Die Alzheimer-Krankheit stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit der Erkrankung ist die Gestaltung eines erfüllten Alltags. Auch Menschen mit Demenz haben das Bedürfnis nach Beschäftigung und Aktivität. Hier erfahren Sie, wie Sie als pflegender Angehöriger das Tagesprogramm so gestalten können, dass Ihr Familienmitglied darin Erfüllung findet.
Warum ist eine angepasste Beschäftigung wichtig?
Durch die neurologische Erkrankung Demenz büßen Patient:innen nach und nach einen Teil ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit ein. Dies hat auch Auswirkungen auf das Freizeitverhalten. Aktivitäten, die früher Freude bereitet haben, können nun schwerfallen oder überfordern. Ehemalige „Bücherwürmer“ können durch die Demenz die Freude am Lesen verlieren, da sie das Geschriebene nicht mehr verstehen beziehungsweise einordnen können. Durch eine Kombination aus Alterungsprozessen und Krankheitsfortschritt kann auch die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigt sein - womöglich hat Ihr Familienmitglied deshalb das Tanzen und Musizieren eingestellt.
Eine angepasste Beschäftigung ist jedoch von großer Bedeutung, da sie:
- Für Abwechslung sorgt und dem Tag eine Struktur gibt.
- Die Lebensfreude anregt, gute Laune vermittelt und das Selbstvertrauen stärkt.
- Vorliegende Fähigkeiten möglichst lange aufrechterhält und womöglich vernachlässigte Fähigkeiten aktiviert.
- Positive Erfahrungen ermöglicht: „Ich kann noch etwas“, „Ich gehöre zur Gesellschaft dazu“, „Ich bin jemand“.
- Die Energie lenkt und mental müde macht, was den Nachtschlaf unterstützt.
Kriterien für die Auswahl passender Beschäftigungsangebote
Bei der Auswahl von Beschäftigungsangeboten sollten Sie folgende Kriterien berücksichtigen:
- Einfachheit und Anpassung an das Krankheitsstadium: Die Aufgaben sollten Ihren Angehörigen nicht überfordern, sondern Erfolge in Aussicht stellen.
- Bezug zu den Jahreszeiten: Dies unterstützt die Orientierung und die Strukturierung im Alltag.
- Greifbares Ergebnis: Ein fertiges Puzzle, ein gewonnenes Spiel, eine gestaltete Einladungskarte oder ein zubereitetes Gericht können Erfolgserlebnisse schaffen.
- Individuelle Interessen: Berücksichtigen Sie die Vorlieben und Abneigungen Ihres Angehörigen.
- Biografische Verankerung: Beschäftigungen, die an die Lebensgeschichte anknüpfen, sind oft besonders ansprechend.
Ideen zur Beschäftigung für Demenzkranke
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Menschen mit Demenz sinnvoll zu beschäftigen. Viele Angebote sind kostenlos oder kostengünstig umsetzbar:
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- Beschäftigung zum Ausdrucken: Das Internet bietet viele Rätsel für demente Senior:innen, die Sie kostenlos ausdrucken können. Hier geht es beispielsweise darum, einen Weg durch einen Irrgarten zu finden, Wörter zu ergänzen oder passende Begriffe zusammenzuführen.
- Sprichwörter vervollständigen: Viele Senior:innen finden Gefallen daran, bekannte Sprichwörter zu ergänzen. So zum Beispiel: „Kindermund…… tut Wahrheit kund.“
- Musik: Vertraute Lieder können das Wohlbefinden Demenzkranker steigern. Wie wäre es, wenn sie gemeinsam der Musik lauschen oder die Lieder mitsingen - das ist übrigens auch eine gute Beschäftigung für blinde Demenzkranke. Sammelt Lieder, die dein Gegenüber gerne singt oder hört. Seien es Volkslieder, Schlager, Pop oder Klassik. Überlege dir, wie du diese Musik ins Leben des demenzkranken Mannes einbauen und ihn damit beschäftigen kannst. J wie Jukebox. Musik ist eine schöne Beschäftigung für demenzkranke Männer. Menschen mit Demenz entwickeln keinen neuen Musikgeschmack, sondern mögen oft besonders gerne die Musik, die sie in ihrer Jugend am liebsten gehört haben. Das weckt oft lebendige Erinnerungen.
