Der blinde Fleck: Definition, Funktion und Auswirkungen auf das Sehvermögen

Der blinde Fleck, medizinisch als Papille bekannt, ist ein faszinierendes Phänomen im menschlichen Sehsystem. Er ist ein Bereich auf der Netzhaut des Auges, an dem der Sehnerv das Auge verlässt, um zum Gehirn zu gelangen. An dieser Stelle gibt es keine Photorezeptoren, also keine Stäbchen und Zapfen, die für die Lichtwahrnehmung verantwortlich sind. Obwohl der blinde Fleck ein Bereich ist, in dem das Auge nicht sehen kann, bemerken wir diesen "blinden Punkt" in unserem alltäglichen Seherlebnis normalerweise nicht.

Anatomie und Funktion des blinden Flecks

Der blinde Fleck, auch Papille oder Mariotte-Fleck genannt, bezeichnet die Stelle des Auges, an der der Sehnerv auf die Netzhaut auftrifft. Da an der Austrittsstelle des Sehnervs keine lichtempfindlichen Rezeptoren sitzen können, ist das Auge an dieser Stelle tatsächlich blind. Die lichtempfindlichen Rezeptoren im Auge sind die Zapfen und Stäbchen.

Der blinde Fleck markiert nur die Stelle, an der der Sehnerv auf die Netzhaut trifft. Die Nervenstränge des Auges liegen auf der Innenseite der Netzhaut. Deshalb wird vermutet, dass sich das Auge aus dem Hirngewebe heraus entwickelt hat.

Der blinde Fleck hat einen Durchmesser von gut sechs Grad und liegt in beiden Augen symmetrisch. Aufgrund dieser Symmetrie bleibt er im Alltag unbemerkt. Wenn ein Reiz beispielsweise in den blinden Fleck des rechten Auges fällt, kann er zeitgleich nicht auch in den blinden Fleck des linken Auges fallen. Die Blindheit betrifft somit immer nur ein Auge.

Wie das Gehirn den blinden Fleck ausgleicht

Normalerweise blendet das Gehirn den blinden Fleck im Auge einfach aus. Das menschliche Auge ist dazu in der Lage, die fehlende Information des Reizes im blinden Fleck eines Auges zu ergänzen. Dazu nutzt es die Informationen des anderen Auges und ergänzt das Blickfeld durch wahrscheinliche Informationen.

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Nachweis des blinden Flecks

Obwohl er dir im Alltag deshalb gar nicht auffällt, kannst du den blinden Fleck mit einfachen Tests nachweisen.

Bei diesem Test hältst du dir das linke Auge zu und fixierst mit deinem rechten Auge den schwarzen Punkt neben dem Gitter. Vergrößerst du langsam den Abstand zu deinem Bildschirm und bewege auch deinen Kopf in bisschen hin und her. Du wirst feststellen, dass die fehlende Stelle im Gitter ergänzt wird.

Halte dein rechtes Auge zu und fixiere mit dem linken Auge das „X“. Vergrößere nun den Abstand zu deinem Bildschirm. Dasselbe kannst du mit dem blinden Fleck des rechten Auges machen.

Der blinde Fleck in der Augenheilkunde: Skotome und Gesichtsfeldausfälle

Der blinde Fleck ist auch ein wichtiges Thema in der Augenheilkunde. Es gibt viele Erkrankungen, die den Sehnerv schädigen.

Ein Skotom bezeichnet einen blinden Fleck im Sichtfeld. Es handelt sich um einen Bereich im Sehfeld, in dem das Sehen eingeschränkt oder komplett ausgelöscht ist. Skotome können verschiedene Ursachen und unterschiedliche Auswirkungen auf das Sehvermögen haben. Ein Gesichtsfeldausfall bezieht sich auf eine Einschränkung oder den Verlust des Sichtfelds. Das Sichtfeld umfasst den Bereich, den eine Person wahrnehmen kann, ohne die Augen zu bewegen. Ein normaler Sehprozess erfordert ein intaktes Sichtfeld, um Objekte, Bewegungen und Details in der Umgebung wahrnehmen zu können.

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Die Größe und Position des blinden Flecks können individuell variieren, aber generell ist er bei allen Menschen vorhanden.

