Die vaskuläre Demenz ist eine Form der Demenz, die durch Schädigungen des Gehirns aufgrund von Durchblutungsstörungen verursacht wird. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit, die bislang nicht heilbar ist, zielt die Behandlung der vaskulären Demenz in erster Linie darauf ab, weitere Gefäßschäden zu vermeiden und die Symptome zu lindern. Obwohl Medikamente gegen Alzheimer-Demenz in Deutschland nicht zur Behandlung der vaskulären Demenz zugelassen sind, gibt es verschiedene Wirkstoffe und Therapieansätze, die im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzepts eingesetzt werden können.
Überblick über Demenz und vaskuläre Demenz
Demenz ist ein Oberbegriff für eine chronische, meist fortschreitende Fehlfunktion des Gehirns, die mit einer Verschlechterung des Gedächtnisses und anderer kognitiver Funktionen einhergeht. Neben der Alzheimer-Krankheit, die mit rund 60 Prozent die häufigste Form darstellt, gibt es weitere Demenzformen wie die vaskuläre Demenz, die Demenz mit Lewy-Körperchen, die frontotemporale Demenz und die Demenz bei Morbus Parkinson.
Die vaskuläre Demenz entsteht durch Schädigungen des Gehirns infolge von Schlaganfällen oder anderen Durchblutungsstörungen. Die Symptome können je nach Ort und Umfang der Schädigung variieren und umfassen häufig Konzentrationsstörungen, Sprachprobleme, räumliche und zeitliche Desorientierung sowie Veränderungen der Persönlichkeit.
Ziele der Behandlung
Das Hauptziel der Behandlung der vaskulären Demenz ist es, weitere Gefäßschäden zu vermeiden und die Denkleistung zu verbessern oder zumindest das Fortschreiten der Beeinträchtigungen zu verlangsamen. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, den Betroffenen und ihren Angehörigen Strategien zu vermitteln, wie sie mit der Erkrankung im Alltag besser zurechtkommen können.
Medikamentöse Therapie
Antidementiva
Obwohl Antidementiva, die zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden, in Deutschland nicht zur Behandlung der vaskulären Demenz zugelassen sind, gibt es Einzelfallentscheidungen (Off-Label-Use), bei denen diese Medikamente dennoch eingesetzt werden. Studien haben gezeigt, dass Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-Hemmer) und Memantin möglicherweise eine zeitlang helfen können, sich beispielsweise an Veränderungen des Alltags anzupassen.
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- Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-Hemmer): Diese Medikamente, wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin, erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn, der bei der Alzheimer-Demenz aufgrund des Nervenzellenuntergangs vermindert ist. Sie werden hauptsächlich bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt und können möglicherweise auch bei vaskulärer Demenz eine gewisse Wirkung zeigen.
- Memantin: Dieser Wirkstoff beeinflusst den Glutamatstoffwechsel im Gehirn und den Kalziumeinstrom in die Nervenzellen. Er ist zur Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen und kann möglicherweise auch bei vaskulärer Demenz positive Effekte auf Orientierung und Sprachverständnis haben.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit von Antidementiva bei vaskulärer Demenz nicht ausreichend belegt ist und die Behandlung nur im Einzelfall und nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken empfohlen wird. Liegt jedoch neben der vaskulären auch eine Alzheimer-Demenz vor, kann eine Behandlung mit Antidementiva indiziert sein.
Ginkgo biloba
Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baums können in höherer Dosierung möglicherweise die Denkleistung bei vaskulärer Demenz eine Zeit lang verbessern. Solche Mittel sind in der entsprechenden Dosierung für die vaskuläre Demenz zugelassen und können für die Behandlung erwogen werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Ginkgo biloba das Risiko für Blutungen erhöhen kann, weshalb der mögliche Nutzen und die Risiken im ärztlichen Gespräch abgewogen werden müssen.
Weitere Medikamente
- Medikamente zur Vorbeugung von Schlaganfällen: Um weiteren Schlaganfällen und damit erneuten Schäden im Gehirn vorzubeugen, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden.
- Antihypertensiva: Ein zu hoher Blutdruck kann Gefäßschäden und als Folge neue Schlaganfälle und Hirnblutungen verursachen. Antihypertensiva helfen, den Blutdruck zu senken und das Risiko für weitere Schäden zu reduzieren.
- Statine: Diese Medikamente senken den Anteil bestimmter Fette (LDL-Cholesterine) im Blut und können so Schlaganfällen und Herzinfarkten vorbeugen.
