Aneurysma-Coiling im Gehirn: Risiken, Komplikationen und Behandlungsablauf

Ein intrakranielles Aneurysma, eine Aussackung an einer Hirnarterie, kann lebensbedrohliche Blutungen verursachen. Das Aneurysma-Coiling ist eine minimalinvasive Behandlungsmethode, die heutzutage häufig eingesetzt wird, um solche Aneurysmen zu verschließen und das Risiko von Komplikationen zu minimieren. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Indikation, den Ablauf, die Risiken und die Nachsorge des Aneurysma-Coilings, um ein umfassendes Verständnis dieser Behandlungsmethode zu ermöglichen.

Was ist ein Aneurysma und wie entsteht es?

Ein Aneurysma ist eine Ausbuchtung oder Erweiterung eines Blutgefäßes, vergleichbar mit einer kleinen Beule an einem Fahrradschlauch. Diese entsteht, wenn die Gefäßwand geschwächt ist und dem Blutdruck nicht mehr ausreichend standhalten kann. Aneurysmen können an verschiedenen Stellen im Körper auftreten, am häufigsten jedoch in der Aorta (Hauptschlagader) oder im Gehirn (zerebrales Aneurysma).

Intrakranielle Aneurysmen, also Aneurysmen im Inneren des Schädels, können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Angeborene Aneurysmen finden sich oft im Bereich der Hirnbasis, wo sich aber auch erworbene Aneurysmen entwickeln können. Zu den Risikofaktoren für die Entstehung eines Aneurysmas gehören Bluthochdruck, Arteriosklerose und Rauchen. Auch erbliche Faktoren werden diskutiert. Schätzungsweise sind etwa 3 % der Bevölkerung von intrakraniellen Aneurysmen betroffen, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Die meisten Betroffenen entwickeln jedoch nie Symptome.

Aneurysma-Coiling: Eine minimalinvasive Behandlungsmethode

Beim Aneurysma-Coiling wird die Aussackung mit einer feinen Platinspirale ausgefüllt, an der das Blut gerinnt und das Aneurysma verschließt. Die meisten intrakraniellen Aneurysmen werden heute durch Coiling behandelt. Bis in die 1990er Jahre konnten intrakranielle Aneurysmen nur operativ entfernt werden, was aufgrund der damit verbundenen Risiken eine vorsichtige Indikationsstellung erforderte. Heute werden die meisten asymptomatischen Aneurysmen endovaskulär behandelt.

Indikation: Wann ist ein Aneurysma-Coiling notwendig?

Ob und mit welcher Methode ein Aneurysma behandelt wird, ist stets eine Einzelfallentscheidung. Dabei müssen die Risiken des Aneurysmas gegen die möglichen Komplikationen der Behandlung abgewogen werden.

Lesen Sie auch: Gefahren für das Nervensystem erkennen

Grundsätzlich können Aneurysmen im Schädel auf zwei Arten symptomatisch werden:

  1. Kompression umliegender Nervenzellen: Komprimieren sie umliegende Nervenzellen, zum Beispiel von Hirnnerven, kann es zu Schäden und Ausfällen des betroffenen Nervs kommen, die je nach Nerv sensibler, motorischer oder vegetativer Art sein können.
  2. Subarachnoidalblutung: Die gefürchtetste Komplikation eines intrakraniellen Aneurysmas ist aber die Subarachnoidalblutung. Reißt ein Aneurysma, blutet es aus der Schlagader in das Schädelinnere. Da sich der knöcherne Schädel nicht ausdehnen kann, wird das Hirngewebe durch das einströmende Blut komprimiert. Hierbei handelt es sich um einen lebensgefährlichen Notfall. Etwa die Hälfte der Überlebenden behält neurologische oder neuropsychiatrische Defizite zurück.