Arten von Skotomen

Ein Skotom kann unterschiedliche Formen und Ausmaße haben. Die Einschränkung des Sehvermögens hängt maßgeblich von der Form und der Größe des Skotoms ab. Es kann das zentrale Sichtfeld betreffen, das für das scharfe Sehen und das Erkennen von Details verantwortlich ist, oder das periphere Sichtfeld, das die Wahrnehmung von Objekten in der Umgebung ermöglicht.

  • Zentrales Skotom: Ein zentrales Skotom befindet sich im zentralen Bereich des Sichtfelds. Diese zentrale Region der Netzhaut, die sogenannte Makula, ist die Stelle des schärfsten Sehens. Gesichtsfeldausfälle an dieser entscheidenden Stelle können zu einer Beeinträchtigung des Lesens, des Erkennens von Gesichtern oder anderer Aktivitäten, die eine klare Sicht erfordern, führen. Zentrale Skotome können bei Netzhauterkrankungen wie eine Makuladegeneration auftreten.
  • Peripheres Skotom: Ein peripheres Skotom befindet sich außerhalb des zentralen Bereichs und führt zu Einschränkungen im seitlichen Sehen. Periphere Skotome können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. Glaukom (Grüner Star), bei dem der Sehnerv geschädigt ist, oder bestimmte neurologische Erkrankungen.

Ursachen von Skotomen

Skotome können durch verschiedene Ursachen wie Augenerkrankungen, neurologische Probleme oder Verletzungen verursacht werden. Die genaue Ausprägung eines Skotoms kann je nach zugrunde liegender Ursache variieren.

  • Augenerkrankungen
    • Glaukom (Grüner Star): Ein erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv schädigen und zu Skotomen führen. Die Sehnervenschädigung wird häufig erst bei fortschreitender Erkrankung bemerkt, da es sich um einen schleichenden Verlauf handelt. Ein akuter Glaukomanfall hingegen kann einen plötzlichen Gesichtsfeldausfall verursachen, der mit starken Schmerzen im Auge und verschwommenem Sehen einhergehen kann. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert. Bei dem grünen Star sind die Nervenfasern des blinden Flecks betroffen. Ein hoher Augeninnendruck sorgt dafür, dass die Nerven geschädigt und ihre Durchblutung gestört wird. Dadurch sterben sie ab.
    • Makuladegeneration: Eine Erkrankung, bei der die zentrale Region der Netzhaut (Makula) geschädigt ist und zu einem zentralen Skotom führen kann.
    • Netzhautablösung: Eine plötzliche Ablösung der Netzhaut kann zu einem plötzlichen Verlust des peripheren Gesichtsfelds führen.
  • Neurologische Ursachen
    • Migräne: Während einer Migräneattacke können vorübergehende Skotome auftreten. Dies kann von flimmernden Lichtern bis hin zu vorübergehenden blinden Flecken im Sichtfeld reichen. Häufig handelt es sich dabei um ein sogenanntes Flimmerskotom. Augenflimmern: Ein Flimmerskotom ist eine spezielle Art von Skotom, die durch flimmernde oder blinkende Lichterscheinungen gekennzeichnet ist. Es tritt häufig als Symptom einer Migräneaura auf, einer neurologischen Störung, die mit starken Kopfschmerzen einhergehen kann.
    • Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann zu einer Schädigung des Gehirns führen, die sich auf das Sehvermögen auswirkt und Skotome verursachen kann. Dies ist ein ernstes medizinisches Ereignis, das auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn hinweisen kann und sofortige ärztliche Behandlung erfordert.
    • Multiple Sklerose: Diese Autoimmunerkrankung kann den Sehnerv beeinträchtigen und Skotome verursachen.
  • Traumatische Ursachen
    • Verletzungen des Auges oder des Sehnervs: Traumatische Ereignisse wie ein direkter Schlag auf das Auge oder eine Verletzung des Sehnervs können zu Skotomen führen.

