Amalgamfüllungen, die lange Zeit als Standard in der Zahnmedizin galten, sind aufgrund ihres Quecksilbergehalts zunehmend in die Kritik geraten. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen von Amalgamfüllungen auf das Gehirn, untersucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse und gibt einen Überblick über Alternativen.
Einführung
Die Verwendung von Amalgam in der Zahnmedizin reicht bis ins Jahr 1820 zurück. Amalgam besteht zu etwa 50 % aus Quecksilber, der Rest ist eine Mischung aus anderen Metallen wie Silber, Zinn, Kupfer, Indium und Zink. Obwohl Quecksilber als eines der giftigsten nicht-radioaktiven Elemente gilt, wird Amalgam aufgrund seiner Haltbarkeit und seines günstigen Preises weiterhin verwendet. Allerdings gibt es zunehmend Bedenken hinsichtlich der potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen, insbesondere auf das Gehirn.
Ab dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgam in der EU nahezu vollständig verboten, um die Belastung durch Quecksilber zu reduzieren.
Zusammensetzung und Freisetzung von Quecksilber aus Amalgamfüllungen
Zahnärztliches Amalgam entsteht durch das Vermischen von rund 50 Prozent reinem, verkapseltem Quecksilber sowie einem Mix aus Silber, Zinn, Kupfer und einigen anderen Metallen. Daraus bildet sich eine formbare Paste, die nach 24 Stunden komplett aushärtet.
Obwohl das Quecksilber in einer Füllung chemisch fest gebunden ist, können geringe Mengen freigesetzt werden, insbesondere beim Einsetzen oder Entfernen der Füllungen, aber auch durch Abrieb beim Kauen. Diese Quecksilberdämpfe können über den Speichel oder die Atemluft in den Blutkreislauf und die Lunge gelangen und sich in Organen und dem Gehirn ablagern.
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Die Toxizität von Quecksilber und seine Auswirkungen auf das Gehirn
Quecksilber ist ein bekanntes Nervengift, das verschiedene neurologische Schäden verursachen kann. Es kann die körpereigene Entgiftung lahmlegen und sich in allen Geweben und Organen einlagern, wobei Gehirn und Zentralnervensystem besonders betroffen sind.
Zu den potenziellen Auswirkungen von Quecksilber auf das Gehirn gehören:
- Neurologische Symptome: Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnisschwund, Nervenschmerzen, Konzentrationsstörungen.
- Psychische Symptome: Depressive Verstimmungen, Unwohlsein, Arbeitsunlust, Angstzustände.
- Erschöpfung und Müdigkeit: Quecksilber kann den Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigen, was zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen kann.
- Weitere Symptome: Schlafstörungen, Entzündungen im Mund, Durchfall, Appetitlosigkeit, Metallgeschmack im Mund.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Kontroversen
Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich uneins über das Ausmaß der gesundheitlichen Risiken, die von Amalgamfüllungen ausgehen. Einige Studien haben keinen klaren Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und gesundheitlichen Problemen gefunden, während andere auf potenzielle Risiken hinweisen.
Das Robert-Koch-Institut empfahl in früheren Stellungnahmen, Amalgam nur unter sorgfältiger Abwägung von Risiko und Nutzen einzusetzen. Die TU München und das Klinikum rechts der Isar führten eine Langzeitstudie zur Wirkung von Amalgam durch. Rund 5.000 zufällig ausgewählte Patientinnen und Patienten wurden nach ihren Beschwerden befragt. Einen klaren Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Symptomen und Amalgamfüllungen konnten die Experten dabei nicht nachweisen.
Trotzdem gibt es zahlreiche Berichte von Patienten, die nach dem Entfernen ihrer Amalgamfüllungen eine Verbesserung ihrer gesundheitlichen Beschwerden erfahren haben. Naturheilkundliche Ärzte, Umweltmediziner, Zahnärzte und Heilpraktiker berichten von Zusammenhängen zwischen bestehenden Erkrankungen sowie Befindlichkeitsstörungen und Reaktionen auf Amalgam.
