Alzheimer und verändertes Essverhalten: Ursachen und Umgang

Eine Demenzerkrankung, insbesondere Alzheimer, kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen haben. Neben den bekannten Gedächtnisproblemen und Orientierungsstörungen verändert sich oft auch das Ess- und Trinkverhalten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für diese Veränderungen und gibt praktische Tipps für den Umgang damit.

Wie Demenz das Essverhalten beeinflusst

Bei Demenz gehen nach und nach Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn verloren, bis schließlich ganze Hirnbereiche nicht mehr richtig funktionieren. Dies kann sich vielfältig auf das Essverhalten auswirken:

  • Appetitlosigkeit: Manche Menschen mit Demenz verlieren den Appetit und nehmen nicht ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie Schwierigkeiten bei der Zubereitung von Mahlzeiten, fehlendes Zeitgefühl für Essenszeiten, Veränderungen im Geruchs- und Geschmackssinn oder motorische Probleme.
  • Unkontrolliertes Essen: Andere Betroffene essen scheinbar ohne Hemmungen, oft bevorzugt Süßes. Dies kann am nachlassenden Kurzzeitgedächtnis liegen, wodurch die letzte Mahlzeit vergessen wird, oder an einer gestörten Wahrnehmung des Sättigungsgefühls. Auch Langeweile, Einsamkeit oder der Wunsch nach Beschäftigung können eine Rolle spielen. Bei der Frontotemporalen Demenz (FTD) ist unkontrollierbarer Appetit sogar ein typisches Frühsymptom.
  • Kau- und Schluckstörungen: Im weiteren Verlauf der Erkrankung können Kau- und Schluckstörungen hinzukommen, die das Essen zusätzlich erschweren.

Ursachenforschung: Warum verändert sich das Essverhalten?

Es ist wichtig, die Ursachen für das veränderte Essverhalten zu verstehen, um angemessen reagieren zu können. Folgende Fragen können helfen:

  • Gibt es Anzeichen für Krankheiten, die den Appetit beeinflussen?
  • Sind Mahlzeiten grundsätzlich schwierig oder nur einzelne?
  • Kam die Appetitlosigkeit plötzlich oder schleichend?
  • Liegt es an der Versorgung mit Essen und Trinken? Kann die Person sich noch selbst versorgen?
  • Spielen Lieblingsgerichte aus früheren Zeiten eine Rolle?

Praktische Tipps für den Umgang mit verändertem Essverhalten

Für Angehörige ist ein gestörtes Ess- und Trinkverhalten oft mit Stress und Sorge verbunden. Es ist wichtig, sich nicht zu überfordern und zu verstehen, dass viele dieser Probleme krankheitsbedingt sind. Hier sind einige praktische Tipps:

Bei Appetitlosigkeit

  • Versorgung sicherstellen: Falls die Person sich nicht mehr selbst versorgt, können vorbereitete Mahlzeiten oder ein Lieferdienst unterstützen.
  • Snacks anbieten: Bieten Sie Getränke und kleine Snacks zum Mit-der-Hand-Essen an, wie Energieriegel, Kuchen, Kekse oder Fingerfood.
  • Geschmack verstärken: Verwenden Sie reichlich Geschmacksträger, zum Beispiel Sahne, Butter, Crème fraîche oder vollfetten Käse.
  • Lieblingsgerichte: Erinnern Sie sich an Lieblingsgerichte aus früheren Zeiten. Oft bleiben alte Geschmacksvorlieben lange erhalten - das kann beim Essen helfen und emotionale Sicherheit geben.

Bei unkontrolliertem Essen

  • Süßes kontrollieren: Schließen Sie giftige Dinge weg, die mit Süßem verwechselt werden können, zum Beispiel Waschmittelpods oder Spültabs.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Strukturieren Sie den Tag mit festen Essenszeiten, um dem Gefühl von Hunger entgegenzuwirken.
  • Ablenkung vermeiden: Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie möglichst nie versuchen, mit Logik zu argumentieren („Aber wir haben gerade gegessen!“) - dies kann Verwirrung auslösen oder Menschen aggressiv machen. Besser ist es, die Wirklichkeit der erkrankten Person anzuerkennen (Validierung) und anschließend eine Lösung anzubieten, zum Beispiel „Wir haben gerade gegessen, aber ich sehe, dass du vielleicht noch Hunger hast."
  • Lieblingsessen-Tag: Reservieren Sie einen Tag in der Woche für Lieblingsessen, zum Beispiel Schokokuchen-Mittwoch oder Lasagne-Freitag.

Allgemeine Tipps für entspannte Mahlzeiten

  • Ruhe bewahren: Halten Sie Ihre Erwartungen niedrig. Kleidung lässt sich waschen, Tischdecken auch.
  • Ablenkung reduzieren: Verzichten Sie auf Radio und Fernsehen während der Mahlzeiten. Leise Musik kann hingegen beruhigend wirken.
  • Geeignetes Geschirr: Stellen Sie nur unbedingt notwendiges Geschirr und Besteck bereit, dieses sollte gut in der Hand liegen und gut erkennbar sein, zum Beispiel weiße Teller auf einem blauen Tisch. Vermeiden Sie Ablenkungen wie zu starke Muster auf der Tischdecke oder Lichtreflexionen auf Gläsern.
  • Zum Essen hinführen: Führen Sie immer wieder zum Essen hin, zum Beispiel durch Kommentare wie „Hm, die Kartoffeln schmecken aber gut”.
  • Hilfsmittel nutzen: Schüsseln statt Teller, Löffel statt Gabel: Achten Sie darauf, dass alles gut zu greifen und zu handhaben ist. Hilfreich können auch Teller mit Rand oder rutschfeste Unterlagen sein - für mehr Selbstständigkeit beim Essen.
  • Mundgerechte Stücke: Schneiden Sie Pizza oder Brote in mundgerechte Stücke oder bieten Sie Fingerfood, wie warme Kartoffeln, kleine Schnitzel oder Frikadellen an.
  • Ergonomie beachten: Prüfen Sie, ob Stuhl und Esstisch einen guten Abstand haben, damit man gut sitzen kann.
  • Gemeinsam essen: Wenn alle das Gleiche essen, fühlt sich niemand ausgeschlossen.