- Erinnerungen aufleben lassen: Demenzkranke können sich Erinnerungen oft einfacher als aktuelle Geschehnisse ins Gedächtnis rufen. Sehen Sie sich gemeinsam alte Fotoalben an und lassen Sie Ihren Angehörigen erzählen. Sie können Ihrem Familienmitglied auch ein Märchen aus Kindheitstagen vorlesen. Mit Hilfe von Fotoalben, alten Büchern, Bildbänden oder Gegenständen aus früherer Zeit (wie Flohmarktartikel oder alte Gegenstände, die zu Hause aufbewahrt wurden) können Erinnerungen wachgerufen werden, die oft präsenter sind als das aktuelle Geschehen. Stellen Sie als Pflegender oder Angehöriger konkrete Fragen zur Kindheit oder Jugend des Demenzerkrankten. Zum Beispiel zu wichtigen historischen Ereignissen aus dieser Zeit. Gerade bei fortschreitender Demenz fällt es vielen Betroffenen schwer, noch selbst zu lesen. Ein Erinnerungsalbum sammelt Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Leben einer Person mit Demenz. Es dient der Erinnerungspflege und der Beschäftigung, denn es kann immer wieder Freude bereiten, ein solches Album durchzublättern und sich an Ereignisse aus dem eigenen Leben zu erinnern. Mehrere kleine Erinnerungsalben sind meistens sinnvoller als ein großes, das eher überfordert.
- Künstlerische Gestaltung: Mit Basteln und Malen lebt Ihr Angehöriger seine kreative Seite aus. Wie wäre es mit Fingerfarben, die besonders gut die Sinne anregen? Beliebt ist auch das Malen mit einem Wasserfarbkasten. Vielleicht freut sich Ihr Angehöriger alternativ über ein Knüllbild. Hier malen Sie eine Form auf ein Blatt Papier, zum Beispiel einen Weihnachtsbaum. Ihr Angehöriger nimmt dann ein bunter Stück Papier, reißt es in Stücke und klebt die Schnipsel mit einem Klebestift in die Form. Nehmen Sie den Wechsel der Jahreszeiten als Anlass, um passende Dekoration zu basteln. Bringen Sie dafür ein paar Dinge aus der Natur mit (Tannenzapfen, Blumen, Kastanien, usw.). So stellen Sie beim Basteln einen Bezug zur Außenwelt her und fördern gleichzeitig die biografische Erinnerung. Kreative Tätigkeiten sind zugleich eine aktive Betätigung und eine sinnliche Erfahrung. Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien aus der Natur oder dem Bastelladen kann Demenzerkrankten viel Freude bereiten. Sie müssen sich dafür nicht unbedingt spannende Bastelideen ausdenken, sondern können auch einfach so etwas Raum für die kreative Betätigung schaffen. Ambitionierte Ziele sind oft sogar kontraproduktiv.
- Abwechslung schaffen: Gerade Pflegebedürftige, die viel Zeit im häuslichen Umfeld verbringen, freuen sich über einen „Tapetenwechsel“. Unternehmen Sie gemeinsam einen Spaziergang oder einen Ausflug, zum Beispiel in den nahe gelegenen Zoo. Für gläubige Menschen kann ein Besuch in der Kirche ein Highlight sein. Informieren Sie sich auch, ob es in Ihrer Nähe ein Demenzcafé gibt - diese bieten meist ein Veranstaltungsprogramm mit Musik und Tanz, aber auch sozialen Austausch. "Nix wie raus!" Nicht zuletzt sind schöne, anregende Erlebnisse außer Haus wohltuend und belebend auch für Menschen mit Demenz, zum Beispiel der Besuch im Zoo, beim Friseur, in einer Eisdiele, im Tanzcafé oder auch in der Betreuungsgruppe. Viele Sozialverbände und kirchliche Träger bieten regelmäßige Treffpunkte für Menschen mit Demenz.
