Antihormontherapie bei Brustkrebs: Migräne und Nebenwirkungen von Tamoxifen

Die Antihormontherapie ist eine wichtige Behandlungsmöglichkeit für Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs. In diesem Fall benötigt der Tumor die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und/oder Progesteron für sein Wachstum. Die Antihormontherapie ist neben Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und zielgerichtet wirkenden Medikamenten eine wichtige Säule bei der Behandlung von Brustkrebs.

Grundlagen der Antihormontherapie

Die Antihormontherapie kann Frauen mit einer Brustkrebsart helfen, die unter dem Einfluss von weiblichen Geschlechtshormonen wächst - allen voran Östrogenen, aber auch Progesteron. Die Krebszellen besitzen in diesem Fall Andockstellen - sogenannte Rezeptoren - für diese Hormone. Ärztinnen und Ärzte sprechen auch davon, dass der Brustkrebs Hormonrezeptor-positiv (HR+) oder hormonempfindlich ist. Bei ungefähr zwei Dritteln aller Frauen mit Brustkrebs sei dies der Fall, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft.

Östrogen und Progesteron docken an diese Rezeptoren an und regen die Krebszellen so zur Teilung und Vermehrung an. Und an diesem Punkt setzt die antihormonelle Behandlung an. Sie heißt in der Fachsprache auch „endokrine Therapie“. Die Antihormontherapie wirkt im gesamten Körper, also systemisch (wie auch zum Beispiel die Chemotherapie). Zum Einsatz kommen verschiedene Medikamente, die nach unterschiedlichen Wirkprinzipien funktionieren: Antiöstrogene, Aromatasehemmer und GnRH-Analoga. Ziel der Antihormontherapie ist es, das Wachstum der Krebszellen zu unterbinden.

Terminologie und Abgrenzung

Die Antihormontherapie wird manchmal auch als „Hormontherapie“ bezeichnet. Doch der Begriff ist nicht ganz korrekt. Denn es werden keine Hormone zugeführt, wie das Wort vermuten lässt. Auch mit der Hormonersatztherapie (HRT, HET), die Frauen in den Wechseljahren manchmal erhalten, hat die Antihormontherapie nichts zu tun.

Diagnose und Therapieentscheidung

Zunächst aber müssen Ärztinnen und Ärzte durch eine Analyse der Krebszellen feststellen, ob der Brustkrebs tatsächlich hormonabhängig ist. Das geschieht meist schon bei der ersten Gewebeuntersuchung im Rahmen der Biopsie. Lässt sich eine relevante Menge solcher Andockstellen finden, sprechen Fachleute von einem „Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom“ (HR+).

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Die Antihormontherapie umfasst verschiedene Medikamente, die unterschiedliche Wirkweisen haben. Welche antihormonelle Therapie zum Einsatz kommt, hängt unter anderem von Ihrem Alter bei der Brustkrebserkrankung ab. Befinden Sie sich vor oder nach den Wechseljahren, also der Menopause? Fachleute sagen dazu, ob eine Frau prä- oder postmenopausal ist.

Anwendungsbereiche der Antihormontherapie

Die antihormonelle Therapie lässt sich bei frühem Brustkrebs als begleitende und unterstützende (adjuvante) Behandlung nach der Operation einsetzen, um das Rückfallrisiko zu senken. Manche Frauen mit frühem Brustkrebs können nach einer Brust-OP eventuell auf eine zusätzliche Chemotherapie verzichten. Ihnen kann die alleinige Antihormontherapie nach der Operation helfen. Ob Frauen von einer ergänzenden Chemotherapie profitieren, also einen Nutzen durch die Zytostatika haben, lässt sich heute mithilfe sogenannter Biomarkertests herausfinden. Diese Tests werden auch als Multigentests, Genexpressionstests oder Multigenassays bezeichnet. Sie analysieren die Aktivität verschiedener Krebsgene. Anhand des Testergebnisses können Ärztinnen und Ärzte die Rückfallgefahr und manchmal auch den voraussichtlichen Nutzen einer Chemotherapie besser abschätzen. So lässt sich individuell eine passende Krebstherapie auswählen.