Die Rolle der Ernährung: Was ist wichtig?

Grundsätzlich gibt es für Menschen mit Demenz keine speziellen Energie- und Nährstoffbedarfe im Vergleich zu anderen älteren Personen. Eine gesunde Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten sowie magere, eiweißreichen Lebensmittel ist daher immer zu empfehlen, da sie auch die Kognition unterstützen kann.

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Essen Menschen sehr wenig, sollte das Speise- und Getränkeangebot so gestaltet sein, dass es genügend Energie und Nährstoffe enthält und auch gewisse Vorlieben, Wünsche und Gewohnheiten (Stichwort: Lieblingsessen) berücksichtigt. In manchen Fällen können auch Nahrungsergänzungsmittel oder Trinknahrung sinnvoll sein, um beispielsweise einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren oder Vitaminen wie Vitamin D oder B12 zu vermeiden.

Demenz erkennen: Symptome und Diagnose

Viele Menschen fürchten sich davor, an Alzheimer zu erkranken. Es ist wichtig, die Symptome zu kennen, um frühzeitig Hilfe suchen zu können. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Gedächtnisprobleme / Vergesslichkeit: Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt.
  • Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen.
  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden.
  • Orientierungsprobleme: Oft können Orte oder Zeitabstände nicht mehr eingeordnet werden.
  • Schwierigkeiten beim Erkennen von Bildern und räumlichen Dimensionen.
  • Sprachprobleme: Schwierigkeiten, einem Gespräch zu folgen und sich aktiv daran zu beteiligen.
  • Verlegen von Gegenständen: Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, verlieren oft Dinge oder legen sie an ungewöhnliche Orte.
  • Verlust der Eigeninitiative: Viele Betroffene verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.
  • Stimmungsschwankungen: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.

Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen wiederholt auftreten, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, um frühzeitig Hilfe zu bekommen. Die Diagnose erfolgt über eine Reihe von Verfahren wie zum Beispiel Tests der kognitiven Fähigkeiten und Gespräche mit Fachärzten, auch zwischen Ärzten und Angehörigen.

Risikofaktoren und Prävention

Entscheidende Risikofaktoren für Alzheimer sind bekannt, dazu zählen:

  • Übergewicht
  • Beeinträchtigungen des Hörvermögens
  • Isolation
  • Bewegungsmangel
  • Depressionen
  • Genetische Faktoren
  • Zu hoher Blutdruck im mittleren Alter

Durch einen gesunden und fordernden Lebensstil kann man vielen Risikofaktoren entgegenwirken. Das Gehirn braucht Herausforderungen, um fit zu bleiben. Das Erlernen von Fremdsprachen, soziale Kontakte und körperliche Bewegung können Demenzerkrankungen bremsen.

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Herausforderungen für Angehörige

Die Pflege von Alzheimer-Patienten kann sehr herausfordernd sein. Es ist wichtig, sich rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Pflegedienste, Essensdienste und Selbsthilfegruppen können die Lebensqualität aller Beteiligten steigern.

Kommunikation mit Demenzkranken

Im Verlauf der Erkrankung verliert die Sprache als Mitteilungsform bei demenzkranken Menschen immer mehr an Bedeutung. Es kommt darauf an, die Kommunikation entsprechend zu gestalten. Man erreicht Demenzkranke am besten durch mitfühlendes Zureden, im fortgeschrittenen Stadium werden oft auch Berührungen als angenehm empfunden. Auch wenn die geistigen Fähigkeiten nachlassen und Alltagsfertigkeiten verloren gehen, funktioniert die Gefühlswelt weiterhin. Oft zeigt der Demenzkranke sogar besondere Sensibilität für die Gefühle seines Gegenübers.

Die letzte Lebensphase

In den letzten Wochen, Tagen und Stunden können belastende Beschwerden für den Menschen mit fortgeschrittener Demenz auftreten. Diese können meist gemildert oder vorbeugend verhindert werden. Häufige Beschwerden sind Schmerzen, Luftnot, Unruhe und Angst. Eine gute Palliativversorgung kann hier helfen, die Lebensqualität bis zum Schluss zu erhalten.

Sterbeorte und Todesursachen

Die meisten Menschen mit Demenz werden zu Hause von den Angehörigen betreut und haben den Wunsch, auch dort zu sterben. Überwiegend versterben die Menschen mit fortgeschrittener Demenz jedoch an den Folgen oder Komplikationen der Demenz. Eine der häufigsten Todesursachen ist die Lungenentzündung (Pneumonie).

Trauerphase

Der Tod eines nahestehenden Menschen ist mit tiefen Emotionen verbunden. Hinterbliebene müssen nicht allein mit ihrer Trauer bleiben, vielen hilft es sich mit anderen darüber auszutauschen. Hospizdienste bieten Unterstützung in dieser Lebensphase an.

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