Der menschliche Fuß ist ein komplexes Meisterwerk der Evolution, das uns Stabilität und Mobilität verleiht. Er besteht aus 26 Knochen, 31 Gelenken, 60 Muskeln, über 100 Bändern und über 200 Sehnen. Ein Viertel aller Knochen des Körpers befindet sich in den Füßen. Die Füße sind mit mehr Sinneszellen ausgestattet als beispielsweise das Gesicht. Sie tragen den größten Teil unseres Körpergewichts und sind anfällig für Überlastungen. Fußschmerzen sind ein wichtiges Warnsignal und sollten ernst genommen werden.
Die komplexe Anatomie des Fußes
Um die Funktion und möglichen Probleme der Fußnerven zu verstehen, ist ein Blick auf die anatomische Struktur des Fußes unerlässlich. Der Fuß lässt sich in drei Abschnitte einteilen:
- Fußwurzel: Sieben Fußwurzelknochen, die durch Bänder fest miteinander verbunden sind. Das Sprungbein (Talus) bildet zusammen mit Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) das obere Sprunggelenk.
- Mittelfuß: Fünf langgestreckte Mittelfußknochen, die auf dem Fußrücken gut zu ertasten sind.
- Zehen (Vorfuß): Fünf Zehen, von denen jede (außer der Großzehe) aus drei Einzelknochen (Zehengliedern) besteht.
Die Fußsohle (Planta pedis) ist die Unterseite des Fußes, die durch ein Fettpolster geschützt ist, das Stöße dämpfen kann. Zwischen den Muskeln und der Haut spannt sich die Plantaraponeurose (Plantarfaszie) aus Bindegewebe, die das Längsgewölbe im Fuß stabilisiert. Die Oberseite des Mittelfußes wird als Fußrücken (Dorsum pedis) bezeichnet.
Jeder Fuß hat ein Längsgewölbe (von vorne nach hinten) und ein Quergewölbe (quer zum Längsgewölbe auf Höhe der Mittelfußknochen). Diese Gewölbe werden von Sehnen, Bändern und Muskeln gebildet, die an den Fußknochen ansetzen.
Die Nervenversorgung des Fußes
Eine Vielzahl von Nerven versorgt die Haut, Muskeln und Sehnen des Fußes. Dadurch können Druck, Dehnungszustand der Muskulatur und der Sehnen sowie Temperatur gefühlt werden. Der Fuß wird so zu einem sensiblen Organ, das Unebenheiten erkennt, einen weichen von einem harten Untergrund unterscheidet, ebenso wie warm und kalt, spitz und stumpf.
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Die Hauptnervenäste, die den Fuß versorgen, zweigen vom Ischiasnerv ab: der Nervus tibialis und der Nervus peronaeus (auch Nervus fibularis genannt).
Nervus tibialis
Der Nervus tibialis ist der Hauptnerv für die Fußsohle. Er zieht an der Rückseite des Unterschenkels nach unten und teilt sich am inneren Knöchel (im Tarsaltunnel) in seine beiden wichtigsten Äste auf:
- Nervus plantaris medialis (innerer Fußsohlennerv): Versorgt die Haut der Fußsohle, genauer gesagt die ersten dreieinhalb Zehen (großer Zeh, zweiter, dritter und die innere Hälfte des vierten Zehs). Er bewegt die Beugermuskeln der ersten drei und teilweise auch den der vierten Zehe.
- Nervus plantaris lateralis (äußerer Fußsohlennerv): Versorgt den Rest der Fußsohle, also die Außenseite des vierten Zehs sowie den kleinen Zeh. Er bewegt einen Teil der Beugemuskeln der vierten Zehe und den Beuger der kleinen Zehe.
Vom Schienbeinnerv geht im Tarsaltunnel noch ein Hauptnerv für das Fersenbein ab.
Nervus peronaeus (fibularis)
Der Nervus peronaeus ist der Hauptnerv für den Fußrücken und teilt sich in zwei Äste:
- Nervus peronaeus superficialis (oberflächlicher Peronaeusnerv): Versorgt hauptsächlich das Gefühl auf dem Großteil des Fußrückens.
- Nervus peronaeus profundus (tiefer Peronaeusnerv): Versorgt die Motorik der Muskeln, die den Fuß und die Zehen heben (Dorsalflexion).
Der tiefe Wadenbeinnerv verläuft entlang der Fußrückenarterie. Er bewegt die Muskeln, die die Zehen strecken. Ein Ast verläuft bis zwischen die große und die zweite Zehe und verzweigt sich dort. Er nimmt auch Sinnesreize aus der Haut des Fußrückens auf.
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Funktion der Fußnerven
Die Funktionen der Fußnerven lassen sich in zwei Hauptbereiche aufteilen:
- Sensorik: Die Nerven sammeln Informationen über Druck, Temperatur, Schmerz und Vibrationen und leiten diese an das Gehirn weiter. Dies ermöglicht uns, die Beschaffenheit des Untergrunds zu erkennen und uns vor Verletzungen zu schützen.
- Motorik: Die Nerven steuern die kleinen Muskeln im Fuß, die für die Feinabstimmung der Bewegungen und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts verantwortlich sind.
