Unterstützung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz

Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz stellt eine immense Herausforderung dar, insbesondere für die Familienangehörigen, die diese Aufgabe oft über Jahre hinweg auf sich nehmen. In Deutschland leisten Familien einen unersetzlichen Beitrag zur Versorgung kranker, alter und gebrechlicher Menschen. Ohne ihre aufopferungsvolle Arbeit wäre diese Aufgabe weder finanziell noch personell zu bewältigen. Mehr als die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen mit Demenz leben zu Hause, wo sie von ihren Angehörigen betreut werden. Für Menschen mit Demenz ist ein vertrautes Umfeld von großer Bedeutung, da es ihnen Sicherheit und Stabilität vermittelt. Angehörigen ist es oft ein tiefes Bedürfnis, ihre Liebsten so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu begleiten.

Herausforderungen und Belastungen der häuslichen Pflege

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz erfordert viel Zeit und Kraft. Freizeitaktivitäten und persönliche Auszeiten werden oft vernachlässigt, was zu Erschöpfung und Überlastung führen kann. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, die gesetzlichen Ansprüche auf Beratungen und Schulungen zu nutzen, die Angehörigen zustehen. Diese kostenfreien Angebote informieren darüber, wie pflegende Angehörige Hilfe und Unterstützung für den Alltag anfordern können, um Entlastung zu erfahren.

Gesetzliche Grundlagen und Ansprüche

Der rechtliche Rahmen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ergibt sich aus dem Pflegezeitgesetz, dem Familienpflegezeitgesetz und dem Sozialgesetzbuch (SGB XI). Bei einem akut aufgetretenen Pflegefall haben Beschäftigte die Möglichkeit, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, um die Pflege in häuslicher Umgebung sicherzustellen oder zu organisieren. Für diesen Zeitraum kann ein Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden. Darüber hinaus besteht ein Anspruch auf eine bis zu sechsmonatige Pflegezeit, also eine vollständige oder teilweise Freistellung von der Arbeit für die häusliche Pflege von pflegebedürftigen nahen Angehörigen, einschließlich der außerhäuslichen Betreuung minderjähriger pflegebedürftiger naher Angehöriger. Für die Begleitung in der letzten Lebensphase besteht ein Anspruch auf eine vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu drei Monaten. Nach dem Familienpflegezeitgesetz besteht ein Anspruch auf eine bis zu 24-monatige teilweise Freistellung bei einer Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden für die häusliche Pflege pflegebedürftiger naher Angehöriger bzw. die außerhäusliche Betreuung minderjähriger pflegebedürftiger naher Angehöriger. Die Gesamtdauer aller Freistellungen beträgt maximal 24 Monate. Während der Freistellungsphasen können Beschäftigte ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen.

Angebote zur Unterstützung und Entlastung

Es gibt vielfältige Angebote, die pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz zur Verfügung stehen, um sie in ihrer anspruchsvollen Aufgabe zu unterstützen und zu entlasten.

Beratung und Information

  • Pflegeberatung: Seit 2016 haben Angehörige einen eigenen Anspruch auf Pflegeberatung durch die Pflegekassen. Diese Beratungen können persönlich, telefonisch oder online erfolgen und bieten umfassende und individuelle Informationen zu allen Fragen der Pflege. In einigen Regionen werden persönliche Beratungen in Pflegestützpunkten angeboten.
  • Alzheimer-Telefon: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet ein bundesweites Beratungsangebot für Menschen mit Demenz, Angehörige und alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich engagieren. Geschulte Berater stehen unter der Telefonnummer 030 - 259379514 zur Verfügung.
  • Fachstellen für pflegende Angehörige: Diese Beratungs- und Anlaufstellen unterstützen Angehörige durch psychosoziale Beratung, individuelle Begleitung und weitere Entlastungsangebote.
  • Pflegestützpunkte: Sie bieten eine kostenfreie Beratung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu Themen wie Pflegebedürftigkeit, Wohnformen und Unterstützung zu Hause.
  • Medizinischer Dienst Bayern: Unter der Rufnummer 0800 / 772 11 11 bietet der Medizinische Dienst Bayern eine unabhängige Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege.
  • Compass Pflegeberatung: Die Compass private Pflegeberatung ist unter der kostenfreien Rufnummer 0800 - 101 88 00 erreichbar und bietet Unterstützung in herausfordernden Pflegesituationen und bei der Suche nach Versorgungsangeboten.
  • Info-Telefon Depression: Das bundesweite Info-Telefon Depression weist Betroffenen und Angehörigen den Weg zu Anlaufstellen im Versorgungssystem.

Entlastungsangebote

  • Ambulante Pflegedienste: Statt Pflegegeld können Betroffene Sachleistungen in Form von ambulanter Pflege in Anspruch nehmen. Ambulante Pflegedienste erbringen Leistungen wie Körperpflege, Mobilisierung und Medikamenteneinnahme.
  • Betreuungsgruppen: Betreuungsgruppen betreuen Menschen mit Demenz stundenweise und bieten Angehörigen eine Auszeit.
  • Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe: Ehrenamtliche Helfer können die Betreuung übernehmen und das soziale Wohlbefinden des Menschen mit Demenz fördern.
  • Tagespflege: Tagespflegeeinrichtungen bieten tagsüber Betreuung und Aktivierung für Menschen mit Demenz und ermöglichen es den Angehörigen, ihren Beruf auszuüben oder sich zu erholen.
  • Kurzzeitpflege: Wenn pflegende Angehörige in den Urlaub fahren oder im Krankenhaus sind, können Betroffene vorübergehend in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung untergebracht werden.
  • Verhinderungspflege: Wenn die pflegende Person verhindert ist, kann die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden, um die Versorgung des Betroffenen sicherzustellen.
  • Angebote für Kinder und Jugendliche: Das Projekt Pausentaste ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, die sich um ihre Familien kümmern. Informationen für Kinder finden sich auch auf der Seite Kindern Demenz erklären.
  • Angebote für pflegende Angehörige bei früh auftretender Demenz: Die Anlaufstelle für Präsenile Demenz bietet Informationen und Beratung zur Demenz vor dem 65. Lebensjahr.

