Die Parkinson-Erkrankung ist eine fortschreitende neurologische Störung, die sich langsam entwickelt und zu motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsverlangsamung und Gleichgewichtsproblemen führt. Neben den motorischen Symptomen können vielfältige nicht-motorische Symptome die Parkinson-Erkrankung begleiten oder ihr sogar vorausgehen. Zu den häufigen nicht-motorischen Symptomen gehören z.B. Riechstörungen, Schlafstörungen, insbesondere sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Verdauungsstörungen und Verstopfung, Probleme mit der Blasenfunktion und Schmerzen. Diese nicht-motorischen Symptome können einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität haben. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste Behandlung sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Diagnose und Therapie der Parkinson-Erkrankung
Besonders in den frühen Erkrankungsstadien kann die Diagnosestellung einer Parkinson-Erkrankung eine Herausforderung sein. Häufig kann die Diagnose bereits im Rahmen einer klinischen Untersuchung durch einen Spezialisten für Bewegungsstörungen gestellt werden. In einzelnen Fällen können weiterführende Untersuchungen hilfreich sein, um die Diagnose abzusichern oder andere Differentialdiagnosen auszuschließen:
- Nervenwasseruntersuchung: kann notwendig sein, um Ihre Erkrankung einer speziellen Unterform der Parkinson-Erkrankung zuzuordnen.
- Kernspintomographie (MRT): Mittels einer Kernspintomographie werden alternative Ursachen einer Parkinson-Erkrankung wie z.B. Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen, Tumoren oder Vergiftungen ausgeschlossen.
- Da-TSCAN® (123J-Dat-Scan): Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung wird die Dichte von Dopamintransportern im Gehirn bestimmt. Diese sind bei allen neurodegenerativen Formen des Parkinson-Syndroms (z.B. Parkinson-Erkrankung, atypische Parkinson-Syndrome) vermindert.
- 18F FDG PET: Bei dieser Form der Positronenemissionstomographie (PET) wird schwach radioaktiv markierter Traubenzucker (18F FDG) eingesetzt, um den Gehirnstoffwechsel darzustellen. In Bereichen, die von einem neurodegenerativen Prozess betroffen sind, ist oft schon früh der Zuckerstoffwechsel reduziert.
Ziel der medikamentösen Behandlung der Parkinsonerkrankung ist eine Verbesserung Ihrer Alltagsfunktionen und Lebensqualität. Vor allem in den ersten Jahren der Erkrankung lassen sich die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung in der Regel gut behandeln. Behandlungsprinzip ist, die fehlende Wirkung des Botenstoffes Dopamins im Gehirn zu ersetzen. Hierfür behandeln wir entweder mit Levodopa, einem Vorläufer des Dopamins, das im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt wird. Alternativ werden z.B. sogenannte Dopaminagonisten eingesetzt, Stoffe, die an den Dopaminrezeptoren im Gehirn eine dem Dopamin vergleichbare Wirkung entfalten. Welche dieser Medikamente für Sie am besten geeignet sind, hängt unter anderem von ihrem Alter, möglichen Begleiterkrankungen und persönlichen Vorlieben (z.B.
Nach einigen Jahren Erkrankungsverlauf treten häufig „Wirkungsfluktuationen“ auf. Ihre Bewegungsfähigkeit ist dann nicht mehr gleichmäßig, sondern es kommt sowohl zu Phasen von Unterbeweglichkeit als auch ggf. Phasen von Überbeweglichkeit (sog. Dyskinesien). In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung gelingt es unter Umständen nicht mehr, durch Einnahme von Medikamenten eine gleichmäßig gute Beweglichkeit über den Tag hinweg zu erreichen. Dies können Gründe sein, über sog. Kontinuierliche Therapieoptionen nachzudenken, die zum Ziel haben, den ganzen Tag über eine gleichmäßig gute Beweglichkeit zu erreichen.
Pumpentherapie bei Parkinson
Bei Ihnen wurde eine Parkinsonerkrankung diagnostiziert. Sie sprechen prinzipiell noch gut auf Parkinsonmedikamente an, leiden aber unter Wirkungsfluktuationen. Diese äußern sich durch Phasen der Unterbeweglichkeit, die sich mit störenden Überbewegungen abwechseln können. Prinzipiell gibt es drei Ansätze für eine Pumpentherapie bei der Parkinson-Erkrankung:
Lesen Sie auch: Ambulante Demenzbetreuung: Was Sie wissen müssen
- L-Dopa wird in einer gelartigen Präparation über eine Pumpe direkt in den Dünndarm gegeben; dort kann es optimal vom Körper aufgenommen werden. Neben der Mischung aus L-Dopa und Carbidopa in Gelform (LCIG - Levodopa Carbidopa Intestinales Gel) gibt es inzwischen auch Präparate, die zusätzlich Entacapone enthalten, das den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamt und so die Wirkung verstärkt (LECIG - Levodopa Entacapone Carbidopa Intestinales Gel).
