Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Eine frühzeitige Diagnose und eine umfassende, multidisziplinäre Behandlung sind entscheidend, um die Lebensqualität der Patienten zu erhalten und zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Versorgung, von der spezialisierten Diagnostik über innovative Therapieansätze bis hin zur Bedeutung von Selbsthilfe und Rehabilitation.
Spezialisierte Parkinson-Zentren und ihre Bedeutung
In Deutschland gibt es zahlreiche spezialisierte Parkinson-Zentren, die eine umfassende Versorgung von Patienten in allen Krankheitsstadien anbieten. Diese Zentren zeichnen sich durch ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Therapeuten (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden), Pflegeexperten und Neuropsychologen aus, die eng zusammenarbeiten, um ein individuelles Behandlungskonzept für jeden Patienten zu entwickeln.
Ein Beispiel für ein solches Zentrum ist das Parkinson-Zentrum Bottrop, das Patientinnen und Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung in allen Krankheitsstadien diagnostiziert und therapiert. Die bestmögliche Versorgung von Parkinson-Patienten sowie die Vernetzung mit allen beteiligten Partnern steht im Mittelpunkt der Arbeit. Hierzu nutzen sie ihren breiten Erfahrungsschatz, ihre nationalen wie internationalen Expertenkontakte sowie ihre exzellenten Verbindungen in der Region.
Die Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen ist Teil des Parkinson-Zentrums Göttingen-Kassel, welches sich als Kooperationsverbund aus Universitätsmedizin Göttingen und Paracelsus-Elena Klinik in Kassel der Behandlung und Erforschung von Bewegungsstörungen widmet. Einmal pro Woche wird an der UMG eine Zentrumsvisite veranstaltet, bei der die Experten aus Neurologie, Neurophysiologie und der Paracelsus-Elena-Klinik gemeinsam komplexe Krankheitsverläufe und seltene Erkrankungen am Patientenbett erörtern.
Die Klinik für Neurologie und Klinische Neuropsychologie in Potsdam behandelt seit vielen Jahren Patient*innen mit Parkinson leitliniengerecht, auf höchstem Niveau und mit modernster Medikation.
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Ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten
Parkinson-Zentren bieten sowohl ambulante als auch stationäre Behandlungsmöglichkeiten an. Die ambulante Parkinson-Behandlung findet im Rahmen der Parkinson-Tagesklinik im Reha-Zentrum statt und richtet sich an mobile Parkinson-Patienten, die werktäglich über einen Zeitraum von ca. drei Wochen zu den ambulanten Behandlungen kommen können.
Für Patienten mit stärkeren Einschränkungen, die nicht ambulant behandelt werden können, gibt es die Möglichkeit einer stationären Parkinson Komplexbehandlung. Im Rahmen eines Therapiekonzepts, welches ärztlich, pflegerisch und therapeutisch abgestimmt wird, werden Patienten über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen im stationären Rahmen behandelt. In dieser Zeit arbeiten die Spezialisten mit den Patienten an der Mobilität, Feinmotorik, Alltagskompetenz, Sprache oder der geistigen Leistungsfähigkeit.
Die Paracelsus Klinik Bremen kombiniert modernste medizinische, physiotherapeutische, ergo-, logo- und neuropsychologische Therapien über einen 15 bis 21-tägigen stationären Aufenthalt, wenn Medikamente allein nicht mehr ausreichen.
Diagnostische Verfahren zur Sicherung der Diagnose
Einer der Schwerpunkte der Kliniken ist die Abklärung und Sicherung der Diagnose von Bewegungsstörungen. Hierfür stehen alle apparativen (Sonographie, MRT, PET, SPECT, Genetik) und strukturellen Möglichkeiten (Ambulanz, Tagesklinik, Station) zur Verfügung. Das Parkinson-Zentrum Bottrop bietet die vollständige Diagnostik im Rahmen des Verdachts auf eine Parkinson-Erkrankung an (z. B. MRT, SPECT, Ultraschall, neuropsychologische Testung, Riechtest).
