Gehirntumoren sind Geschwülste, die im Gehirngewebe selbst oder in den Hirnhäuten entstehen können. Diese Tumoren können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn, während sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Obwohl Hirntumoren insgesamt selten sind, können sie in jedem Lebensalter auftreten und erfordern eine frühzeitige Erkennung und Behandlung, um die besten Heilungschancen zu gewährleisten.
Häufige Tumortypen
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zelltypen entwickeln. Am häufigsten entstehen sie aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Diese Tumoren werden als Gliome bezeichnet. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, je nachdem, aus welchem Zelltyp der Gliazellen sie sich entwickelt haben. Zu den Gliazellen gehören Astrozyten, Oligodendrozyten und Ependymzellen, aus denen sich Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome entwickeln können. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
Andere häufige Hirntumoren sind:
- Meningeome: Entstehen aus Zellen der Hirnhaut.
- Neurinome/Schwannome: Entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen.
- Medulloblastome: Entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn.
Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Die Behandlung von Hirnmetastasen orientiert sich auch an der ursprünglichen Krebsart, von der die Metastasen stammen.
Wie häufig sind Hirntumoren?
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten. Sie können jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Zum Vergleich: Im selben Jahr erhielten etwa 54.770 Menschen die Diagnose Darmkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren. Der häufigste bösartige primäre Hirntumor ist das Glioblastom.
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Bei Kindern sind Hirntumoren mit etwa einem Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter vertreten. Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs, wobei Astrozytome am häufigsten auftreten.
Ursachen und Risikofaktoren
Über Risikofaktoren für Gehirntumoren ist bisher nicht viel bekannt. Die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden:
- Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose erhöhen das Risiko für einen Hirntumor.
- Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Früherkennung
Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Hirntumoren, da diese insgesamt eher selten sind und es keine einfachen und regelmäßig durchführbaren Tests gibt, um Gehirntumoren sicher festzustellen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann zwar Hirntumoren nachweisen, ist aber eine zeitaufwändige und teure Untersuchungsmethode und eignet sich daher nicht als regelmäßige Screening-Maßnahme in der gesunden Bevölkerung.
Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen Hirntumoren möglicherweise häufiger auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt diesen Personen zunächst eine humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung. Wurde eine Veränderung im Erbgut nachgewiesen, die zu einem erblichen Tumorsyndrom führt, können regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie etwa einer Magnetresonanztomographie zur Früherkennung eines Hirntumors beitragen.
Symptome
Die Symptome eines Hirntumors hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:
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- Kopfschmerzen: Neu auftretende, anhaltende oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen, die oft morgens stärker sind und sich im Liegen verschlimmern.
- Übelkeit und Erbrechen: Besonders morgens auftretend.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle.
- Neurologische Ausfälle: Schwäche, Taubheit, Kribbeln oder Lähmung in Armen oder Beinen, Koordinationsschwierigkeiten, Sprach- oder Schluckstörungen.
- Epileptische Anfälle: Neu auftretende Anfälle ohne bekannte Ursache.
- Wesensveränderungen: Veränderungen in der Persönlichkeit, Stimmung oder im Verhalten.
- Hormonelle Störungen: Können bei Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) auftreten.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Wenn sie jedoch neu auftreten, sich verschlimmern oder in Kombination auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Diagnose
Die Diagnose eines Hirntumors beginnt in der Regel mit einer neurologischen Untersuchung und einer Bildgebung des Gehirns. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist die bevorzugte Methode, da sie detailliertere Bilder des Gehirns liefert als die Computertomographie (CT). In einigen Fällen kann auch eine CT-Untersuchung durchgeführt werden.
Besteht nach der Bildgebung weiterhin ein Tumorverdacht, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt, bei der eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird. Dies ermöglicht die Bestimmung des Tumortyps und des Grades der Bösartigkeit.
Therapie
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Art, Größe und Lage des Tumors, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den gängigen Behandlungen gehören:
- Operation: Ziel ist es, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen.
- Strahlentherapie: Wird eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen nach der Operation abzutöten oder Tumoren zu behandeln, die nicht operiert werden können.
- Chemotherapie: Kann in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt werden, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten.
- Zielgerichtete Therapien: Medikamente, die spezifische Merkmale von Krebszellen angreifen.
- Immuntherapie: Aktiviert das Immunsystem des Körpers, um Krebszellen zu bekämpfen.
Zusätzlich zu diesen Behandlungen kann eine supportive Therapie eingesetzt werden, um die Symptome und Nebenwirkungen der Behandlung zu lindern. Dazu können Medikamente gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gehören, um neurologische Ausfälle zu behandeln.
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Rehabilitation und Nachsorge
Nach der Behandlung eines Hirntumors ist eine Rehabilitation wichtig, um Patienten zu helfen, ihre körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen wiederzuerlangen. Die Nachsorge umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um das Wiederauftreten des Tumors zu überwachen und eventuelle Spätfolgen der Behandlung zu behandeln.
Angst vor einem Hirntumor
Viele Menschen erleben Angst und Besorgnis, wenn sie Symptome haben, die auf einen Hirntumor hindeuten könnten. Es ist wichtig zu bedenken, dass die meisten Kopfschmerzen und andere neurologische Symptome nicht durch einen Hirntumor verursacht werden. Dennoch sollte man bei neu auftretenden, anhaltenden oder sich verschlimmernden Symptomen einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine angemessene Behandlung zu erhalten.
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