Gefäß-Nerven-Bündel
Nerven und Blutgefäße verlaufen oft Seite an Seite durch den Körper und bilden sogenannte Gefäß-Nerven-Bündel. Diese enge räumliche Anordnung sichert die Versorgung der Nerven mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Die Blutversorgung des Fußes erfolgt hauptsächlich über die Arteria tibialis posterior, die sich eng an den Nervus tibialis schmiegt.
Erkrankungen der Fußnerven
Verschiedene Erkrankungen können die Funktion der Fußnerven beeinträchtigen und zu Schmerzen, Taubheit, Kribbeln oder Schwäche führen.
Tarsaltunnelsyndrom
Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, die entsteht, wenn der Nervus tibialis posterior im Tarsaltunnel eingeklemmt oder komprimiert wird. Typische Symptome sind Schmerzen, Taubheit und Kribbeln im Fuß, insbesondere im Bereich des Innenknöchels, mit Ausstrahlung in die Wade, die Ferse und den Fuß.
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Ursachen:
- Mechanische Kompressionen (Einklemmungserscheinungen)
- Funktionelle Überlastungen (z. B. beim Joggen)
- Knöcherne Veränderungen nach Brüchen am Innenknöchel, Sprungbein und Fersenbein
- Bandverletzungen am Innenband und inneren Kapselbandapparat
- Entzündliche Reaktionen bei rheumatoider Arthritis oder Sprunggelenksarthrosen
- Raumforderungen durch zusätzliche Gefäßbündel, Ganglien oder Tumoren der Nerven
- Entzündliche Reaktionen der Nerven bei Diabetes mellitus, Gicht, Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) oder Fettstoffwechselstörungen
- Postoperative Folgen durch Schwellungen, Narben etc.
- Anlagebedingt (etwa 20 Prozent der Fälle)
Diagnose:
- Körperliche Untersuchung und Anamnese
- Röntgenaufnahmen des Sprunggelenks
- Ultraschalluntersuchung
- MRT-Aufnahmen
- Elektrophysiologische Untersuchung zur Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Diagnostische Injektion eines Lokalanästhetikums
Therapie:
- Konservative Therapie:
- Ruhe und Vermeidung von Aktivitäten, die die Symptome verschlimmern
- Sprunggelenksbandagen
- Einlagen
- Injektionen mit Lokalanästhetika (gegebenenfalls mit Corticosteroidzusatz)
- Entzündungshemmende und schmerzhemmende Maßnahmen der physikalischen Therapie (Elektrotherapie, Ultraschall, pulsierende Magnetfeldtherapie und Varianten, Kälte- oder Wärmeanwendungen)
- Akupunktur
- Experimentell: Injektion mit Botulinumtoxin zur Behandlung der neuropathischen Schmerzkomponente
- Operative Therapie:
- Dekompression des Nervs, gegebenenfalls in Kombination mit operativer Beseitigung weiterer Ursachen
Morton-Neurom (Morton-Neuralgie, Morton-Metatarsalgie)
Das Morton-Neurom ist eine Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß, meistens zwischen der 3. und 4. Zehe. Sie entsteht durch eine permanente Reizung der Nerven, weil diese dauerhaft zusammengedrückt werden (Kompression).
Symptome:
- Brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen, die plötzlich einschießen
- Belastungsschmerzen
- Gefühl, auf einem Kieselstein oder einer Murmel zu laufen
- Der Fuß wird vorne breiter
Ursachen:
- Enge Schuhe
- Hohe Absätze
- Spreizfuß
- Einseitige Belastungen
Diagnose:
- Körperliche Untersuchung
- Röntgenbilder, Ultraschall, Kernspintomographie oder MRT (Magnetresonanztomographie)
- Betäubung (Lokalanästhesie) des schmerzenden Bereichs mit einer Spritze
- Mulder-Zeichen (Klick-Zeichen)
Therapie:
- Konservative Therapie:
- Spezielle orthopädische Einlagen zur Entlastung der Nerven im Mittel- und Vorfuß
- Geeignete Schuhe tragen oder auf hohe Absätze verzichten
- Dehnübungen für die Fußsohle und Wade
- Faszien-Rollmassage
- Physiotherapie und Fußgymnastik
- Kortison-Spritzen
- Operative Therapie:
- Neurektomie (Entfernung des Nervengeschwulsts)
Baxter-Neuropathie
Die Baxter-Neuropathie ist eine Kompression des Baxter-Nervs (ein Ast des Nervus plantaris lateralis), die zu Fersenschmerzen führt.
Symptome:
- Stechender Schmerz an der Innenseite der Ferse, der beim Gehen schlimmer wird
Ursachen:
- Schwellungen
- Überlastung des Musculus abductor hallucis (Muskel, der den großen Zeh abspreizt)
Diagnose:
- Körperliche Untersuchung
- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT
Therapie:
- Dem Fuß mehr Platz geben
- Operativer Eingriff (Dekompression)
Prävention von Nervenproblemen im Fuß
Einige Maßnahmen können helfen, Nervenproblemen im Fuß vorzubeugen:
- Tragen von geeignetem Schuhwerk, das ausreichend Unterstützung bietet
- Regelmäßige Fußübungen zur Stärkung der Muskulatur
- Vermeidung von Überlastung des Fußes durch angemessene Pausen
- Gewichtsmanagement zur Entlastung der Füße
- Vermeidung von engen Schuhen und hohen Absätzen
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie anhaltende Schmerzen, Taubheit oder Schwäche im Fuß verspüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.