Die Antihormontherapie kann auch Frauen helfen, deren Brustkrebs schon fortgeschritten oder metastasiert ist. Dann gilt es, das Krebswachstum so lange wie möglich aufzuhalten und Symptome und Beschwerden aufgrund der Krebserkrankung zu verringern. Manchmal wächst der Tumor aber trotz Antihormontherapie weiter. Die Krebszellen werden unempfindlich („resistent“) gegenüber der antihormonellen Therapie und die Behandlung wirkt nicht mehr genügend. Dies kann an einer sogenannten ESR1-Mutation liegen, eine Veränderung in einem speziellen Gen (Östrogenrezeptor-1-Gen). Diese genetische Veränderung kann spontan bei Frauen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs auftreten, die eine antihormonelle Therapie erhalten.

Wirkstoffgruppen der Antihormontherapie

Zur antihormonellen Therapie stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Es gibt Medikamente in Form von Tabletten, andere werden in Spritzen verabreicht. Auch die Art, wie die Medikamente wirken, unterscheidet sich:

  • Medikamente, die Bindestellen für Östrogen auf den Tumorzellen (Östrogenrezeptoren) blockieren. Dazu gehören die antihormonellen Wirkstoffe Tamoxifen und Fulvestrant. Die Folge: Die körpereigenen Hormone sind noch da, aber der Tumor wird unempfindlich für die Hormonwirkung.
  • Medikamente, die die Hormonmenge im Körper senken, die auf die Krebszellen wirken kann. Dazu gehören Medikamente aus der Gruppe der Aromatasehemmer und sogenannte GnRH-Analoga. Sie verhindern die Bildung von weiblichen Geschlechtshormonen in verschiedenen Geweben.

Antiöstrogene (SERMs und SERDs)

Antiöstrogene wie Tamoxifen stoppen nicht die Produktion der Östrogene. Vielmehr blockieren sie die Wirkung des Hormons auf die Tumorzellen, indem sie die Bindungsstellen der Hormonrezeptoren an den Krebszellen besetzen. So kann das Östrogen nicht mehr andocken und die Krebszellen werden nicht mehr zum Wachstum und zur Teilung angeregt. Manche Antiöstrogene (SERDs) sorgen zusätzlich für einen Abbau der Rezeptoren. Tamoxifen ist ein selektiver Estrogenrezeptor-Modulator, der in der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird. Seine Wirkung entfaltet Tamoxifen, indem es an Estrogenrezeptoren in verschiedenen Geweben bindet. In Brustgewebe wirkt Tamoxifen als Antagonist, was bedeutet, dass es die Bindung von Estrogen an seine Rezeptoren blockiert und somit die estrogengesteuerte Transkription von Genen, die für das Zellwachstum wichtig sind, unterdrückt. Gleichzeitig kann Tamoxifen in anderen Geweben wie Knochen und Endometrium als Estrogenagonist wirken, wo es positive Effekte wie Knochenerhaltung ausübt, aber auch das Risiko für Endometriumkrebs erhöhen kann.

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Anwendungsgebiete von Antiöstrogenen

Antiöstrogene werden beim Mammakarzinom sowohl vor als auch nach den Wechseljahren angewendet. Vor den Wechseljahren werden sie als alleinige Therapie gegeben oder mit GnRH-Analoga kombiniert, um die Hormonproduktion in den Eierstöcken zu unterdrücken. Als unterstützende (adjuvante) Therapie senken sie bei einem frühen Brustkrebs nach der Operation das Risiko für ein Rezidiv, also die Rückkehr des Brustkrebses. Bei fortgeschrittenen oder metastasierten Tumoren können sie das Fortschreiten des Brustkrebses verlangsamen.

Wächst der Tumor trotz Antihormontherapie weiter, gibt es zum Beispiel diese Möglichkeiten:

  • Test auf eine ESR1-Mutation: Ist diese genetische Veränderung nachweisbar, kann der neu zugelassene Wirkstoff Elacestrant helfen. Er zählt zur Gruppe der „Selektiven Estrogen-Receptor-Degrader“ (SERD) und kann die Östrogenrezeptoren der Krebszelle vollständig ausschalten. Zudem bewirkt der Wirkstoff einen Abbau dieser Rezeptoren. Ab dem 1. Juli 2024 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Flüssigbiopsie zur Indikationsstellung einer Therapie mit Elacestrant.
  • Kombination der Antihormontherapie mit einer zielgerichteten Therapie (engl. „targeted therapy“). Diese setzt ebenfalls an speziellen Merkmalen der Krebszellen an. Ihr Behandlungsteam überlegt immer, welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist.