Symptome von Skotomen

Skotome können verschiedene Symptome verursachen, die je nach Grüße, Position und Ursache variieren können. Ein Gesichtsfeldausfall kann unterschiedliche Auswirkungen auf das Sehvermögen haben und die Fähigkeit beeinträchtigen, bestimmte visuelle Aufgaben auszuführen. Hier sind einige häufige Symptome eines Skotoms:

  • Einschränkungen im Sichtfeld: Ein Skotom führt zu einer beeinträchtigten Sicht in dem betroffenen Bereich des Gesichtsfelds. Dies kann dazu führen, dass Objekte oder Bereiche nicht klar oder gar nicht wahrgenommen werden können.
  • Dunkle oder blinde Flecken im Sehen: Skotome manifestieren sich oft als dunkle oder blinde Flecken im Sichtfeld. Diese Bereiche können das Sehen von Objekten, Buchstaben oder anderen visuellen Informationen beeinträchtigen.
  • Veränderungen in der Wahrnehmung von Farben oder Kontrasten: In einigen Fällen kann ein Gesichtsfeldausfall auch zu Veränderungen in der Wahrnehmung von Farben oder Kontrasten führen. Dies kann sich als eine abnormale Farbwahrnehmung oder Schwierigkeiten beim Erkennen von Unterschieden in der Helligkeit manifestieren.

Behandlung von Gesichtsfeldausfällen

Gesichtsfeldausfälle stellen beim ersten Auftreten einen augenärztlichen Notfall dar, der eine sofortige Behandlung bedarf. Sobald die Ursache des Gesichtsfeldausfalls identifiziert wurde, können wir eine entsprechende Behandlung empfehlen. Die Behandlung hängt von der spezifischen Erkrankung ab, die den Gesichtsfeldausfall verursacht, und kann medizinische, chirurgische oder andere therapeutische Maßnahmen umfassen.

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Sollte eine Augenerkrankung wie ein Glaukom oder eine Makuladegeneration vorliegen, muss das Fortschreiten der Erkrankung weitestgehend kontrolliert oder verlangsamt werden. Zum Beispiel können bestimmte Medikamente bei einem Glaukom eingesetzt werden, um den Augeninnendruck zu senken und das Sehvermögen zu erhalten. Bei einer Netzhautablösung kann eine Operation zur Behandlung durchgeführt werden.

Einige Erkrankungen, die zu einem Gesichtsfeldausfall führen können, sind möglicherweise nicht vollständig heilbar, aber eine frühzeitige Diagnosestellung und angemessene Behandlung können das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und das verbleibende Sehvermögen erhalten. In anderen Fällen kann ein Gesichtsfeldausfall teilweise oder vollständig reversibel sein, wenn die zugrunde liegende Ursache effektiv behandelt wird.

Rehabilitation und Hilfsmittel bei Gesichtsfeldausfällen

Wenn ein Gesichtsfeldausfall das Sehvermögen und die alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt, kann eine visuelle Rehabilitation hilfreich sein. Dies kann Techniken zur Kompensation des Sehverlusts, visuelle Hilfsmittel wie Lupen oder elektronische Sehhilfen sowie eine Anpassung des Lebensstils und der Umgebung umfassen.

Hier sind einige Tipps und Hilfsmittel, die helfen können, die Einschränkungen im Sichtfeld zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern:

  • Räumliche Anpassungen: Gestalten Sie Ihr Zuhause oder den Arbeitsplatz so, dass Sie sich sicher und komfortabel bewegen können. Entfernen Sie potenzielle Hindernisse oder scharfe Kanten und schaffen Sie klare Wege für eine bessere Orientierung.
  • Beleuchtung: Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung in Ihrem Umfeld, um das Sehen zu unterstützen. Verwenden Sie helles, gleichmäßiges Licht, um Kontraste zu verbessern und Schatten zu minimieren.
  • Kontraste nutzen: Verwenden Sie kontrastreiche Farben und Muster, um Objekte und Konturen deutlicher erkennen zu können. Insbesondere durch Markierungen an Treppenstufen o.ä. können Sie Gefahren vermeiden.
  • Vergrößerung: Es gibt auch spezielle Apps oder Software, die das Vergrößern von Texten auf elektronischen Geräten ermöglichen.
  • Sprachgesteuerte Technologie: Nutzen Sie sprachgesteuerte Assistenten oder Sprachbefehle auf Ihrem Smartphone oder Computer, um Informationen abzurufen oder Aufgaben auszuführen.
  • Orientierungshilfen: Markieren Sie wichtige Punkte in deiner Umgebung mit farbigen Aufklebern oder Tastmarkierungen, um die Orientierung zu erleichtern. Auch taktilen Bodenmarkierungen oder akustischen Signalen folgen, erhöhen die eigene Sicherheit.
  • Unterstützung suchen: Es kann hilfreich sein, eine Selbsthilfegruppe oder Organisationen für Menschen mit Sehbehinderungen aufzusuchen. Dort erhalten Sie Informationen, Unterstützung und Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen, die ähnliche Herausforderungen bewältigen.

