Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, abnormale elektrische Aktivität im Gehirn. Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) definiert einen epileptischen Anfall als ein vorübergehendes Auftreten subjektiver Zeichen und/oder objektivierbarer Symptome aufgrund einer pathologisch exzessiven und/oder synchronisierten neuronalen Aktivität im Gehirn. Die Phänomenologie der Anfälle variiert beträchtlich, abhängig von Ort und Ausprägung. Es gibt nur wenige Sekunden dauernde motorische und sensible Episoden, Absencen, Abläufe mit Zuckungen einer Extremität, komplexe Bewegungs- und Bewusstseinsphänomene sowie die klassischen tonisch-klonischen Anfälle.
Die Diagnose wird anhand des Anfallgeschehens und durch Zusatzbefunde erhoben, die auf eine Prädisposition für weitere epileptische Anfälle hindeuten. Dazu gehören epilepsietypische Potenziale im Elektroenzephalogramm (EEG) und/oder zum Anfallsereignis passende strukturelle Läsionen in der Bildgebung. Die Behandlung basiert nahezu immer auf einer medikamentösen Therapie, ggf. begleitet von nicht pharmakologischen Maßnahmen wie ketogener Diät und Psychotherapie.
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Prävalenz in Industrieländern wird mit 0,5-0,9 Prozent angegeben. Die jährliche kumulative Inzidenz aller Epilepsien beträgt über alle Altersgruppen hinweg 67,77/100.000 Personen. Hier sind jedoch zwei Spitzen zu verzeichnen: eine in den ersten fünf Lebensjahren (Early-onset-Epilepsie) und eine weitere jenseits des 50. Lebensjahrs (Late-onset-Epilepsie).
Klassifikation von Epilepsien
Die internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) überarbeitete 2017 ihre Klassifikation und Terminologie. Die aktualisierte ILAE-Klassifikation besitzt eine dreistufige Grundstruktur:
- Bestimmung des Anfallstyps bzw. der Anfallsform: Hier unterscheidet man zwischen generalisiertem, fokalem und unklarem Beginn. Innerhalb der generalisierten Epilepsien wurde die Untergruppe der idiopathisch generalisierten Epilepsien wieder eingeführt. Dazu zählen Absence-Epilepsien des Kindes- und Jugendalters, juvenile myoklonische Epilepsien und Epilepsieformen mit ausschließlich generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.
- Art der Epilepsie: Epilepsien und die damit verbundenen Anfälle sind auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen. Aktuell werden folgende Ätiologien unterschieden: strukturelle, genetische, infektiöse, metabolische, immunologische und unbekannte Ursachen.
- Ätiologie: Die Ursache der Epilepsie kann strukturell, genetisch, infektiös, metabolisch, immunologisch oder unbekannt sein.
Strukturelle Ursachen
Eine strukturelle Epilepsie ist mit umschriebenen pathologischen Hirnveränderungen assoziiert. Diese können erworben oder genetisch bedingt sein. Epileptogene Läsionen sind beispielsweise Hirntumore und Hirninfarkte, Kontusionsdefekte, vaskuläre Malformationen, Enzephalozelen, fokale kortikale Dysplasien, Polymikrogyrie der kortikalen Neurone, hypothalamische Hamartome oder eine Hippocampussklerose. Ebenso kann eine perinatale Hirnschädigung, oft infolge von Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs, eine Epilepsie verursachen.
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Genetische Ursachen
In den letzten Jahren wurden mehrere Hundert Gene und Gen-Veränderungen identifiziert, die vermutlich oder sicher eine Epilepsie (mit)verursachen. Die Mehrzahl der Fälle der idiopathischen generalisierten Epilepsien (IGE) sind polygenetische Erkrankungen. Das Erkrankungsrisiko hängt von verschiedenen genetischen Suszeptibilitätsfaktoren und Umwelteinflüssen ab. Zu den IGE gehören die kindliche und die juvenile Absence-Epilepsie (CAE und JAE), die juvenile myoklonische Epilepsie und die Epilepsieformen mit ausschließlich generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.
