Die Diagnose Hirntumor ist ein Schock für Betroffene und Angehörige. Doch die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, sodass auch schwere Fälle immer häufiger gut behandelt und sogar geheilt werden können. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Methoden, mit denen Ärzte Hirntumore erfolgreich bekämpfen, und gibt Einblicke in die Erfahrungen von Patienten, die den Krebs besiegt haben.
Eine persönliche Geschichte: Valentin besiegt den Hirntumor
Valentin erhielt mit 16 Jahren die Diagnose Hirntumor. Entgegen aller Erwartungen besiegte er den Krebs und ist heute Medizinstudent. Seine Geschichte beginnt 2012 in einem kleinen Ort in Hessen. Beim Dartsspielen bemerkte er Sehstörungen, die sich in den folgenden Wochen verschlimmerten. Doppeltsehen, Übelkeit und Schwindel kamen hinzu - Symptome, die auf einen Hirntumor hindeuteten.
Nach einer ersten Operation in einer kleineren Klinik wurde Valentin in eine größere Klinik verlegt, wo eine achtstündige Operation durchgeführt wurde. Danach konnte er weder hören noch sehen oder laufen. Durch Physiotherapie kämpfte er sich zurück ins Leben.
Die Diagnose Krebs erhielt Valentin erst später. Es folgte eine weitere Operation und eine Bestrahlungstherapie. Während der Bestrahlung wurde festgestellt, dass er Metastasen hatte, was eine intensivere Therapie erforderte.
Die Chemotherapie war eine belastende Zeit mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Gewichtsverlust und abfallenden Blutwerten. Valentin musste künstlich ernährt werden und trug aufgrund seines geschwächten Immunsystems eine Maske.
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Trotz aller Schwierigkeiten erinnert sich Valentin auch an positive Erfahrungen auf der Kinderkrebsstation. Er betont die Bedeutung der Unterstützung durch Familie, Freunde und das Klinikpersonal.
Nach der Therapie folgten regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen. Zehn Jahre später gilt Valentin als geheilt und studiert Medizin. Er möchte anderen Betroffenen Mut machen und betont, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben.
Stereotaktische Therapie: Saskias Kampf gegen den Krebs
Die Geschichte der kleinen Saskia zeigt eine weitere Methode im Kampf gegen Hirntumore. Als sie sechs Jahre alt war, wurde bei ihr ein ungewöhnlicher Krebstumor hinter dem Auge diagnostiziert. Nach einer Chemotherapie, die nicht den gewünschten Erfolg brachte, stand eine Total-Operation im Raum.
Doch kurz vor dem Eingriff wurde den Eltern eine alternative Behandlungsmethode angeboten: eine stereotaktische Therapie mit einem neu entwickelten Strahlen-Gerät in der Klinik von Professor Volker Budach. Saskia war die erste und jüngste Patientin, die mit dieser Methode behandelt wurde. Heute ist sie geheilt und besucht ein Gymnasium.
Immuntherapie: Ein neuer Ansatz in der Krebsbehandlung
Immuntherapien, wie die sogenannte Checkpoint-Inhibitor-Therapie, und die Entschlüsselung des menschlichen Genoms eröffnen neue Möglichkeiten in der Krebsbehandlung. Immuntherapien setzen auf die körpereigenen Immunzellen, um Tumore zu bekämpfen.
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Richard Scolyer: Vom Krebsforscher zum Patienten
Ein Beispiel für den Erfolg der Immuntherapie ist der Fall von Professor Richard Scolyer, einem renommierten australischen Pathologen, der selbst an einem Glioblastom erkrankte. Er entwickelte zusammen mit seiner Kollegin, Professorin Georgina Long, eine individuelle Immuntherapie-Strategie, um seinen Krebs zu bekämpfen.
Scolyer war der erste Patient weltweit, der eine Immuntherapie vor einer Operation und anschließend eine maßgeschneiderte Hirntumor-Impfung nach der Operation erhielt. Ein Jahr nach der Behandlung zeigen MRT-Untersuchungen positive Ergebnisse: Der Tumor ist bisher nicht zurückgekehrt.
Es ist noch unklar, ob dieser Fall ein Durchbruch für andere Glioblastom-Patienten darstellt oder lediglich ein Einzelfall bleibt. Dennoch gibt Scolyers Geschichte vielen Betroffenen Hoffnung.
