Die Schwellung der Arteria facialis, auch bekannt als Gesichtsarterie, kann ein beunruhigendes Symptom sein, das verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die möglichen Ursachen einer geschwollenen Arteria facialis geben, die Symptome aufzeigen und die verschiedenen Behandlungsansätze erläutern.
Einführung
Die Arteria facialis ist eine wichtige Blutbahn, die das Gesicht mit Blut versorgt. Sie entspringt der Arteria carotis externa und verläuft entlang des Unterkiefers, um sich dann in Richtung Mundwinkel und Nase zu verzweigen. Eine Schwellung dieser Arterie kann verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Entzündungen bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Es ist wichtig, die Ursache der Schwellung zu erkennen, um die richtige Behandlung einzuleiten.
Ursachen einer geschwollenen Arteria facialis
Die Ursachen für eine geschwollene Arteria facialis können vielfältig sein. Einige der häufigsten Ursachen sind:
Entzündungen
Entzündungen im Gesichtsbereich können zu einer Schwellung der Arteria facialis führen. Diese Entzündungen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- Infektionen: Bakterielle oder virale Infektionen im Gesicht, wie z. B. eine infizierte Akne oder eine Furunkel, können eine Entzündung der umliegenden Gewebe und der Arteria facialis verursachen.
- Zahnentzündungen: Eine Entzündung im Bereich der Zähne oder des Zahnfleisches kann sich auf die umliegenden Strukturen ausbreiten und die Arteria facialis in Mitleidenschaft ziehen.
- Sinusitis: Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) kann ebenfalls zu einer Schwellung im Gesichtsbereich führen, die auch die Arteria facialis betreffen kann.
- Gesichtslähmung (Fazialisparese): Eine Gesichtslähmung kann auch mit Entzündungen verbunden sein, die zu einer Schwellung der Arteria facialis führen können.
Traumatische Läsionen
Verletzungen im Gesichtsbereich können ebenfalls eine Schwellung der Arteria facialis verursachen. Diese Verletzungen können durch folgende Ereignisse entstehen:
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- Unfälle: Ein Schlag oder Stoß gegen das Gesicht bei einem Unfall kann zu einer Verletzung der Arteria facialis und der umliegenden Gewebe führen.
- Operationen: Chirurgische Eingriffe im Gesichtsbereich, insbesondere im Bereich der Speicheldrüsen, können zu einer Verletzung oder Reizung der Arteria facialis führen.
- Felsenbeinfrakturen: Traumatische Läsionen im Rahmen einer Felsenbeinfraktur können ebenfalls die Ursache sein.
Tumore und Raumforderungen
Raumforderungen im Bereich des Nervenverlaufs des N. facialis (z. B. Schwannome, Meningeome, Cholesteatome oder maligne Tumore) können den Nerven komprimieren und somit schädigen, was indirekt zu einer Schwellung der Arteria facialis führen kann.
Systemische Erkrankungen
In einigen Fällen kann eine Schwellung der Arteria facialis auch auf eine systemische Erkrankung zurückzuführen sein:
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Sarkoidose oder das Guillain-Barré-Syndrom können Entzündungen im ganzen Körper verursachen, die auch die Arteria facialis betreffen können.
- Gefäßentzündungen (Vaskulitis): Entzündungen der Blutgefäße, wie z. B. die Riesenzellarteriitis, können die Arteria facialis betreffen und zu einer Schwellung führen.
- Melkersson-Rosenthal-Syndrom: Diese seltene Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, die meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt, kann ebenfalls zu einer Gesichtslähmung und Schwellung der Lippen führen.
Weitere Ursachen
- Neurologische Ursachen: Sowohl periphere als auch zentrale Fazialisparesen können Ursachen für eine Gesichtslähmung sein.
- Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese): Bei der häufigsten Form der halbseitigen Gesichtslähmung ist die Ursache unbekannt. Mediziner vermuten, dass es sich um eine autoimmune Entzündungsreaktion des Gesichtsnervs handelt.
- Erbkrankheiten: Seltene Erkrankungen wie das Möbius-Syndrom können ebenfalls eine beidseitige Gesichtslähmung verursachen.
- Bakterielle Infektionen: Borreliose, Mittelohrentzündung oder Entzündungen der Ohrspeicheldrüse können ebenfalls zu einer Gesichtslähmung führen.
- Virale Infektionen: Zoster oticus, Windpocken, Mumps oder Grippe können ebenfalls eine Gesichtslähmung verursachen.
Symptome einer geschwollenen Arteria facialis
Die Symptome einer geschwollenen Arteria facialis können je nach Ursache variieren. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Sichtbare Schwellung: Eine sichtbare Schwellung entlang des Verlaufs der Arteria facialis, insbesondere im Bereich des Unterkiefers und des Mundwinkels.
- Schmerzen: Schmerzen oder Druckempfindlichkeit im Bereich der Schwellung.
- Rötung: Rötung der Haut über der geschwollenen Arterie.
- Pulsation: Ein pulsierendes Gefühl im Bereich der Schwellung, das mit dem Herzschlag synchron ist.
- Begleitsymptome: Je nach Ursache können weitere Symptome auftreten, wie z. B. Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Schwerhörigkeit, Geschmacksstörungen oder eine eingeschränkte Mimik.
