Die Facharztprüfung Neurologie stellt einen entscheidenden Meilenstein in der Karriere eines jeden Neurologen dar. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Prüfung, basierend auf Erfahrungsberichten, Tipps und strukturierten Lernansätzen. Ziel ist es, angehenden Neurologen eine fundierte Orientierungshilfe und wertvolle Ratschläge für eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung zu geben.
Vorbereitung auf die Facharztprüfung Neurologie
Der lange Weg zum Ziel
Die Vorbereitung auf die Facharztprüfung ist ein Marathon, kein Sprint. Es ist ratsam, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen und einen strukturierten Lernplan zu erstellen. Viele Kandidaten nutzen den 100-Tage-Lernplan von Amboss als Grundlage, den sie jedoch individuell anpassen sollten. Es empfiehlt sich, Pufferzeiten für unerwartete Ereignisse oder schwierigere Themen einzuplanen.
Lernmethoden und Ressourcen
- Amboss: Amboss ist eine beliebte Lernplattform, die speziell für die Vorbereitung auf medizinische Prüfungen entwickelt wurde. Sie bietet umfassende Inhalte, Fallbeispiele und Übungsfragen. Viele Assistenzärzte profitieren von der Anwendung, da ein „Arzt-Modus“, unter anderem mit Therapievorschlägen, ergänzt wurde.
- Leitlinien: Die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind unerlässlich.
- Fachbücher: Neurologie Compact und neurologisch-typische Diagnostik sind gute Nachschlagewerke. Für spezielle Themen wie EEG und EMG empfiehlt sich die Lektüre von Fachbüchern wie „Praxisbuch EEG“ und „ENG EMG“ von Bischoff.
- Meditricks: Meditricks-Videos können insbesondere für komplexere Themen wie Rheumatologie, Nephrologie, Hämatologie, Medikamente und Neurologie hilfreich sein.
- eRef: Die eRef bietet eine breite Palette an Informationen und Tools für die Facharztweiterbildung, einschließlich Prüfungsprotokollen und FAQs.
- Facharzt-Training: Das Facharzt-Training ist ein Teil von e.Med Pädiatrie. Sie abonnieren e.Med Pädiatrie für ein Jahr, monatliche Zahlungsweise ist möglich. In e.Med Pädiatrie sind viele weitere Vorteile enthalten, z. B. Zugriff auf alle pädiatrischen Zeitschriften von Springer Medizin und die dazugehörenden CME-Kurse sowie die digitale Enzyklopädie e.Medpedia.
- Vorbereitungskurs zur Facharztprüfung Kinder- und Jugendmedizin: Im Vorbereitungskurs zur Facharztprüfung Kinder- und Jugendmedizin sind 130 klinische Fallbeispiele mit zahlreichen Verknüpfungen zu e.Medpedia zur Wissensvertiefung enthalten. Zusätzlich werden die Fälle des Vorbereitungskurses in Supplementen der Fachzeitschrift Monatsschrift Kinderheilkunde veröffentlicht. Sie haben die Sonderhefte als PDF mit dabei, sodass Sie alle Fälle des Vorbereitungskurses auch offline zum Lesen haben. Der Kurs deckt nach Komplettierung die wichtigsten Krankheitsbilder der aktuellen Weiterbildungsordnung ab. Der Springer Medizin Verlag hat den Vorbereitungskurs zur Facharztprüfung Kinder- und Jugendmedizin mit renommierten Expertinnen und Experten und erfahrenen Facharztprüfern und -prüferinnen in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) entwickelt. Für DGKJ-Mitglieder ist der Zugang kostenfrei. Für Nicht-DGKJ-Mitglieder: Den Vorbereitungskurs zur Facharztprüfung bekommen Sie aktuell zum Preis ab nur 289 €.
Strukturierung des Lernplans
- Bestandsaufnahme: Identifizieren Sie Ihre Stärken und Schwächen. Welche Themengebiete liegen Ihnen, wo besteht Nachholbedarf?
- Zeitplanung: Erstellen Sie einen realistischen Zeitplan, der genügend Zeit für das Durcharbeiten des Stoffes, das Kreuzen von Fragen und die Wiederholung vorsieht.
- Themenauswahl: Beginnen Sie mit den Grundlagen und arbeiten Sie sich zu komplexeren Themen vor. Konzentrieren Sie sich auf häufig abgefragte Themen und solche, in denen Sie unsicher sind.
