochen eine gewohnte Zutat durch eine andere zu ersetzen, können Verwirrung und Stress auslösen. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einer Gemeinschaft, sei es Familie, ein Vortrag, eine Theaterveranstaltung etc. und eine Person steht auf, verlässt den Raum und kommt nach ein paar Minuten wieder. Sie als Gesunde werden höchstwahrscheinlich denken „ah, der- oder diejenige war bestimmt auf der Toilette und jetzt kommt er/sie eben wieder rein.“ Ein Mensch mit Demenz, der die Orientierung in der Situation verloren hat, wird dieses Verhalten in eben dieser Situation nicht zuordnen können und auch nicht verstehen. Ein zweites Beispiel: Ein Betroffener sieht jemanden sich gegenübersitzen, der mit einem „schmalen kleinen Stöckchen komische Zickzack-Bewegungen auf einer weißen Fläche macht“. Er kann nicht zuordnen, dass diese Person etwas schreibt, nicht einordnen, was diese Situation, diese Handlung zu bedeuten hat. Beim Verlust der situativen Orientierung kann er nicht verstehen, was da um ihn herum passiert. Wenn nun besonders viele Menschen zusammen sind, wird es auch entsprechend viele Situationen geben, die der Erkrankte vielleicht nicht zuordnen und auch nicht verstehen kann. Das kann dann eine große Belastung sein und sehr viel Stress verursachen. Erkrankte können in solchen Situationen unruhig werden, sich sichtlich nicht wohlfühlen.
  • Personelle Desorientierung: Im fortgeschrittenen Stadium verlieren Menschen mit Demenz den Bezug zu ihrer eigenen Biografie. Sie wissen nicht mehr, welchen Beruf sie ausgeübt oder wie viele Kinder sie haben. Im weiteren Verlauf einer Demenzerkrankung kann es vorkommen, dass Menschen sich gedanklich in einer anderen Realität befinden. Wenn der Betroffene sich selbst nicht mehr im Spiegel erkennt: Dazu habe ich selbst ein sehr tragisches Beispiel erlebt: Ein alter Herr, an Demenz erkrankt, der zu Hause von seiner Frau versorgt wird, geht morgens nackt ins Bad, um sich zu waschen und ….. da ist doch tatsächlich ein anderer nackter Mann im Bad. Seine Schlussfolgerung ist, dass seine Frau fremdgeht. Also geht er zu ihr in die Küche und schlägt sie. Was war passiert? Er hat sich selbst im Spiegel nicht mehr erkannt! Das ist übrigens auch immer wieder der Grund dafür, dass an Demenz erkrankte Menschen plötzlich inkontinent werden. Sie gehen zur Toilette, dort hängt in den meisten Fällen ein Spiegel an der Wand, sie schauen in den Spiegel, sehen eine fremde Person und denken, die Toilette ist besetzt. Sie verlassen den Raum, gehen möglicherweise zu einer weiteren Toilette in der Wohnung und auch die ist „besetzt“. Und irgendwann geht das dann im wahrsten Sinne des Wortes „in die Hose“. Versuchen Sie dazu eine sehr einfache Lösung: Verhängen Sie Spiegel in der Wohnung mit Tüchern oder nehmen sie sie gleich ganz von der Wand.

Typisch für solche Phasen, die im Englischen „time shifting“ genannt werden, ist, dass jemand:

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  • sein älteres Ich im Spiegel nicht mehr erkennt
  • mit längst verstorbenen Verwandten sprechen möchte oder
  • nicht verstehen können, dass seine Kinder erwachsen sind.

Dieses für Außenstehende oft befremdliche Verhalten lässt sich damit erklären, dass das Gehirn versucht, sich einen Reim auf das zu machen, was um sie herum geschieht.

