Alzheimer und Reizbarkeit: Symptome, Ursachen und Umgang

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die in erster Linie das Gedächtnis, das Denken und das Verhalten beeinträchtigt. Neben den bekannten kognitiven Defiziten können auch Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit, Unruhe und Aggressivität frühe Anzeichen der Erkrankung sein. Diese Verhaltensänderungen können für Betroffene und ihre Angehörigen sehr belastend sein. Es ist daher wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen, die Ursachen zu verstehen und geeignete Strategien für den Umgang mit diesen Verhaltensweisen zu entwickeln.

Frühsymptome von Alzheimer: Mehr als nur Gedächtnisverlust

Oft wird Alzheimer in erster Linie mit Gedächtnisverlust in Verbindung gebracht. Priv.-Doz. Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), weist jedoch darauf hin, dass neben dem nachlassenden Kurzzeitgedächtnis auch andere Symptome auf eine beginnende Alzheimer-Krankheit hindeuten können. Dazu gehören:

  • Wachsende Unaufmerksamkeit
  • Vergessen von Terminen
  • Wortfindungsstörungen
  • Verstärkte Orientierungsschwäche
  • Verhaltensveränderungen:
    • Verstärkte Ängstlichkeit
    • Traurigkeit
    • Unsicherheit
    • Rückzug aus dem Bekanntenkreis
    • Abneigung, die gewohnte Umgebung zu verlassen
    • Ablehnung von Neuem
    • Streitbarkeit
    • Misstrauen
    • Feindseligkeit

Diese Symptome sind nicht immer eindeutig von normalen Alterserscheinungen abgrenzbar. Daher ist es wichtig, bei Auftreten möglicher Demenz-Anzeichen einen Arzt aufzusuchen.

Reizbarkeit als Frühsymptom

Reizbarkeit ist ein häufiges Frühsymptom von Alzheimer. Betroffene reagieren oft ungeduldig, gereizt oder verärgert auf Situationen, die sie überfordern oder frustrieren. Dies kann sich in verbalen Ausbrüchen, Beschimpfungen oder sogar aggressivem Verhalten äußern.

Ursachen für Reizbarkeit bei Alzheimer

Die Ursachen für Reizbarkeit bei Alzheimer sind vielfältig. Einige der häufigsten Ursachen sind:

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  • Kognitive Defizite: Gedächtnisverlust, Orientierungsschwäche und andere kognitive Beeinträchtigungen können dazu führen, dass Betroffene sich überfordert und hilflos fühlen.
  • Veränderungen im Gehirn: Die Alzheimer-Krankheit verursacht Veränderungen im Gehirn, die die Emotionsregulation beeinträchtigen können.
  • Frustration: Betroffene sind oft frustriert über ihre nachlassenden Fähigkeiten und ihre Unfähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen.
  • Angst und Unsicherheit: Die Veränderungen, die mit der Alzheimer-Krankheit einhergehen, können Angst und Unsicherheit auslösen.
  • Überforderung: Zu viele Reize, Lärm oder eine hektische Umgebung können Menschen mit Demenz schnell überfordern.
  • Schmerzen und körperliches Unwohlsein: Körperliche Schmerzen oder Unwohlsein können ebenfalls zu Reizbarkeit führen.
  • Kommunikationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder andere zu verstehen, können zu Frustration und Reizbarkeit führen.

Umgang mit Reizbarkeit bei Alzheimer

Der Umgang mit Reizbarkeit bei Alzheimer erfordert Geduld, Einfühlungsvermögen und ein gutes Verständnis der Erkrankung. Einige hilfreiche Strategien sind:

  • Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und nicht wütend oder vorwurfsvoll zu reagieren.
  • Verständnis zeigen: Zeigen Sie Verständnis für die Gefühle des Betroffenen und machen Sie sich klar, dass er oder sie Ihre Hilfe braucht.
  • Auslöser identifizieren: Versuchen Sie, die Auslöser für die Reizbarkeit zu identifizieren und diese nach Möglichkeit zu vermeiden oder zu reduzieren.
  • Ablenkung: Lenken Sie die Aufmerksamkeit des Betroffenen auf etwas Positives oder Interessantes.
  • Klare Kommunikation: Sprechen Sie langsam, deutlich und in einfachen Sätzen.
  • Routine: Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, Ruhephasen und Aktivitäten.
  • Sicherheit: Schaffen Sie eine sichere und vertraute Umgebung.
  • Positive Verstärkung: Loben und belohnen Sie positives Verhalten.
  • Professionelle Hilfe: Ziehen Sie professionelle Hilfe in Betracht, z. B. von einem Arzt, Psychologen oder Ergotherapeuten.

Weitere Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz

Neben Reizbarkeit können bei Demenz auch andere Verhaltensauffälligkeiten auftreten, die den Alltag der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen können. Zu diesen Verhaltensauffälligkeiten gehören:

  • Wiederholtes Fragen und Handlungen: Viele Menschen mit Demenz stellen immer wieder dieselbe Frage oder wiederholen die gleichen Sätze oder Handlungen.
  • Wanderverhalten: Im mittleren Stadium der Demenz zeigen viele Betroffene einen ausgeprägten Bewegungsdrang, gepaart mit starker Unruhe.
  • Verlust von Gegenständen und Beschuldigungen: Oft verstecken Menschen mit Demenz wichtige Gegenstände und beschuldigen dann andere, sie gestohlen zu haben.
  • Leben in der Vergangenheit: Mit dem Fortschreiten der Demenz wird die Lebenswelt der Betroffenen weitgehend von den noch vorhandenen Erinnerungen geprägt.
  • Aggressives Verhalten: Menschen mit Demenz können sich manchmal verbal oder körperlich aggressiv verhalten.
  • Sexuelle Enthemmung: In einigen Fällen kann es zu sexueller Enthemmung kommen, die sich in unangemessenem Verhalten äußern kann.
  • Apathie und Depression: Apathie und gedrückte Stimmung sind ebenfalls häufige Symptome bei Demenz.