Der "blinde Fleck" in der Psychologie

In der Psychologie beschreibt der blinde Fleck Teile der Persönlichkeit und Charaktereigenschaften, die uns selbst nicht bewusst sind. Das können Stärken wie Schwächen sein. Laut dem Johari-Fenster - 1995 entwickelt von den beiden Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham - wird der blinde Fleck definiert als der Bereich, der uns selbst unbekannt, aber anderen bekannt ist.

Manchmal sind wir blind für etwas, das andere Menschen ganz klar an uns wahrnehmen - positive wie negative Eigenschaften. Manchen Menschen ist nicht bewusst, wie sie auf andere wirken. Sie selbst halten sich für selbstbewusst, attraktiv und großartig - auf andere aber wirkt ihr Verhalten einfach nur überheblich und arrogant. Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl denken oft schlecht von sich und glauben nicht an die eigenen Fähigkeiten.

Es gibt zahlreiche Gewohnheiten und Verhaltensmuster, die wir an uns selbst gar nicht wahrnehmen, die aber destruktiv wirken. Das können Essstörungen oder Süchte sein, ebenso notorisches „Ja“-Sagen oder ein Helfersyndrom.

Wie man eigene blinde Flecken aufdeckt

Um eigene blinde Flecken aufzudecken, reichen oft schon fünf Fragen aus - vorausgesetzt, Sie beantworten diese ehrlich. Auch wenn Ihnen die Antworten nicht gefallen. Die Fragen sind negativ formuliert und dienen dazu, Schwächen zu identifizieren.

  1. Im Job gibt es immer Aufgaben, die lästig oder unangenehm sind und trotzdem erledigt werden müssen. Überlegen Sie in dem Fall aber, wovor Sie regelrecht Abscheu haben: Zum Beispiel Buchhaltung, Bürokratie, Steuererklärung, etc. Im Positiven würden Sie hier nach Ihrer heimlichen Leidenschaft fragen - so aber geht es um verdrängte Abneigungen, die Sie womöglich vor anderen verstecken.
  2. Reflektieren Sie bitte, womit Sie regelmäßig Probleme haben, sich übermäßig anstrengen - und doch nur suboptimale Ergebnisse erzielen. Was sind Ihre größten Misserfolge - und wie gehen Sie damit um?
  3. Hand aufs Herz: Wie gut haben Sie sich im Griff? Wie weit reichen Selbstbeherrschung und Impulskontrolle? Es ist wichtig, seine Trigger zu kennen.
  4. Bei der letzten Frage geht es um die Frustrationstoleranz. Auch diese Auslöser liefern Hinweise auf mögliche Schwächen.

Ein aufgedeckter blinder Fleck ist keiner mehr: Was andere längst bemerkt haben, ist nun auch Ihnen bekannt. Wie gehen Sie damit um?

  1. Nehmen Sie Ihre Schwächen als das an, was sie sind: menschliche Defizite, die alle haben. Nichts, wofür wir uns schämen müssten. Akzeptieren Sie manch individuelle Besonderheit als Spleen oder Markenzeichen. An bisher unentdeckten Stärken wiederum dürfen Sie sich freuen: In Ihnen steckt mehr als gedacht!
  2. Im zuge der Selbstreflexion und Selbsterkenntnis fallen Ihnen auch ein paar Defizite und Schwächen auf, an denen Sie arbeiten sollten, weil diese Ihnen sonst ein Leben lang im Weg stehen können. Dazu gehören zum Beispiel die Unfähigkeit zur Kritik, Impulsivität oder ungesunder Perfektionismus. Jeder Mensch kann sich verändern, wenn er oder sie will. Durch Übung wird aus einem blinden Fleck, der als Schwäche erkannt wurde, nach und nach eine Stärke.

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