Alzheimer Kongress Schwerin: Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven

Einleitung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich für ein besseres Leben mit Demenz ein und unterstützt sowie berät Menschen mit Demenz und ihre Familien. Im Fokus stehen dabei sowohl die medizinische Forschung als auch die Verbesserung der Lebensqualität Betroffener und ihrer Angehörigen. Kongresse und Fachtagungen spielen eine entscheidende Rolle, um neueste Erkenntnisse zu präsentieren, den interdisziplinären Austausch zu fördern und innovative Behandlungsansätze zu diskutieren. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung solcher Veranstaltungen, insbesondere im Kontext des Alzheimer Kongresses in Schwerin, und gibt einen Einblick in aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Demenzforschung und -versorgung.

Historischer Kontext der Neurologie und Psychiatrie in Mecklenburg-Vorpommern

Die Tradition neurologischer und psychiatrischer Tagungen in Mecklenburg-Vorpommern reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1899 wurde der "Verein norddeutscher Irrenärzte" in Schleswig gegründet. Im Jahr 1948 löste sich unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Hanns Schwarz die "Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie in Mecklenburg" aus der "norddeutschen" Organisation ab, damals noch mit Erlaubnis der Sowjetischen Militäradministration. Im gleichen Jahr wurde Prof. Dr. Karl Bonhoeffer anlässlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenmitglied ernannt. Nach der politischen Wende erfolgte die Umbenennung in "Gesellschaft für Nervenheilkunde des Landes Mecklenburg-Vorpommern e.V.". Die Grundidee ist bis heute aktuell: Das zentrale Nervensystem steht im Zentrum neurologischer und psychischer Erkrankungen, wobei auch psychologische, biografische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Rückblick auf die 77. Jahrestagung

Anfang des Jahres fand die 77. Jahrestagung statt. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Frau Prof. Dr. Agnes Flöel und Dr. Anselm Angermaier (Neurologie) sowie Prof. Dr. Hans-Jörgen Grabe und Prof. Dr. Georg Schomerus (Psychiatrie). Diese Veranstaltung war mit über 100 Teilnehmern sehr gut besucht. Traditionell wurden am ersten Tag Workshops zu psychiatrischen, psychiatriegeschichtlichen und differentialdiagnostischen neurologischen Themen abgehalten. Darüber hinaus gab es zahlreiche Fachvorträge zum Leitthema, bei denen sowohl neue wissenschaftliche Ergebnisse als auch lehrreiche Kasuistiken dargestellt wurden. Ein besonderer Teil der Tagung bestand in einem Symposium zum Gedenken an den im Dezember 2018 verstorbenen Kollegen, Herrn Prof. Dr. Die Veranstaltung endete mit einem Fachvortrag zum Thema „Prävention von Demenz“ von Frau Prof. Steffi Riedel-Heller aus Leipzig.

Ausblick auf die 78. Jahrestagung

Die 78. Jahrestagung fand vom 12. bis 13. März 2020 in der Carl-Friedrich-Flemming Klinik, Helios Kliniken Schwerin, statt. Die organisatorische Leitung übernahmen Prof. Andreas Broocks und Frau Prof. Dr. Jaqueline Höppner-Buchmann (Psychiatrie) sowie Prof. Dr. Frank Block und Prof. Dr. Bernd Frank (Neurologie). Damit wurde eine der ältesten psychiatrischen Kliniken Deutschlands zum Tagungsort, die im Jahr 1830 auf dem Schweriner Sachsenberg eröffnet wurde. Dieser ist bis heute durch den großen Landschaftspark, direkt am Schweriner Ziegelsee gelegen, bekannt.

Leitthema: Ambulant oder tagesklinisch? - Stationär oder Reha? - Neue Chancen für eine optimierte Behandlung

Das Leitthema für 2020 lautete: “Ambulant oder tagesklinisch? - Stationär oder Reha? - Neue Chancen für eine optimierte Behandlung“. Es sollten möglichst breit neurologische und psychische Erkrankungen über die Lebensspanne hinweg beleuchtet werden - unter besonderer Berücksichtigung der verschiedenen Behandlungsformen. Sowohl Störungen des Kindes- und Jugendalters als auch die Erkrankungen des höheren Lebensalters wurden einbezogen.

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Förderung von Forschungsvorhaben

Wie im vergangenen Jahr bestand auch jetzt wieder die Möglichkeit, eine finanzielle Förderung für ein Forschungsvorhaben zu beantragen. Hierfür stand eine Summe von insgesamt 9.000 Euro zur Verfügung. Anträge mit einer ausführlichen Projektskizze konnten eingereicht werden bei: Prof. Dr. med.

Die Rolle des Demenzzentrums Schwerin

Mit dem Ansteigen der Lebenserwartung geht nach Einschätzung von Fachleuten auch ein Anwachsen der Zahl von Demenzerkrankungen einher. Darum spielen Prävention und die Arbeit von Einrichtungen wie dem Demenzzentrum in Schwerin eine immer wichtigere Rolle. „Ob Tanzcafé, Yoga für An- und Zugehörige, Schulungen für Angehörige oder Fachpersonal - die Angebote des Zentrums unterstützen seit mittlerweile fast 20 Jahren dabei, ein Leben mit Demenz gut zu gestalten“, sagte Drese. Demenz sei eine der häufigsten altersbedingten Erkrankungen, die den Alltag der Betroffenen enorm verändere bis zum Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu versorgen. Die am meisten vorkommenden Form sei dabei Alzheimer. Noch gebe es keine heilenden Therapien, deshalb sei Prävention besonders wichtig, betonte Drese. Demenz betreffe nicht nur die Erkrankten, sondern auch die Angehörigen und die Gesellschaft insgesamt. Denn die Krankheit stelle eine große Herausforderung für die medizinische und pflegerische Versorgung dar.