Die Möglichkeiten der Diagnostik der Klinik für Neurologie und Klinische Neuropsychologie in Potsdam umfassen hochauflösende Kernspintomographie, nuklearmedizinische Untersuchungen (SPECT, PET-CT), Ultraschalluntersuchungen (Hirnparenchym-Sonographie), fiberendoskopische Schluckdiagnostik (FEES), differenzierte Liquor-Analyse (u.a. Bestimmung der Demenzmarker), humangenetische Beratung, Testungen der Konzentrations-/Gedächtnisleistungen und spezielle Medikamentenanwendungen (z.B. pulsatiler Levodopa-Test).
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Die Parkinson-Krankheit erfordert häufig gerade zu Beginn der Erkrankung eine spezialisierte differentialdiagnostische Betrachtung. Dabei gilt es u.a. die folgenden Krankheiten abzugrenzen: Atypische Parkinson-Syndrome (z.B. Multisystematrophie, MSA; Progrediente Supranukleäre Paralyse, PSP; Corticobasales Syndrom, CBS), Vaskuläres Parkinsonoid, Tremorsyndrome (z.B. Essentieller Tremor), Normaldruckhydrozephalus Studie KoSSNo Genetische Erkrankungen (z.B. Morbus Huntington, HD; Spinocerebelläre Ataxie, SCA).
Therapieoptionen: Medikamente, Pumpen und Tiefe Hirnstimulation
Die Parkinson-Behandlung setzt sich aus mehreren Therapie-Bausteinen zusammen. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:
- Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, wie z.B. Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer. Hochspezialisierte medikamentöse Behandlung motorischer und nicht-motorischer Symptome. Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes bieten die Kliniken eine medikamentöse Erst- bzw. Neueinstellung an.
- Medikamentenpumpen: Eine weiterführende Therapieoption bei Schwankungen des Befindens ist der Einsatz einer Medikamentenpumpe. Bei Patient*innen im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium mit sogenannten motorischen Wirkfluktuation (Phasen der Über- bzw. Unterbeweglichkeit und ggf. psychiatrischen Komplikationen mit Halluzinationen) kann eine Parkinson-Komplex-Behandlung zur Neueinstellung und Therapieoptimierung durchgeführt werden. Subkutane (d.h. über das Unterhautfettgewebe) oder intestinale (d.h. über den Dünndarm) Medikamentenpumpen kommen bei Menschen mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung zum Einsatz, bei denen häufige Medikamenteneinnahmen notwendig sind und sich Wirkfluktuationen aus Phasen guter und schlechter Beweglichkeit (Wirkfluktuationen) sowie unwillkürlichen Überbewegungen (Dyskinesien) zeigen. Durch den Einsatz von Pumpentherapien kann eine kontinuierliche Medikamentengabe gewährleistet und eine Verbesserung der Wirkfluktuationen erzielt werden. Es existieren mehrere Arten der Medikamentenpumpen auf dem Markt: Subkutane Apomorphin-Pumpe, Subkutane Foslevodopa/Foscarbidopa-Pumpe (Produodopa®), Intestinale Levodopa-Carbidopa-(Entacapon)-Pumpe (Duodopa®, LCIG; Lecigon®, LECIG).