Infektiöse Ursachen
Infektionen sind die weltweit häufigste Ursache von Epilepsie. Eine infektiöse Ätiologie bezieht sich auf Patienten mit Epilepsie und nicht auf Patienten, die Anfälle im Verlauf einer akuten Infektion erleiden. Infektiöse Ursachen können regional variieren; typische Beispiele sind Neurozystizerkose, Tuberkulose, HIV, zerebrale Malaria, subakute sklerosierende Panenzephalitis, zerebrale Toxoplasmose und kongenitale Infektionen - etwa durch das Zika- oder Zytomegalie-Virus. Zudem sind post-infektiöse Entwicklungen einer Epilepsie möglich, beispielsweise nach einer viralen Enzephalitis.
Metabolische Ursachen
Eine metabolisch verursachte Epilepsie ist direkte Folge einer Stoffwechselstörung, die epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweist. Es wird angenommen, dass die meisten metabolisch bedingten Epilepsien einen genetischen Hintergrund haben und nur selten erworben sind.
Immunologische Ursachen
Eine immunologische Epilepsie ist auf eine autoimmun vermittelte Entzündung des ZNS zurückzuführen. Hierzu gehören vor allem die Kalium-Kanal-Antikörper (LGI1)-bedingte limbische Enzephalitis und die NMDA-Rezeptor-Antikörper assoziierte Enzephalitis (NMDA = N-Methyl-D-Aspartat).
Unbekannte Ursachen
Neben den zuverlässig differenzierbaren Epilepsien gibt es Formen, deren Ursache (noch) nicht bekannt ist. Eine spezifischere Diagnose als die elektro-klinische Einordnung, etwa als Frontallappenepilepsie, ist bei diesen Patienten nicht möglich.
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Pathophysiologie epileptischer Anfälle
Bislang sind die neurobiologischen Zusammenhänge der Epileptogenese nicht bis ins letzte Detail verstanden. Man weiß allerdings, dass eine neuronale intra- und transzelluläre Übererregung (Hyperexzitabilität) einzelner Nervenzellen, Fehlkoordinationen von Erregung und Hemmung neuronaler Zellverbände, veränderte Zellmembraneigenschaften und eine fehlerhafte Erregungsübertragung synaptischer Netzwerke zu einer abnormen exzessiven neuronalen Entladung führen.
Die dem epileptischen Anfall zugrunde liegenden paroxysmalen Depolarisationsstörungen sind meist auf ein Ungleichgewicht bzw. einer fehlerhaften Verteilung von exzitatorischen und inhibitorischen Neurotransmitterwirkungen zurückzuführen. Dabei spielen die Aminosäuren Glutamat und Aspartat als erregende Neurotransmitter sowie Gamma-Aminobuttersäure (GABA) als hemmende Signalsubstanz eine entscheidende Rolle. Zudem können Neurotransmitter-Synthesestörungen und ein gesteigerter Abbau oder eine Rezeptor-Blockade von GABA-Rezeptoren anfallsauslösend wirken.
Pathologische Veränderungen an spannungsabhängigen Ionenkanälen (Kalium, Natrium, Calcium) beeinflussen ebenfalls die neuronale Erregbarkeit. Für einige dieser Mechanismen wurden inzwischen genetische Ursachen nachgewiesen, zum Beispiel der Defekt am SCN1A-Gen beim Dravet-Syndrom (kodiert für die α-Untereinheit des Natriumkanals) oder ein Gendefekt auf Chromosom 5 bei der juvenilen myoklonischen Epilepsie, der eine Störung am GABA(a)-Rezeptor initiiert.
Paroxysmale Depolarisationsshift (PDS)
Nach international gängiger Lehrmeinung ist der sogenannte paroxysmale Depolarisationsshift (PDS) als gemeinsamer Nenner der fokalen Epileptogenese anzusehen. Elektrophysiologisch handelt es sich um eine Serie hochfrequenter Aktionspotenziale, die durch eine sich anschließende Hyperpolarisation beendet wird. Auf zellulärer Ebene korreliert der PDS mit interiktalen eleptiformen Signalen (sogenannte Spikes) im EEG. Während eines epileptischen Anfalls wird der PDS in eine anhaltende Depolarisation der Zellen überführt.