- Bewegung: Den eigenen Körper spüren und Sinneserfahrungen machen, das ist in jedem Lebensalter wichtig. Dazu tragen Bewegungsspiele, wie ein Ringwurfspiel, eine Sitzgymnastik mit Musik, eine Massage mit Igelbällen oder Standardtänze bei. Bewegung regt den Kreislauf an, fördert Sinneserfahrungen und bringt Freude. Deshalb sind Spaziergänge und Ausflüge immer eine sinnvolle Beschäftigung. Bälle gibt es in ganz vielen unterschiedlichen Farben und Formen. Wenn man sie jemandem zuwirft, werden sie im besten Fall automatisch gefangen. Man kann Sie gut in die Beschäftigung für Senioren einbauen.
- Lebensnahe Tätigkeiten: Auch kleine Beschäftigungen im Haushalt oder Garten können Pflegebedürftigen eine Freude bereiten. Demenzkranke können selbst im fortgeschrittenen Stadium gut auf Fähigkeiten zurückgreifen, die sie langjährig ausgeübt haben, so wie Kartoffeln schälen, Klöße formen oder den Tisch eindecken. Sie können auch gemeinsam das Geschirr abwaschen, die Blumen gießen oder die Wäsche zusammenlegen. Je nach Interessen Ihres Familienmitglieds sind Arbeiten mit Wolle und Garn oder das Bearbeiten von Holz mit Schmirgelpapier eine gute Beschäftigung. Wie wäre es zudem, wenn sie gemeinsam Blumen einkaufen und diese in den Boden setzen? Auch hier der Tipp: Denken Sie an das, was Ihr Angehöriger früher gerne gemacht hat, wie Büroarbeiten. Lassen Sie Ihr Familienmitglied doch einmal die neuesten Briefe lochen und abheften oder mit Stempeln experimentieren. Alltagsnahe und lebenspraktische Tätigkeiten Hauswirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten wie Kochen, Backen, Spülen, Putzen, Bügeln, Arbeiten mit Wolle, Schmirgeln von Holz, Sortieren von Werkzeug, Arbeiten im Garten - am besten Jeden nach seinen bisherigen Interessen und verbliebenen Fähigkeiten einbeziehen. Tisch decken ist zuviel? Vielleicht klappt aber noch das Tischabwischen! Jäten, pflanzen oder umgraben. Vielleicht könnt ihr gemeinsam Tomaten pflanzen oder Kresse säen. Das geht nicht nur im Garten, sondern auch in einem Topf auf dem Balkon. Oder eine Runde fachsimpeln: Soll man Petersilie und Schnittlauch direkt nebeneinander pflanzen? Was tut man gegen Schnecken im Garten?
- Spiele: Im Handel gibt es spezielle Spiele für Senior:innen beziehungsweise bei Demenz. Sie sprechen motorische Fähigkeiten an und/oder stellen ein Gedächtnistraining bereit. Viele Demenzkranke haben Freude an lebensnahen Tätigkeiten. Besonders geeignet sind Spiele, die von Kindheit an vertraut sind, wie Mensch-ärgere-dich-nicht, Mühle oder Würfelspiele. Bei Bedarf müssen dabei die Spielregeln verändert und an die Möglichkeiten des Menschen mit Demenz angepasst werden. Achten Sie darauf, dass das Spielen nicht zu Leistungsdruck führt. Variieren Sie die Spielregeln lieber, als zu konsequent auf deren Einhaltung zu achten und Ihren demenzerkrankten Spielpartner damit zu verunsichern. Lassen Sie sich inspirieren, welche Spiele für die Beschäftigung von Demenzerkrankten besonders geeignet sind. Neben Lego- und Duplo-Steinen, die Kreativität und Konzentrationsfähigkeit fördern, gibt es eine Vielzahl weiterer Spiele und Spielzeuge, die speziell für Demenzerkrankte geeignet sind. Dazu zählen beispielsweise einfache Puzzles mit großen Teilen, die das visuelle Erkennen unterstützen, sowie Gedächtnisspiele, die auf Bilder statt Text setzen, um die Erinnerungsfähigkeit anzusprechen. Ein Memory-Spiel mit großen Karten und leicht erkennbaren Motiven - so gelingt das Anfassen und Aufdecken leicht. Auf den Karten finden sich bekannte Gegenstände, die - wie bei jedem Memory - paarweise auftreten. Doch das Sammeln ist nur ein Ziel. Genauso wichtig ist, dass die Karten Erinnerungen wecken und so zum Erzählen anregen. Der Preis für das Memory „Erinnere Dich“ liegt bei ca. Einfache Puzzles mit nur vier Teilen je Motiv machen das Zusammenfügen leicht. Die Motorik wird geübt, ein hübsches Bild entsteht und ganz nebenbei entspannt sich ein Gespräch über damals und heute, über heitere Erinnerungen aus der Familiengeschichte. 