Die Diagnose Demenz ist ein Schock, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen. Da es bislang keine Heilung für Demenzerkrankungen gibt, gewinnt die Vorbeugung immer mehr an Bedeutung. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Maßnahmen, mit denen sich das Risiko einer Demenz deutlich verringern lässt.
Was ist Alzheimer und Demenz?
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen absterben. Demenz ist der Zustand, der durch die Alzheimer-Krankheit hervorgerufen wird. Sie führt zum Verlust der Merkfähigkeit, der Sprache, der Erinnerung und zu einem Wesenswandel. Neben Alzheimer gibt es noch weitere Demenzformen.
Risikofaktoren für Demenz
Mittlerweile haben wir in der Forschung zwölf Faktoren identifiziert, die rund 40 Prozent des Demenzrisikos erklären. Diese Risikofaktoren in absteigender Gewichtung sind: Hörminderung, niedrige schulische Bildung, Rauchen, Depression, vermehrter Alkoholkonsum, soziale Isolation, traumatische Hirnschädigungen, Feinstaubbelastung, Bluthochdruck, körperliche Inaktivität, Übergewicht und Diabetes. Diese Faktoren sind prinzipiell beeinflussbar. Einige von ihnen bedingen auch andere Krankheiten, wie Bluthochdruck oder Diabetes. Daher kann ein allgemein gesunder Lebensstil, der den großen Volkskrankheiten vorbeugt, auch das Risiko für Demenz in Maßen verringern.
Es gibt keinen absolut sicheren Weg, um das Entstehen einer Demenz zu verhindern. „Man kann nichts falsch und alles richtig machen und doch eine Demenz entwickeln. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn man eine starke genetische Veranlagung für die Entwicklung einer Demenz hat. Das ist aber glücklicherweise recht selten“, sagt Professor Stefan Remy, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg.
Präventive Maßnahmen: Ein gesunder Lebensstil als Schlüssel
Die gute Nachricht ist, dass viele der genannten Risikofaktoren beeinflussbar sind. Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, senken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, erhöhte Werte zu senken und Adipositas zu behandeln. Allerdings fehlen aussagekräftige Studien, um den Nutzen dieser Maßnahmen zur Verbeugung von Demenz abschließend zu beurteilen.
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SHIELD-Konzept: Ein praktisches Modell zur Demenzprävention
Das SHIELD-Konzept, das kürzlich in der Fachzeitschrift „The Conversation“ vorgestellt wurde, ist ein einfach anwendbares Modell, das die wichtigsten Demenz-Risikofaktoren in fünf Kernbereiche zusammenfasst: Schlaf, Kopfverletzungen, Bewegung, Lernen und Ernährung.
Erholsamer Schlaf
Guter Schlaf ist ein Schlüssel zum Schutz vor Demenz. Wer ausreichend schläft, stärkt wichtige Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Lernfähigkeit und emotionale Ausgeglichenheit. Hingegen haben Menschen, die regelmäßig weniger als fünf Stunden pro Nacht schlafen oder häufig aufwachen, ein deutlich höheres Risiko für kognitiven Abbau und Demenz. Wenn Schlafmangel zum Dauerzustand wird, können sich im Gehirn verstärkt Amyloid-Beta-Proteine ansammeln - ein zentraler Auslöser für die Entstehung von Alzheimer. Doch schlechter Schlaf wirkt nicht nur direkt auf das Gehirn: Er begünstigt auch Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Depressionen, die ebenfalls als Risikofaktoren für Demenz gelten. Umso wichtiger ist es, die Schlafqualität aktiv zu verbessern.
Kopfverletzungen vermeiden
Kopfverletzungen sind nicht allein ein Problem des Profisports - vor allem häusliche Gewalt wird oft als Ursache für traumatische Hirnverletzungen übersehen. Studien zeigen, dass Verletzungen wie Gehirnerschütterungen das Risiko für Alzheimer deutlich erhöhen können, warnen Experten. Daher ist es entscheidend, die Prävention von Kopfverletzungen frühzeitig anzugehen und konsequent über alle Lebensphasen hinweg fortzuführen. Denn langfristig können selbst kleinere, wiederholte Schäden erhebliche Folgen für das Gehirn haben. Deshalb ist es sinnvoll, beim Radfahren, Skaten usw. einen Helm zu tragen und vor allem bei Kindern auf intensives Kopfballtraining zu verzichten.
