Apoplexie, Hemiparese: Ursachen und Therapie

Ein Schlaganfall ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht wird. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Ausfällen führen, einschließlich Hemiparese (Halbseitenlähmung). Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Präventionsstrategien im Zusammenhang mit Schlaganfällen und Hemiparese.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns, die dazu führt, dass die Funktion der betroffenen Gehirnareale gestört ist. Prof. Dr. Schäbitz erklärt, dass es sich um eine der häufigsten Krankheiten im Alter handelt, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und Vorhofflimmern. Weitere relevante Faktoren sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörungen. Mit zunehmendem Alter steigt das Schlaganfallrisiko. Eine Person über 70 Jahre hat ein höheres Risiko als eine Person mit 60 Jahren.

Mehr als 85 Prozent der Schlaganfälle lassen sich auf definierte Risikofaktoren zurückführen. Generell gehen 87 % der Schlaganfälle zu Lasten definierter Risikofaktoren. Unterschieden wird zwischen modifizierbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren.

Modifizierbare Risikofaktoren

Der Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle ist ein hoher Blutdruck, der für 55,5 % aller DALYs (disability-adjusted life-years) verantwortlich ist. Weitere Risikofaktoren sind:

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  • Erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht
  • Diabetes
  • Umwelt- bzw. Luftverschmutzung
  • Rauchen
  • Hoher Salzkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Hyperlipidämie
  • Vorhofflimmern
  • Stress
  • Alkoholkonsum
  • Arteriosklerose
  • Karotisstenose
  • Ovulationshemmer
  • Polyglobulie
  • Endometriose

Nicht modifizierbare Risikofaktoren

  • Alter und Geschlecht: Die meisten Schlaganfälle betreffen Menschen über 60 Jahre. Frauen haben ein höheres Schlaganfallrisiko als Männer.
  • Genetische Prädisposition: Genetische Faktoren haben einen wichtigen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko.

Arten von Schlaganfällen

Es werden zwei Hauptformen von Schlaganfällen unterschieden: ischämische und hämorrhagische.

  • Ischämischer Schlaganfall: Diese Form macht etwa 80-85% der Fälle aus. Sie wird durch eine Mangeldurchblutung aufgrund von Gefäßverschlüssen verursacht. Ursachen hierfür können Makroangiopathie (Atherosklerose großer Hirngefäße), Mikroangiopathie (Erkrankung kleiner Hirngefäße), kardiale Embolien oder Vaskulo- und Koagulopathien sein.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Diese Form macht etwa 10-15% der Fälle aus. Sie wird durch eine Hirnblutung verursacht, die durch geplatzte oder eingerissene Gefäße entsteht. Dies führt zu mangelnder Sauerstoffversorgung und potenziell neurotoxischen Wirkungen des ausgetretenen Blutes.

Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls hängen davon ab, welche Hirnareale betroffen sind. Einige häufige Symptome sind:

  • Hemiparese: Lähmung einer Körperhälfte
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl oder Kribbeln
  • Ataxie: Störung der Bewegungsabläufe
  • Sehstörungen
  • Dysarthrie: Sprachstörung
  • Aphasie: Sprachverlust
  • Einseitige Lähmung des Gesichts wie ein hängender Mundwinkel.

Der FAST-Test (Face, Arm, Speech, Time) ist ein nützliches Werkzeug, um wichtige Schlaganfallsymptome schnell zu überprüfen:

  • Face (Gesicht): Schiefes Lächeln?
  • Arm (Arm): Schwäche oder Taubheit in einem Arm?
  • Speech (Sprache): Verwaschene Sprache?
  • Time (Zeit): Sofort den Notruf 112 wählen!

Es gibt auch sogenannte "stille Schlaganfälle", die milde Symptome wie kurzen Schwindel oder Kribbeln verursachen können, die oft nicht als Schlaganfall erkannt werden.