- L-Dopa wird als Foslevodopa über eine Pumpe „subkutan“, also unter die Haut gegeben. Bei der Foslevodopa-Pumpe ist also im Unteschied zur LCIG- oder LECIG-Pumpe keine Operation notwendig. Die Foslevodopa-Pumpe zur subkutanen Gabe wurde Ende 2023 zugelassen und steht voraussichtlich im Laufe des Jahres 2024 zur Verfügung, sobald Pumpensysteme ausgeliefert werden können.
- Apomorphin, ein Dopaminagonist, der an den Rezeptoren im Gehirn eine dem Dopamin vergleichbare Wirkung entfaltet, wird über eine Pumpe subkutan verabreicht.
Tiefe Hirnstimulation
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein Verfahren, das bei ausgewählten Patient:innen mit Parkinson, essentiellem Tremor, Dystonie und anderen neurologischen Störungen eingesetzt werden kann. Das Verfahren umfasst die Platzierung von winzigen Elektroden in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für die Symptome der Erkrankung verantwortlich sind. Diese Elektroden werden über dünne Kabel mit einem Impulsgenerator, ähnlich einem Schrittmacher, verbunden. Dieser wird unter der Haut eingesetzt, meist unterhalb des Schlüsselbeins. Durch gezielte elektrische Stimulation der für Ihre Symptome verantwortlichen Gehirnregionen können unkontrollierte Bewegungen, Zittern und andere motorische Symptome deutlich reduziert werden. Die Stimulation kann den jeweiligen Erfordernissen im Krankheitsverlauf angepasst werden.
Ambulante Pflege bei Parkinson
Die ambulante Pflege ermöglicht es Parkinson-Patienten, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben und gleichzeitig die benötigte Unterstützung zu erhalten. Dies kann eine Vielzahl von Dienstleistungen umfassen, darunter:
- Grundpflege: Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben wie Körperpflege, Anziehen, Essen und Mobilität.
- Medizinische Versorgung: Verabreichung von Medikamenten, Überwachung von Vitalzeichen und Wundversorgung.
- Haushaltshilfe: Unterstützung bei der Reinigung, Wäsche und Zubereitung von Mahlzeiten.
- Therapeutische Unterstützung: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, der Sprache und der Schluckfunktion.
- Soziale Unterstützung: Begleitung zu Arztterminen, Einkäufen und sozialen Aktivitäten.
Die ambulante Versorgung stellt eine „stabile Säule“ in der Pandemie dar. Eine Studie der Klinik für Neurologie des Ernst von Bergmann Klinikums Potsdam in Kooperation mit der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf erfasste bundesweit die aktuelle, pflegerische Versorgungssituation von Menschen mit Parkinson sowie mögliche Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die Ergebnisse zeigten, dass der Zugang zu Ärzten und Therapeuten im ambulanten Bereich nicht relevant beeinträchtigt war.
Vorteile der ambulanten Pflege
- Erhalt der Selbstständigkeit: Patienten können in ihrer vertrauten Umgebung bleiben und so ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität erhalten.
- Individuelle Betreuung: Die Pflege wird individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten.
- Flexibilität: Die Dienstleistungen können flexibel an den Bedarf angepasst werden.
- Kosteneffizienz: In vielen Fällen ist die ambulante Pflege kostengünstiger als die stationäre Pflege.
Herausforderungen der ambulanten Pflege
- Hoher Organisationsaufwand: Die Organisation der ambulanten Pflege kann zeitaufwendig und anstrengend sein.
- Belastung der Angehörigen: Die Angehörigen werden oft stark in die Pflege eingebunden und können dadurch überlastet werden.
- Soziale Isolation: Patienten können sozial isoliert sein, wenn sie wenig Kontakt zu anderen Menschen haben.
- Begrenzte Verfügbarkeit von Dienstleistungen: In ländlichen Gebieten kann die Verfügbarkeit von ambulanten Pflegediensten begrenzt sein.
Stationäre Pflege bei Parkinson
Die stationäre Pflege bietet Parkinson-Patienten eine umfassende Betreuung in einer Pflegeeinrichtung. Dies kann eine Option sein, wenn die ambulante Pflege nicht mehr ausreichend ist oder wenn die Angehörigen die Pflege nicht mehr leisten können. Die stationäre Pflege umfasst in der Regel:
- Rund-um-die-Uhr-Betreuung: Patienten werden rund um die Uhr von qualifiziertem Pflegepersonal betreut.
- Medizinische Versorgung: Die medizinische Versorgung wird von Ärzten und Pflegekräften sichergestellt.
- Therapeutische Angebote: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie werden in der Regel angeboten.
- Soziale Aktivitäten: Die Einrichtungen bieten oft ein vielfältiges Angebot an sozialen Aktivitäten.
- Verpflegung: Die Patienten werden mit Mahlzeiten und Getränken versorgt.
