Alzheimer-Prozess aufhalten: Möglichkeiten und Fortschritte

Die Alzheimer-Krankheit, eine der häufigsten Ursachen für Demenz, stellt eine enorme Herausforderung für Betroffene, Angehörige und die medizinische Forschung dar. Lange Zeit galten die charakteristischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn als Hauptziel für therapeutische Interventionen. In den letzten Jahren hat die Forschung jedoch bedeutende Fortschritte erzielt, die neue Hoffnung auf eine wirksamere Behandlung und sogar Prävention der Alzheimer-Krankheit geben.

Neue Therapieansätze im Fokus: Anti-Amyloid-Medikamente

Das Amyloid, ein Eiweißstoff, der sich bei Alzheimer im Gehirn ansammelt, gilt schon lange als möglicher Ansatzpunkt für eine Behandlung dieser häufigsten Demenzerkrankung. Doch erst in jüngster Zeit brachten entsprechende Arzneimittel in Studien am Menschen die erhoffte Wirkung. Mit "Lecanemab" ist in den USA bereits ein Anti-Amyloid-Medikament auf dem Markt, und das Genehmigungsverfahren für Europa läuft. Für "Donanemab", einen ähnlichen Wirkstoff eines anderen Herstellers, wird die Zulassung von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde geprüft.

Funktionsweise der Anti-Amyloid-Therapie

Die neuen Medikamente sind künstlich hergestellte Antikörper, die intravenös verabreicht werden. Über die Blutbahn gelangen sie ins Gehirn und binden an das Amyloid. Diese molekulare Markierung soll Immunzellen des Gehirns signalisieren, das Amyloid zu beseitigen. Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass diese Antikörper die Menge an Amyloid im Gehirn verringern und den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit etwas verlangsamen können.

Klinischer Nutzen und Einschränkungen

In klinischen Untersuchungen haben Lecanemab und Donanemab gezeigt, dass sie im Frühstadium einer Alzheimer-Erkrankung die Menge an Amyloid im Gehirn verringern und den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit etwas verlangsamen können. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Medikamente keine Heilung bieten und die Krankheit nicht aufhalten können. Bislang gibt es auch noch keine Langzeiterfahrung mit diesen neuen Medikamenten, und der klinische Nutzen ist bescheiden.

Privat-Dozent Dr. Matthias Pawlowski, Leiter des demenzsensiblen Krankenhauses und Oberarzt der Neurologie am UKM, betont: „Die erstmals in diesem Jahr von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassenen Therapien mit Lecanemab und Donanemab sind vor allem ein Schritt in die richtige Richtung. Leider ist die Wirkung noch nicht so groß wie wir uns das wünschen würden. Die Therapie mit den sogenannten Amyloid-Antikörpern verspricht im Moment noch keine Heilung, lediglich eine Verlangsamung des Fortschreitens der Demenz.“

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Nikolaus Fuhrmann, der erste Patient, der am UKM (Universitätsklinikum Münster) die Infusionstherapie mit dem Wirkstoff Lecanemab begann, hofft, durch die neue Therapie wertvolle Zeit zu gewinnen: „Ich weiß, dass die Infusionen mich nicht heilen werden. Aber ich erhoffe mir eine Erleichterung meiner weiteren Lebensperspektive, indem sich vielleicht der Verlauf bei mir verlangsamt“, sagt der 75-Jährige.

Verbesserungspotenziale der Anti-Amyloid-Therapie

Um die Wirksamkeit der Anti-Amyloid-Therapie zu verbessern, gibt es mehrere Ansatzpunkte:

  • Optimierung der Antikörper: Es gilt, Antikörper zu entwickeln, die in möglichst großer Menge ins Gehirn gelangen und spezifisch an die schädlichsten Amyloid-Formen binden. Studien, die verschiedene Antikörper unter einheitlichen Bedingungen vergleichen, sowie Untersuchungen der molekularen Struktur der verschiedenen Amyloid-Formen sind hierfür notwendig.
  • Frühzeitige Behandlung: Da die Alzheimer-Erkrankung vermutlich bereits 20 Jahre vor dem Auftreten von Symptomen beginnt, ist es entscheidend, den optimalen Zeitpunkt für eine Behandlung zu finden. Ziel muss es sein, von der Behandlung zur Prävention zu kommen, also den Ausbruch von Demenzsymptomen zu verhindern oder zumindest so weit wie möglich zu verzögern.
  • Bessere Früherkennung: Um eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen, sind bessere Methoden zur Früherkennung erforderlich. Sogenannte Biomarker, also Indikatoren, die Auskunft über die Vorgänge im Gehirn geben, spielen hierbei eine wichtige Rolle. Geeignete Messwerte können aus dem Blut, dem Nervenwasser oder aus PET-Hirnscans gewonnen werden.
  • Minimierung der Behandlungsrisiken: In klinischen Studien wurden als Nebenwirkung Schwellungen um die Blutgefäße des Gehirns und kleine Blutungen beobachtet. Es gilt, diese Risiken besser zu verstehen und zu minimieren.