- Pufferzeiten: Planen Sie ausreichend Pufferzeiten ein, um flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.
- Wiederholung: Wiederholen Sie regelmäßig den Stoff, um das Wissen zu festigen. Nutzen Sie Karteikarten oder andere Lernhilfen, um sich die wichtigsten Fakten einzuprägen.
- Übungsprüfungen: Absolvieren Sie regelmäßig Übungsprüfungen, um sich mit dem Format und dem Schwierigkeitsgrad der Prüfung vertraut zu machen.
Lerngruppen und Austausch
Der Austausch mit Kollegen in Lerngruppen kann sehr hilfreich sein. Gemeinsame Diskussionen, das Erklären von Konzepten und das Bearbeiten von Fallbeispielen festigen das Wissen und erweitern den Horizont. Insbesondere der Austausch mit Kollegen aus spezialisierten Kliniken kann wertvolle Einblicke in die Therapie seltener Erkrankungen geben.
Persönliche Strategien
Jeder Mensch lernt anders. Finden Sie heraus, welche Lernmethoden für Sie am besten funktionieren. Manche bevorzugen das Lesen von Texten, andere das Anschauen von Videos oder das Bearbeiten von Fallbeispielen. Experimentieren Sie mit verschiedenen Methoden und finden Sie Ihren individuellen Lernstil.
Ablauf der Facharztprüfung Neurologie
Form und Inhalt
Die Facharztprüfung Neurologie ist eine mündliche Prüfung, in der die Kandidaten ihr Wissen und ihre klinischen Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen. Die Prüfungskommission besteht in der Regel aus erfahrenen Neurologen, darunter der Vorsitzende und weitere Prüfer.
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Mögliche Fragen und Themen
Die Prüfung umfasst das gesamte Spektrum der Neurologie, von der Anamnese über die klinische Untersuchung bis hin zur Diagnostik und Therapie. Häufige Themen sind:
- Epilepsie: Anamnese, Diagnostik (EEG, Bildgebung), Therapie (medikamentös, chirurgisch), Differenzialdiagnosen.
- Schlaganfall: Pathophysiologie, Diagnostik (CT, MRT), Therapie (Thrombolyse, Thrombektomie), Sekundärprävention.
- Multiple Sklerose: Klinik, Diagnostik (MRT, Liquor), Therapie (Immunmodulation, Schubtherapie), Verlaufsformen.
- Demenz: Formen (Alzheimer, vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz), Diagnostik, Therapie (medikamentös, nicht-medikamentös).
- Bewegungsstörungen: Parkinson-Syndrom, Tremor, Dystonie, Chorea, Diagnostik, Therapie (medikamentös, chirurgisch).
- Neuropathien: Ursachen (Diabetes, Alkohol, Medikamente), Diagnostik (NLG, EMG), Therapie.
- Kopfschmerzen: Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz, Diagnostik, Therapie (medikamentös, nicht-medikamentös).
- Schwindel: Ursachen (vestibulär, zentral), Diagnostik, Therapie.
- Muskelerkrankungen: Dystrophien, Myopathien, Myasthenie, Diagnostik (EMG, Muskelbiopsie), Therapie.
- Entzündliche ZNS-Erkrankungen: Meningitis, Enzephalitis, Myelitis, Diagnostik (Liquor, Bildgebung), Therapie.
- Hirntumoren: Diagnostik (Bildgebung), Therapie (chirurgisch, Strahlentherapie, Chemotherapie).
- Psychiatrische Erkrankungen: Halluzinationen und Pseudohalluzinationen
Fallbeispiele
Ein wichtiger Bestandteil der Prüfung sind Fallbeispiele, in denen die Kandidaten ihr klinisches Denkvermögen und ihre Fähigkeit zur Problemlösung unter Beweis stellen müssen.
- Fall 1: Psychomotorisch verlangsamter Patient mit epileptischem Anfall: Der Patient wurde bei der Arbeit psychomotorisch verlangsamt und erlitt in der Notaufnahme einen epileptischen Anfall. Die Anamnese ergab keine Vorerkrankungen oder Epilepsie. Das CCT war unauffällig, die LP zeigte eine leichte Pleozytose. Hierbei ging es um den Verdacht auf Herpesenzephalitis. Fragen zur Herpesenzephalitis, die Formen, wann Auffälligkeiten im EEG zu sehen sind bzw. was genau und in der Bildgebung, wann und wo die Auffälligkeiten zu sehen sind. Die Behandlung mit Dosisangabe und Komplikationen sowie die Komplikation einer HSE. Was ist die Prognose einer Herpesenzephalitis.
