Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt unter dem Markennamen Aspirin®, ist ein weit verbreitetes, frei verkäufliches Schmerzmittel mit analgetischen, antipyretischen und antiphlogistischen Eigenschaften. Es gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und wird in verschiedenen Dosierungen zur Behandlung von leichten bis mäßigen Schmerzen, zur Fiebersenkung und in niedriger Dosierung zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt. Obwohl ASS ein bewährtes Medikament ist, ist es wichtig, sich über mögliche Nebenwirkungen, insbesondere neurologische, zu informieren.
Anwendungsgebiete von Acetylsalicylsäure
Typische Anwendungsgebiete von Acetylsalicylsäure sind leichte bis mäßige Schmerzen verschiedenster Ursache. Als Hemmstoff der Blutgerinnung wird Acetylsalicylsäure in niedrigen Dosierungen und als Dauerbehandlung auch zur Sekundärprophylaxe von Herzinfarkten oder Thrombosen eingesetzt. Acetylsalicylsäure wird auch bei Migräne eingesetzt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt eine Dosierung von 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure für die Akutbehandlung der Migräneattacke.
Wirkmechanismus von Acetylsalicylsäure
Der Wirkmechanismus der Acetylsalicylsäure beruht auf einer irreversiblen Hemmung von Cyclooxygenase-Enzymen, die an der Prostaglandinsynthese beteiligt sind. Dadurch wird die körpereigene Produktion verschiedener Prostaglandine blockiert. Prostaglandine sind wichtige Botenstoffe, die zum einen an Entzündungsprozessen mitwirken und zum anderen mit den Schmerzrezeptoren interagieren. Eine Hemmung der Prostaglandinsynthese durch Acetylsalicylsäure führt folglich zu einer Hemmung von Entzündungsprozessen und einer verminderten Schmerzwahrnehmung.
Acetylsalicylsäure hemmt darüber hinaus bei wesentlich geringeren Dosierungen die Thrombozytenaktivierung. Die Blockierung der Thrombozyten-Cyclooxygenase durch Acetylierung führt zu einer Inhibition der Thromboxan-A2-Synthese. Das von Thrombozyten freigesetzte Thromboxan A2 ist eine aktivierende Substanz mit prothrombotischen Eigenschaften. Es stimuliert die Aktivierung neuer Thrombozyten und erhöht die Thrombozytenaggregation. Durch die irreversible Hemmung der TXA2-Synthese wird die Blutgerinnung inhibiert.
Pharmakokinetik von Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure wird nach oraler Einnahme rasch und vollständig aufgenommen. Ein Teil wird bereits in der Darmschleimhaut enzymatisch zu Salicylsäure hydrolysiert. Die maximale Konzentration im Plasma wird für Acetylsalicylsäure nach 10-20 Minuten, für Salicylsäure nach 0,3 bis 2 Stunden erreicht. Salicylsäure verteilt sich im gesamten Körper, einschließlich Liquor und Synovialflüssigkeit. Die Substanz ist plazentagängig und geht in die Muttermilch über. Die Plasmaproteinbindung ist konzentrationsabhängig: 49-70 % bei Acetylsalicylsäure, 66-98 % bei Salicylsäure.
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Acetylsalicylsäure wird schnell zu Salicylsäure umgewandelt. Salicylsäure wird weiter zu mehreren Metaboliten abgebaut, darunter Salicylursäure, Salicylphenolglukuronid, Salicylacetylglukuronid und Gentisinsäure. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich renal. Die Halbwertszeit von Acetylsalicylsäure beträgt nur wenige Minuten. Die Eliminationshalbwertszeit von Salicylsäure steigt dosisabhängig von 2 auf bis zu 30 Stunden.
Dosierung von Acetylsalicylsäure
Je nach Indikation ist die Standarddosierung sehr unterschiedlich. Übliche Einzeldosierungen für Erwachsene sind:
- 100 mg zur Blutverdünnung (1 x täglich als Dauerbehandlung)
- 300 - 1000 mg als Analgetikum (mehrmals täglich in Abständen von 4-8 Stunden)
- 1000 mg bei Migräne
Die Tagesmaximaldosis beträgt in der Regel 3000 mg. Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene, die Aspirin® bei Kopfschmerzen nehmen möchten, ist bei der Aspirin® 500 mg Tablette normalerweise eine Einmaldosis von 500 bis 1000 mg indiziert. Außerdem sollte man die Tageshöchstdosis von sechs Tabletten à 500 mg nicht überschreiten.