Das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren einiges an Dynamik gewonnen, so Prof. Die neuen Anti-Amyloid-Medikamenten bieten erstmals die Möglichkeit, gegen die Ursachen von Alzheimer vorzugehen. Die traditionellen Therapien wirken ja nur symptomatisch. Sie lindern die Beschwerden, verhindern jedoch nicht, dass die Erkrankung im Gehirn voranschreitet.

Zwar sind die neuen Medikamente kostspielig, ihr Einsatz aufwändig und sie können die Erkrankung nicht aufhalten, doch sie verlangsamen etwas deren Verlauf und den Abbau der geistigen Fähigkeiten. Das ist ein echter Fortschritt. Anderseits muss man abwarten, wie sich diese neue Therapie in der Praxis bewährt.

Die Rolle von Amyloid und Tau-Protein

Es gibt mehrere Ansatzpunkte. Zum einen gilt es, diese Antikörper zu optimieren. Dabei geht es einerseits darum, dass sie in möglichst großer Menge ins Gehirn gelangen. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Gehirn hat eine natürliche Barriere, die es zu überwinden gilt. Im Zuge der Alzheimer-Erkrankung verkleben einzelne Amyloid-Moleküle zu immer größeren Aggregaten. Je nach Größe sind diese in Lösung oder lagern sich als sogenannte Plaques im Gehirn ab. Es gibt daher ein weites Spektrum an Amyloid-Formen, das sich im Verlauf der Erkrankung verändert und sich auch von Patient zu Patient in einem gewissen Maße unterscheidet. Nach allem was wir wissen, sind manche dieser Amyloid-Formen schädlicher als andere.

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Solche Amyloid-Aggregate sind komplexe molekulare Gebilde. Die unterschiedlichen Antikörper, die man bisher getestet hat, binden an verschiedene Stellen und an Amyloid-Aggregate unterschiedlicher Größe. Was optimal wäre, um das Amyloid möglichst effektiv zu beseitigen, weiß man noch nicht. Das könnte auch von der Krankheitsphase abhängen, weil sich das Spektrum an Amyloid-Formen im Verlauf der Erkrankung verändert. Um hier weiterzukommen, wären Studien hilfreich, die verschiedene Antikörper unter einheitlichen Bedingungen miteinander vergleichen. Und man benötigt auch Untersuchungen der molekularen Struktur der verschiedenen Amyloid-Formen.

Denn vieles deutet daraufhin, dass eine Alzheimer-Erkrankung mindestens 20 Jahre beginnt bevor Symptome auftreten und in zwei Phasen verläuft. Demnach ist zu Beginn das Amyloid der Krankheitstreiber. Die zunehmende Verklumpung der Amyloid-Moleküle ist quasi der Dominostein, der alles Weitere anstößt. In der zweiten Phase kommen weitere Phänomene hinzu. Es kommt zu Entzündungsprozessen und es aggregiert ein weiteres Protein: das sogenannte Tau-Protein. Man vermutet, dass dieser Übergang rund zehn Jahre passiert, bevor sich Symptome einer Demenz bemerkbar machen. In dieser zweiten Phase ist das Amyloid offenbar nicht mehr der einzige Krankheitstreiber, die Situation ist nun viel komplexer. Deshalb hat zu diesem Zeitpunkt eine alleinige Anti-Amyloid-Therapie nur begrenzte Wirkung. Das hat man ja in den jüngsten Studien beobachtet. Alle Probanden hatten zu Studienbeginn schon leichte Symptome von Demenz. Hinsichtlich der Symptomatik waren sie im Frühstadium, aber was die Prozesse im Gehirn angeht, war die Erkrankung schon einige Schritte weiter. Vermutlich deshalb konnten die Antikörper den Krankheitsverlauf zwar verlangsamen, aber nicht stoppen.