Regelmäßige Bewegung
Körperliche Bewegung zählt zu den wirksamsten Mitteln, um das Risiko für Alzheimer zu senken. Die WHO empfiehlt für Erwachsene bis 64 Jahren mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Damit ist beispielsweise schnelles Walken oder langsames Joggen gemeint. „Körperliche Bewegung grundsätzlich ist für das Gehirn eine Vitalitätskur, auch wenn es weniger als die empfohlenen 150 Minuten sind.“ Bewegung beeinflusst zahlreiche zentrale Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Depressionen positiv. Gleichzeitig regt Bewegung die Bildung neuer Gehirnzellen an, stärkt das Gedächtnis und verbessert die emotionale Balance. Schon moderate körperliche Aktivität kann einen entscheidenden Beitrag zu einem gesunden Alterungsprozess des Gehirns leisten und das Risiko für Demenz spürbar verringern.
Lebenslanges Lernen
Auch das lebenslange Lernen gehört zu den wirksamsten Schutzfaktoren gegen Demenz. Studien zeigen, dass ein niedriger Bildungsstand, etwa durch einen fehlenden Schulabschluss, mit einem signifikant erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen einhergeht. Kontinuierliches Lernen hingegen stärkt die kognitiven Reserven des Gehirns und ermöglicht es, selbst bei Schäden oder Krankheiten gut zu funktionieren. Menschen mit Alzheimer, die ihr Leben lang geistig aktiv waren, zeigen oft eine bessere mentale Leistungsfähigkeit. In der Praxis lässt sich das Gehirn auf ganz verschiedene Arten auf Trab halten, sei es durch eine geistig anspruchsvolle Arbeit, regelmäßige Denksportübungen oder das Erlernen einer Fremdsprache oder eines Instruments.
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Ausgewogene Ernährung
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle für die Gehirngesundheit und Demenzprävention. Laut der WHO enthält sie die tägliche Aufnahme von mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse und höchstens 50 Gramm freiem Zucker. Weniger als 30 Prozent der aufgenommenen Energie sollte von Fetten stammen und der Salzkonsum sollte bei weniger als 5 Gramm pro Tag liegen. All dies erfüllt beispielsweise die sogenannte Mittelmeer-Diät, eine Ernährungsweise, die von der WHO auch zur Demenzprävention empfohlen wird. Die Mittelmeer-Diät steht vor allem auf fünf Säulen: Obst, viel Gemüse, wenig weißes Fleisch, Oliven und Knoblauch. Statt einzelner „Superfoods“ kommt es auf eine ausgewogene Kombination an: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Fisch fördern die Gehirnfunktion, während verarbeitete Lebensmittel, rotes Fleisch und Zucker reduziert werden sollten. Unsere Nahrung beeinflusst direkt Entzündungen im Gehirn und die Gefäßgesundheit, zwei wesentliche Faktoren bei Alzheimer.
Weitere wichtige Maßnahmen zur Demenzprävention
Neben den im SHIELD-Konzept genannten Faktoren gibt es weitere wichtige Maßnahmen, die zur Demenzprävention beitragen können:
- Soziale Kontakte pflegen: Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur selten Kontakt zu anderen hat - zum Beispiel, wenn er allein lebt, kaum Besuch bekommt oder nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Eine solche Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken. Denn das Gehirn braucht Anregung: Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten es wach und leistungsfähig. Je mehr man unter Leute geht und sich gemeinschaftlich einbringt, desto größer ist unsere Chance, auch im Alter geistig fit zu sein.
- Hörverlust ausgleichen: Wenn das Gehör nachlässt, verarbeitet das Gehirn weniger Reize - es muss mehr Energie aufbringen, um Sprache zu verstehen.
- Sehverlust ausgleichen: Sehen ist mehr als nur ein Sinn - es ist geistige Anregung. Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.
- Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum: Rauchen geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher, ebenso übermäßiger Alkoholkonsum. Beim Alkoholkonsum steigt das Risiko allerdings erst deutlich an, wenn tatsächlich ein jahrelanger Missbrauch stattgefunden hat.
- Vermeidung von Feinstaubbelastung: Was wir einatmen, kann auch unser Gehirn erreichen. Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
Medikamentöse Behandlung
Bisher gibt es nur Medikamente, die den geistigen Verfall bei Demenz kurzfristig stabilisieren und langfristig hinauszögern können. Diese gleichen beispielsweise den Botenstoffmangel im Gehirn aus und erleichtern so die Kommunikation der Nervenzellen. Das ist aber eine Symptombehandlung. Die Krankheit Alzheimer können sie nicht heilen. Es gibt Wirkstoffe, deren Wirksamkeit aktuell von den Zulassungsbehörden geprüft wird. Sie fördern den Abbau der Ablagerungen im Gehirn, die die Nervenzellen zerstören die sogenannten Amyloid-Plaques. Die Wirkstoffe sind vor allem Antikörper gegen das Amyloid-Eiweiß. Doch auch daran muss noch weiter geforscht werden. Das Gehirn ist einfach sehr kompliziert.
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