Bei einer Fazialisparese können folgende Symptome auftreten:
- Hängender Mundwinkel
- Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln
- Unzureichender Lidschluss
- Verminderte Speichelproduktion oder Tränensekretion
- Hyperakusis (erhöhte Geräuschempfindlichkeit)
- Geschmacksstörungen
Diagnose einer geschwollenen Arteria facialis
Die Diagnose einer geschwollenen Arteria facialis umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
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Anamnese
Der Arzt wird zunächst Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren stellen. Es ist wichtig, alle relevanten Informationen anzugeben, wie z. B. Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien und kürzlich durchgemachte Infektionen oder Verletzungen.
Körperliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt das Gesicht sorgfältig inspizieren und abtasten, um die Schwellung zu beurteilen. Er wird auch auf weitere Anzeichen von Entzündungen, Verletzungen oder anderen Auffälligkeiten achten. Bei Verdacht auf eine Fazialisparese wird der Arzt die Funktion der Gesichtsnerven überprüfen, indem er den Patienten bittet, verschiedene Gesichtsbewegungen auszuführen.
Weitere diagnostische Maßnahmen
Je nach Verdacht können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, um die Ursache der Schwellung zu ermitteln:
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Entzündungen, Infektionen oder Autoimmunerkrankungen nachzuweisen.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können helfen, die Arteria facialis und die umliegenden Gewebe genauer darzustellen und mögliche Ursachen wie Tumore oder Verletzungen zu erkennen.
- Nervenstimulation in der Elektroneurographie: Zur Beurteilung des Schweregrads und der Prognose kann ggf. eine Nervenstimulation in der Elektroneurographie herangezogen werden.
- Elektromyographie: Zudem kann eine Elektromyographie hilfreich sein, bei der ein neuropathisches Muster für eine Schädigung des Nervens spricht.
- Lumbalpunktion: Die Indikationsstellung für eine Lumbalpunktion ist Gegenstand aktueller Diskussionen. Bei Kindern und klinischem Verdacht auf eine nicht-idiopathische Genese sollte eine Lumbalpunktion in jedem Fall durchgeführt werden.
- Feinnadelpunktion oder Biopsie: Falls notwendig, kann die Ultraschalluntersuchung mit einer Feinnadelpunktion oder auch einer Biopsie kombiniert werden.
Behandlung einer geschwollenen Arteria facialis
Die Behandlung einer geschwollenen Arteria facialis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige der gängigen Behandlungsansätze sind:
Medikamentöse Therapie
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika eingesetzt werden, um die Erreger zu bekämpfen.
- Antivirale Medikamente: Bei viralen Infektionen können antivirale Medikamente wie Aciclovir eingesetzt werden, um die Virusvermehrung zu hemmen.
- Kortikosteroide: In schweren Fällen können Kortikosteroide wie Prednisolon eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren.
- Botulinumtoxin: Synkinesien kann man mit Botulinum-Toxin behandeln, das in die entsprechende Muskulatur gespritzt wird, um die unwillkürlichen Bewegungen zu verhindern.
- Antiepileptika: Zunächst wird eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika ( z. B. Neurontin (Gabapentin) oder Tegretal (Carbamazepin) versucht.
Chirurgische Therapie
In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Schwellung zu beheben:
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- Tumorentfernung: Wenn ein Tumor die Ursache der Schwellung ist, kann eine Operation erforderlich sein, um den Tumor zu entfernen.
- Nervenrekonstruktion: Bei Verletzungen des Gesichtsnervs kann eine mikrochirurgische Reinnervation durch eine Nervenanastomose mit einem anderen Hirnnerven (z. B. als Hypoglossus-Fazialis-Jump-Nervennaht) oder die Rekonstruktion des Nervens mit einem intakten Nerven der Gegenseite erfolgen.
- Mikrovaskuläre Dekompression: Bei Hemispasmus facialis ist die mikrovaskuläre Dekompression des Nerven die Therapie der Wahl. In Vollnarkose wird der Nervus facialis durch eine kleine Öffnung des Schädels hinter dem Ohr freigelegt, das komprimierende Gefäß von der Nervenwurzel gelöst und mit einer kleinen Teflon-Watte weggehalten, so dass der Nerv freiliegt.
- Canthoplastik und Blepharoplastik: Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik.
- Lidloading: Sollte es im Rahmen von Folgeschäden zu einem längerfristig mangelhaftem Augenschluss kommen, gibt es die Möglichkeit des sog. „Lidloadings“, bei dem in Lokalanästhesie kleine Gold- oder Platingewichte unter den M. orbicularis implantiert werden.
- Zusammennähen des Nervs: Ist der Nerv zum Beispiel durch eine Verletzung frisch durchtrennt, kann er direkt unter dem Mikroskop zusammengenäht werden.
Weitere Behandlungen
- Physiotherapie: Bei einer Fazialisparese kann Physiotherapie helfen, die Gesichtsmuskeln zu stärken und die Mimik zu verbessern.
- Logopädie: Bei Sprachstörungen kann Logopädie helfen, die Aussprache zu verbessern.
- Augenpflege: Bei unzureichendem Lidschluss ist eine sorgfältige Augenpflege wichtig, um Austrocknung und Hornhautschäden zu vermeiden. Künstliche Tränen, Hornhautschutz durch Dexpanthenol-Augensalbe und ein nächtlicher Uhrglasverband kommen zur Anwendung.
- Transkutane Nervenstimulation: Hierbei regen leichte Stromwellen die betroffenen Nerven und Muskeln an. Der Strom wird über eine Elektrode auf der Haut in den Körper geleitet.
- Fazialisparese-Übungen: Spezielle Fazialisparese-Übungen ermöglichen es den Betroffenen, unter professioneller Anleitung das Sprechen zu verbessern, leichter essen und trinken zu können sowie Gesichtsausdrücke zu trainieren.
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