Weitere Faktoren und Risikofaktoren

Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Aufgabe der Gliazellen ist es, die Nervenzellen im Gehirn zu schützen und zu unterstützen, damit die Signalübertragung - und damit unser Denken und Handeln - reibungslos funktioniert. An der Signalübertragung selbst sind Gliazellen nicht beteiligt. Mikrogliazellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns. Wie eine Gesundheitspolizei sorgen sie dafür, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger zerstört und abtransportiert werden. Astrozyten sind Gliazellen mit gleich mehreren wichtigen Aufgaben, unter anderem versorgen sie das Gehirn mit Nährstoffen, regulieren die Flüssigkeitszufuhr und helfen bei der Regeneration des Zellgewebes nach Verletzungen. Astrozyten stehen im Verdacht, an der Verbreitung der giftigen Amyloid-beta-Oligomere und Tau-Fibrillen beteiligt zu sein.

Prof. Thomas betont, dass wir Demenz heute als ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Prozesse sehen. Früher stand fast ausschließlich das Amyloid im Mittelpunkt. Inzwischen wissen wir, dass auch Tau-Proteine, Immunzellen im Gehirn, die Blut-Hirn-Schranke und Gefäße eine entscheidende Rolle spielen. Außerdem treten Mischformen viel häufiger auf, als man lange dachte.

Prof. Thomas weist außerdem darauf hin, dass es neben den medikamentösen Therapieansätzen auch andere therapeutische Möglichkeiten gibt. Wir wissen, dass bis zu 45 Prozent der Demenzfälle vermeidbar oder zumindest verzögerbar wären, wenn wir bestimmte Risikofaktoren konsequent angehen. Dazu gehören Hörverlust, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und soziale Isolation. Besonders klar belegt ist der Nutzen von Hörtests und Hörgeräten sowie einer konsequenten Kontrolle von Blutdruck und Cholesterin. Und nicht zu vergessen: Nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegung, Musik- oder Ergotherapie und strukturierte Angehörigenprogramme verbessern nachweislich Lebensqualität und Symptome.

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Bedeutung der Früherkennung und Diagnose

Die Forschung geht davon aus, dass die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Treten irgendwann Symptome auf, lässt sich nicht mehr feststellen, wo die Krankheit begonnen hat.

Prof. Saur: Es eröffnet uns vor allem bei Menschen mit einem sehr frühen Stadium der Demenz ganz neue Möglichkeiten. Wir können dank moderner Methoden zur Diagnostik inzwischen sehr genau erkennen, ob eine frühe Form der Alzheimererkrankung vorliegt. Die Betroffenen merken da noch nicht viel von der Krankheit im Alltag, haben vielleicht ganz leichte kognitive Störungen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Wir sehen aber mittels PET-Scans oder der Nervenwasserdiagnostik schon, dass hier der Erkrankungsprozess bereits eingesetzt hat. Mit den neuen Mitteln können wir in dieser Phase die Behandlung beginnen und das Voranschreiten um bis zu 30 Prozent verlangsamen. Das ist ein echter Vorteil für die Patient:innen, deren ja noch überwiegend intakte Hirnfunktionen sich damit möglicherweise nicht so schnell verschlechtern.

Biomarker als Schlüssel zur Früherkennung

Ein Schlüssel dafür sind sogenannte Biomarker, das sind Indikatoren, die uns verraten, was genau im Gehirn passiert. Dafür eignen sich Messwerte, die man aus dem Blut, dem Nervenwasser oder aus sogenannten PET-Hirnscans ablesen kann. Diese Möglichkeiten werden schon genutzt. Aber zum Teil sind die bisherigen Biomarker nicht aussagekräftig genug oder man versteht noch nicht genau, was sie bedeuten.

Symptome im Frühstadium

Die Symptome entstehen ganz allmählich und heben sich anfangs kaum von Bagatellproblemen wie dem gelegentlichen Vergessen von Gesprächsinhalten oder dem Entfallen von Namen ab. Aus diesem Grund ist die Wahrnehmung der Krankheit zu Beginn undeutlich. Aber die Häufung von Fehlleistungen und Pannen führt die meisten Patienten nach und nach zu der Einsicht, dass etwas nicht mehr stimmt. Diese verschwommene Erkenntnis ist oft mit Unsicherheit, Besorgnis, Angst oder Beschämung verbunden und mobilisiert Abwehrmechanismen wie Verleugnung, Vermeidung und Rückzug.