Maßnahmen zur Unterstützung der Orientierung im Pflegeheim

Es gibt viele praktische Möglichkeiten, Menschen mit Demenz im Pflegeheim zu helfen, sich im Alltag besser zu orientieren:

Räumliche Anpassungen

  • Klare Strukturierung: Eine klare Strukturierung der Wohnung, zum Beispiel durch farbliche Markierungen oder Schilder, kann Betroffenen helfen, sich besser zurechtzufinden. Nutzen Sie Kontraste. Stufen und Lichtschalter können mit kontrastreichen, farbigen Klebestreifen markiert werden. Türen und Möbelstücke sollten sich gut von der Wand abheben. Achten Sie auf eine einfache und übersichtliche Gestaltung der Zimmer. Auch der Unterschied zwischen Boden, Wand und Decke sollte gut erkennbar sein. Dafür sollten die Flächen einen deutlichen Hell-Dunkel-Kontrast zueinander besitzen. Behalten Sie nach Möglichkeit auch nach einem Umzug die gewohnte Anordnung von Möbeln bei. Sorgen Sie für eine ausreichend helle und blendfreie Beleuchtung. Dadurch lässt sich vermeiden, dass Schatten entstehen. Diese können sonst von Menschen mit Demenz fehlgedeutet werden und Angst auslösen. Vermeiden Sie unruhige Muster. Am Boden können diese für Betroffene wie Hindernisse oder wie ein Abgrund wirken. Insbesondere schachbrettartige Muster mit dunklen Flächen sind ungeeignet. Kennzeichnen Sie Räume und Schränke mit passenden Bildern, die eine Verbindung zum Inhalt haben. Tabu-Türen in Wandfarbe streichen bzw.
  • Vertraute Umgebung: Zuhause behält der Kranke am längsten seine Selbständigkeit (oftmals rapider Verfall in fremder Umgebung, z.B. Orientierungshilfen geben! Fühlt sich der Kranke in der Situation wohl? Kann die Situation für den Kranken gefährlich werden? Geringfügige Veränderungen (z.B.
  • Sichere Umgebung: Achten Sie darauf, rutschende Teppiche zu befestigen oder entfernen Sie diese. Kleine, schlecht sichtbare Stufen sollten entweder einen deutlichen Kontrast zur Umgebung haben oder beseitigt werden. Bewahren Sie Elektrogeräte an einem sicheren Platz auf. Steckdosen können Sie mit Kindersicherungen versehen. Um ein Ausrutschen zu verhindern, können Sie stabile Stütz- und Haltegriffe anbringen. Ebenso sollte der Bodenbelag rutschhemmend sein. Bodengleiche Duschen verringern die Unfallgefahr und an der Wand montierte Klappsitze können wertvolle Hilfe beim Duschen leisten. Hilfreich ist es, wenn die Badezimmertür nach außen aufschlägt, so dass der Zugang im Falle eines Sturzes nicht blockiert wird. Eine Verriegelung, die man auch von außen öffnen kann, wahrt die Intimsphäre, ermöglicht aber auch im Notfall einen schnellen Zugang. Hier helfen automatische Herdabschalt-Vorrichtungen sowie Zeitschaltuhren. Damit ein Feuer schnell bemerkt wird, sollten die Räume mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Bedenken Sie dabei aber, dass Menschen mit Demenz häufig nicht mehr wissen, wie sie sich bei einem Alarm verhalten sollen. Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, den Rauchmelder mit einem Hausnotrufsystem zu verbinden. Dann wird der Alarm automatisch an eine Notrufzentrale weitergeleitet. Kennzeichnen Sie Heißwasserhähne und stellen Sie die Wassertemperatur möglichst so niedrig ein, dass Verbrühungen vermieden werden (maximal 45°C). Um Wasserschäden vorzubeugen, können Wassermelder oder Wasser-Regulatoren verwendet werden. Bewahren Sie giftige Reinigungsmittel, Medikamente sowie Alkohol und Tabakwaren verschlossen auf. Verzichten Sie auf giftige Pflanzen. Fenster lassen sich beispielsweise durch abschließbare Fenstergriffe sichern. Am oberen Ende der Treppe kann eine Gittertür die Sicherheit erhöhen. Installieren Sie Türschlösser mit einer sogenannten Notfall- oder Gefahren-Funktion. Solche Türschlösser lassen sich von außen mit einem Zweit-Schlüssel öffnen, auch wenn innen bereits ein Schlüssel steckt. Klangspiele an der Tür oder Fußmatten mit einem Signalgeber können mitteilen, wenn jemand das Haus verlässt. Autoschlüssel sollten in jedem Fall außerhalb der Reichweite von Menschen mit Demenz aufbewahrt werden.