Symptome und Anfallsformen
Die Symptome der unterschiedlichen Epilepsieformen variieren stark. Das klinische Bild richtet sich nach der Lokalisation und dem Ausmaß der neuronalen Fehlerregung sowie nach der Art des Anfallgeschehens. Möglich sind Parästhesien auf der Haut (Parietallappenanfälle), orale Automatismen wie Schmatzen und Kauen (Temporallappenanfälle), visuelle Halluzinationen (Okzipitallappenanfälle) oder komplexe Anfallsbewegungen (frontale Anfälle) und Mischbilder.
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Die ILAE unterscheidet grundsätzlich zwischen Anfällen mit fokaler, generalisierter oder unbekannter Ausbreitung. Darüber hinaus werden diese in Formen mit motorischen und nicht-motorischen Bewegungsstörungen eingeteilt. Bei fokal beginnenden Anfällen wird zusätzlich unterschieden, ob der Patient bei Bewusstsein ist oder nicht. Fokale und generalisierte Anfälle können einzeln (inklusive mehrerer fokaler oder generalisierter Ereignisse) oder zusammen auftreten.
Anfälle mit fokalem Beginn
Epileptische Anfälle mit fokalem Beginn haben ihren Ursprung in einem begrenzten Neuronensystem innerhalb einer Hemisphäre. Sie werden entsprechend der motorischen Initialsymptomatik klassifiziert und in Anfälle mit und ohne Bewusstseinsstörung eingeordnet.
Fokal beginnende Anfälle mit motorischer Initialsymptomatik
Ein Beginn mit motorischen Störungen kann gekennzeichnet sein durch:
- Automatismen (zum Beispiel unwillkürliches Lecken der Lippen, Schmatzen, Gestikulieren und Wortwiederholungen)
- atonische Anfälle (Reduktion oder Verlust des Muskeltonus)
- klonische Anfälle (unwillkürliche rhythmische Muskelzuckungen)
- epileptische Spasmen (rasche blitzartige Muskelanspannungen)
- hyperkinetische Anfälle (agitierte Motorik)
- myoklonische Anfälle (unwillkürliche kurze, nicht-rhythmische Muskelzuckungen)
- tonische Anfälle (Muskelanspannung bzw. Versteifung einzelner Muskelgruppen)
Wie jeder epileptische Anfall kann auch ein fokal beginnender Anfall mit motorischen Symptomen in einen Status epilepticus (SE) übergehen und stunden- oder sogar tage- bis wochenlang andauern (Epilepsia partialis continua, Koževnikov-Status).
Fokal beginnende Anfälle ohne motorische Initialsymptomatik
Fokale Anfälle ohne initial-motorische Störungen können folgenden Charakter haben:
- autonom (zum Beispiel epigastrales Wärmegefühl, Schwitzen, Hautblässe, Inkontinenz oder Piloerektion)
- mit Arrest-Symptomatik (Innehalten mit völligem Bewegungsverlust)
- kognitiv (zum Beispiel Träumen oder verzerrte Zeitwahrnehmung)
- emotional (zum Beispiel Wut-, Angst- oder Glücksgefühle)
- sensorisch (vor allem visuelle, auditive, gustatorische, olfaktorische, vertiginöse und sensible Veränderungen)
Daneben gibt es fokal beginnende und zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen übergehende Ereignisse.
Fokal beginnende Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung
Fokal beginnende Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung entsprechen den bisher als „einfach-fokal“ bezeichneten Anfällen. Die Anfälle weisen häufig auf eine intrazerebrale Läsion hin. Sie können im Verlauf zu einer Bewusstseinsstörung führen oder in generalisierte Anfälle übergehen. Bisher hat man fokal beginnende Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung, die mehr oder weniger regelhaft in generalisierte Anfälle übergehen, als Auren bezeichnet. Da eine Aura definitionsgemäß aber selbst ein epileptisches Ereignis darstellt, verwendet die neue Klassifikation diesen Begriff nicht mehr.