Neben der beeinträchtigten Gedächtnisleistung können auch Unlust und Antriebslosigkeit Anzeichen für eine eintretende Demenz sein. Zudem sollte auf Störungen der Sprache, Wortfindungsstörungen, Orientierungsschwierigkeiten und abnehmende Selbstständigkeit geachtet werden.

Therapieansätze und Lebensqualität

Die heutigen Möglichkeiten der Diagnose im frühen Stadium wurden in der Ausgabe 3/2010 des Alzheimer Info dargestellt (siehe Artikel Früherkennung der Alzheimer-Krankheit - wann, wie, wofür?) Die Eröffnung der Diagnose muss behutsam sowie mit Rücksicht auf das Informationsbedürfnis des Patienten erfolgen. Sie schafft Klarheit über die zuvor rätselhaften und missverständlichen Veränderungen der Leistungsfähigkeit und des Verhaltens, sie vermittelt dem Patienten und seinen Bezugspersonen die Gewissheit, mit den gegenwärtigen und künftigen Problemen nicht allein gelassen zu werden, und sie setzt das therapeutische Handeln in Gang. Die meisten Patienten fühlen sich durch eine korrekt durchgeführte Aufklärung erleichtert und können daraus Zuversicht schöpfen.

Mit den heutigen Möglichkeiten lässt sich die Alzheimer-Krankheit zu einem Zeitpunkt feststellen, in dem zwar ihre Erkennungsmerkmale bereits vorliegen, die meisten Fähigkeiten und Eigenschaften der Betroffenen jedoch weitgehend unversehrt bleiben. Dazu zählen der Bestand an Wissen und Erfahrung, die Wahrnehmung der krankheitsbedingten Defizite, die Entscheidungskraft bezüglich der Gestaltung des eigenen Lebens, die Ausübung lebenslang gewohnter Tätigkeiten, das künstlerische Ausdrucksvermögen, das ästhetische Empfinden, das sittliche Urteil, die Begeisterung für die Natur, die sozialen Fertigkeiten und die Freude an körperlicher Betätigung. Selbst wenn dieser Zustand die Kriterien für die diagnostische Kategorie der „Demenz“ erfüllt, entspricht er keineswegs der wörtlichen Bedeutung dieses Begriffs („ohne Verstand“). Aus diesem Grund werden gegenwärtig Überlegungen angestellt, den Ausdruck durch einen neutralen Terminus zu ersetzen.

Ziele und Möglichkeiten der Therapie

Auf die Frage nach den wichtigsten Bedürfnissen geben Patienten im frühen Stadium übereinstimmend zur Antwort, dass die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit, die Möglichkeit von Aktivität und Teilhabe am Leben, das emotionale Wohlbefinden und die Wahrung der zwischenmenschlichen Bindungen überragende Bedeutung haben. Diese persönlichen Ziele sind die Richtschnur der Therapie. Sie lassen sich nicht allein mit Medikamenten erreichen. Die gegenwärtig verfügbaren Antidementiva verzögern das Fortschreiten der Symptome um mehrere Monate. Um ein möglichst hohes Maß an Leistungspotenzialen und Lebensqualität aufrecht zu erhalten, müssen sie möglichst unverzüglich eingesetzt werden, sobald die Diagnose der Alzheimer-Krankheit feststeht.

Ergänzend sollten nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Anwendung kommen. Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit dient die Verwendung von Gedächtnishilfen, die Einführung von Routinen in den Alltag und die Vereinfachung der täglichen Abläufe. Das Training von praktischen Problemlösungen kann die Eigenständigkeit fördern und die Lebensqualität erhöhen. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert nicht nur die Fitness und beugt der Gebrechlichkeit vor, sondern steigert die Hirnleistung und dient dem Wohlbefinden. Die Teilnahme an Patientenselbsthilfegruppen vermittelt Rückhalt und kann wichtige Anregungen geben. Ein unentbehrlicher Bestandteil der Therapie ist schon im frühen Stadium die Beratung der Bezugspersonen. Sie können lernen, ungewollte Kränkungen und fruchtlose Auseinandersetzungen zu vermeiden, erhaltene Fähigkeiten der Patienten zu erkennen und zu nutzen, ihre Aktivität und Teilhabe am Leben zu fördern und sie in gemeinsame Unternehmungen einzubeziehen.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Neben den medikamentösen Therapien gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Therapieansätzen, die darauf abzielen, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern und ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Dazu gehören:

  • Physio- und Ergotherapie: Diese Therapieformen helfen, motorische Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern.
  • Tagesstätten: Tagesstätten bieten den Betroffenen die Möglichkeit, entsprechend ihrer Leistungsbreite Beschäftigung und Anregung zu finden.
  • Gestaltung des Alltags: Ein strukturierter Alltag mit regelmäßigen Aufsteh- und Zubettgehzeiten sowie einer vernünftigen Beschäftigung während des Tages kann helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren. Auch Spaziergänge und ähnliche Tätigkeiten tragen zur Rhythmisierung des Alltags bei.
  • Einbeziehung der Angehörigen: Angehörige können die Demenzkranken in Unternehmungen mit einbinden und sie aktiv halten.
  • Aktivierung, Musik und Berührung: Diese Maßnahmen können oft besser und nachhaltiger wirken als Medikamente.

Die Rolle der Angehörigen

Die Krankheit verändert langsam, aber stetig das Wesen. Auch die Angehörigen leiden unter diesem Prozess, der sich leider nicht aufhalten lässt. Aber ganz machtlos sind Ärzte nicht. Sie können ihn beeinflussen und verlangsamen.

Prof. Thomas betont, dass Angehörige von Anfang an mit einbezogen werden müssen. Es geht um Aufklärung, um den richtigen Umgang im Alltag, aber auch um Entlastung. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet hervorragendes Material an, und ich empfehle, Krisenpläne zu entwickeln und Hilfsangebote frühzeitig zu nutzen. Wichtig ist auch, mit den Patientinnen und Patienten so früh wie möglich über ihre Wünsche zu sprechen - etwa zu Vorsorgevollmachten oder persönlichen Lebenszielen.

Was Angehörige tun können

  • Unterstützung und Verständnis: Angehörige sollten versuchen, die Erkrankung zu verstehen und sich über die Symptome und den Verlauf zu informieren.
  • Anpassung der Kommunikation: Es ist wichtig, die Kommunikation an die Bedürfnisse des Betroffenen anzupassen und Geduld zu zeigen.
  • Schaffung einer sicheren Umgebung: Die Umgebung sollte so gestaltet sein, dass sie dem Betroffenen Sicherheit und Orientierung bietet.
  • Förderung der Aktivität: Angehörige sollten den Betroffenen ermutigen, aktiv zu bleiben und an Aktivitäten teilzunehmen, die ihm Freude bereiten.
  • Entlastung: Es ist wichtig, dass Angehörige sich selbst nicht überfordern und sich rechtzeitig Unterstützung suchen.

Ausblick in die Zukunft

Die Alzheimer-Forschung steht vor großen Herausforderungen, aber auch vor vielversprechenden Möglichkeiten. Mit den neuen Anti-Amyloid-Medikamenten ist ein erster Schritt in Richtung einer ursächlichen Behandlung der Alzheimer-Krankheit getan. Es bleibt jedoch noch viel zu tun, um die Wirksamkeit dieser Therapien zu verbessern und die Risiken zu minimieren.

Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Medikamente, die spezifischer auf die verschiedenen Amyloid-Formen abzielen, die Entzündungsprozesse im Gehirn reduzieren oder die Funktion der Gliazellen verbessern. Auch die Entwicklung von Biomarkern, die eine frühzeitige Diagnose ermöglichen, ist ein wichtiger Schwerpunkt.

Es ist wichtig, dass die Forschung weiterhin auf ein besseres Verständnis der komplexen Ursachen der Alzheimer-Krankheit hinarbeitet, um neue und wirksamere Therapieansätze zu entwickeln. Ziel muss es sein, die Alzheimer-Krankheit nicht nur zu behandeln, sondern auch zu verhindern oder zumindest den Ausbruch der Symptome so lange wie möglich hinauszuzögern.

Prof. Hüll sieht die Zukunftserwartung genau dort, nämlich dass wir Medikamente zur Verfügung haben, die den Verlauf der Erkrankung deutlich ändern, wenn die Behandlung früh begonnen wird. Ich sehe das eher am fernen Horizont.

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