Selbsthilfe und Austausch

  • Selbsthilfegruppen: Beratungsstellen, lokale Alzheimer-Gesellschaften oder Wohlfahrtsverbände bieten Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz an.
  • Wegweiser-Blog und Foren: Der persönliche Austausch im Wegweiser-Blog oder in Foren für Betroffene und Angehörige kann hilfreich sein.
  • App "in.kontakt": Die App "in.kontakt" von wir pflegen e.V. ermöglicht pflegenden Angehörigen einen Austausch in einem geschützten Netzwerk.

Finanzielle Unterstützung

  • Pflegegeld: Pflegebedürftige erhalten je nach Pflegegrad Pflegegeld, das sie für die Organisation ihrer Pflege verwenden können.
  • Pflegesachleistungen: Statt Pflegegeld können Betroffene Pflegesachleistungen in Form von ambulanter Pflege in Anspruch nehmen.
  • Entlastungsleistungen: Pflegebedürftigen stehen monatlich 125 Euro an Entlastungsleistungen zur Verfügung, die für anerkannte niedrigschwellige Betreuungsangebote genutzt werden können.
  • Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege: Für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege können zusätzliche finanzielle Mittel beantragt werden.
  • Wohnraumanpassung: Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds, wie der barrierefreie Umbau des Wohnraums, sind förderfähig.

Schulungen und Kurse

  • Pflegekurse: Die Pflegeversicherung bietet spezielle Schulungen zu pflegepraktischen Themen an, in denen Angehörige lernen, wie man richtig lagert oder mit Aggressionen umgeht.
  • Demenz-Kurse für Angehörige: Diese Kurse vermitteln Wissen über die Erkrankung und den Umgang mit Betroffenen.

Überforderung vorbeugen und Gewalt vermeiden

Je stärker die Demenz fortschreitet, desto umfassender benötigen die Betroffenen Betreuung und Pflege. Dabei überfordern sich viele Angehörige, was zu Erschöpfung und gesundheitlichen Problemen führen kann. In manchen Fällen kann es auch zur Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt kommen. Um solchen Situationen vorzubeugen, ist es wichtig, frühzeitig Hilfe zu suchen und sich nicht mit den belastenden Situationen allein gelassen zu fühlen. Das Bundesfamilienministerium fördert eine kostenlose psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige (pflegen-und-leben.de). Der Themenreport „Gewaltprävention in der Pflege“ der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) informiert zum Thema Gewalt in der Pflege und kann zu deren Vermeidung beitragen.

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Alternative Wohnformen

Manchmal ist die Pflege zu Hause nicht möglich. In diesem Fall kann ein Umzug in eine Pflege-Einrichtung in Betracht gezogen werden. Es ist wichtig, ein Heim zu finden, in dem sich Pflegebedürftige und besuchende Angehörige gleichermaßen wohlfühlen. Unabhängige Beratungsstellen und Checklisten helfen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen. Im „Wegweiser Demenz“ finden sich wichtige Punkte, um das richtige Pflegeheim für den Angehörigen zu wählen.

Tipps für den Umgang mit Menschen mit Demenz

  • Kommunikation: Passen Sie Ihre Kommunikation an die Bedürfnisse des Menschen mit Demenz an. Verwenden Sie einfache Sätze, sprechen Sie langsam und deutlich und achten Sie auf nonverbale Signale.
  • Alltagsgestaltung: Gestalten Sie den Alltag so, dass er den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Menschen mit Demenz entspricht. Schaffen Sie eine sichere und vertraute Umgebung und beziehen Sie den Betroffenen in Alltagsaktivitäten ein.
  • Erinnerungen: Nutzen Sie Erinnerungen, um den Kontakt zum Menschen mit Demenz zu fördern. Blättern Sie gemeinsam in alten Fotoalben oder hören Sie alte Lieder.
  • Herausforderndes Verhalten: Versuchen Sie, herausforderndes Verhalten zu verstehen und die Ursachen zu erkennen. Reagieren Sie ruhig und geduldig und suchen Sie nach Lösungen, die die Situation entschärfen.
  • Unterstützungsangebote: Nutzen Sie die vielfältigen Unterstützungsangebote, die für pflegende Angehörige zur Verfügung stehen.

Forschungsprojekte zur Unterstützung pflegender Angehöriger

Das von der Universität Jena geleitete Forschungsprojekt »AnDem-RoSe« erprobt ein präventives psychotherapeutisches Unterstützungsangebot für besonders belastete pflegende Angehörige. Das Projektteam vermittelt Strategien, die Belastungen verringern und das Wohlbefinden der Angehörigen langfristig fördern.

Krisenintervention

In schwierigen Lebenssituationen stehen die Krisendienste Bayern unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 655 3000 rund um die Uhr für qualifizierte Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Die Telefonseelsorge ist unter den kostenfreien Nummern 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 oder 116 123 erreichbar.

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