Alzheimer und Haschisch: Wirkung, Risiken und therapeutisches Potenzial

Cannabis, insbesondere sein psychoaktiver Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), ist seit langem Gegenstand intensiver Forschung und öffentlicher Debatten. Während es in der Medizin zur Linderung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird, gibt es auch Bedenken hinsichtlich seiner potenziellen Auswirkungen auf die kognitive Funktion, insbesondere im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz. Dieser Artikel untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum, Alzheimer und Demenz, wobei sowohl die Risiken als auch das therapeutische Potenzial beleuchtet werden.

Cannabis: Medizinische Anwendung und potenzielle Risiken

Cannabis wird seit Jahrtausenden als Medizin geschätzt. Es kann Schmerzen lindern, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei Krebs bekämpfen und sich in der Therapie von AIDS-Patienten bewährt haben. Medikamente auf Cannabisbasis oder künstlich erzeugte Cannabinoide können Spastiken bei Multiple-Sklerose-Patienten hemmen und den Appetit von Magersüchtigen anregen.

Allerdings beeinträchtigt der berauschende Cannabiswirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) das Arbeitsgedächtnis. Eine Studie hat gezeigt, dass THC das Gedächtnis unabhängig von seiner direkten Wirkung auf die Neuronen beeinträchtigt. Die Nebenwirkungen entstehen durch den Einfluss der Droge auf Astrozyten, Zellen, die bisher nur als Ernährer und Unterstützer der Neuronen bekannt waren.

Cannabis und das Risiko von Demenz

Eine Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte, ob intensiver Cannabiskonsum mit einem erhöhten Risiko für eine spätere Demenzdiagnose verbunden sein könnte. Die Forscher betrachteten zwischen 2008 und 2021 Fälle, bei denen der Cannabiskonsum so stark war, dass eine Notaufnahme oder ein stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich wurde.

Die Analyse der Gesundheitsdaten von mehr als sechs Millionen Erwachsenen ab 45 Jahren aus Ontario ergab, dass Personen, die wegen durch Cannabis bedingten Beschwerden in die Notaufnahme eingeliefert wurden, in den Folgejahren ein deutlich höheres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken. Insgesamt war das Risiko für eine Demenzdiagnose bei cannabisbedingten Notfällen um 72 Prozent höher als in der Allgemeinbevölkerung und um 23 Prozent höher als bei anderen medizinischen Notfällen.

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Es ist wichtig zu beachten, dass im Rahmen der Studie nur ein schwerwiegender Cannabis-Konsum untersucht wurde, nicht der gelegentliche Gebrauch. Es konnte zwar ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und einer Demenzdiagnose festgestellt werden, aber keine Kausalität.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2012 untersuchte den Einfluss von Cannabiskonsum auf die geistige Entwicklung bei Jugendlichen. Die Ergebnisse zeigten, dass der jahrelange Konsum von Cannabis mit einem Rückgang der kognitiven Leistung verbunden war und zu einem Abfall des Intelligenzquotienten (IQ) führte. Bei Personen, die vor dem 18. Lebensjahr regelmäßig Cannabis konsumierten, wurde im Durchschnitt ein Verlust von etwa acht IQ-Punkten zwischen dem 13. und 38. Lebensjahr festgestellt. Zugleich hielten die Veränderungen auch nach Beendigung des Cannabiskonsums größtenteils weiter an.

Wie THC das Gehirn beeinflusst

THC beeinflusst zentrale Hirnregionen wie den Hippocampus (Gedächtnis), den präfrontalen Cortex (Impulskontrolle) und das Belohnungssystem (Motivation, Emotionen). Langfristiger Konsum - vor allem in jungen Jahren - kann strukturelle Veränderungen begünstigen: Die Großhirnrinde könnte sich ausdünnen, der Hippocampus an Volumen verlieren.