Tamoxifen: Details zu Anwendung und Wirkung

Tamoxifen ist seit mehr als 40 Jahren für die ergänzende (adjuvante) Brustkrebs-Behandlung zugelassen. Ziel ist es, einen Krankheitsrückfall zu vermeiden. Daneben ist Tamoxifen auch zugelassen zur Behandlung von metastasiertem Brustkrebs. Dadurch soll es das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten.

Die empfohlene Tagesdosis ist 20 mg. Am besten nimmt man die Tablette immer zur gleichen Tageszeit ein. Es ist nicht notwendig, eine spezielle Tageszeit (abends oder morgens) zu beachten.

Tamoxifen ist ein Medikament, das mit relativ vielen anderen Medikamenten wechselwirken kann. Über Wechselwirkungen informiert der Beipackzettel oder Ihre behandelnde Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt. Nennen Sie Ihrer Ansprechperson dafür alle Medikamente, die sie sonst noch einnehmen. Sagen Sie dem Arzt oder der Ärztin auch, wenn Sie rezeptfreie pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Auch hier sind Wechselwirkungen möglich.

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Fulvestrant

Das antihormonelle Medikament Fulvestrant ist wie Tamoxifen ein sogenanntes Antiöstrogen: Es bindet an die Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen in den Tumorzellen, blockiert diese und verhindert so die Bindung des Hormons. Außerdem sorgt es dafür, dass die Östrogenrezeptoren zerstört werden und sich die Zahl der Östrogenrezeptoren verringert. Die Krebszellen werden nicht mehr durch Östrogen zur Teilung angeregt und das Tumorwachstum lässt nach. Anders als Tamoxifen hat es nicht die Besonderheit, in einigen Geweben selbst wie ein Östrogen zu wirken.

Aromatasehemmer (Aromataseinhibitoren)

Bei Frauen nach den Wechseljahren produziert der Körper noch Östrogen, allerdings nicht mehr in den Eierstöcken, sondern in den Muskeln, im Fett- oder Brustdrüsengewebe. Mit Hilfe eines Enzyms - der sogenannten Aromatase - werden die Vorstufen des Östrogens in das Östrogen selbst umgewandelt. Die Aromatase ist also bei der Bildung von Östrogen ein wichtiger Mitspieler. Aromatasehemmer (auch Aromataseinhibitoren) sind Stoffe, die an dieses Enzym binden und es deaktivieren. Dadurch wir die Produktion der Geschlechtshormone im Gewebe gedrosselt oder gestoppt.

Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Steroidale Aromatasehemmer (Wirkstoff: Exemestan)
  • Nicht-steroidale Aromatasehemmer (Wirkstoffe: Anastrozol, Letrozol)

Aromataseinhibitoren werden in der Regel nur bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt. Bei Frauen vor der Menopause würde der Körper die Östrogenproduktion auf anderen Wegen aufrechterhalten. Nur bei Frauen vor den Wechseljahren, die ein besonders hohes Rückfallrisiko haben, kommen Aromatasehemmer infrage. Dann müssen sie jedoch mit einer Behandlung kombiniert werden, welche die Hormonproduktion in den Eierstöcken unterdrückt - entweder durch GnRH-Analoga oder durch die Entfernung der Eierstöcke.

Anwendungsgebiete von Aromatasehemmern

Wie Antiöstrogene können auch Aromataseinhibitoren im frühen und fortgeschrittenen Stadium einer Brustkrebserkrankung eingesetzt werden. Adjuvant, also nach der Operation, senken sie das Risiko, dass erneut ein Tumor auftritt. Aromatasehemmer lassen sich nach den Wechseljahren auch in einer Abfolge mit Tamoxifen anwenden. Ob Tamoxifen, ein Aromatasehemmer oder eine Sequenz aus beiden Substanzen eingesetzt wird, legen Ärztinnen und Ärzte individuell für jede Frau fest. Bei metastasiertem Brustkrebs können die Medikamente das Tumorwachstum stoppen oder verlangsamen.

