Anaplastisches Astrozytom Grad 3: Behandlung und Lebenserwartung

Das anaplastische Astrozytom Grad 3 ist ein bösartiger Hirntumor, der von den Astrozyten ausgeht, einer Art von Gliazellen im Gehirn. Diese Tumoren zeichnen sich durch ein schnelles Wachstum und eine hohe Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens (Rezidiv) aus. Dieser Artikel befasst sich mit den Behandlungsmöglichkeiten und der Lebenserwartung von Patienten mit einem anaplastischen Astrozytom Grad 3.

Grundlagen des Astrozytoms

Was ist ein Astrozytom?

Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der aus Astrozyten entsteht, den Stützzellen des Nervensystems (Gliazellen). Astrozytome sind die häufigste Form von Gliomen.

WHO-Klassifikation der Astrozytome

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Astrozytome in vier Grade ein, basierend auf dem Ausmaß der Bösartigkeit:

  • WHO-Grad 1: Pilozystisches Astrozytom (gutartig, langsam wachsend)
  • WHO-Grad 2: Diffuses Astrozytom (gutartig, wächst aber langsam in gesundes Gewebe hinein)
  • WHO-Grad 3: Anaplastisches Astrozytom (bösartig, wächst schneller)
  • WHO-Grad 4: Glioblastom (sehr bösartig, wächst sehr schnell)

Das anaplastische Astrozytom gehört zum WHO-Grad 3 und wird als bösartiger Tumor eingestuft.

IDH-Mutation

In der modernen Medizin wird bei Hirntumoren auch auf bestimmte Gene geachtet, insbesondere auf das IDH-Gen. Eine Mutation dieses Gens (IDH-mutiert) kann Hinweise auf den Krankheitsverlauf geben und ist oft mit einem günstigeren Verlauf verbunden.

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Diagnose

Symptome

Die Symptome eines anaplastischen Astrozytoms sind vielfältig und hängen von der Lokalisation des Tumors im Gehirn ab. Häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Neurologische Störungen (z. B. Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen)
  • Epileptische Anfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose eines anaplastischen Astrozytoms werden verschiedene Verfahren eingesetzt:

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt erfasst die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch.
  • Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) sind die wichtigsten bildgebenden Verfahren, um den Tumor zu lokalisieren und seine Größe und Ausdehnung zu bestimmen. Astrozytome nehmen Kontrastmittel unterschiedlich stark auf.
  • Biopsie: Eine Gewebeprobe (Biopsie) wird entnommen und mikroskopisch untersucht, um die Diagnose zu sichern und den WHO-Grad des Tumors zu bestimmen.
  • Liquordiagnostik: In einigen Fällen wird Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entnommen und analysiert, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • EEG: Eine Messung der elektrischen Hirnströme (EEG) kann durchgeführt werden, um Hirngebiete zu identifizieren, die durch den Tumor möglicherweise eine erhöhte Tendenz zu Krampfanfällen aufweisen.

Behandlung

Die Behandlung eines anaplastischen Astrozytoms Grad 3 umfasst in der Regel eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Ziel der Behandlung ist es, den Tumor so weit wie möglich zu entfernen, das Wachstum der verbliebenen Tumorzellen zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.

Operation

Die Operation ist der erste Schritt in der Behandlung eines anaplastischen Astrozytoms. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen. Je radikaler die Tumorentfernung, desto besser ist in der Regel die Überlebenschance des Patienten.

Strahlentherapie

Nach der Operation wird in der Regel eine Strahlentherapie durchgeführt. Dabei werden hochenergetische Strahlen eingesetzt, um die verbliebenen Tumorzellen abzutöten. Die Strahlentherapie kann entweder von außen (externe Strahlentherapie) oder von innen (Brachytherapie) erfolgen.

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Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann zusätzlich zur Operation und Strahlentherapie eingesetzt werden. Dabei werden Medikamente (Chemotherapeutika) eingesetzt, um die Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Häufig verwendete Chemotherapeutika sind Temozolomid und PCV (Procarbazin, CCNU, Vincristin).

Zielgerichtete Therapie

In einigen Fällen kommt eine zielgerichtete Therapie mit Vorasidenib infrage. Diese Behandlung wirkt gezielt gegen bestimmte Veränderungen in den Tumorzellen und kann dazu beitragen, das Tumorwachstum zu bremsen und andere Therapien wie Bestrahlung oder Chemotherapie zunächst hinauszögern.

