Alzheimer und Schlafstörungen: Ein komplexer Zusammenhang

Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Besonders im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer rücken Schlafstörungen immer stärker in den Fokus. Es ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass Schlafstörungen ein Vorbote für Alzheimer und Demenz sein können. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass beginnende Alzheimer-Erkrankungen selbst Müdigkeit verursachen können, da die für das Wachsein zuständigen Hirnregionen unter der Krankheit leiden.

Arten von Schlafstörungen

Es gibt verschiedene Arten von Schlafstörungen, die im Zusammenhang mit Alzheimer relevant sind:

  • Insomnie: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, was zu einer schlechten Schlafqualität führt.
  • Obstruktive Schlafapnoe: Nächtliche Atmungsstörungen, die durch Schnarchen und Atemaussetzer gekennzeichnet sind und zu einem niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut führen können.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Hierbei ist die normalerweise im REM-Schlaf blockierte Muskelaktivität teilweise vorhanden, was dazu führen kann, dass Träume in Aktionen umgesetzt werden.

Die Auswirkungen von Schlafstörungen auf das Gehirn

Schlaf ist essenziell für die Gesundheit, da sich das Gehirn während des Schlafs regeneriert, Eindrücke sortiert, Erinnerungen festigt und schädliche Stoffwechselprodukte abbaut. Wenn man nur eine Nacht kürzer als sechs Stunden schläft, kann dies bereits am nächsten Tag zu einer erhöhten Konzentration von Tau-Proteinen und Beta-Amyloid im Liquor führen. Diese Eiweiße sind pathologisch und können sich im Gehirn ansammeln. Normalerweise werden diese Eiweiße während des Schlafs über das glymphatische System im Gehirn in das Lymphsystem geleitet, von wo aus sie ins Blut und in den Urin gelangen und somit ausgeschwemmt werden.

Schlafstörungen als Risikofaktor für Demenz

Zahlreiche Studien haben Schlafstörungen mit Demenzen in Verbindung gebracht. Eine Studie in Neurology (2017) zeigte, dass Teilnehmer ohne kognitive Einschränkungen erhöhte Biomarker für Morbus Alzheimer aufwiesen, wenn sie über Schlafstörungen klagten. Untersuchungen an älteren Menschen haben gezeigt, dass Schlafmangel und Schlafstörungen häufig mit verminderten kognitiven Leistungen einhergehen.

Eine Querschnittstudie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore fand heraus, dass Schlafstörungen älterer Menschen mit einer vermehrten Darstellung von Pittsburgh Compound B in der Positronen-Emissionstomographie assoziiert waren. Pittsburgh Compound B bindet im Gehirn an Beta-Amyloide, die ein zentrales Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung sind.

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Langzeitstudien und ihre Erkenntnisse

Eine niederländische Langzeitstudie, die Longitudinal Aging Study Amsterdam, untersuchte 2.218 Personen über einen Zeitraum von bis zu 23,8 Jahren. Die Ergebnisse zeigten, dass Schlafstörungen das Demenzrisiko mit zunehmender Beobachtungsdauer signifikant beeinflussen:

  • Kurze Schlafdauer (≤6 Stunden): Erhöhtes Risiko wurde besonders bei einer Latenz von ≥15 Jahren beobachtet (Odds Ratio [OR] bis zu 3,44 bei 19 Jahren).
  • Unterbrochener Schlaf: Die Odds Ratio erreichte 7,16 nach 23 Jahren, was auf eine starke Assoziation hinweist.
  • Frühes Erwachen: Mit einer Verzögerung von 16 Jahren war das Risiko mehr als verdreifacht (OR = 3,45).
  • Lange Schlafdauer (≥9 Stunden): Hier wurde das Risiko nur bei kurzen Beobachtungszeiten (ca. 3 Jahre) erhöht gemessen, was auf mögliche Rückkopplungseffekte durch die prodromale Phase der Demenz hinweist.