Neurologische Nebenwirkungen von Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure kann, wie alle Medikamente, Nebenwirkungen verursachen. Obwohl die meisten Nebenwirkungen den Magen-Darm-Trakt betreffen, sind auch neurologische Auswirkungen möglich. Zu den neurologischen Nebenwirkungen, die selten auftreten können, gehören:
- Kopfschmerzen: Paradoxerweise kann Acetylsalicylsäure selbst Kopfschmerzen verursachen, insbesondere bei übermäßigem Gebrauch. Es ist wichtig zu beachten, dass Schmerzmedikamente nicht länger als drei bis vier Tage am Stück eingenommen werden sollten, da bei Medikamentenübergebrauch Kopfschmerzen drohen können, die die Schmerzmittel selbst auslösen können. Das Risiko für diesen Effekt besteht bereits ab 15 Einnahmetagen pro Monat - unabhängig von der Dosierung.
- Schwindel
- Gestörtes Hörvermögen, Ohrensausen (Tinnitus): Diese Symptome können Anzeichen einer Überdosierung sein.
- Mentale Verwirrung: Kann ebenfalls ein Anzeichen einer Überdosierung sein.
- Sehstörungen: Auch diese können auf eine Überdosierung hindeuten.
- Somnolenz: Schläfrigkeit kann ebenfalls im Zusammenhang mit einer Überdosierung auftreten.
- Intrakranielle Blutungen: In sehr seltenen Fällen kann Acetylsalicylsäure intrakranielle Blutungen verursachen, insbesondere bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulantien.
Weitere Nebenwirkungen von Acetylsalicylsäure
Neben den neurologischen Nebenwirkungen sind auch andere unerwünschte Wirkungen möglich:
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- Häufig: Gastrointestinale Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfälle, erhöhte Blutungsneigung.
- Gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautreaktionen.
- Selten: Schwerwiegende Blutungen, Hämolyse und hämolytische Anämie (bei Patienten mit schwerem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel), Blutungen wie z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hautblutungen oder Blutungen des Urogenitaltrakts mit einer möglichen Verlängerung der Blutungszeit, Überempfindlichkeitsreaktionen des Respirationstrakts, des Gastrointestinaltrakts und des kardiovaskulären Systems, vor allem bei Asthmatikern (mögliche Symptome sind: Blutdruckabfall, Anfälle von Atemnot, Rhinitis, verstopfte Nase, anaphylaktischer Schock oder Quincke-Ödeme), gastrointestinale Ulcera, die sehr selten zur Perforation führen können, gastrointestinale Blutungen, die sehr selten zu einer Eisenmangelanämie führen können, gastrointestinale Entzündungen, Thrombozytopenie, Granulozytose, hämorrhagische Vaskulitis, Überempfindlichkeitsreaktionen wie schwere Hautreaktionen (bis hin zu Erythema exsudativum multiforme), Menorrhagie, Reye-Syndrom.
- Sehr selten: Erhöhungen der Leberwerte, Hypoglykämie.
- Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit: Nierenfunktionsstörungen und akutes Nierenversagen (insbesondere bei gewohnheitsmäßiger Einnahme), Leberschädigungen, hauptsächlich hepatozellulär, Urtikaria, Angioödem, Hyperurikämie, Hypoglykämie.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Acetylsalicylsäure kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht, wenn Acetylsalicylsäure zusammen mit folgenden Arzneimitteln angewendet wird:
- Antikoagulantien/Thrombolytika (z.B. Warfarin, Heparin)
- Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Ticlopidin, Clopidogrel)
- Nichtsteroidale Antiphlogistika/Analgetika
In Kombination mit folgenden Mitteln besteht ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen, wie z.B. gastrointestinale Ulcera und Blutungen:
- Andere nicht-steroidale Antiphlogistika
- Systemische Glukokortikoide
- Alkohol
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (z.B. Sertralin und Paroxetin)
Bei folgenden Arzneimitteln ist eine Wirkungsverstärkung durch Acetylsalicylsäure möglich:
- Digoxin: Erhöhung der Plasmakonzentration
- Antidiabetika: Verstärkung der hypoglykämischen Wirkung
- Methotrexat: Verminderung der Ausscheidung und Verdrängung aus der Plasmaproteinbindung durch Salicylate
- Valproinsäure: Verdrängung aus der Plasmaproteinbindung durch Salicylate
Eine Abschwächung der Wirkung folgender Arzneimittel ist möglich:
- Diuretika (in Dosierungen ab 3 g Acetylsalicylsäure pro Tag und mehr)
- Antihypertensiva wie z. B. ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagoniosten, Kalziumkanalblocker (in Dosierungen ab 3 g Acetylsalicylsäure pro Tag und mehr)
- Urikosurika (z.B. Probenecid, Benzbromaron)
Kontraindikationen von Acetylsalicylsäure
Acetylsalicylsäure ist kontraindiziert bei:
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- Überempfindlichkeit gegen Acetylsalicylsäure oder andere Salicylate
- Asthmaanfällen in der Vergangenheit, die durch Salicylate oder Substanzen mit ähnlicher Wirkung, wie z.B. nicht-steroidale Antiphlogistika, ausgelöst wurden
- Akuten gastrointestinalen Ulcera, Magen-Darm-Blutungen
- Hämorrhagischer Diathese, Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie und Thrombozytopenie
- Leber- und Nierenversagen
- Schwerer, nicht eingestellter Herzinsuffizienz
- Kombination mit Methotrexat in einer Dosierung von 15 mg oder mehr pro Woche
- Letztes Trimenon der Schwangerschaft
Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit
Niedrige Dosierungen (unter 100mg/d) scheinen zur beschränkten geburtshilflichen Anwendung unter Spezialüberwachung unbedenklich zu sein. Bei Dosierungen über 100mg/d kann eine Hemmung der Prostaglandinsynthese die Schwangerschaft und/oder die embryonale/fetale Entwicklung ungünstig beeinflussen. Einnahme von Inhibitoren der Prostaglandinsynthese in der Frühschwangerschaft kann zu einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten und für Fehlbildungen führen, das wahrscheinlich mit der Dosis und der Anwendungsdauer zunimmt.