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert werden, um die neuronalen Schaltkreise zu modulieren und die Symptome zu reduzieren. Die Klinik prüft die Möglichkeit der Tiefen Hirnstimulation, arbeitet für die Überweisung zu einer Operation eng mit langjährigen Partnern zusammen und ist Teil des RuhrStim-Netzwerks. Bei einem idiopathischen Parkinson-Syndrom ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen und einem nicht zufriedenstellend behandelbaren Tremor bzw. Schwankungen der Beweglichkeit oder relevanten Nebenwirkungen der Medikation bieten die Kliniken eine stationäre Operations-Abklärung für eine Tiefe Hirnstimulation (THS) an. Die Auswahl des Stimulationsziels richtet sich dabei nach der zugrunde liegenden Erkrankung und den Hauptsymptomen. Es konnte mehrfach in international anerkannten Studien nachgewiesen werden, dass die Tiefe Hirnstimulation die Lebensqualität von Pat. mit schweren Medikamenten-refraktären Erkrankungen signifikant verbessern kann. Die Tiefe Hirnstimulation wird insbesondere bei Bewegungsstörungen angewandt, die sich nicht ausreichend auf Medikamente bessern. Zugelassen ist das Verfahren für Pat. mit: M. Parkinson (bei starkem Tremor und/oder großen Schwankungen der Beweglichkeit über den Tag), Tremor (u.a. Essentiellem Tremor), Dystonie. Die individuellen Chancen und Risiken einer Tiefe Hirnstimulation werden vom Team aus Neurologie und Neurochirurgie individuell für Sie und ihr Krankheitsbild geprüft. Der erste Schritt, falls Sie sich für diese Therapie interessieren, ist es einen Beratungstermin in der Ambulanz für Parkinson, Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation zu vereinbaren. In einem ersten Gespräch kann man Sie beraten, ob das Verfahren für Ihre Erkrankungskonstellation in Frage kommt. Danach kann es notwendig sein, weitere Untersuchungen über die Station für Bewegungsstörungen oder die Tagesklinik (z.B. cMRT) durchzuführen, um genauer zu untersuchen, ob Sie geeignet sind. Das Verfahren wird in Deutschland seit mehr als 20 Jahren angewandt. Weltweit gibt es mehr als 180.000 mit Tiefer Hirnstimulation behandelte Patienten. Die Einstellung der Tiefen Hirnstimulation und individuelle Symptome der Patienten und die langfristige Betreuung erfolgt über die Ambulanz für Parkinson, Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation.
Begleittherapien: Physio-, Ergo- und Logopädie
Die Behandlung der Parkinson-Krankheit mittels Physio-, Ergotherapie oder Logopädie sollte nach den neuesten Erkenntnissen und speziellen Behandlungsprinzipien folgen. In jedem, insbesondere aber in den fortgeschrittenen Stadien des Parkinson-Syndroms, sind intensive flankierende Maßnahmen mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sinnvoll.
- Physiotherapie: Die Physiotherapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Die Ergotherapie unterstützt die Patienten dabei, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten und zu verbessern. Dazu üben Sie beispielsweise den Umgang mit Gebrauchsgegenständen des Alltags oder alltägliche Verrichtungen.
- Logopädie: Die Logopädie konzentriert sich auf die Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion. Ein regelmäßiges Sprechtraining kann dabei helfen, Ihre Stimme zu stärken, damit Sie laut und verständlich sprechen können.
Telemedizinische Angebote und Videosprechstunden
Für ambulante Patienten besteht die Möglichkeit, eine Videosprechstunde zu nutzen und sich z. B. von zu Hause oder am Arbeitsplatz beraten zu lassen. Aufgrund der Corona-Pandemie bieten die Kliniken bereits in der Sprechstunde bekannten Pat. (vorherige persönliche Sprechstundentermine) auch die Möglichkeit einer telemedizininschen Sprechstunde über das Internet an (Videosprechstunde).
Die "Virtuelle Parkinson-Klinik" ermöglicht es Patientinenn und Patienten, in ihrem vertrauten Umfeld behandelt zu werden. Der Krankenhausaufenthalt wird durch eine digitale medizinische Rundum-Versorgung ersetzt. Betroffene können sich auf diese Weise ein Stück Unabhängigkeit bewahren. Der vierwöchigen virtuellen Intensivbehandlung folgt im Regelfall eine optionale einwöchige Nachbehandlung. Arztgespräche, Gespräche mit einer Parkinson-Pflegefachkraft und Anwendungen wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie können Erkrankte in ihrer vertrauten Umgebung in digitaler Form durchführen. Die Behandlung wird durch Online-Trainingseinheiten ergänzt. Die Versorgung beginnt mit einem persönlichen Erstgespräch, das vor Ort in der Klinik stattfindet.
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Selbsthilfe und Selbstmanagement bei Parkinson
Selbst aktiv werden: Es gibt viele Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Ein erster Schritt sind regelmäßige Bewegungsübungen. Zusammen mit führenden deutschen Parkinson-Experten wurden von der Parkinson-Stiftung für die häufigsten Parkinson-Symptome Videos für das Eigentraining entwickelt.