Wesentliche Formen im klinischen Alltag sind:
- Fokal beginnende Anfälle mit motorischen Symptomen und Ausbreitungstendenz (Jackson-Anfälle): beginnen mit rhythmischen klonischen Muskelkontraktionen in einem Körperabschnitt (am häufigsten in Hand und Fingern, seltener in Gesicht, Bein und Rumpf), bei Beteiligung des Mundwinkels Speichelfluss und Sprechstörungen als Begleitsymptomatik, selten initial tonische Komponenten, Muskelzuckungen breiten sich von distal nach proximal fortschreitend aus (march) und bleiben auf eine Körperhälfte begrenzt, in etwa 60 Prozent der Fälle handelt es sich um rein motorische Anfälle, die restlichen gehen mit sensiblen Symptomen einher, die vor oder während der Kloni auftreten können, Dauer meist einige Sekunden bis Minuten, im Intervall normaler klinisch-neurologischer Befund, im EEG oft Herdbefunde in der kontralateralen Präzentralregion, häufige Ursachen sind lokalisierte Hirnschädigungen, im Erwachsenenalter vor allem Tumore, keine bestimmten Altersgruppen bevorzugt, auf fokale motorische Anfälle folgt oft eine vorübergehende schlaffe Parese oder Plegie der vom Anfall betroffenen Körperpartie (Todd-Lähmung).
- Fokal beginnende Anfälle mit motorischen Symptomen ohne Ausbreitungstendenz: lokalisierte motorische Anfälle, die sich klonisch äußern, häufig mit tonischer Komponente zu Beginn des Anfalls ohne Ausbreitung der klinischen Symptome, meist von kurzer Dauer (Sekunden bis wenige Minuten), Bewusstseinsstörung im Verlauf möglich, ebenso der Übergang in einen bilateralen tonisch-klonischen Anfall.
Generalisierte Anfälle
Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen.
- Absencen: Es kommt zu einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, sodass der Patient bzw. die Patientin seine oder ihre momentane Tätigkeit für die Dauer des Anfalls unterbricht. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere. Diese Anfälle können mehrere Sekunden dauern und sich stark gehäuft über den Tag wiederholen. Betroffene können sich an den Anfall nicht erinnern und fahren mit ihrer Tätigkeit nach dem Anfall wieder fort. Obwohl diese Anzeichen typisch für Absencen sind, werden sie von Laien vielfach nicht als Symptome einer Epilepsie erkannt. Absencen sind eine häufige Epilepsie-Form des Kindesalters und werden zunächst meist als Unkonzentriertheit oder Träumerei missinterpretiert. Es kann zu wenigen Anfällen innerhalb eines Jahres bis hin zu mehrenden hundert am Tag kommen.
- Myoklonischer Anfall: Verursacht keine Bewusstseinsstörungen, sondern äußert sich mit Muskelzuckungen.
- Tonisch-klonischer Anfall (Grand-mal-Anfall): Ist die Anfallsform, die am häufigsten mit der Krankheit Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Die Symptome dieses Anfalls äußern sich meist in einem initialen Schrei des Betroffenen, gefolgt von einer Anspannung der Körpermuskulatur, die dann in Zuckungen des Körpers über geht. Ferner kommt es zu einem Bewusstseinsverlust, sodass sich der Patient bzw. die Patientin im Nachhinein nicht mehr an den Anfall erinnern kann. Auch die Blaufärbung der Lippen ist typisch. Sie entsteht durch die Verkrampfung der Atemmuskulatur während des Anfalls, sodass der oder die Betroffene keine Luft bekommt. Der Atemstillstand kann bis zu 30 Sekunden andauern, führt aber nicht zum Ersticken.
- Atonischer Anfall: Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall.
Lärm als möglicher Auslöser von Epilepsie
Bestimmte Auslöser können epileptische Anfälle provozieren. Diese Auslöser sind jedoch nicht allgemeingültig und variieren von Person zu Person. Lärm, insbesondere plötzlicher und unerwarteter Lärm, kann bei manchen Menschen mit Epilepsie ein solcher Auslöser sein.