Der Wirkstoff darf während des 1. und 2. Trimenons der Schwangerschaft nicht gegeben werden, außer dies ist eindeutig notwendig. Sollte er dennoch angewendet werden, so ist die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten. Während des 3. Trimenons der Schwangerschaft ist Acetylsalicylsäure kontraindiziert.
Acetylsalicylsäure und seine Abbauprodukte gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über. Nachteilige Wirkungen auf den Säugling sind bisher nicht bekannt. Daher ist bei gelegentlicher Anwendung der empfohlenen Dosis eine Unterbrechung des Stillens nicht erforderlich. Bei längerer Anwendung bzw. Einnahme höherer Dosen sollte jedoch abgestillt werden.
Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen
Acetylsalicylsäure hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Wichtige Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Acetylsalicylsäure zu beachten:
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen andere Schmerz- oder Rheumamittel ist besondere Vorsicht geboten.
- Wechselwirkungen mit anderen NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen können die plättchenhemmende Wirkung von Acetylsalicylsäure abschwächen. Vor gleichzeitiger Einnahme ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.
- Allergien und Atemwegserkrankungen: Bei allergischer Vorgeschichte, Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Nasenpolypen oder chronischen Atemwegserkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für Unverträglichkeitsreaktionen.
- Antikoagulanzientherapie: Bei gleichzeitiger Einnahme blutgerinnungshemmender Medikamente besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko.
- Magen-Darm-Erkrankungen: Vorsicht ist geboten bei bestehenden oder zurückliegenden Magen- oder Darmgeschwüren sowie Blutungen.
- Leber- oder Nierenfunktionsstörung: Bei eingeschränkter Organfunktion, insbesondere der Niere, sowie bei reduzierter Durchblutung besteht ein erhöhtes Risiko für Nierenschädigungen.
- Operationen: Acetylsalicylsäure kann die Blutungsneigung erhöhen. Vor operativen Eingriffen ist daher eine Absprache mit dem Arzt erforderlich.
- Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel: Bei Patienten mit dieser seltenen Enzymstörung kann es unter der Behandlung zu Hämolyse oder hämolytischer Anämie kommen. Das Risiko steigt bei hohen Dosen, Fieber oder Infektionen.
- Gichtanfälle: In niedriger Dosierung kann Acetylsalicylsäure die Harnsäureausscheidung verringern und einen Gichtanfall auslösen.
- Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Bei fieberhaften Erkrankungen sollte Acetylsalicylsäure nur auf ärztliche Anweisung eingesetzt werden, da die Gefahr eines lebensbedrohlichen Reye-Syndroms besteht.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Unter bestimmten Umständen ist bei Kopfschmerzen unbedingt eine Untersuchung in einer ärztlichen Praxis notwendig. Das gilt bei ungewöhnlich starken oder anfallsartigen Schmerzen ebenso, wie wenn die Beschwerden an mehr als zehn Tagen im Monat auftreten oder über 24 Stunden anhalten. Folgende Symptome sollten ebenfalls Anlass für eine ärztliche Untersuchung sein:
- Neurologische Ausfälle: Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen, aber auch plötzliche Vergesslichkeit oder Benommenheit.
- Lähmungen oder Nackensteifigkeit.
- Hohes Fieber (über 39 °C) ohne grippalen Infekt.
- Kopfschmerzen infolge einer Kopfverletzung.
- Therapieresistenz: Wenn Mittel gegen Kopfschmerzen keine Wirkung zeigen und Ihr Zustand sich nicht verbessert.
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