Multimodale Parkinson-Komplexbehandlung
Bei der Parkinsonkomplexbehandlung handelt es sich um ein stationäres Therapieangebot für Patient:innen, die an einem Parkinson-Syndrom erkrankt sind. Während Ihres stationären Aufenthaltes auf der Station Neurologie 6 werden die Patient:innen 14-21 Tage von einem multiprofessionellen Team bestehend aus Ärzt:innen, Pflegekräften, Physio-, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Neuropsycholog:innen und Seelsorger:innen entsprechend der individuellen Bedürfnisse betreut. Zu Beginn der Behandlung definieren wir gemeinsam mit den Betroffenen Behandlungsziele für den Aufenthalt, die in täglichen Visiten und regelmäßigen interdisziplinären Teamsitzungen reevaluiert werden. Wöchentlich erhalten Sie mind. 7,5h Einzeltherapie-Einheiten durch unsere geschulten Fachtherapeut:innen (Physio-, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie). Thematisieren Sie diese Therapiemöglichkeit mit Ihrer niedergelassenen Neurologin oder Ihrem niedergelassenen Neurologen und lassen Sie sich eine Überweisung ausstellen.
Lesen Sie auch: Ambulante neurologische Reha in Aachen
Die Multimodale Komplexbehandlung bei Morbus Parkinson verbindet eine medikamentöse Therapie mit Elementen aus Physiotherapie und Physikalischer Therapie, Sport- und Ergotherapie, Neuropsychologie und Logopädie. Der Therapieplan wird immer individuell zusammengestellt und richtet sich nach den Bedürfnissen des einzelnen Patienten und nach dem Schweregrad bzw. dem Stadium der Erkrankung.
Vorteile der stationären Pflege
- Umfassende Betreuung: Patienten erhalten eine umfassende Betreuung rund um die Uhr.
- Sicherheit: Die Patienten leben in einer sicheren Umgebung mit qualifiziertem Personal.
- Soziale Kontakte: Die Einrichtungen bieten oft die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen.
- Entlastung der Angehörigen: Die Angehörigen werden von der Pflege entlastet.
Herausforderungen der stationären Pflege
- Verlust der Selbstständigkeit: Patienten müssen sich an eine neue Umgebung und einen neuen Tagesablauf gewöhnen.
- Hohe Kosten: Die stationäre Pflege ist in der Regel teurer als die ambulante Pflege.
- Soziale Isolation: Patienten können sich sozial isoliert fühlen, wenn sie wenig Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden haben.
- Qualitätsunterschiede: Die Qualität der stationären Pflege kann je nach Einrichtung variieren.
Vergleich von ambulanter und stationärer Pflege
| Aspekt | Ambulante Pflege | Stationäre Pflege |
|---|---|---|
| Umgebung | Eigene Wohnung/Haus | Pflegeeinrichtung |
| Selbstständigkeit | Hoher Grad an Selbstständigkeit | Geringerer Grad an Selbstständigkeit |
| Betreuung | Individuelle Betreuung nach Bedarf | Umfassende Betreuung rund um die Uhr |
| Kosten | In der Regel kostengünstiger | In der Regel teurer |
| Soziale Kontakte | Abhängig von der sozialen Integration des Patienten | Möglichkeit zur Knüpfung sozialer Kontakte |
| Belastung Angehörige | Hohe Belastung der Angehörigen | Entlastung der Angehörigen |
| Medizinische Versorgung | Je nach Bedarf | Umfassende medizinische Versorgung |
| Therapeutische Angebote | Je nach Bedarf | In der Regel vorhanden |
Faktoren, die die Wahl der Pflege beeinflussen
Die Wahl zwischen ambulanter und stationärer Pflege hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Gesundheitszustand des Patienten: Der Schweregrad der Parkinson-Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen spielen eine wichtige Rolle.
- Persönliche Präferenzen: Die Wünsche des Patienten und seiner Angehörigen sollten berücksichtigt werden.
- Finanzielle Situation: Die Kosten der Pflege müssen berücksichtigt werden.
- Verfügbarkeit von Dienstleistungen: Die Verfügbarkeit von ambulanten und stationären Pflegediensten in der Region ist entscheidend.
- Unterstützung durch Angehörige: Die Bereitschaft und Fähigkeit der Angehörigen, die Pflege zu unterstützen, ist wichtig.
Unterstützung und Beratung
Es gibt zahlreiche Organisationen und Beratungsstellen, die Parkinson-Patienten und ihre Angehörigen bei der Wahl der richtigen Pflegeform unterstützen können. Dazu gehören:
- Deutsche Parkinson Vereinigung (DPV): Bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
- Deutsche Parkinson Hilfe (DPH): Fördert die Forschung und unterstützt Betroffene und Angehörige.
- Pflegestützpunkte: Bieten eine unabhängige Beratung zu allen Fragen der Pflege.
- Krankenkassen: Beraten zu den Leistungen der Pflegeversicherung.
Lesen Sie auch: Überblick zur ambulanten Tagespflege bei Demenz