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Die Amalgamentfernung und ihre Risiken
Viele Patienten entscheiden sich aus Angst vor dem giftigen Schwermetall für eine Entfernung der Amalgamfüllungen. Dabei werden die noch intakten Füllungen durch Bohren entfernt. Dabei können Staub und schädliche Dämpfe entstehen. Daher wird in der Regel mit einem speziellen Bohrer, niedertourig und mit starker Wasserkühlung gearbeitet, um den Patienten und das Ärzteteam während der Behandlung zu schützen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Entfernung von Amalgamfüllungen selbst ein Risiko darstellen kann, da dabei größere Mengen Quecksilber freigesetzt werden können. Daher sollte die Amalgamentfernung nur von erfahrenen Zahnärzten durchgeführt werden, die spezielle Schutzmaßnahmen ergreifen, um die Exposition gegenüber Quecksilber zu minimieren.
Zu diesen Schutzmaßnahmen gehören:
- Kofferdam: Ein Spanngummi, der den Zahn isoliert und die Mundhöhle nach hinten abdeckt.
- Absaugung: Eine starke Absaugvorrichtung, um Quecksilberdämpfe und -partikel zu entfernen.
- Schutzkleidung: Das zahnärztliche Personal trägt Schutzkleidung, um die Exposition gegenüber Quecksilber zu minimieren.
- Spezielle Bohrer: Niedertourige Bohrer mit Wasserkühlung, um die Freisetzung von Quecksilberdämpfen zu reduzieren.
Alternativen zu Amalgamfüllungen
Aufgrund der Bedenken hinsichtlich des Quecksilbergehalts von Amalgamfüllungen stehen heute verschiedene alternative Füllmaterialien zur Verfügung. Zu den gängigsten Alternativen gehören:
- Kompositfüllungen: Diese bestehen aus einem Spezialkunststoff und sind zahnfarben, wodurch sie ästhetisch ansprechender sind. Sie eignen sich gut für kleinere Löcher.
- Keramik-Inlays: Diese werden individuell angefertigt und sind sehr haltbar und biokompatibel. Sie eignen sich gut für größere Löcher.
- Glasionomerzement: Dieses Material ist weniger haltbar als Komposit oder Keramik, wird aber häufig als Übergangslösung oder bei Milchzähnen verwendet.
- Kompomer: Eine Mischung aus Komposit und Glasionomerzement, die vor allem bei kleineren Defekten im Zahnhalsbereich oder auf Milchzähnen Anwendung findet.
Die Wahl des geeigneten Füllmaterials hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Lochs, der Lage des Zahns und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Zahnärzte, die in ihrer Praxis auf die Verwendung von Amalgam verzichten, müssen ihren Patienten eine zuzahlungsfreie Alternative anbieten. Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung muss das Material dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen und geeignet sein, den Zahndefekt dauerhaft zu beheben.
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Amalgamausleitung
Die Amalgamausleitung ist ein umstrittenes Thema. Hierbei sollen Rückstände des Quecksilbers im Körper über die Entgiftungsorgane Leber, Darm und Nieren ausgeschieden werden.Dieser Vorgang wird bei der Amalgamausleitung durch verschiedene Verfahren wie Phytotherapie (Heilpflanzenkunde) oder die Schwermetall-Ausleitung nach Dr. Klinghardt unterstützt. Der Nutzen der Amalgamausleitung ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Daher wird das Verfahren auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.
Gesetzliche Regelungen und Einschränkungen
Aufgrund der potenziellen Gesundheits- und Umweltbelastung durch Quecksilber wurden in den letzten Jahren verschiedene gesetzliche Regelungen und Einschränkungen für die Verwendung von Amalgam erlassen.
Ab dem 25. Juni 2022 sollen weltweit keine Amalgamfüllungen mehr bei Kindern, Schwangeren und stillenden Frauen verwendet werden. In der EU ist Amalgam für diesen Personenkreis bereits seit 2018 verboten und alle Mitgliedstaaten planen derzeit den kompletten Ausstieg.
Seit dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgam in der EU nahezu vollständig untersagt. Ziel dieser Regelung ist es, die Umweltbelastung durch Quecksilber zu reduzieren, da es bei der Entsorgung von Amalgam in die Luft, den Boden oder das Wasser gelangen kann.
Fazit
Amalgamfüllungen sind aufgrund ihres Quecksilbergehalts umstritten. Obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Amalgam auf das Gehirn nicht eindeutig sind, gibt es Bedenken hinsichtlich der potenziellen Toxizität von Quecksilber. Patienten, die sich Sorgen um ihre Amalgamfüllungen machen, sollten sich von ihrem Zahnarzt über alternative Füllmaterialien und die Risiken und Vorteile einer Amalgamentfernung beraten lassen. Es ist wichtig, eine informierte Entscheidung zu treffen, die auf den individuellen Bedürfnissen und Umständen basiert.
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