Antidepressiva gegen Hirntumore? Eine überraschende Entdeckung
Eine Forschungsgruppe in Zürich hat ein Antidepressivum identifiziert, das gegen Tumorzellen wirken könnte. Das Medikament Vortioxetin zeigte in Laborversuchen positive Effekte. Klinische Studien sollen nun zeigen, ob das Antidepressivum auch beim Menschen gegen Glioblastome wirkt.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um erste Forschungsergebnisse handelt und keine Heilung versprochen werden kann. Dennoch könnte das Antidepressivum den Verlauf der Erkrankung verändern und zu einer chronischen Erkrankung machen, mit der Menschen umgehen können.
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Zelluläre Immuntherapie: Angriffspunkt von bösartigem Hirntumor entdeckt
Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Universitätsmedizin Mannheim haben eine neue Herangehensweise in der zellulären Immuntherapie entwickelt. Sie entdeckten, dass das Protein PTPRZ1 in Glioblastomzellen wieder auftritt und das Wachstum und die Ausbreitung des Tumors unterstützt.
Basierend auf dieser Erkenntnis entwickelten die Wissenschaftler eine T-Zell-Immuntherapie. Sie statteten T-Zellen mit einem Rezeptor aus, der das Protein des Hirntumors erkennt. In Laborexperimenten gelang es den geschärften T-Zellen, die Glioblastomzellen zu töten.
Diese personalisierten Immuntherapien könnten zu einer wirksameren Behandlung von Glioblastom-Patienten beitragen, insbesondere in Kombination mit anderen Therapieformen.
Komplementäre und alternative Methoden: Unterstützung für Krebspatienten
Ergänzend zu denStandardbehandlungen gibt es zahlreiche komplementäre und alternative Behandlungsangebote. Für keine dieser Methoden ist wissenschaftlich belegt, dass sie Krebs beim Menschen heilen oder direkt bekämpfen kann. Manche Methoden können aber Beschwerden von Erkrankten lindern und ihr Wohlbefinden fördern.
Es ist wichtig, sich vorab gut zu informieren und mit dem Behandlungsteam zu besprechen, welche komplementären oder alternativen Therapien sinnvoll sein könnten.
Beispiele für sinnvolle komplementärmedizinische Maßnahmen:
- Akupunktur: Kann bei Übelkeit durch Chemotherapie, Gelenkschmerzen, Nervenschmerzen, Tumorschmerzen sowie bei Schlafstörungen hilfreich sein.
- Tai Chi und Qigong: Können als meditative Bewegungsübungen während und nach einer Krebstherapie eingesetzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern.
- Yoga: Kann während und nach einer Krebstherapie Fatigue lindern.
- Meditation: Achtsamkeitsbasierte Atemmeditation kann das akute Stressempfinden von Krebserkrankten während der Chemotherapie oder in der Palliativversorgung senken.
- Bewegungstherapien: Sport und körperliche Aktivität wirken vor allem bei Erkrankten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs unter anderem gegen Angstgefühle und depressive Symptome.
Faktoren, die die Überlebensdauer von Hirntumorpatienten beeinflussen
Wie lange ein Patient mit einem Hirntumor überleben kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Die Art des Tumors: Beim Glioblastom ist die Heilung bisher ausgeschlossen und das Überleben meist kürzer als beim Astrozytom.
- Die Charakteristika des Tumors: Die Genfaktoren des jeweiligen Krebses fließen in die Therapieplanung ein.
- Die Lage des Tumors: Wo die Krebszellen im Kopf sich befinden, bestimmt die Möglichkeit und den Umfang einer Operation.
- Der Patient: Das Alter und eventuelle Vorerkrankungen bestimmen mit, wie lange der Patient Krankheit und Therapie überlebt. Außerdem leistet seine psychische Widerstandskraft einen wichtigen Beitrag zum Therapieerfolg.
Unterstützung für Hirntumorpatienten
Ein Hirntumor ist eine ungemeine Belastung. Hilfestellungen bieten unter anderem die Glioblastom-Hotline der Deutschen Hirntumorhilfe und der Krebsinformationsdienst des DKFZ.