Supportive Maßnahmen

Neben den spezifischen Behandlungen gegen den Tumor werden auch unterstützende Maßnahmen eingesetzt, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu gehören:

  • Kortikosteroide: Zur Reduktion von Hirndruck und Entzündungen
  • Schmerzmittel: Zur Linderung von Kopfschmerzen und anderen Schmerzen
  • Antiemetika: Zur Reduktion von Übelkeit und Erbrechen
  • Antiepileptika: Zur Vorbeugung und Behandlung von epileptischen Anfällen
  • Psychotherapie: Zur Unterstützung der Patienten und ihrer Familien bei der Bewältigung der Erkrankung

Prognose und Lebenserwartung

Die Prognose und Lebenserwartung von Patienten mit einem anaplastischen Astrozytom Grad 3 hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Alter des Patienten: Jüngere Patienten haben in der Regel eine bessere Prognose als ältere Patienten.
  • Allgemeinzustand des Patienten: Patienten mit einem guten Allgemeinzustand haben in der Regel eine bessere Prognose.
  • Ausmaß der Tumorentfernung: Je vollständiger der Tumor entfernt werden kann, desto besser ist die Prognose.
  • Ansprechen auf die Therapie: Patienten, die gut auf die Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie ansprechen, haben in der Regel eine bessere Prognose.
  • Molekulare Eigenschaften des Tumors: Das Vorliegen einer IDH-Mutation ist oft mit einem günstigeren Verlauf verbunden.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Patienten mit einem anaplastischen Astrozytom Grad 3 liegt bei etwa 2 bis 5 Jahren. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dies nur ein Durchschnittswert ist und die tatsächliche Lebenserwartung von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann.

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Spezifische Aspekte der Behandlung im Kindes- und Jugendalter

Hochmaligne Gliome (einschließlich anaplastischer Astrozytome) kommen im Kindes- und Jugendalter nur selten vor. Die Behandlung von Kindern unter drei Jahren weicht von der Therapieempfehlung für ältere Kinder ab, da keine Strahlentherapie durchgeführt wird.

Behandlungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche ab drei Jahren mit hochmalignem Gliom (Grad-IV-Gliome, anaplastisches Gliom Grad III, Ponsgliom, Gliomatosis cerebri):

  • Operation: Möglichst radikale oder maximal mögliche operative Entfernung des Tumors (Tumorresektion).
  • Strahlentherapie und Chemotherapie: Im Anschluss an die Operation oder, wenn der Tumor nicht operabel ist, an Stelle der Operation. Die Behandlung besteht aus zwei großen Behandlungsabschnitten: der Induktionsphase (Anfangsbehandlung; Induktionstherapie) und der Erhaltungsphase (Konsolidierungstherapie).
  • Induktionstherapie: Sie dauert sechs bis sieben Wochen und zielt darauf ab, einen nicht (vollständig) operablen Tumor so weit wie möglich zu verkleinern oder die nach einer kompletten Tumorentfernung möglicherweise im Körper verbliebenen Tumorzellen zu zerstören.
  • Strahlentherapie: Über einen Zeitraum von sechs bis sieben Wochen werden tägliche Strahlendosen von 1,8 Gray (Gy) von außen auf die zu behandelnde Region eingestrahlt. Die Gesamtstrahlendosis richtet sich nach dem Alter des Patienten und der Lage des Tumors: Bei Kindern unter sechs Jahren beträgt die Gesamtstrahlendosis 54 Gy, bei Kindern ab sechs Jahren 59,4 Gy. Bei Patienten mit einem Gliom des Hirnstamms (Ponsgliom) wird die Gesamtstrahlendosis auf 54 Gy begrenzt.
  • Chemotherapie: Besteht aus einer Behandlung mit der Substanz Temozolomid (Temodal®), die vom ersten bis zum letzten Tag der Bestrahlung jeden Abend in Kapselform eingenommen wird.
  • Erhaltungs- oder Konsolidierungstherapie: Beginnt etwa vier Wochen nach Abschluss der Induktionstherapie, also im Anschluss an die Erholungsphase. Sie ist eine reine Chemotherapie und dauert etwa ein Jahr. Verabreicht wird wiederum Temozolomid.

Neue Therapieansätze

Es gibt verschiedene neue Therapieansätze, die derzeit in klinischen Studien untersucht werden, um die Behandlung von anaplastischen Astrozytomen zu verbessern. Dazu gehören:

  • Immuntherapie: Diese Therapieform zielt darauf ab, das Immunsystem des Körpers zu aktivieren, um die Tumorzellen zu bekämpfen.
  • Gentherapie: Bei dieser Therapieform werden Gene in die Tumorzellen eingeschleust, um sie zu zerstören oder ihr Wachstum zu verlangsamen.
  • Virotherapie: Bei dieser Therapieform werden Viren eingesetzt, um die Tumorzellen zu infizieren und zu zerstören.
  • Tumorspezifische Impfung: Diese Impfung setzt an einer bestimmten Genmutation der Tumorzelle an, um diese durch die körpereigene Immunabwehr zu zerstören.

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