Aromatasehemmer werden zur ergänzenden (adjuvanten) Brustkrebs-Behandlung eingesetzt. Ziel ist es, einen Krankheitsrückfall zu vermeiden. In bestimmten Situationen ist auch der Einsatz vor einer Operation (neoadjuvanter Einsatz) möglich. Ziel ist es dann unter anderem, den Tumor für die bevorstehende Operation zu verkleinern. Daneben sind Aromatasehemmer auch zugelassen zur Behandlung von Brustkrebs, der erneut aufgetreten ist (Rezidiv) und/oder Brustkrebs, der metastasiert hat. Dadurch soll das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden.

Eine Antihormontherapie mit Aromatasehemmern allein ist nur für Frauen nach den Wechseljahren zugelassen. Vor den Wechseljahren wird das meiste Östrogen in den Eierstöcken gebildet. Aromatasehemmer hemmen zwar zunächst auch diese Östrogenbildung, aber nicht dauerhaft. Wenn der Körper merkt, dass der Östrogenspiegel sinkt, regt er die Eierstöcke an, wieder mehr Östrogen zu bilden - der Östrogenspiegel steigt also wieder. Ist unklar, ob eine Frau bereits ihre letzte Regelblutung hatte, muss die Ärztin oder Arzt dies durch einen oder mehrere Labortests überprüfen lassen (Abklärung des Menopausenstatus). Bei Frauen vor den Wechseljahren kommen Aromatasehemmer nur dann infrage, wenn sie mit einem Medikament kombiniert werden, das die Östrogenproduktion in den Eierstöcken unterdrückt.

Wechselwirkungen von Aromatasehemmern

Aromatasehemmer können mit anderen Medikamenten wechselwirken. Wie wahrscheinlich das ist und wie sich das auf den Krankheitsverlauf auswirkt, unterscheidet sich zwischen den einzelnen Aromatasehemmern. Der Grund: Der Körper scheidet die verschiedenen Aromatasehemmer über unterschiedliche Stoffwechselwege aus dem Körper aus.

Für alle Aromatasehemmer gilt: Sie sollten sie nicht zusammen mit Arzneimitteln einnehmen, die Östrogen oder östrogenartige Verbindungen enthalten. Östrogen-haltige Arzneimittel oder Östrogen-haltige Nahrungsergänzungsmittel können die Arzneimittelwirkung der Aromatasehemmer vermindern oder ganz aufheben. Anastrozol oder Letrozol dürfen Sie nicht zusammen mit Tamoxifen einnehmen. Denn Tamoxifen kann die verfügbare Menge an Aromatasehemmer im Blut senken.

Teilen Sie Ihrer Ansprechperson auch stets mit, wenn Sie rezeptfreie pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Auch hier kann es zu Wechselwirkungen kommen.

GnRH-Analoga

Eine dritte Möglichkeit der Antihormontherapie bei Brustkrebs sind sogenannte GnRH-Analoga. Das sind künstliche Wirkstoffe, die ähnlich (analog) aufgebaut sind wie ein Hormon, das in der Hirnanhangdrüse (Hypothalamus) produziert wird: das „Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) oder LH-Releasing-Hormon (LHRH). Der Hypothalamus ist ein Bereich im Zwischenhirn. GnRH stimuliert die Ausschüttung der Fruchtbarkeitshormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon). Beide regen wiederum die Bildung von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken an, wenn die Stimulation in regelmäßigen Abständen erfolgt. Die dauerhafte Stimulation mit GnRH-Analoga unterdrückt jedoch die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Für Brustkrebs sind 2 verschiedene GnRH-Analoga zugelassen: Goserelin und Leuprorelin.

Ganz zu Beginn der Therapie mit GnRH-Analoga kann es erstmal kurzzeitig zu erhöhten Östrogenmengen im Blut kommen. Innerhalb von etwa 3 Wochen sinkt der Wert aber wieder soweit ab, wie ihn Frauen nach den Wechseljahren haben.

Anwendungsgebiete von GnRH-Analoga

GnRH-Analoga sind für Frauen mit Brustkrebs vor den Wechseljahren geeignet, werden aber selten als alleinige Therapie verabreicht. Sie werden sowohl in der adjuvanten Therapie (ergänzend nach der OP) als auch bei einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung eingesetzt. Patientinnen bekommen das GnRH-Analogon zusätzlich zu Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer. Je nach Situation kann es auch als einzige Therapie infrage kommen. Etwa dann, wenn die Patientin Tamoxifen überhaupt nicht verträgt.