Aktivitäten und Initiativen zur Unterstützung von Menschen mit Demenz

Neben den wissenschaftlichen Kongressen und Fachtagungen gibt es zahlreiche weitere Aktivitäten und Initiativen, die darauf abzielen, das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Die Demenz Support Stuttgart beispielsweise engagiert sich in vielfältiger Weise, um Betroffene und ihre Familien zu unterstützen.

Beispiele für Initiativen und Aktionen

  • Fachtagungen und Seminare: Die Demenz Support Stuttgart bietet regelmäßig Fachtagungen und Seminare an, die sich an Fachkräfte, Angehörige und Ehrenamtliche richten. Diese Veranstaltungen dienen dazu, Wissen zu vermitteln, Kompetenzen zu stärken und den Austausch zwischen den Beteiligten zu fördern. Ein Beispiel hierfür ist die Fachtagung "Demenz morgen, beginnt heute", die im Hospitalhof Stuttgart stattfand.
  • Aktion Herzenswunsch: Im Rahmen der Aktion "Herzenswunsch" werden älteren Menschen Freude geschenkt und lang gehegte Wünsche erfüllt. Diese Aktion wird bundesweit durchgeführt und hat bereits viele Menschen glücklich gemacht.
  • Praxishilfen und Checklisten: Die Demenz Support Stuttgart stellt eine Vielzahl von Praxishilfen und Checklisten zur Verfügung, die den Alltag mit Demenz erleichtern sollen. Dazu gehören beispielsweise eine Checkliste zur Einordnung von Symptomen bei Menschen mit Down-Syndrom und ein Gesundheitspass.
  • KuKuK-TV: Der Teilhabekanal KuKuK-TV bietet regelmäßig Beiträge zu verschiedenen Themen rund um Demenz. Diese Beiträge informieren, sensibilisieren und zeigen Beispiele für gute Praxis.
  • Betreuungsgruppen und Kaffeerunden: Es gibt zahlreiche Betreuungsgruppen und Kaffeerunden, die Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eine Möglichkeit zum Austausch und zur sozialen Interaktion bieten. Ein Beispiel hierfür ist die Birkacher Kaffeerunde, die als älteste Betreuungsgruppe Deutschlands gilt.
  • Fortbildungen: Fachwissen und eine personenzentrierte Grundhaltung sind die Grundlagen der Fortbildung „Umgang mit Menschen mit Demenz“.
  • Literaturwettbewerb: Jährlich veranstaltet der Verein „Die Wortfinder“ einen Literaturwettbewerb für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.
  • Gartengestaltung für Pflegeeinrichtungen: Die Demenz Support Stuttgart präsentiert in einem frischen Layout eine Praxishilfe zur Gartengestaltung für Pflegeeinrichtungen in der Altenhilfe.
  • Wandergruppen: In Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Albverein wurde die erste „Lust am Wandern“-Gruppe ins Leben gerufen.
  • Unterstützte Selbsthilfegruppen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Unterstützten Selbsthilfegruppe für Menschen mit Vergesslichkeit und Orientierungsschwierigkeiten besuchen das Offene Atelier in Ostfildern.
  • Inklusions-Gala: Ende Mai fand in Stuttgart in der Carl Benz Arena die 3. Inklusions-Gala statt.
  • Museumsführungen: Die Staatsgalerie Stuttgart bietet unter dem Titel „Einfach Kunst“ Museumsführungen für Menschen mit Demenz an.

Herausforderungen und Perspektiven in der Demenzversorgung

Die Demenzversorgung steht vor großen Herausforderungen. Mit der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz wird es immer wichtiger, innovative Versorgungsmodelle zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Früherkennung: Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und Betroffenen und ihren Familien frühzeitig Unterstützung anbieten zu können.
  • Prävention: Da es noch keine heilenden Therapien gibt, ist Prävention von großer Bedeutung. Studien haben gezeigt, dass ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Bewegung und soziale Interaktion das Demenzrisiko senken können.
  • Personenzentrierte Versorgung: Jeder Mensch mit Demenz ist einzigartig und hat individuelle Bedürfnisse. Eine personenzentrierte Versorgung, die die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen berücksichtigt, ist daher unerlässlich.
  • Unterstützung von Angehörigen: Angehörige, die Menschen mit Demenz pflegen, sind oft stark belastet. Es ist wichtig, sie zu unterstützen und ihnen Entlastungsangebote zu machen.
  • Vernetzung der Akteure: Eine gute Vernetzung der verschiedenen Akteure in der Demenzversorgung, wie Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Angehörige und Ehrenamtliche, ist entscheidend für eine umfassende und koordinierte Versorgung.
  • Migration: Es ist wichtig, Menschen mit Migrationsgeschichte mit Demenz zu erreichen und zu unterstützen.
  • Technische Hilfsmittel: Technische Hilfsmittel können dazu beitragen, den Alltag von Menschen mit Demenz zu erleichtern und ihre Selbstständigkeit zu fördern.

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