Andere Menschen, die auch mit Parkinson leben, können Ihnen eine wertvolle Hilfe bei der Bewältigung Ihrer Erkrankung sein. Sie haben Verständnis für Ihre Situation und oft nützliche Ratschläge. In einer Gemeinschaft, in der Parkinson für alle ein Thema ist und jeder offen damit umgeht, sprechen Sie vielleicht über ganz andere Dinge. Oder Sie unternehmen „nur“ gemeinsam etwas.
Die Kliniken arbeiten eng mit den regionalen und überregionalen Selbsthilfegruppen zusammen, um die Bedürfnisse von Erkrankten sowie Angehörigen zu kennen und als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Gemeinsam mit der Deutschen Parkinson-Vereinigung (DPV) und der Deutschen Parkinson Hilfe (DPH) bieten die Kliniken regelmäßig für Patient*innen und Angehörige unser Parkinson-Café an. In angenehmer und entspannter Atmosphäre haben Sie die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen zum Umgang mit der Erkrankung auszutauschen.
Bedeutung von Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivität spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Studien haben gezeigt, dass Sport die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern kann. Zusammen mit führenden deutschen Parkinson-Experten wurden von der Parkinson-Stiftung für die häufigsten Parkinson-Symptome Videos für das Eigentraining entwickelt.
Umgang mit psychischen Belastungen
Parkinson kann mitunter sehr belastend und mit Sorge, Furcht oder auch depressiver Stimmung verbunden sein. Haben Sie den Mut, darüber zu sprechen. Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe kennt das und kann Ihnen helfen.
Rehabilitation und spezialisierte Pflege
Bei Parkinson kann eine medizinische Reha(bilitation) einen wichtigen Beitrag zur Förderung Ihres Gesundheitszustands leisten. Das Ziel ist, Ihnen damit zu größtmöglicher Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu verhelfen und Ihre individuelle Lebensqualität zu verbessern. Insbesondere im Anschluss an einen stationären Aufenthalt bei Beginn einer nicht oralen Folgetherapie mit einer Medikamentenpumpe bzw. Eine solche Parkinson-Reha findet häufig stationär statt, ist aber auch ambulant möglich. Im Rahmen der Reha-Maßnahme ist eine intensive Anwendung aktivierender Begleittherapien sowie eine psychologische Betreuung möglich. Wie intensiv eine solche Reha-Maßnahme ist und wie häufig sie wiederholt werden kann, ist vom individuellen Verlauf Ihres Parkinsons abhängig. Es ist ratsam, eine Klinik zur medizinischen Rehabilitation auszuwählen, die sich auf Parkinson spezialisiert hat. Dort liegt die notwendige Erfahrung in der Therapie und im Umgang mit der Erkrankung vor.
Forschung und Studien zu Parkinson
Das Team der Spezialambulanz für Morbus Parkinson und andere Bewegungsstörungen der UMG engagiert sich stark in der Erforschung von Bewegungsstörungen. Ziel ist es Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen stetig zu verbessern, damit Patient*innen in Zukunft besser geholfen werden kann. Wenn sie die Forschung unterstützen möchten, würden wir uns sehr freuen, wenn sie für sich prüfen würden, ob sie für eine der Studien in Frage kommen.
Aktuell wird die Teilnahme an folgenden Studien angeboten: Für Patientinnen mit M. Parkinson, Für Patientinnen mit Progressiver Supranukleärer Blicklähmung (PSP), Für Patientinnen mit Multisystematrophie (MSA), Für Patientinnen mit Ataxie.
Anhand von Analysen von Bioflüssigkeiten wir Blut, Tränen und Nervenwasser untersuchen wir intensiv die unterliegenden molekularen Prozesse der MSA, welche weiter unzureichend verstanden sind. Primäres Ziel ist es dabei Früherkennungsverfahrensowie Verfahren für die Vorhersage des Krankheitsverlaufs zu entwickeln.