Um sich mit GnRH-Analoga behandeln zu lassen, müssen betroffene Frauen entweder monatlich oder alle 3 Monate eine Arztpraxis oder Ambulanz aufsuchen. Sie bekommen dort das GnRH-Analogon unter die Haut gespritzt.

Zeitpunkt und Dauer der Antihormontherapie

Bekommen Frauen mit Brustkrebs die antihormonelle Therapie zusätzlich zu einer Chemotherapie, beginnt diese erst, wenn die Chemo abgeschlossen ist. Eine Strahlentherapie lässt sich dagegen zeitgleich zur endokrinen Therapie einsetzen. Auch wenn es bei Frauen mit frühem Brustkrebs um die Frage „Chemotherapie - ja oder nein?“ geht, kann die Antihormontherapie eine Rolle spielen. Eine kurze endokrine Behandlung vor der OP kann zeigen, ob sich das Wachstum des Tumors durch die Behandlung ausbremsen lässt. Falls ja, und wenn noch einige andere Kriterien erfüllt sind, können manche Frauen mit frühem Brustkrebs auf eine Chemotherapie verzichten.

Bei Brustkrebs im Frühstadium beträgt die Dauer der Antihormontherapie fünf Jahre. Verschiedene Studien kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass eine längere endokrine Therapie das Rückfallrisiko weiter senken kann. Besprechen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam, ob Sie die Therapie nach fünf Jahren weiter fortsetzen sollten.

Die adjuvante Antihormontherapie wird zunächst für fünf Jahre durchgeführt. Studien haben aber gezeigt, dass weitere fünf Jahre endokriner Therapie das Rückfallrisiko weiter senken. Daher sollte die Ärztin oder der Arzt zusammen mit der Patientin prüfen, ob die Behandlung nach fünf Jahren fortgesetzt werden soll bzw. kann. Dies sollte unter Berücksichtigung des individuellen Rückfallrisikos, der aufgetretenen Nebenwirkungen und dem Wunsch der Patientin erfolgen. Eventuell kann ein Wechsel zu einer anderen endokrinen Therapie erwogen werden. Die Wahl der Therapieform muss dabei auch den aktuellen Menopausenstatus der Patientin berücksichtigen.

Bei metastasiertem Brustkrebs wird so lange therapiert, bis die Erkrankung fortschreitet. Ggf. kann dann mit einem anderen Wirkstoff antihormonell weiterbehandelt oder die endokrine mit einer zielgerichteten Therapie kombiniert werden.

Nebenwirkungen der Antihormontherapie

Auch wenn viele Frauen die Antihormontherapie deutlich besser vertragen als zum Beispiel eine Chemotherapie - wie jede Behandlung hat auch die endokrine Therapie einige Nebenwirkungen. Aufgrund der längeren Dauer der Therapie können die unerwünschten Wirkungen körperlich und seelisch belastend sein und sich langfristig negativ auf die Lebensqualität auswirken. Sprechen Sie immer mit Ihrem Behandlungsteam darüber, welche Nebenwirkungen Sie erleben und wie intensiv diese sind. Die Art und Stärke der Nebenwirkungen sind von Frau zu Frau verschieden. Das Fehlen der weiblichen Hormone führt meist zu den typischen Symptomen der Wechseljahre.

Häufige Nebenwirkungen und Management

Die Nebenwirkungen der Antihormontherapie entstehen durch das Fehlen der weiblichen Geschlechtshormone, wie es auch nach den Wechseljahren der Fall ist; die Nebenwirkungen ähneln daher im Wesentlichen den Wechseljahresbeschwerden. Diese Nebenwirkungen sind deutlich geringer als die einer Chemotherapie. Da du diese Therapie aber über einen langen Zeitraum einnimmst, sollten sie dich in deiner Lebensqualität so wenig wie möglich einschränken. In der folgenden Übersicht findest du häufige Nebenwirkungen und einige Tipps zur Linderung der Beschwerden. Solltest du anhaltende Beschwerden haben, dann sprich mit deinem behandelnden Arzt darüber; viele Nebenwirkungen verschwinden von alleine wieder und bei anderen gibt es Möglichkeiten zur Behandlung. Eventuell ist auch eine Umstellung auf ein anderes Präparat möglich.