168 Spielkarten und schon können Sie mit Ihrem demenzerkrankten Angehörigen loslegen: Zu Themen wie „Natur“, „Damals“, „Zu Hause“, „Bewegung“ oder „Rätseln“ werden Fragen gestellt, Lieder gesungen oder Gymnastikübungen gemacht. Das Kartenspiel „Bunte Mischung“ kostet ca. Am Tisch sitzen und Geschichten erzählen - das ist die Grundidee dieses Spiels. Spielplan und die entsprechenden Karten liefern Impulse für das Gespräch. Es geht um Rätselraten, Wortsammlungen und Redensarten. Mühle, Dame oder Schach. Oft sind die Regeln noch tief im Gedächtnis. Und wenn es nicht klappt? Egal - auch wenn die Figuren nur betastet oder nach eigenen Regeln übers Feld geführt werden, kann das Erinnerungen wecken. S wie „Schach matt!“ Beim Spielen im Pflegeheim. Dosen werfen war beispielsweise auf dem Rummelplatz ein netter Zeitvertreib - bei dem man Preise gewinnen oder sich miteinander messen konnte. Sammle einige Dosen und Bälle und probieren es aus. „Mit Lebensmitteln spielt man nicht“, ist eine Grundüberzeugung von Menschen, die in armen Zeiten aufgewachsen sind. Daher biete ich dir hier eine Spielidee mit Kastanien. Du benötigst dazu einen Würfel, und einen Korb voller Kastanien. Die Kastanien kommen in die Mitte. Würfelt reihum. Wer eine (1) würfelt, nimmt eine Kastanie und legt sie vor sich. Wenn keine Kastanien mehr in der Mitte sind, ist das Spiel beendet. Hier geht es um gemeinsames Tun.
- Männer-spezifische Beschäftigungen: Es gibt auch geschlechtsspezifische Interessen, die bei der Beschäftigung berücksichtigt werden können. Für viele Männer sind beispielsweise handwerkliche Tätigkeiten, Fußball, Feuerwehr oder Oldtimer interessante Themen. Wenn jemand in den 50ern zu Bill Haley Rock`n Roll getanzt hat, wird er einen anderen Musikgeschmack haben als ein Peter-Alexander-Fan. Es gibt auch Männer (mich zum Beispiel) die lieber Wäsche waschen als an Motoren zu schrauben. Eine Werkbank im Zentrum fürs Alter Früelig in Beringen in der Schweiz. Hammer, Schraubenschlüssel oder Zange verbreiten einen herrlich metallischen Geruch. Sie werden gerne in der Hand hin und her gewogen. Wenn es nach Harz, Holz und Tannennadeln riecht, bringt das manchen Mann zum Erzählen. Ein Ausflug in den Wald wäre schön. Senioren von heute haben früher oft viel im Wald gespielt. Bringe Äste und Schnüre mit - und lasse dir zeigen, wie man Pfeil und Bogen bastelt. Du kannst verschiedene Flaschen (Bier, Wein, Schnaps) mit den entsprechenden Deckeln mitbringen. Ein schmutziges Auto - dazu Schwamm, Eimer und Schaum - mehr ist nicht nötig, um den ein oder anderen Mann für eine längere Zeit glücklich zu machen. Danach die Sitze absaugen und die Fußmatten sauber klopfen. Es muss danach nicht alles glänzen. Wie wäre es mit einem Ausflug in den nächsten Baumarkt? Nehmt die Gerüche wahr. Geht gemeinsam kegeln. Früher hatten viele Kneipen eine Kegelbahn, auf der man gespielt hat. Kegeln war ein Volkssport. Sammle im Wald Blätter von verschiedenen Bäumen. Gerne bei einem Spaziergang. Beschäftigung für demenzkranke Männer kann auch im Wald stattfinden. Bestimmt gemeinsam die Baumarten. Viele Männer haben