Arginin, eine semi-essentielle Aminosäure, spielt eine vielseitige Rolle im Körper. Insbesondere wird seine Wirkung auf die Durchblutung und die Gehirnfunktion diskutiert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Arginin, seine Wirkungsweise, potenzielle Vorteile und Risiken.
Was ist Arginin?
Arginin ist ein Baustein für Proteine und wird oft als L-Arginin in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft. Als semi-essentielle Aminosäure kann der Körper Arginin selbst herstellen, jedoch nicht immer in ausreichend großen Mengen. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an proteinhaltigen Lebensmitteln wie Nüssen, Hülsenfrüchten, Soja, Mais, Reis, Rind- und Schweinefleisch ist, kann zur Argininversorgung beitragen.
Die Wirkung von Arginin auf die Durchblutung
Arginin ist eine Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO), einem Botenstoff, der die Blutgefäße erweitert. Dieser Mechanismus hat mehrere positive Auswirkungen auf den Körper:
- Blutdruckregulation: Durch die Erweiterung der Blutgefäße kann der Blutdruck leicht sinken. Studien haben gezeigt, dass Dosen von 6 bis 8 Gramm Arginin pro Tag diesen Effekt erzielen können.
- Verbesserte Durchblutung und Sauerstoffversorgung: Die Gefäßerweiterung fördert die Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Organen wie Herz und Gehirn. Dies kann sich positiv auf Erkrankungen wie Arteriosklerose auswirken.
- Potenzielle Vorteile bei erektiler Dysfunktion: Da Arginin die Durchblutung fördert, wird es oft als "natürliches Viagra" beworben. Es gibt Hinweise darauf, dass es bei erektiler Dysfunktion helfen kann, insbesondere wenn die Ursache eine Durchblutungsstörung ist.
- Steigerung der Spermienqualität: Es gibt Diskussionen darüber, ob Arginin die Spermienqualität verbessern kann.
- Gefäßgesundheit: Arginin leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung gesunder Blutgefäße (Arterien, Adern und Venen) sowie den damit verbundenen Organsystemen. Gesunde Blutgefäße sind elastisch und frei von Ablagerungen.
Arginin und die Gehirnfunktion
Die verbesserte Durchblutung durch Arginin wirkt sich auch positiv auf die Gehirnfunktion aus. Eine bessere Sauerstoff- und Energieversorgung des Gehirns kann die kognitiven Fähigkeiten und das Gedächtnis verbessern. Studien deuten darauf hin, dass Arginin bei Demenzkranken eingesetzt werden kann, um die Gehirnleistung zu unterstützen.
Weitere positive Effekte von Arginin
Neben den Auswirkungen auf Durchblutung und Gehirnfunktion werden Arginin noch weitere positive Effekte nachgesagt:
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- Hormonhaushalt: Arginin kann den Hormonhaushalt beeinflussen und die Ausschüttung von Wachstumshormonen (STH) stimulieren.
- Immunsystem: Arginin kann das Immunsystem stärken, indem es die Produktion bestimmter weißer Blutkörperchen (T-Leukozyten) fördert.
- Wundheilung: Arginin kann Wundheilungsprozesse unterstützen.
- Muskelaufbau: Wachstumshormone, deren Produktion Arginin anregt, fördern auch den Muskelaufbau, was L-Arginin für Sportler interessant macht.
- Entgiftungsprozesse: Arginin wird im Leberstoffwechsel für die Harnstoffbildung und den Abbau von Ammoniak gebraucht.
- Blutzuckerspiegel: L-Arginin steuert die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse und ist dadurch direkt an der Regulation des Blutzuckerspiegels beteiligt.
Wann ist eine Arginin-Supplementierung sinnvoll?