Eine Studie fand heraus, dass THC im Gehirn ein Enzym aktivieren kann, das normalerweise bei Entzündungen eine Rolle spielt - COX-2. Wenn COX-2 aktiv ist, verändert sich die Struktur der Verbindungen zwischen den Nervenzellen - vor allem im Hippocampus, der für das Lernen und Erinnern zuständig ist. In Tierversuchen führte das dazu, dass weniger wichtige Signalstoffe (Glutamatrezeptoren) vorhanden waren und sich die Zahl der Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen verringerte.

Sobald COX-2 gehemmt wurde, verschwanden diese negativen Effekte - selbst wenn weiterhin THC gegeben wurde. Gedächtnis und Nervenzellverbindungen blieben stabil. Dies deutet darauf hin, dass sich die unerwünschten Nebenwirkungen von THC auf das Gehirn möglicherweise verhindern lassen, wenn gleichzeitig COX-2 gehemmt wird.

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Das Endocannabinoid-System (ECS)

Um die Wirkung von THC im Gehirn zu verstehen, muss man sich mit dem Endocannabinoid-System (ECS) vertraut machen. Der Körper stellt selbst körpereigene Cannabinoide, sogenannte Endocannabinoide, her, die an CB1-Rezeptoren binden und verschiedene Funktionen regulieren. THC als pflanzliches Cannabinoid dockt ebenfalls an die CB1-Rezeptoren an, oft jedoch stärker und länger als die natürlichen Botenstoffe.

Cannabis und die Behandlung von Demenz

In einer israelischen Studie hat medizinisches Cannabis einen hohen Wirkungsgrad bei der Behandlung von Demenz gezeigt. Die Forschenden führten eine placebokontrollierte Doppelblindstudie durch, bei der die Patienten in zwei Gruppen unterteilt wurden. Eine Gruppe bekam dreimal täglich Cannabis und die andere ein Placebo-Öl.

Nach 16 Wochen ging es den Mitgliedern der Cannabis-Gruppe im Durchschnitt deutlich besser: Schlafstörungen, Agitiertheit und Aggressionen hatten abgenommen. Wichtig ist dabei, dass positive Effekte erst nach 14 Wochen einsetzten. Zudem hängt die Wirksamkeit von der Dosis ab.

Eine weitere Studie zeigte, dass ein Cannabis-Vollspektrumextrakt mit einem hohen Anteil an Cannabidiol (CBD) eine demenzbedingte Agitiertheit reduzieren kann. In der Studie erhielten 60 Patientinnen und Patienten mit schwerer neurokognitiver Störung und damit verbundenen Verhaltensstörungen einen Cannabis-Vollspektrumextrakt mit 1% Tetrahydrocannabinol (THC) und 30% CBD (Re:cannis) oder ein Placebo-Öl. Nach 16 Wochen hatten sich Schlafstörungen, Agitiertheit und Aggression gegenüber der Placebogruppe signifikant gebessert.

THC-haltige Arzneimittel sind mutmaßlich geeignet zur symptomatischen Behandlung von Demenzerkrankten. In einer kleinen offenen Studie in der Schweiz bekamen 19 Personen mit schwerer Demenz bis zu 13 Monate lang einen standardisierten Cannabis-Extrakt mit THC (im Mittel 12,4 mg/Tag) und CBD (im Mittel 24,8 mg/Tag). Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung von neuropsychiatrischen Problemen, Agitation, Unruhe und Aggressivität.

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Eine 2024 publizierte, offene Studie in Kolumbien zeigte, dass CBD-Öl neuropsychiatrische Symptome bei Demenzpatienten lindern kann. Das Öl, das reich an dem nicht berauschend wirkenden CBD ist, war bei einer Tagesdosis bis zu 111 mg wirksam und sicher. Die Wirkung betraf vor allem die Reduktion von Halluzinationen, Angst, Unruhe, Apathie und Reizbarkeit.

Cannabis bei älteren Menschen

Wissenschaftler der Universität Bonn und der Hebrew Universität Jerusalem (Israel) haben bei Mäusen gezeigt, dass eine geringe Menge an THC, dem aktiven Inhaltsstoff der Hanfpflanze (Cannabis), Alterungsprozesse des Gehirns umkehren und die kognitive Leistungsfähigkeit wieder steigern kann.