früher Fußball gespielt. Im Verein im eigenen Dorf. Ein eigener Fernsehapparat im Wohnzimmer war früher nicht selbstverständlich. So haben sie sich große Fußballturniere im Radio angehört. Legendär etwa die Radioreportage zum „Wunder von Bern“ - die Weltmeisterschaft 1954, bei der Deutschland den Titel holte. F wie Fußball - das kann eine schöne Beschäftigung für Männer mit Demenz sein. Das Foto entstand auf dem Fußballplatz Tengen. In der Nähe des Pflegeheims3, in dem ich tätig bin, gab es einmal eine größere Baustelle. Es roch nach staubigen Steinen und Diesel, die Bagger rumpelten und bewegten große Massen. Ich habe an einem Morgen fast alle Männer, die damals im Pflegeheim waren, zur Baustelle gebracht. Ich arbeite in einer Industriestadt: Singen am Hohentwiel. Viele haben dort früher in der Fabrik gearbeitet. Ein Herr, der 4 Jahrzehnte Suppe für die Maggi produziert hat, fasste sein Berufsleben zusammen: „40 Jahre fette Brühe“. Und wann wohl haben seine Augen geleuchtet? Bringe doch einmal ein Marmeladenrezept mit - und frage dein Gegenüber mit Demenz, ob das auch wirklich so funktioniert. Bei der Feuerwehr hat man Technik, Kameradschaft - und hilft anderen Menschen. Beschäftigung für demenzkranke Männer? Welches Männerherz schlägt nicht für die Feuerwehr? F wie Feuerwehr - ein altes Feuerwehrfahrzeug kann eine schöne Beschäftigung für demenzkranke Männer sein. Am besten holst du dein Gegenüber mit der Sportart ab, die er früher geliebt hat - sei es Radfahren, Schwimmen oder Volleyball. Oder hat dein Gegenüber Tennis gespielt? Dann gib ihm einen Schläger und einen Ball in die Hand. Skat, Rommé oder Schafkopf? Kartenspielen war früher beliebte Beschäftigung. Finde heraus, was man in deiner Gegend gespielt hat. Gesprächsimpulse könnten sein: Haben Sie um Geld gespielt? Wo haben Sie gespielt? Männer & Bier - das gehört zusammen. Wäre es möglich, einmal eine Brauerei zu besuchen? Oder einen Biergarten? Wenn nicht: Besorge dir Bilder, die Biergarten-Stimmung verbreiten. Vielleicht kannst du auch Hopfen in den Händen wiegen lassen. Oder Biergläser und Bierkrüge, Bierflaschen und Bierdosen. W wie Wein. Auch eine schöne Beschäftigung für Männer mit Demenz. Vielleicht ist ein Besuch im Weinberg nicht möglich. Aber wie wäre es, Material mitzubringen, das daran erinnert: Eine Rebe und eine Rebschere. Oder Weinfass, Weinflaschen und Gläser. Beschäftigung für demenzkranke Männer rund ums Thema Wein? Viele Männer, die in der armen Zeit aufgewachsen sind, haben früher Pilze gesammelt. Erkläre ein Pilz-Kochrezept, bei dem du „aus Versehen“ ein Detail verwechselst. Holzscheite knistern, Funken fliegen. Es riecht nach Rauch. Viele Männer sitzen gern an der Feuerschale und schauen ins Feuer. Manchmal führen sie dabei tiefe Gespräche. Oder sie schweigen. Schuhcreme, Bürsten & Lederschuhe. Bringe dieses Material mit. Und gebe es dem Herrn mit Demenz in die Hand. So mancher wird zeigen können, wie akribisch er ist. Bringe doch einmal einen platten Fahrradreifen mit. Oder ein Fahrrad, an dem etwas zu reparieren ist. Sowie das zugehörige Flickzeug. Lasse dir von deinem Gegenüber mit Demenz zeigen oder erklären, wie man einen kaputten Reifen repariert. War dein Gegenüber früher einmal in einem Schützenverein? Vielleicht kannst du ein altes Gewehr auftreiben? Oder einen Pokal, den er früher einmal gewonnen hat, als er Schützenkönig wurde. Lade doch einmal einen Jäger ein, der seine typische Ausrüstung mitbringt, dein Gegenüber dran tasten lässt - und ihn dazu anregt, Jägerlatein zu erzählen. Auch zum Thema Fischerei