Eine gezielte Einnahme von Arginin als Nahrungsergänzungsmittel kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn ein definierter Mangel oder erhöhter Bedarf vorliegt, wie zum Beispiel:
- Bei intensivem Training oder Stress
- Bei milden Gefäß- und Herz-Kreislauf-Problemen, wie etwa leicht erhöhtem Blutdruck
- Bei Erektionsstörungen (oft in Kombination mit Medikamenten)
- Während der Schwangerschaft, in Wachstumsphasen sowie nach Verletzungen
Risiken und Nebenwirkungen von Arginin
Obwohl Arginin im Allgemeinen als sicher gilt, gibt es bestimmte Risiken und Nebenwirkungen, die beachtet werden sollten:
- Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten: Arginin kann Wechselwirkungen mit blutdrucksenkenden Medikamenten, Blutverdünnern, Potenzmitteln und anderen Medikamenten haben. Daher ist es wichtig, vor der Einnahme von Arginin einen Arzt zu konsultieren.
- Problematisch bei niedrigem Blutdruck: Da Arginin den Blutdruck senken kann, ist eine Supplementierung für Menschen, die ohnehin niedrigen Blutdruck haben, problematisch.
- Mögliche Verstärkung von Beschwerden: Bei bestimmten Risikogruppen könnten sich die Beschwerden durch die Einnahme von Arginin verstärken.
- Keine ausreichenden Studien für Schwangerschaft und Stillzeit: Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen Studien zur Sicherheit.
- Mögliche Nebenwirkungen: Bei starker Empfindlichkeit und/oder zu hoher Dosierung kann Arginin das Risiko für Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Schlafstörungen erhöhen.
- Krebsrisiko: Viele Konsumenten fragen sich, ob Arginin krebserregend sein kann. Hierauf hat die Forschung bisher keine abschließende Antwort. Da es das Zellwachstum beeinflusst, könnte es Tumore fördern.
Worauf sollte man bei der Verwendung von L-Arginin-Produkten achten?
- Ärztliches Gespräch suchen: Statt den Versprechungen für Nahrungsergänzungsmittel zu vertrauen, sollten Sie zunächst das ärztliche Gespräch suchen. Erektionsschwäche kann ein wichtiger Hinweis auf eine zugrundeliegende Krankheit sein, zum Beispiel auf Verengungen der Blutgefäße des Herzens.
- Warnhinweise beachten: Auf den L-Arginin-Produkten seriöser Hersteller finden Sie Warnhinweise für bestimmte Personengruppen. So sollten Sie etwa das Produkt nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden, wenn Sie mit blutverdünnenden Arzneimitteln behandelt werden, zum Beispiel mit Marcumar. L-Arginin darf mit Medikamenten, die Nitrate enthalten, etwa Amylnitrit, oder potenzsteigernden Mitteln mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen wie Sildenafil, nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
- Auf Qualität achten: Produkte aus dem Internet enthalten zum Teil nicht deklarierte, verschreibungspflichtige Arzneistoffe oder nicht zugelassene chemische Substanzen. Mehrere Lebensmittelüberwachungsämter raten deshalb dringend davon ab, Potenzmittel über das Internet zu bestellen.
- Lebensstiländerung: Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Potenzschwäche sind wenig Bewegung, Übergewicht, Rauchen und erhöhte Cholesterinwerte. Eine Lebensstiländerung führt häufig schon zu einer deutlichen Verbesserung der Potenzstörung.
- Kombination mit anderen Stoffen: Im Fitnessbereich ist eine Kombination von Arginin mit einer weiteren Aminosäure, Citrullin, populär geworden, da beide Aminosäuren die Stickstoffoxid-Bildung unterstützen und so zur Gefäßerweiterung beitragen. Viele Supplemente, gerade für den Sportbereich, enthalten mittlerweile beide Aminosäuren, um Synergieeffekte zu nutzen.
L-Arginin und Arginin: Was ist der Unterschied?
Der Buchstabe „L“, der vor Nährstoffen wie Ascorbinsäure (Vitamin C) oder Aminosäuren (z.B. Arginin, Asparaginsäure, Glutaminsäure) steht, erklärt die räumliche Anordnung der Moleküle. Im Fall der Aminosäuren und der Ascorbinsäure kann nur die L-Form von körpereigenen Enzymen erkannt und für den Stoffwechsel genutzt werden. Da meist nur eine der beiden Formen natürlich vorkommt und damit für den menschlichen Organismus nützlich ist, wird häufig auf das „L“ verzichtet.
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