Zeitliche Orientierungshilfen

  • Kalender und Uhren: Große, gut sichtbare Kalender und Uhren können zu Hause bei der Orientierung helfen. Manche Demenzerkrankte kommen auch gut mit einem Kalender in Buchform zurecht. Bei der Wohnungseinrichtung sollten daher große Uhren gut sichtbar angebracht werden. Wichtig ist, dass die Ziffernblätter und Zeiger klar und eindeutig erkennbar sind. Es gibt auch einige analoge Uhren mit einem zusätzlichen Hinweis zur Tag- und Nachtzeit. Manchen erkrankten Personen fällt es leichter, eine digitale Uhr abzulesen. Eine weitere Unterstützung bei der zeitlichen Orientierung bieten sogenannte „sprechende Uhren“. Diese können auf Knopfdruck die Uhrzeit ansagen. Bei einigen Modellen werden auch das Datum und der Wochentag genannt. Eine weitere Orientierungshilfe sind Kalender mit Bildern, die zum jeweiligen Monat passen. Hilfreich ist, wenn der aktuelle Tag gut markiert werden kann. Digitale Kalender haben den Vorteil, dass sie immer das richtige Datum anzeigen. Allerdings werden diese Geräte nicht immer als Kalender erkannt und es lassen sich dort keine Termine eintragen. Damit sich Menschen mit Demenz leichter im Jahresablauf zurechtfinden, kann man die Wohnung passend zur Jahreszeit dekorieren.
  • Regelmäßige Tagesabläufe: Feste Routinen, wie feste Mahlzeiten oder Aktivitäten, bieten Halt und geben Orientierung. Deshalb sollten Sie den zeitlichen Ablauf grundsätzlich einhalten.

Emotionale Verbindungen

  • Sprache: Abstrakte Begriffe wie "Düsseldorf" oder "Oktober" werden von Menschen mit Demenz zunehmend schlechter verstanden. Oft erleichtern emotionale Verbindungen das Verständnis, wie "die Stadt, in der deine Tochter wohnt" oder "der Monat nach deinem Geburtstag".
  • Persönliche Gegenstände: Persönliche Fotos und Gegenstände dienen als sogenannte „Ankerpunkte“. Sie schaffen Vertrautheit und regen zu Erinnerungen an. An den Erinnerungsinseln hängt d. Rest seiner angegriffenen Identität u. !!!

Realitätsorientierungstraining (ROT)

  • Das Realitätsorientierungstraining ist eine in der aktuellen S3-Leitlinie "Demenzen" empfohlene Methode zur kognitiven Unterstützung von Menschen mit Demenz. Ziel des Trainings ist es, den Betroffenen durch regelmäßige Orientierungshilfen - wie Informationen über Zeit, Ort oder Personen - dabei zu unterstützen, sich in ihrer Umgebung besser zurechtzufinden. Dadurch fühlen sich die Betroffenen sicherer und können ihren Alltag besser bewältigen. Der Therapeut vermittelt dabei verwirrten Menschen mit Demenz wieder Informationen zu Zeit, Person und Raum. Für die Rehabilitation werden verschiedene Hilfsmittel wie Listen, Uhren, Kalender und Schilder genutzt.
  • Das 24-Stunden-Programm ist das Kernelement des Realitätsorientierungstrainings. Als entsprechende Maßnahmen sind zum Beispiel Orientierungshilfen geeignet (Symbole, die eine Funktion erklären wie ein Kochtopf auf einem Herd). Hilfreich sind auch Abbildungen von Alltagsgegenständen oder Bilder von Tieren und Pflanzen. Die Pflegebedürftigen sollten regelmäßig auf diese Bilder aufmerksam gemacht werden: „Sehen Sie diese Blume? Das ist eine Rose. Zur verbalen Orientierung: Die Dementen sollten regelmäßig über Ort, Zeit und Person informiert werden („Guten Tag, Herr Müller, heute ist Dienstag, der 8. November. Draußen regnet es…„).
  • Sie können sogenannte Gruppensitzungen anbieten - auch als Ergänzung zum 24-Stunden-Programm. Dazu versammeln Sie vier bis acht Bewohner für täglich etwa 30 bis 60 Minuten. Mit einer Realitätsorientierungstafel als Hilfsmittel üben Sie mit den Teilnehmern zeitliche, räumliche und situative Orientierung. Dabei sollten Sie nicht nur Fragen stellen und diese beantworten lassen: Wichtig ist hier Abwechslung, die auch gern spielerisch umgesetzt werden kann. Sie können auch gemeinsam singen und basteln.