- Plättchenhemmer: Bei einer Arteriosklerose (Gefäßverengung) können Plättchenhemmer das Risiko für Gefäßschäden durch Blutgerinnsel senken. Hierzu zählen beispielsweise ASS und Clopidogrel.
- Orale Antikoagulanzien (OAKs): Diese Medikamente wirken stärker als Plättchenhemmer und werden beispielsweise zur Vorbeugung von Blutgerinnseln bei Vorhofflimmern eingesetzt, da bei dieser Herzerkrankung ein hohes Schlaganfallrisiko besteht.
- Psychopharmaka: Wenn Wesen und Verhalten durch die Demenz beeinflusst sind, können Psychopharmaka infrage kommen. Ihr Einsatz sollte jedoch erst erfolgen, wenn andere Maßnahmen nicht helfen.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Behandlungen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der vaskulären Demenz. Sie sollen helfen, die geistige Leistungsfähigkeit und die Selbstständigkeit zu verbessern.
Kognitive Stimulation
Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz gibt es unterschiedliche Übungen im Rahmen der sogenannten kognitiven Stimulation. Beispiele sind Rechenaufgaben, Orientierungstrainings, Gesprächsübungen und kreative Arbeit wie Malen, Basteln oder Töpfern.
Reminiszenz-Therapie
Bei einer Reminiszenz-Therapie besteht die Möglichkeit, in Einzel- oder Gruppengesprächen beispielsweise von der Kindheit, Schulzeit oder dem früheren Beruf zu erzählen. Diese Therapie soll geistige Fähigkeiten wie Erinnerungsvermögen und sprachliche Ausdrucksfähigkeit fördern, aber auch die Lebensqualität verbessern. Studien weisen darauf hin, dass die Reminiszenz-Therapie die Stimmung heben und die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern kann.
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Ergotherapie
Die Ergotherapie ist eine wirksame Möglichkeit zum Training von Alltagsfertigkeiten wie zum Beispiel Anziehen oder Haushaltsarbeiten. Ergotherapeutinnen und -therapeuten helfen dabei, das Leben so eigenständig wie möglich zu gestalten. Dazu bieten sie verschiedene Übungen und Aktivitäten an, beraten und schlagen Anpassungen im Alltag vor. Ergotherapie kann auch Konzentrations- und Gedächtnistraining beinhalten.
Körperliche Aktivität
Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, hat körperliche Aktivität bei vaskulärer Demenz gesundheitliche Vorteile. Es ist wichtig, in Bewegung zu bleiben, um beispielsweise Bettlägerigkeit zu vermeiden. Studien zeigen, dass Menschen mit Demenz, die an Bewegungsprogrammen teilnehmen, dadurch länger mobil sein können. Kombinierte Programme zur Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht können helfen, Alltagsaktivitäten länger selbstständig zu erledigen. Sie bestehen beispielsweise aus Gehübungen, Gymnastik (auch im Wasser), Kräftigungs- und Konditionstraining. Solche Trainings finden etwa 2- bis 3-mal pro Woche für 30 bis 60 Minuten statt. Bei einer Demenz ist auch sogenannter Reha-Sport in festen Gruppen möglich.
Musiktherapie
Musiktherapie wird in Einzel- (persönlich abgestimmt) oder in Gruppensitzungen angeboten. Dabei wird je nach Angebot und Möglichkeit aktiv Musik gemacht - zum Beispiel gesungen - oder (passiv) Musik gehört.
Unterstützung für Angehörige
Für Angehörige von Menschen mit vaskulärer Demenz gibt es praktische Unterstützungsangebote und Schulungen. Sie sollen helfen, die Krankheit besser zu verstehen und im Alltag mit ihr zurechtzukommen. Praktische Angebote umfassen Informationen über Leistungen der Kranken- und Pflegekassen und über finanzielle Hilfen. Die psychosoziale Beratung unterstützt bei der Antragstellung und berät unter anderem dazu, wie man mit schwierigen Situationen im Pflegealltag umgehen kann.
Für Angehörige ist es hilfreich, in die Diagnose und Behandlungsplanung eingebunden zu sein. Da die Betreuung und Pflege für Angehörige belastend sein kann, gibt es Angebote, in denen man Bewältigungsstrategien erlernen kann. Das soll die Belastung senken und kommt dann auch der oder dem Erkrankten zugute. Unterstützung für Angehörige kann persönlich, aber auch telefonisch oder per Videoanruf genutzt werden - je nachdem, was besser in den Alltag passt.
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