Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt stetig, und damit wächst auch der Bedarf an Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen. Im Kreis Herford entstehen daher immer mehr Initiativen, die sich dieser Herausforderung stellen. Ein wichtiger Baustein dieser Unterstützung sind Selbsthilfegruppen, die einen Raum für Austausch, Information und gegenseitige Hilfe bieten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die bestehenden Angebote und Initiativen im Kreis Herford, wobei der Fokus besonders auf der Arbeit von Karin Alex und dem Verein Leben-Wohnen-Begegnen e.V. gelegt wird.
Die Notwendigkeit von Selbsthilfegruppen bei Demenz
Die Diagnose Demenz stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Neben den gesundheitlichen Aspekten kommen oft auch soziale Isolation, Überforderung und finanzielle Sorgen hinzu. Selbsthilfegruppen können hier eine wichtige Stütze sein, indem sie:
- Austausch ermöglichen: Angehörige können sich mit anderen Betroffenen austauschen, Erfahrungen teilen und voneinander lernen.
- Informationen bieten: Expertenvorträge und Informationsmaterialien helfen, das Krankheitsbild besser zu verstehen und den Alltag besser zu bewältigen.
- Entlastung schaffen: Durch das Gefühl, nicht allein zu sein und verstanden zu werden, können Angehörige neue Kraft schöpfen.
- Soziale Kontakte fördern: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen und soziale Isolation zu überwinden.
Karin Alex: Eine Pionierin der Selbsthilfe in Ostwestfalen-Lippe (OWL)
Karin Alex hat in ihrer Familie bereits Erfahrungen mit einer Demenzerkrankung gemacht. Im Rahmen der Pflege hat sie damals »jeden Fehler gemacht, den man machen konnte«. Um anderen Angehörigen zu helfen und ihre Erfahrungen weiterzugeben, hat sie mehrere Projekte ins Leben gerufen - unter anderem die erste Selbsthilfegruppe in OWL und einen Mittagstisch im Haus Stephanus in Hiddenhausen.
Mittagstisch und Gesprächsrunden in Kirchlengern
Vom 2. September an will Karin Alex den Mittagstisch auch im Seniorenzentrum Kirchlengern etablieren. »Einmal in der Woche können die Erkrankten und Angehörigen zu einem gemeinsamen Mittagessen kommen. Danach gehe ich mit den Angehörigen in eine Gesprächsrunde«, so Alex. In dieser Zeit sollen die Erkrankten von Gesellschaftern der AWO betreut werden. Das Angebot soll jeden Montag von 12 bis 14 Uhr stattfinden.
Ziele des Mittagstisches
Karin Alex ist es wichtig, dass die Angehörigen ihre Probleme offen ansprechen und gemeinsam an der Lösung arbeiten. Das Hauptproblem sieht sie in dem Umgang mit den Patienten. »Viele gehen mit Demenz-Erkrankten um wie mit einem Kind. Diese spüren das, können aber nicht ausdrücken, dass es ihnen missfällt«, so Alex Auch darüber soll der Mittagstisch aufklären.
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Ein weiteres großes Ziel ist es, die Menschen aus der Isolation zu holen. Wegen der zeitintensiven Pflege geben Angehörige viele soziale Kontakte auf. Durch das Treffen mit Gleichgesinnten könne ein neuer Freundeskreis aufgebaut werden: »Bei den anderen Treffen habe ich schon von gemeinsamen Urlauben und Weihnachtsfeiern gehört. Es bilden sich viele neue Freundschaften.«
Abbau von Ängsten vor dem Seniorenheim
Auch der Ort der Veranstaltung ist nicht zufällig gewählt. Denn durch den regelmäßigen Besuch des Seniorenzentrums soll die Angst vor dem Heim genommen werden. Frauke Burghardt-Oppermann, Leiterin des Seniorenzentrums, bestätigt dies. »Es ist in Seniorenzentren längst nicht mehr wie früher. Wir sind ein Dienstleister und dementsprechend handeln wir auch. Wir gehen auf die Senioren ein.«
Ausblick auf weitere Standorte
Grundsätzlich möchte Karin Alex in jeder Gemeinde im Kreis Herford eine Anlaufstelle schaffen. Als nächste Standorte stehen Bünde und Herford auf dem Plan. Allgemein liegt ihr Fokus auf der Aufklärung über die Demenzerkrankungen, denn es gibt über 50 Unterarten. Und jede äußert sich anders. Deshalb gestaltet sie am 25. August gemeinsam mit ihrem Enkel einen Gottesdienst bei Pfarrer Sergej Klause im Sinne der Aufklärung.