Die Forscher verabreichten Mäusen im Alter von zwei, zwölf oder 18 Monaten über einen Zeitraum von vier Wochen eine geringe Menge an THC. Danach testeten sie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistungen der Tiere. Die kognitiven Funktionen der mit Cannabis behandelten Tiere waren genauso gut wie die von zwei Monate alten Kontrolltieren.

Die Forscher fanden heraus, dass das Gehirn viel schneller altert, wenn Mäuse keinen funktionsfähigen Rezeptor für THC besitzen. Mit steigendem Alter verringert sich die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide. Wenn die Aktivität des Cannabinoidsystems abnimmt, dann finden wir ein rasches Altern des Gehirns.

Die molekulare Signatur der behandelten Mäuse entsprach nicht mehr der von alten Tieren, sondern war vielmehr jungen Tieren sehr ähnlich. Auch die Zahl der Verknüpfungen der Nervenzellen im Gehirn nahm wieder zu, was eine wichtige Voraussetzung für das Lernvermögen ist.

Die Dosierung des verabreichten THC war so niedrig gewählt, dass eine Rauschwirkung bei den Mäusen ausgeschlossen war. Die Forscher wollen im nächsten Schritt in einer klinischen Studie untersuchen, ob THC auch beim Menschen Alterungsprozesse des Gehirns umkehren und die kognitive Leistungsfähigkeit wieder steigern kann.

CBD: Ein nicht-psychoaktives Cannabinoid

CBD (Cannabidiol) wirkt im Gehirn auf eine ganz andere Weise als THC - beruhigend, ausgleichend und ohne berauschende Effekte. Laut aktuellen Studien beeinflusst CBD bestimmte Hirnregionen, die für Emotionen, Stressverarbeitung, Impulskontrolle und Gedächtnis zuständig sind.

CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften, die helfen könnten, neuronale Entzündungen zu reduzieren, ein zentraler Faktor bei neurodegenerativen Erkrankungen. CBD interagiert Studien zufolge mit dem Endocannabinoid-System (ECS), das eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Gedächtnis, Lernen und Stimmung spielt. Mehrere Studien legen nahe, dass CBD die Bildung von Plaques beeinflussen kann, indem es die Bildung und Wirkung von Beta-Amyloid-Peptiden durch unterschiedliche Mechanismen reduziert.

Auch bei Angstzuständen und Schlafstörungen, die häufige Begleiterscheinungen bei Alzheimer- und Demenz-Patienten sind, könnte CBD mit seinem Einfluss auf das körpereigene Endocannabinoid-System hilfreich sein. Angehörige berichten, dass Unruhe und Aggression bei Alzheimer-Patienten abnehmen. CBD hilft vielen Demenzkranken, die mit der Krankheit einhergehenden Schlafstörungen zu lindern.

Darreichungsformen von CBD

Die Auswahl einer geeigneten Darreichungsform von CBD ist besonders wichtig, um die Einnahme so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten.

  • CBD-Öle und -Tropfen: Üblicherweise werden CBD-Öle für eine schnelle Wirkung unter die Zunge getropft. Sie können aber auch bequem in Speisen oder Getränke gemischt werden. Da der typische Hanf-Geschmack nicht jedem behagt, bieten sich Öle mit zusätzlichen Geschmäckern an.
  • CBD-Kapseln oder -Tabletten: Diese Darreichungsform ist geschmacklos und kann durch die einfache Einnahme mit Wasser besonders leicht für ältere oder demenzkranke Menschen angepasst werden.
  • CBD-Sprays: Ein CBD-Spray ist besonders praktisch, da es direkt unter die Zunge gesprüht wird und eine schnelle Wirkung bietet.
  • CBD in Speisen und Getränken: Eine ansprechende Variante ist Möglichkeit, CBD-Öl in Nahrungsmittel oder Getränke wie Smoothies, Tee oder Süßigkeiten zu mischen.
  • CBD-Topika (Auftragen auf die Haut): Für Demenzpatienten, die z. B. Schmerzen oder Hautprobleme haben, bieten sich CBD-Salben und -Cremes an.

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