Umgang mit Orientierungslosigkeit im Alltag

  • Unterstützend - nicht korrigierend: Orientierungshilfen unterstützend - nicht korrigierend - geben! Beispiel: Fr. C. deckt für mehrere Personen den Kaffeetisch, obwohl nur die Tochter bei ihr ist und sie zu zweit weihnachtlich Kaffeetrinken wollen. Richtiges Verhalten: Den Tisch bewundern, den Kranken loben, sagen "Die Gäste haben angerufen, sie kämen später. Wir fangen schon mal an!".
  • Vermeiden Sie Argumentationen: Falsches Verhalten: Durch Argumentieren versuchen, die Situation richtig zu stellen - z.B. Richtiges Verhalten: Fernseher ausschalten, Vertrauen vermitteln und beruhigend einwirken, z.B. Hr. H. Hr. H. gestörtes Zeitempfinden (z.B. Hr. H. Hr. Fr. H. "Mann, das nervt! kränkt Hrn. H. Fr. und versucht ihn ggf. Für Fr. H.
  • Respekt und Geduld: Die Betreuung von Menschen mit Demenz erfordert viel Fingerspitzengefühl. Da Sie oft viele Stunden oder sogar rund um die Uhr für den Betroffenen oder die Betroffene da sein müssen, sollten Sie sich auch selbst nicht vergessen. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass Aggressionen, Frust, Trauer und Unruhe der Erkrankten ihre Spuren bei Pflegenden hinterlassen. Jetzt ist es wichtig, die Verhaltensweisen nicht persönlich zu nehmen. Sie sind Ausdruck der Erkrankung. Daher unser Tipp: Lassen Sie sich nicht auf hitzige Diskussionen ein, sondern atmen Sie tief durch. Planen Sie am besten eine weitere Person für die Pflege ein, die Sie in schweren Zeiten unterstützen oder vertreten kann.
  • Sicherheit geht vor: Ggf. Körperliche Ursachen ausschließen bzw. Abwägen, was wichtiger ist: die eigene Nachtruhe o. ggf. Falsches Verhalten: Seine Ehefrau reißt ihm die Tasche weg und versucht ihm das Weggehenwollen auszureden: "Du bist seit 20 Jahren Rentner.
  • Die innere Uhr ist bei Demenzkranken gestört: Zeitbezüge, wie Wochentage, Monate, Jahreszeiten etc.
  • Für den Demenzkranken ist sein Betreuer, sein Lotse im strukturlosen Strudel von Zeit u. Situation: Herr D.

Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige und Betroffene

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz stellt eine große Herausforderung dar. Es ist wichtig, sich frühzeitig über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren und diese in Anspruch zu nehmen.

  • Pflegekasse: Die Pflegekasse bietet verschiedene Leistungen zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag und Leistungen zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege.
  • Pflegestützpunkte: Pflegestützpunkte bieten eine kostenlose und unabhängige Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz.
  • Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten eine Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
  • Ambulante Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste bieten Unterstützung bei der Pflege und Betreuung zu Hause. Besonders hilfreich sind Pflegedienste, deren Mitarbeitenden eine Zusatzqualifikation für Demenz besitzen. Zu den Aufgaben eines ambulanten Pflegedienstes gehören neben der Grundpflege - wie der Unterstützung bei der Körperpflege oder der Medikamentengabe - auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Sie helfen dabei, den Alltag zu strukturieren und die Sicherheit im Haushalt zu gewährleisten.
  • Tagespflege: Für Zeiten, in denen Familienangehörige demenzkranke Menschen nicht pflegen können, kommt beispielsweise die Alzheimer-Tagespflege in Betracht. Bei der Tages- oder Nachtpflege halten sich Betroffene stundenweise in einer Pflegeeinrichtung auf.
  • Betreutes Wohnen: Betreutes Wohnen für Menschen mit Demenz in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft bietet eine ideale Alternative zum klassischen Pflegeheim. In einer solchen Wohngemeinschaft leben etwa sechs bis zwölf Menschen mit Demenz zusammen. Die Betreuung erfolgt ambulant durch einen Pflegedienst, der die medizinische Versorgung sicherstellt und den Alltag der Bewohner koordiniert.

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