Diagnose und Behandlung

Eine frühzeitige Diagnose und umfassende Behandlung sind bei Alzheimer entscheidend. Mithilfe verschiedener Therapiemaßnahmen kann das Fortschreiten der Hirnfunktionsstörung um einige Jahre verzögert werden. Je früher die ganzheitliche Behandlung beginnt, desto besser können verbliebene Ressourcen angeregt werden und die Selbstständigkeit sowie Alltagskompetenz des Patienten erhalten bleiben. Auch die begleitenden Verhaltensveränderungen sind in diesem Rahmen gut behandelbar.

Diagnostische Schritte

Die Diagnostik von Demenz umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Erhebung der Symptome und Verhaltensänderungen durch Befragung des Betroffenen und seiner Angehörigen.
  2. Neuropsychologische Tests: Einsatz von standardisierten Tests zur Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten (z. B. Mini-Mental-Status-Test).
  3. Körperliche Untersuchung: Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können (z. B. Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangel, Infektionen).
  4. Bildgebende Verfahren: Einsatz von Computertomographie (cCT) oder Magnetresonanztomographie (cMRT) zur Darstellung des Gehirns.
  5. Liquorpunktion: Entnahme von Nervenwasser zur Analyse auf für die Alzheimer-Krankheit typische Eiweiße.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Allerdings gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, den Verlauf der Krankheit zu verzögern und die Symptome zu lindern.

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  • Medikamentöse Behandlung:
    • Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin): Können bei leichtgradiger bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit das Fortschreiten der Krankheit eine Weile verzögern.
    • Memantine: Zugelassen für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Krankheit.
    • Psychopharmaka (Risperidon, Haloperidol): Können bei Verhaltensstörungen wie Aggressivität oder Wahnvorstellungen eingesetzt werden, sollten aber nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verwendet werden.
  • Nicht-medikamentöse Therapien:
    • Ergotherapie: Zum Erhalt und zur Förderung vorhandener Fähigkeiten.
    • Logopädie: Zur Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit.
    • Physiotherapie: Zur Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit.
    • Musiktherapie: Kann die Stimmung und das Wohlbefinden verbessern.
    • Hirnleistungstraining: Zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten.
    • Erinnerungstherapie: Zur Aktivierung von Erinnerungen und zur Förderung des Wohlbefindens.
    • Psychosoziale Interventionen: Können bei Verhaltensstörungen wie Angst, Depression oder Reizbarkeit helfen.

Was können Angehörige tun?

Die Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine große Herausforderung für Angehörige. Es gibt jedoch viele Dinge, die Angehörige tun können, um das Leben der Betroffenen zu verbessern und sich selbst zu entlasten:

  • Informationen sammeln: Informieren Sie sich umfassend über die Alzheimer-Krankheit und ihre Symptome.
  • Unterstützung suchen: Nehmen Sie Beratungs- und Schulungsangebote der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder anderer Organisationen in Anspruch.
  • Entlastung suchen: Nutzen Sie Entlastungsmöglichkeiten wie Tagespflege, Kurzzeitpflege oder ehrenamtliche Helfer.
  • Austausch mit anderen Angehörigen: Sprechen Sie mit anderen Angehörigen über Ihre Erfahrungen und tauschen Sie sich aus.
  • Auf sich selbst achten: Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit und Ihr Wohlbefinden.
  • Verständnis zeigen: Versuchen Sie, die Welt aus der Sicht des Betroffenen zu sehen und seine Verhaltensweisen zu verstehen.
  • Geduld haben: Seien Sie geduldig und akzeptieren Sie, dass sich die Verhaltensweisen des Betroffenen ändern können.
  • Liebe und Zuneigung zeigen: Zeigen Sie dem Betroffenen, dass Sie ihn lieben und für ihn da sind.
  • In Entscheidungen einbeziehen: Beziehen Sie den Betroffenen soweit wie möglich in Entscheidungen ein.
  • Interessen und Vorlieben berücksichtigen: Knüpfen Sie an die im Laufe des Lebens entwickelten Interessen und Vorlieben des Betroffenen an.
  • Positive Aktivitäten fördern: Fördern Sie positive Aktivitäten wie Ausflüge in die Natur, Bewegung, Sport, Tanz, Kultur, Hobbys und Gesellschaftsspiele.
  • Sichere Umgebung schaffen: Schaffen Sie eine sichere und vertraute Umgebung, in der sich der Betroffene wohlfühlt.
  • Kommunikation anpassen: Passen Sie Ihre Kommunikation an die Bedürfnisse des Betroffenen an. Sprechen Sie langsam, deutlich und in einfachen Sätzen.
  • Bei Bedarf professionelle Hilfe suchen: Ziehen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Betracht, z. B. von einem Arzt, Psychologen oder Pflegedienst.

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