Diese Studie deutet darauf hin, dass bei kurzen Beobachtungszeiten ein sogenannter "reverse causation"-Effekt auftreten kann, bei dem neurodegenerative Veränderungen bereits vor dem klinischen Auftreten einer Demenz die Schlafqualität beeinflussen. Längere Beobachtungszeiträume ermöglichen eine genauere Einschätzung der kausalen Beziehungen zwischen Schlafstörungen und Demenz.

Schlafapnoe und Demenz

Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Demenz ist ein weiteres wichtiges Argument, diese Schlaferkrankung in jedem Alter zu behandeln und somit auch das Risiko für eine Demenz weiter zu minimieren. Wer sich bestmöglich gegen Demenz schützen möchte, sollte eine diagnostizierte Schlafapnoe als zusätzlichen Risikofaktor in jedem Fall therapieren lassen.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) und Demenz

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist durch das Ausagieren von Träumen gekennzeichnet, da die normalerweise im REM-Schlaf blockierte Muskelaktivität teilweise vorhanden ist. Menschen mit RBD haben ein erhöhtes Risiko, innerhalb von 10-15 Jahren an einer neurodegenerativen Erkrankung wie der Parkinson-Krankheit oder der Lewy-Körper-Demenz zu erkranken. Wer also an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leidet, darüber hinaus eine Riechstörung hat und merkt, dass er vergesslicher wird oder sich nicht mehr so gut orientieren kann wie früher, sollte sich ärztlichen Rat holen.

Was tun bei Schlafstörungen?

Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere im Zusammenhang mit Demenz:

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  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Regelmäßiger Tagesablauf, Lichttherapie, Bewegung und soziale Aktivität können helfen, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren.
  • Verhaltenstherapie: Ungünstige Verhaltensmuster können durch positive ersetzt werden, zum Beispiel durch die Einführung eines Einschlafrituals.
  • Medikamentöse Therapie: Wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, können Schlafmittel eingenommen werden. Melatonin ist oft das Mittel der ersten Wahl, vor allem bei älteren Menschen, da sie häufig einen Melatoninmangel haben.

Praktische Tipps für einen besseren Schlaf

  1. Unterstützung der inneren Uhr: Tageslicht ist besonders wichtig. Wer morgens am Fenster frühstückt oder kurz an die frische Luft geht, hilft dem Gehirn, sich zeitlich zu orientieren. Im Winter kann eine Tageslichtlampe helfen. Auch Bewegung hilft - am besten draußen und zu festen Zeiten.
  2. Schlafumgebung optimieren: Am Tag darf es ruhig hell sein. Abends sollte das Licht dagegen gedimmt werden, damit der Körper Melatonin produzieren und zur Ruhe kommen kann. Nachtlichter mit Bewegungsmeldern helfen, sich bei Dunkelheit zu orientieren, ohne durch grelles Licht aufgeweckt zu werden.
  3. Ruhiger Ausklang des Tages: Keine Reizüberflutung am Abend. Stattdessen helfen feste Routinen dabei, Sicherheit zu geben. Ein Tee, leise Musik, eine kleine Geschichte oder einfach gemeinsames Zähneputzen können Signale dafür sein, dass jetzt die Nacht beginnt.

Schlafstörungen bei Demenz in Pflegeheimen

Eine Studie des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln hat gezeigt, dass vorhandene Schlafprobleme von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen reduziert werden konnten. Die Studie umfasste eine Analyse des Schlafmilieus in jeder Einrichtung, die Einführung sogenannter Schlafbeauftragter sowie Schulungs- und Informationsmaterial. In Workshops konnten die Pflegenden Fälle besprechen und ein zu ihren Einrichtungen passendes Konzept zur Schlafförderung entwickeln. Die Ergebnisse zeigten, dass sich der Anteil an Menschen mit Schlafproblemen um etwa 25 Prozent reduzierte.

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