Der Tod - einst eine unüberwindbare Grenze, ist heute ein Prozess, der durch medizinische Fortschritte beeinflussbar geworden ist. Diese Entwicklung wirft fundamentale Fragen auf: Was geschieht mit unserem Bewusstsein, wenn wir sterben? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Die Erforschung von Nahtoderfahrungen (NTEs) bietet faszinierende Einblicke in diese Mysterien, insbesondere im Kontext von Krankheiten wie Alzheimer, die das Bewusstsein tiefgreifend verändern.
Was sind Nahtoderfahrungen?
Nahtoderfahrungen sind tiefgreifende Erlebnisse, die Menschen in Situationen größter körperlicher oder emotionaler Gefahr, oft in Verbindung mit einem klinischen Tod, berichten. Dr. med. Birk Engmann, Facharzt für Neurologie und Nervenheilkunde, beschreibt NTEs als "blumig geschildert und weit gefasst". Betroffene berichten von Gefühlen des Friedens, Wärme, Licht, einem Tunnelblick oder außerkörperlichen Erfahrungen (Out-of-Body-Experiences).
Die Herausforderung der Interpretation:
Es ist wichtig zu beachten, dass ähnliche Erlebnisse auch im Alltag, bei Krankheiten wie Epilepsie oder durch Drogenmissbrauch auftreten können. "Im Gehirn können also verschiedene Dinge die gleichen Reaktionen auslösen", erklärt Dr. Engmann. Die Schwierigkeit besteht darin, die spezifischen Ursachen für diese Phänomene im Kontext des klinischen Todes zu identifizieren. Ethische Bedenken verhindern zudem eine direkte Untersuchung von NTEs während des Sterbeprozesses.
Theorien zur Entstehung von Nahtoderfahrungen:
- Hirnfunktionsstörung: Eine gängige Theorie besagt, dass NTEs Ausdruck einer Hirnfunktionsstörung sind. Wenn das Gehirn während des klinischen Todes nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, können Signale fehlerhaft übertragen werden. Dies könnte Lichtvisionen im Hinterhauptlappen oder außerkörperliche Erfahrungen im Scheitel- und Schläfenlappen erklären.
- Botenstoffe: Eine andere Hypothese vermutet, dass in Stresssituationen bestimmte Botenstoffe freigesetzt werden, die NTEs hervorrufen. Welche Botenstoffe dies sein sollen, ist jedoch noch unklar.
- Psychologische Faktoren: Religiöse Ansichten und die eigene Biographie können NTEs prägen. Das Tunnelphänomen, oft als Symbol für den Übergang vom Leben zum Tod dargestellt, wird jedoch nur von einem Teil der Betroffenen erlebt.
Nahtoderfahrungen im Kontext von Alzheimer
Alzheimer-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch fortschreitenden Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können Betroffene kaum noch kommunizieren oder ihre Umgebung wahrnehmen.
Veränderungen von Persönlichkeit und Bewusstsein:
Ein besonders interessanter Aspekt ist die Beobachtung, dass bei manchen Alzheimer-Patienten das Ego zu verschwinden scheint, während sich die Seele (oder das Bewusstsein) umso klarer entwickelt. Dies deutet darauf hin, dass die Krankheit zwar die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt, aber möglicherweise nicht die Essenz des menschlichen Bewusstseins auslöscht.
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Beispiel einer Sterbesituation:
Ein Beispiel aus dem Buch „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet. Terminale Geisteskrankheit und andere Phänomene in Todesnähe“ von Michael Nahm beschreibt eine alte Frau, die fast zehn Jahre in ständigen Dahindämmern gelebt hatte. Kurz vor ihrem Tod setzte sie sich kerzengerade im Bett auf und betete mit lauter Stimme das Vaterunser, obwohl sie zuvor jahrelang geschwiegen oder nur unverständliche Laute von sich gegeben hatte.
Paranormale Phänomene in Todesnähe:
In einer Befragung von Pflegekräften und Pflegehelfern berichteten diese von ihren Erfahrungen mit sterbenden Menschen und welche paranormalen Gegebenheiten sie erlebten. Diese Berichte werfen Fragen nach der Natur des Bewusstseins und der Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod auf.