sind Senioren oft sehr bewandert. Esst gemeinsam einen Fisch. Käfer, Ente, Bully. Solche Oldtimer kennt wohl jeder ältere Mann. Könnt ihr irgendwo echte Oldtimer anschauen? Vielleicht in einem Oldtimer-Club oder Fahrzeug-Museum. O wie Oldtimer, gesehen bei der „Autoschmiede“ in Tengen. Kannst du Markstücke, Pfennige oder sogar Reichsmark auftreiben? Lasse dein Gegenüber diese in den Händen wiegen. Ihr könnt gemeinsam die Münzen ordnen - nach Farben, Größe oder dem aufgedruckten Wert. Holzscheit und Axt regen zum Erzählen an. Wie war das, früher in den Wald zu gehen und Holz zu machen. H wie Herd. Ein alter Herd kann Erinnerungen bei Männern mit Demenz wecken. Von früher zu erzählen kann eine schöne Beschäftigung für demenzkranke Männer sein. Frage dein Gegenüber, ob er dir dabei helfen will, den Hof zu kehren. Viele Männer, die heute dement sind, haben früher musiziert. Vielleicht kannst du das Musikinstrument deines Gegenübers mitbringen. Kann sein, dass er diesem einige Töne entlockt. Auch wenn er das Musikinstrument nur in den Händen hält und dadurch Erinnerungen an früher wach werden, hat es sich vielleicht schon gelohnt.
Wichtige Hinweise für die Gestaltung der Beschäftigung
- Respektieren Sie individuelle Vorlieben und Abneigungen.
- Vermeiden Sie Überforderung.
- Tolerieren Sie Fehler und vermeiden Sie Kritik. Achten Sie darauf, keine vermeintlichen Fehler aufzudecken und zu kritisieren, sondern geben Sie Ihrem Angehörigen den nötigen Freiraum. Basteln Sie gemeinsam Weihnachtssterne und Ihr Familienmitglied gestaltet diese nicht spitz, sondern rund, ist das völlig in Ordnung.
- Loben Sie den Patienten auch wenn die Arbeitsqualität nicht 100%ig Ihren Erwartungen entspricht oder er die Aufgabe nicht fertigstellen konnte.
- Schaffen Sie eine urteilsfreie Atmosphäre. Doch egal, welche Beschäftigung Sie für Ihren Angehörigen aussuchen, bleiben Sie frei von Urteilen.
- Erinnern Sie sich an frühere Interessen und Hobbys.
- Beziehen Sie die Sinne mit ein. Gebe deinem Gegenüber einen Schraubenschlüssel in die Hand.
- Bieten Sie soziale Kontakte. Soziale Kontakte sind auch für Alzheimerpatienten nach wie vor sehr wichtig.
- Berücksichtigen Sie das Stadium der Demenz. Das Stadium der Demenz ist ausschlaggebend dafür, welche Aufgaben und Spiele Sie der betroffenen Person zumuten können. Gedächtnisübungen können zum Beispiel bei einer leichten Demenz noch sinnvoll sein und Spaß bereiten. Beachten Sie das Stadium der Demenz: Überforderung bewirkt negative Reaktionen.
- Bewegung an der frischen Luft führt zu einer höheren Ausgeglichenheit des Alzheimer-Patienten.
Technische Hilfsmittel zur Unterstützung
Neben den genannten Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es auch technische Hilfsmittel, die den Alltag von Menschen mit Demenz erleichtern und ihre Selbstständigkeit fördern können:
- Telefone mit großen Tasten: Erleichtern die Bedienung und ermöglichen die Kontaktaufnahme zu wichtigen Bezugspersonen.
- Personenortungssysteme: Sorgen für mehr Sicherheit, wenn der Betroffene den Weg nach Hause nicht mehr findet.
- Digitale Kalender und Uhren: Unterstützen die zeitliche Orientierung.
- Herdsicherungen und Rauchmelder: Erhöhen die Sicherheit im Haushalt.
- Sprachassistenzsysteme: Sprachassistenzsysteme können die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz unterstützen, ihre Teilhabemöglichkeiten erhöhen und zur Unterhaltung beitragen - und damit Erkrankten ebenso wie pflegenden Angehörigen ein größeres Sicherheitsgefühl geben.
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