Diagnostik

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Folgende Verfahren werden eingesetzt:

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  • Computertomografie (CT): In der Regel erste Wahl, um Blutungen oder andere Ursachen auszuschließen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Sensitiver beim Nachweis von Infarktläsionen.
  • Doppler-/Duplex-Sonografie: Zum Nachweis von Carotis-Stenosen.
  • Elektrokardiogramm (EKG) und Langzeit-EKG: Zum Erkennen von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern.
  • Transösophageale Echokardiografie (TEE): Um kardiale Emboliequellen zu identifizieren.

Therapie

Die Therapie eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und Folgeschäden zu minimieren.

  • Akuttherapie:
    • Thrombolyse: Medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels (innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn).
    • Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels (bei großen Gefäßverschlüssen).
    • Behandlung von Komplikationen: Überwachung und Stabilisierung der Vitalfunktionen, Behandlung von Hirnödemen und anderen Komplikationen.
  • Rehabilitation:
    • Physiotherapie: Zur Verbesserung der मोटरischen Fähigkeiten und Koordination.
    • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen.
    • Sprachtherapie: Zur Behandlung von Sprachstörungen (Aphasie).
    • Neuropsychologische Therapie: Zur Behandlung kognitiver Defizite.

Medikamentöse Sekundärprophylaxe

Die medikamentöse Sekundärprophylaxe ist umfangreich. Die Auswahl des Arzneimittels zur Sekundärprophylaxe einer zerebralen Ischämie folgt der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

  • Thrombozytenaggregationshemmer: Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel. Laut Leitlinie sollen Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA zur Sekundärprävention mit ASS 100 mg täglich behandelt werden, sofern keine Indikation zur Nutzung eines anderen Thrombozytenaggregationshemmers oder zur Antikoagulation vorliegt.
  • Statine: Zur Senkung des LDL-Cholesterins.
  • Antihypertensiva: Zur Senkung des Blutdrucks. Gemäß der Nationalen Versorgungsleitlinie Hypertonie sind zur Behandlung der arteriellen Hypertonie nach einem Schlaganfall bevorzugt Calciumkanalblocker oder ACE-Hemmer empfohlen.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, mediterrane Diät mit viel Gemüse, wenig Fleisch und wenig Alkohol wird empfohlen.
  • Ausreichend Bewegung: 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht.
  • Rauchstopp

Rehabilitation nach Schlaganfall

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Funktionen und der Verbesserung der Lebensqualität nach einem Schlaganfall. Sie beginnt idealerweise bereits in der Akutphase im Krankenhaus und wird in stationären oder ambulanten Rehabilitationseinrichtungen fortgesetzt.

Maßnahmen im häuslichen Umfeld

  • Anpassung des Wohnraums: Um den Alltag zu erleichtern und Stürze zu vermeiden, können verschiedene Anpassungen im Wohnraum vorgenommen werden, z. B. das Anbringen von Haltegriffen im Bad, die Beseitigung von Stolperfallen und die Verwendung von Hilfsmitteln.
  • Unterstützung durch Angehörige: Die Unterstützung durch Familie und Freunde ist für die Betroffenen von großer Bedeutung. Sie können bei der Körperpflege, der Mobilität, der Ernährung und anderen alltäglichen Aufgaben helfen.
  • Professionelle Hilfe: Je nach Bedarf können ambulante Pflegedienste, Therapeuten oder andere Fachkräfte hinzugezogen werden, um die Rehabilitation zu unterstützen.

Prävention

Die beste Prävention eines Schlaganfalls ist die Vermeidung von Risikofaktoren.

  • Blutdruck kontrollieren und behandeln: Regelmäßige Messung und ggf. medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck.
  • Vorhofflimmern behandeln: Medikamentöse oder interventionelle Behandlung von Vorhofflimmern zur Verhinderung von Blutgerinnseln.
  • Diabetes kontrollieren: Blutzuckereinstellung und ggf. medikamentöse Therapie.
  • Nicht rauchen: Rauchstopp reduziert das Schlaganfallrisiko erheblich.
  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig gesättigten Fettsäuren.
  • Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung und senkt das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.
  • Alkohol in Maßen: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko.

Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft bietet auf ihrer Seite einen Schlaganfall-Risikotest an, mit dem Personen ihr persönliches Schlaganfall-Risiko einschätzen können.

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