Für die Behandlung eines Aneurysmas spricht daher eine Lokalisation, die mit einer hohen Rupturwahrscheinlichkeit verbunden ist, sowie ein großes Aneurysma. Kommt es zur Kompression von Nerven, ist dies ebenfalls eine Behandlungsindikation. Ist das Aneurysma bereits rupturiert, kann ein Coiling notwendig sein, um die aktive Blutung zu stoppen oder eine Nachblutung zu verhindern.

Ob die Aussackung durch Coiling verschlossen werden kann, oder im Rahmen einer neurochirurgischen Operation mit Clips versorgt werden sollte, ist von ihrer Lage und Form abhängig. Im Vorfeld einer möglichen Behandlung werden daher bildgebende Untersuchungen durchgeführt und der Fall interdisziplinär von Ärztinnen und Ärzten der Neuroradiologie, sowie der Neurochirurgie besprochen. Beide Therapiemöglichkeiten haben Risiken, die sorgfältig gegen die Risiken des Aneurysmas abgewogen werden müssen. Das Alter und die Begleiterkrankungen, sowie natürlich der Patientenwunsch müssen dabei berücksichtigt werden.

Ablauf der Behandlung

Beim Aneurysma-Coiling handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, der in Vollnarkose durchgeführt wird. Über ein Blutgefäß, meist die Leistenarterie, wird ein dünner Katheter bis zum Aneurysma der Hirnarterie vorgeschoben. Innerhalb dieses Katheters befindet sich eine abgerollte Platinspirale, die sich, wenn sie in das Aneurysma abgesetzt wird, zu einem Knäuel aufrollt. An den Maschen dieses Knäuels kommt es zu Blutgerinnung, sodass das Aneurysma durch einen Thrombus verschlossen wird.

Diese Behandlung kann sowohl im Notfall bei einem rupturierten Aneurysma, als auch als geplanter Eingriff, bei einer Aussackung, die durch Nervenkompression, oder zufällig als Nebenbefund aufgefallen ist, durchgeführt werden. Die Behandlung wird in Allgemeinnarkose durchgeführt. Über die Leistenarterie wird ein dünner Katheter bis in die Hirnarterien vorgeführt. Hierüber werden dann die Platinspiralen in das Aneurysma eingebracht. Hiermit kann das Aneurysma in der Regel vollständig verschlossen werden.

Lesen Sie auch: Mehr zum Thema Schlaganfall

In Einzelfällen kommt es trotzdem in den ersten Monaten zu einer teilweisen Wiedereröffnung des Aneurysmas (Rekanalisierung). Damit hier kein Risiko einer erneuten Blutung besteht, muss dies rechtzeitig erkannt werden. Hierfür sind Kontrollangiographien nach einer Woche und nach sechs Monaten erforderlich. Wenn beide Kontrollen unauffällig sind (Regelfall), ist eine spätere Rekanalisierung nicht mehr zu erwarten. Im Falle einer Rekanalisierung ist eine erneute Behandlung mittels Platinspriralen erforderlich.

Risiken und Komplikationen des Aneurysma-Coilings

Wie bei jedem medizinischen Eingriff birgt auch das Aneurysma-Coiling Risiken und potenzielle Komplikationen. Es ist wichtig, sich dieser bewusst zu sein, um informierte Entscheidungen treffen zu können.

Zu den allgemeinen Risiken gehören:

  • Infektionen
  • Blutungen
  • Verletzungen umgebender Strukturen
  • Narkoserisiken (z.B. Zahn- und Mundraumverletzungen beim Einbringen des Beatmungsschlauchs, Kreislaufentgleisungen, Beatmungsprobleme)

Spezifische Risiken und Komplikationen des Aneurysma-Coilings umfassen:

  • Rekanalisation: In den ersten Wochen bis Monaten nach dem Eingriff kann es zu einer Rekanalisation, einer teilweisen Wiedereröffnung, des Aneurysmas kommen. Diese sollte in einer Nachkontrolle erkannt und durch ein erneutes Coiling behandelt werden.
  • Schlaganfall: Es ist möglich, dass ein Teil des im Aneurysma entstandenen Gerinnsels sich löst, und ein Hirngefäß verschließt, wodurch es zu einem Schlaganfall kommt.
  • Gefäßverletzungen: Während des Eingriffs kann es durch den Katheter oder die Spiralen zu einem Einreißen des Aneurysmas oder zu Verletzungen anderer Blutgefäße kommen.
  • Allergische Reaktionen: Allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel, das während des Eingriffs verwendet wird, sind möglich.

Aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kommt es bei bis zu fünf Prozent der Behandelten zu therapiebedingten Komplikationen. Dazu gehören schwere Nachblutungen, eine dauerhafte Epilepsie oder eine Gefäßverletzung beziehungsweise ein Gefäßverschluss mit einem Schlaganfall, was zu bleibenden Schäden führen oder sogar tödlich verlaufen kann.

Lesen Sie auch: Gehirn schützen

Nachsorge und Rehabilitation

Eine Woche nach dem Eingriff, sowie nach einem halben Jahr, sollte eine angiographische Untersuchung zur Kontrolle erfolgen. Diese spezielle bildgebende Untersuchung zur Darstellung von Blutgefäßen, kann computertomographisch (CT) oder magnetresonanztomographisch (MRT) durchgeführt werden. Sie soll dafür sorgen, dass eine eventuelle Rekanalisation erkannt wird und behandelt werden kann. Nach Ablauf eines halben Jahres ist eine Rekanalisation sehr unwahrscheinlich.

Außerdem sollten lebenslang in mehrjährigen Abständen MRT-Untersuchungen des Schädels durchgeführt werden, um potentielle Zweitaneurysmen zu erkennen, da das Risiko bei Patienten, bei denen bereits einmal ein Aneurysma aufgetreten ist, gegenüber der Normalbevölkerung deutlich erhöht ist. MRT-Kontrollen werden zunächst nach zwei, fünf und zehn Jahren nach der Aneurysmabehandlung vorgeschlagen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kann eine Anschlussheilbehandlung (Reha) stattfinden, die insbesondere bei erlittener Subarachnoidalblutung ausdrücklich empfohlen wird. Im Anschluss an ein Coiling sollte mehrere Wochen lang auf sportliche Belastung verzichtet werden, um Blutdruckspitzen zu vermeiden. Langfristig gibt es für Patienten und Patientinnen nichts Besonderes zu beachten.

Prävention

Nicht alle Menschen mit einem Hirnaneurysma brauchen eine Behandlung. Bei manchen ist es sinnvoll, das Aneurysma mittels Katheter oder Operation zu verschließen, damit es nicht irgendwann reißt. Wer keine Beschwerden und nur ein geringes Risiko für Komplikationen hat, braucht nicht unbedingt eine Behandlung.

Unabhängig vom individuellen Risiko für Komplikationen wie einer Hirnblutung, gelten folgende Regeln für alle Menschen mit einem Aneurysma:

  • den Blutdruck zu senken, wenn er zu hoch ist - zum Beispiel durch Ernährungsumstellung zur Gewichtsabnahme, regelmäßige Bewegung oder Medikamente,
  • nicht zu rauchen und
  • keinen oder nur wenig Alkohol zu trinken.

Spezialisten für Aneurysma-Coiling

Ein intrakranielles Aneurysma sollte stets von Ärztinnen und Ärzten der Neuroradiologie und Neurochirurgie interdisziplinär begutachtet werden, sodass ein optimaler Behandlungsplan ausgearbeitet werden kann. Entscheiden sich Patient oder Patientin und Ärztinnen und Ärzte zu einer Behandlung durch Coiling, so wird diese durch eine neuroradiologische Abteilung durchgeführt, die über entsprechende Expertise verfügen sollte.

tags: #gefahren #nach #coiling #im #gehirn