- Fall 2: Fußheberparese: Ein Patient kommt in die Praxis und hat eine Fußheberparese. Hierbei musste Peroneusparese, L5- Syndrom und Ischiadicus erläutert werden, für welche Bewegungen die Nerven zuständig sind, hierbei auch erläutern, was zu den Lähmungen führen können (Beine übereinanderschlagen, Druck auf Fibulaköpfchen etc). Sensibilität sowie Reflexe erfragen. Was ist der Kennmuskel von L5, hierbei Trendelenburg erläutern. Dann noch ein weiterer Fall, ein Patient arbeitet im Außendienst, muss lange Strecken Auto fahren und hat JETZT ebenfalls eine Fußheberschwäche. Woran kann das liegen? Nachdem ich die gängigen Begründungen genannt hatte und zuletzt N. Ischiadicus noch als Option blieb und dies auch richtig genannt hatte als Läsionsort, konnte ich den Grund nicht nennen, den der Prüfer hören wollte. Bei der Autofahrt könne wohl eine Druckläsion am N.Ischiadicus erfolgen, was dann ebenfalls zu einer Lähmung führen könnte.
- Fall 3: Restless-Leg-Syndrom: Ein Patient kommt in die Praxis und hat massive Beschwerden in der Nacht und muss die Beine bewegen. Hierbei Anamnese noch erheben, ob primäre oder sekundäre Ursachen vorliegen könnten (z.B. internistisch, welche Medis können das verstärken). Kriterien für das RLS nennen. Differenzialdiagnose erläutern und die Unterschiede nennen (PLMD), Diagnostik erläutern. Warum soll der Pat zur Polysomnographie. Die medikamentöse Therapie beschreiben, ebenfalls zweite und dritte Wahl mit Dosis. Was ist die gefürchtete Komplikation, was ist die Definition der Augmentation, hierbei die Kriterien nennen.
Tipps für die Prüfung
- Seien Sie vorbereitet: Gehen Sie sicher, dass Sie den Stoff beherrschen und sich mit den aktuellen Leitlinien auskennen.
- Bleiben Sie ruhig: Versuchen Sie, ruhig und selbstbewusst aufzutreten.
- Hören Sie aufmerksam zu: Hören Sie den Prüfern aufmerksam zu und beantworten Sie die Fragen präzise und vollständig.
- Denken Sie laut: Erklären Sie Ihre Denkweise und begründen Sie Ihre Entscheidungen.
- Zeigen Sie klinisches Denkvermögen: Demonstrieren Sie Ihre Fähigkeit, klinische Probleme zu analysieren und Lösungen zu finden.
- Seien Sie ehrlich: Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können, geben Sie es zu. Versuchen Sie nicht, etwas vorzutäuschen.
- Stellen Sie Fragen: Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie nach.
- Bleiben Sie professionell: Verhalten Sie sich professionell und respektvoll gegenüber den Prüfern.
Begutachtungen
Einige Ärztekammern verlangen Begutachtungen als Bestandteil des Logbuchs. Informieren Sie sich rechtzeitig über die spezifischen Anforderungen Ihrer Ärztekammer.
Nach der Facharztprüfung
Karrierewege
Nach bestandener Facharztprüfung stehen Ihnen verschiedene Karrierewege offen:
- Eigene Praxis: Sie können sich als niedergelassener Neurologe selbstständig machen.
- Angestelltenverhältnis: Sie können in einer Klinik, einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung angestellt arbeiten.
- Forschung: Sie können in der Forschung tätig werden und neue Erkenntnisse über neurologische Erkrankungen gewinnen.
- Lehre: Sie können an einer Universität oder einer anderen Bildungseinrichtung lehren und Ihr Wissen an zukünftige Neurologen weitergeben.
Fort- und Weiterbildung
Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Fachgebiet. Es ist wichtig, sich kontinuierlich fortzubilden und über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Nutzen Sie Fortbildungsveranstaltungen, Kongresse und Fachzeitschriften, um Ihr Wissen zu erweitern und Ihre Fähigkeiten zu verbessern.
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