Der Verein Leben-Wohnen-Begegnen e.V. und sein Engagement für Menschen mit Demenz
Der Verein Leben-Wohnen-Begegnen e.V. setzt sich für die bestmögliche medizinische, therapeutische, pflegerische Versorgung und Betreuung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen sowie deren Angehörigen ein. Dafür müssen wir die notwendigen Rahmenbedingungen für ein Älterwerden in Würde und für ein selbstbestimmtes Leben im Alter schaffen.
Verantwortliche für das Projekt
Zwei über Jahrzehnte ausgewiesene Experten im Umgang mit dem Thema Demenz, Frau Karin Alex, Familientherapeutin und Günter Niermann von der Alzheimer Beratungsstelle Enger werden sich für das Projekt verantwortlich zeigen. Das Pflegeselbsthilfekontaktbüro befindet sich im Haus Stephanus, Bertolt-Brecht-Straße 11, 32120 Hiddenhausen.
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Ziele und Aufgaben des Vereins
Der Verein verfolgt folgende Ziele:
- Aufbau, Stärkung und Vernetzung der Selbsthilfegruppen in den Kommunen untereinander und den Kooperationspartnern vor Ort.
- Sensibilisieren der Nachbarschaft.
- Die Entwicklung von neuen Rollen bürgerschaftlichen Engagements (Bürgermix) und lokalen Vernetzungen zwischen Ehrenamt und Profis erarbeiten. So viel wie möglich Ehrenamt und so wenig wie notwendig Professionalität.
- Betroffene zu Beteiligten machen - Partizipation und Inklusion aktiv ermöglichen, d.h. Mit den Menschen- für die Menschen.
- Soziale Ausgrenzung wirksam vorbeugen. Die Veränderung der familiären Strukturen und die oft unzureichende finanzielle Absicherung im Alter - gerade bei Frauen - bergen aber für viele Menschen schon heute die Gefahr einer sozialen Vereinzelung und Ausgrenzung bis hin zur Wohnungslosigkeit im Alter. Es ist zu befürchten, dass sich diese Probleme in Zukunft noch verstärken.
- Pflegende Angehörige und die Pflege vor Ort stärken. Gerade zur Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens auch bei Unterstützungsbedarf sind Pflegende Angehörige eine tragende Säule bei der alltäglichen Pflege und Begleitung. Um diese Ressource auch für die Zukunft zu erhalten, müssen die Pflegenden Angehörigen selbst in ihrer eigenständigen Rolle, mit ihren eigenen Bedürfnissen und hinsichtlich ihrer eigenen Lebensqualität viel mehr als heute in den Blick genommen werden.
- Lösungsansätze bei kognitiven Einschränkungen gemeinsam erarbeiten und mit offenen Begegnungsangeboten in den einzelnen Kommunen vor Ort kombinieren. Gerade die besonderen Anforderungen, die die Teilhabe, Betreuung und Unterstützung von Menschen mit einer kognitiv bedingt erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz an die Gesellschaft, aber auch an die Familien, Angehörigen sowie professionelle und ehrenamtliche Versorgungsstrukturen stellen, erfordern angesichts der quantitativen Entwicklung dementieller Veränderungen umfassende und neue Antworten.
- Mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit soll das Thema Demenz zu einem Gesprächsthema in der Stadt werden: „Man spricht darüber!“ Mit Kunst, Kultur, Musik und offenen Begegnungen.
Demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen
Der Alten- und Pflegeförderplan liegt der Konsens zugrunde, dass die demographische Entwicklung erhebliche Anforderungen an die Gestaltung der sozialen Infrastruktur in unserem Land stellt. Das bedeutet nicht nur die individuelle Lebenssituation in der Wohnung in den Blick zu nehmen. Es bedarf zukunftssicherer Lösungen, die in allen Bereichen von den Menschen her gedacht und gemeinsam mit ihnen gestaltet werden müssen. Zudem muss die konkrete Umsetzung einer auf die Zukunft ausgerichteten Alten- und Pflegepolitik im Schwerpunkt auf der lokalen Ebene erfolgen.
Weitere Anlaufstellen und Angebote im Kreis Herford
Neben den Initiativen von Karin Alex und dem Verein Leben-Wohnen-Begegnen e.V. gibt es im Kreis Herford eine Vielzahl weiterer Anlaufstellen und Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Dazu gehören unter anderem:
- Alzheimer Beratung e.V.
- Alzheimer-CafeTreffpunkt
- Tagespflege
- "Netzwerk Demenz" des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Vlotho
- Evangelisches Stift zu Wüsten Langenbergstr.
(Die vollständige Liste der genannten Straßen und Institutionen im Originaltext kann für weitere Recherchen genutzt werden.)
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