Die wissenschaftliche Perspektive
Die positivistische Wissenschaft, die sich auf messbare Phänomene konzentriert, hat traditionell keinen Platz für den Begriff "Seele". Allerdings öffnen sich zunehmend renommierte Wissenschaftler einem Paradigmenwechsel in der Forschung. Sie belegen, dass Phänomene existieren, für die nur die Theorie, dass das Bewusstsein endlos ist, eine logische Erklärung liefern kann.
Die AWARE-Studie:
Die kürzlich veröffentlichte AWARE-Studie konnte erstmals unter streng wissenschaftlichen Bedingungen den ersten Fall einer Nahtod-Erfahrung bestätigen, für die es keine medizinische Erklärung zu geben scheint.
Irreducible Mind:
In dem Standardwerk „Irreducible Mind“ wird von hochrangigen Wissenschaftlern aufgezeigt, dass eine materialistische Idee der Welt, der Wirklichkeit nicht gerecht wird.
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
Neurochirurg Eben Alexander und seine Nahtoderfahrung
Neurochirurg Eben Alexander fiel in Folge einer Hirnhautentzündung ins Koma. Der für das Bewusstsein zuständige Gehirnteil setzte aus. Er überlebte. Doch das eigentliche Wunder sei geschehen, als er fast tot war.
Die medizinische Diagnose:
Die Diagnose der Ärzte ist erstaunlich: eine bakterielle Meningitis. Gewöhnlich rufen Viren Hirnhautentzündungen hervor. Dass Bakterien sie verursachen, ist nicht nur selten, sondern für den Betroffenen auch gefährlicher.
Der Verlauf der Krankheit:
Die Bakterien, die eine Hirnhautentzündung verursachen, greifen zunächst die äußere Oberfläche des Gehirns an und zerstören sehr effizient solche Strukturen, die laut Alexander für den „menschlichen Teil unseres Gehirns“ zuständig sind - den Neocortex. Die tieferen Gehirnstrukturen, die überlebenswichtig sind, bleiben zunächst intakt. Erst ganz zum Schluss schalten die Bakterien sie aus.
Alexanders Nahtoderfahrung:
In seinem Buch „Blick in die Ewigkeit“ berichtet er von seiner Nahtoderfahrung. Er sei in eine Welt eingetaucht, die ihm erschreckend real vorgekommen sei. Eine Welt aus reinem, hellem, weiß-goldenem Licht, die die „eigenartigste, schönste Welt“ war, die er je gesehen hatte.
Der Umgang mit dem Tod in der modernen Medizin
Die moderne Medizin hat die Grenzen des Todes verschoben. Durch Wiederbelebungsmaßnahmen können Ärzte Menschen ins Leben zurückholen, die zuvor als tot galten.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
Die Entwicklung der Wiederbelebung:
Im Jahr 1957 veröffentlichte der österreichisch-amerikanische Arzt Peter Safar ein Buch, das das Leben von Tausenden Menschen verlängern sollte. beschrieb er, wie man jemanden nach einem Herzstillstand durch Herzdruckmassage, Beatmen und Freihalten der Atemwege wiederbeleben konnte.
Der Fall Joe Tiralosi:
Joe Tiralosi war 47 Minuten lang klinisch tot, bevor er durch die unermüdliche Arbeit eines Ärzteteams wiederbelebt werden konnte. Dieser Fall verdeutlicht, wie weit die Medizin in der Verlängerung des Lebens gehen kann.
Die Vorgänge im Körper eines Sterbenden:
Wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, hört es zu schlagen auf. Der Kreislauf bricht zusammen. Ohne Maßnahmen der Wiederbelebung hören dann die Organe auf zu arbeiten. Nach 20 Sekunden verliert der Mensch das Bewusstsein. Die Temperatur auf der Hautoberfläche fällt ab. Das Gehirn funktioniert nicht mehr.
Werte und Lebensqualität
Was einem die Arbeit mit Menschen mit Demenz für das Leben lehren kann, ist, dass die Werte einer „modernen“ Gesellschaft, wie Effizienz, Materialismus, Schönheitswahn, usw., am Ende des Lebens zur Bedeutungslosigkeit verkümmern. Wer sich darauf einlässt, wird erkennen, dass man mit dem Herzen sprechen kann. Auch wenn die Seele nicht existieren sollte, der Glaube an sie macht das Leben erst lebenswert.