  • Tamoxifen: Sehr häufige Nebenwirkungen von Tamoxifen, die Beschwerden in den Wechseljahren ähneln, sind zum Beispiel: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen, Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regelblutung. Davon kann mehr als 1 von 10 Frauen betroffen sein. Hinzu kommen allgemeine Nebenwirkungen, wie beispielsweise Übelkeit, Hautausschlag, Wassereinlagerungen im Gewebe oder Erschöpfung. Durch Tamoxifen können sich bei bis zu 1 von 10 Frauen Blutgerinnsel in den Venen (Venenthrombosen) bilden.
  • Aromatasehemmer: Sehr häufige Nebenwirkungen von Aromatasehemmern, die Beschwerden in den Wechseljahren ähneln, sind zum Beispiel: Gelenkschmerzen, Hitzewallungen, Erschöpfung, Schwäche, Müdigkeit. Davon kann mehr als 1 von 10 Frauen betroffen sein. Hinzu kommen allgemeine Nebenwirkungen, wie beispielsweise Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, Hautbeschwerden, Haarausfall oder Magen-Darm-Beschwerden. Eine Therapie mit Aromatasehemmern erhöht die Wahrscheinlichkeit für Knochenschwund (Osteoporose) und damit verbundene Knochenbrüche. Dieses Risiko ist für alle 3 Aromatasehemmer (Anastrozol, Letrozol und Exemestan) vergleichbar.
  • Aromatasehemmer-induzierte Arthropathie (AIA): Fast jede 2. Frau, die mit Aromatasehemmern (AI) behandelt wird, ist davon betroffen. Charakteristisch sind symmetrische Finger- und Handgelenksschmerzen mit Morgensteifigkeit und verminderter Greifkraft, die sich meist durch Bewegung bessern. Man vermutet, dass die AIA Folge des massiven Östrogenentzugs ist. Die AI-Therapie kann von einem auf einen anderen AI oder auf Tamoxifen umgestellt werden (rund 70 % erfolgreich). Gelenkschmerzen treten unter Tamoxifen sehr viel seltener auf. Kurzfristig symptomatische Schmerztherapie mit Antirheumatika- Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen. Schmerztherapie mit Duloxetin (Antidepressivum) hat sich in Studien als wirksam erwiesen.
  • CDK 4&6- Hemmer: Die häufigsten Nebenwirkungen sind Durchfälle, Übelkeit/ Erbrechen, Blutbildveränderungen, Infektionen und Haarausfall. Gegen Übelkeit können Kräutertees mit Ingwer, Pfefferminze (Nana-Minze) Bittertee helfen.

Osteoporose-Risiko

Die Antihormontherapie kann auch das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) erhöhen. Deshalb sollten Sie regelmäßig Ihre Knochendichte bestimmen lassen. Frauen, die schon vor dem Beginn der antihormonellen Behandlung eine niedrige Knochendichte, eine sogenannte Osteopenie, hatten, wird manchmal der vorbeugende Einsatz von Bisphosphonaten oder des Antikörpers Denosumab empfohlen. Sie können auch selbst etwas für Ihre Knochengesundheit tun - einige Tipps: Ernähren Sie sich ausgewogen und vielseitig. Achten Sie auf die ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, um Ihre Knochen zu kräftigen und einer Osteoporose vorzubeugen. Regelmäßige Bewegung stärkt die Knochen und die Muskulatur.

Allgemeine Tipps zur Linderung von Nebenwirkungen

Es gibt einige Tipps, durch die Sie mit den Nebenwirkungen der Antihormontherapie vielleicht besser umgehen können:

  • Erlernen Sie eine Entspannungsmethode, etwa Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Yoga, Meditation oder sanfte Bewegungsarten wie Tai Chi und Qigong können hilfreich sein.
  • Manchmal kann auch eine begleitende Behandlung sinnvoll sein. Aber: Besprechen Sie diese immer mit Ihrem Behandlungsteam und wenden Sie keine Präparate auf eigene Faust an, auch keine freiverkäuflichen oder pflanzlichen Arzneien. Sie dürfen keine Wirkstoffe anwenden, welche die Wirksamkeit der eigentlichen Behandlung mindern könnten. Zu diesen gehören zum Beispiel Johanniskraut oder Sojaprodukte.
  • Sprechen Sie das Thema „Nebenwirkungen“ offen bei Ihrem Behandlungsteam an. Teilen Sie mit, wie es Ihnen mit der Behandlung geht und welche unerwünschten Wirkungen Ihnen am meisten Probleme bereiten. Sie müssen nicht alles aushalten, sondern können auch nach Alternativen fragen. Oft lässt sich eine Lösung finden.
  • Meist lassen sich die Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie durch gesunde Ernährung und Sport und Bewegung mildern. Auch eine Begleitmedikation kann sie wirkungsvoll bekämpfen. Wichtig ist allerdings, dass keine Hormonpräparate oder Wirkstoffe eingesetzt werden, die die Effektivität der antihormonellen Therapie mindern können (u.a. Johanniskraut, Sojaprodukte, Antidepressiva). Darum sollte der Einsatz aller Medikamente und auch pflanzlicher Präparate unbedingt mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Antihormontherapie und Migräne

Frauen sind im Schnitt viermal öfter von Migräne betroffen als Männer. Auch an Brustkrebs erkrankte Frauen leiden zudem während der Therapie vermehrt an Migräne. In groß angelegten epidemiologischen Studien deuteten die Daten auf einen positiven Effekt der Migräne bei Brustkrebs hin.

An einer Studie nahmen insgesamt 50 Patientinnen teil, deren mittleres Alter bei 53,5 +/- 12,5 Jahren lag, 42 % waren postmenopausal, 52 % prämenopausal und 6 % befanden sich in der Menopause. 11 Patientinnen wurden als luminal A, 9 als luminal B und 24 als HER2 - positiv diagnostiziert. 76 % der Patientinnen erkrankten Hormon-Rezeptor positiv. Bei 9 von 50 Frauen bestätigten sich verstärkte Kopfschmerzen während der Therapie. Migräne wurde bei 29 von 50 Patientinnen diagnostiziert (18 mit Menstruationsmigräne), Spannungskopfschmerz bei 9, und 12 Patientinnen waren frei von Kopfschmerzen. Migränepatientinnen waren im Schnitt jünger (48,4 vs. 60,5 Jahre). Der von den Autoren dieser Studie festgestellte Zusammenhang zwischen Migräne und erhöhten Estrogen-Rezeptor-Werten sowie Spannungskopfschmerz und HER2-positivem Brustkrebs war bisher nicht bekannt.

Flexible Behandlungsansätze und individuelle Anpassungen

Im Gegensatz zur Entfernung oder Bestrahlung der Eierstöcke ist die medikamentös ausgelöste Menopause jedoch nicht endgültig. Nach dem Ende der Therapie verschwinden die Wechseljahresbeschwerden und bei den Frauen setzt je nach Alter und Vortherapie (z.B. Chemotherapie) die Regelblutung wieder ein, die Fruchtbarkeit kann erhalten bleiben.

Wenn Patientinnen eine antihormonelle Therapie zusätzlich zur adjuvanten Chemotherapie nehmen, beginnt die Antihormontherapie nach Abschluss der Chemotherapie. Wird eine Strahlentherapie durchgeführt, so kann die antihormonelle Behandlung gleichzeitig begonnen werden.

Kinderwunsch bei oder nach Antihormontherapie

Die Antihormontherapie beeinflusst auch die Fruchtbarkeit von jüngeren Frauen, wenn sie noch vor ihren Wechseljahren sind: Fast alle Antihormontherapien unterdrücken den Eisprung. Eine Ausnahme bildet Tamoxifen: Nehmen Frauen vor den Wechseljahren Tamoxifen, besteht weiterhin die Möglichkeit schwanger zu werden. Fachleute raten den Frauen jedoch von einer Schwangerschaft während der Einnahme ab. Denn Tamoxifen kann das ungeborene Kind schädigen. Deshalb sollten Frauen in dieser Zeit auf einen nicht-hormonellen Empfängnisschutz achten.

Hat eine Frau grundsätzlich einen Kinderwunsch, sollte sie dies bereits vor Therapiebeginn mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen. Denn eine Antihormontherapie dauert in der Regel viele Jahre. Bei Frauen über 30 sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Eierstöcke wieder ihre volle Funktion aufnehmen.

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