Wie Lärm Anfälle auslösen kann
Die genauen Mechanismen, wie Lärm epileptische Anfälle auslösen kann, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass plötzliche und intensive Geräusche eine Stressreaktion im Gehirn auslösen können, die die elektrische Aktivität stört und zu einem Anfall führen kann. Dies könnte insbesondere bei Personen der Fall sein, deren Gehirn bereits eine erhöhte Erregbarkeit aufweist.
Fallbeispiele und Studien
Es gibt anekdotische Berichte und einige Studien, die den Zusammenhang zwischen Lärm und epileptischen Anfällen untersuchen. Einige Patienten berichten, dass bestimmte Geräusche, wie Alarme, laute Musik oder plötzliche Knallgeräusche, Anfälle auslösen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Epilepsie auf Lärm empfindlich reagieren.
Umgang mit Lärmempfindlichkeit bei Epilepsie
Für Menschen mit Epilepsie, die auf Lärm empfindlich reagieren, gibt es verschiedene Strategien, um das Risiko von Anfällen zu reduzieren:
- Vermeidung von lauten Umgebungen: Wenn möglich, sollten laute Umgebungen vermieden werden, insbesondere solche mit unerwarteten Geräuschen.
- Verwendung von Ohrstöpseln oder Kopfhörern: In lauten Umgebungen können Ohrstöpsel oder Kopfhörer helfen, die Geräuschkulisse zu reduzieren.
- Entspannungstechniken: Stress kann ein weiterer Auslöser für Anfälle sein. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Anpassung der Medikation: In einigen Fällen kann eine Anpassung der Medikation erforderlich sein, um die Anfallskontrolle zu verbessern und die Empfindlichkeit gegenüber Auslösern wie Lärm zu reduzieren.
Weitere Auslöser von Epilepsie
Neben Lärm gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die epileptische Anfälle auslösen können:
- Schlafentzug: Unzureichender Schlaf ist ein häufiger Auslöser für Anfälle.
- Stress: Sowohl körperlicher als auch emotionaler Stress können Anfälle provozieren.
- Fieber: Hohe Körpertemperaturen können die Anfallsschwelle senken.
- Alkohol und Drogen: Der Konsum von Alkohol und bestimmten Drogen kann Anfälle auslösen.
- Flackerndes Licht: Bei manchen Menschen mit Epilepsie kann flackerndes Licht, wie beispielsweise von einem Fernseher oder Computerbildschirm, Anfälle auslösen (photosensitive Epilepsie).
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus Anfälle beeinflussen.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können die Anfallsschwelle senken und Anfälle auslösen.
Diagnose und Behandlung von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie umfasst in der Regel eine Anamnese, eine neurologische Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests, wie EEG und Bildgebung des Gehirns. Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die meisten Menschen mit Epilepsie können mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika, erfolgreich behandelt werden. In einigen Fällen können auch andere Behandlungsoptionen, wie eine Operation oder eine Vagusnervstimulation, in Betracht gezogen werden.
Medikamentöse Therapie
Antiepileptika sind die Hauptstütze der Behandlung von Epilepsie. Es gibt eine Vielzahl von Antiepileptika, die auf unterschiedliche Weise wirken, um die elektrische Aktivität im Gehirn zu stabilisieren und Anfälle zu verhindern. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten, anderen gesundheitlichen Problemen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ab.
Chirurgische Therapie
In einigen Fällen, in denen Medikamente nicht ausreichend wirksam sind, kann eine Operation eine Option sein. Die Art der Operation hängt von der Lokalisation des Anfallsursprungs im Gehirn ab. Ziel der Operation ist es, den Anfallsfokus zu entfernen oder die Ausbreitung der Anfälle zu verhindern.
Vagusnervstimulation
Die Vagusnervstimulation (VNS) ist eine weitere Behandlungsoption für Menschen mit Epilepsie, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirksam sind. Bei der VNS wird ein kleines Gerät unter die Haut im Brustbereich implantiert, das elektrische Impulse an den Vagusnerv im Hals sendet. Diese Impulse können die elektrische Aktivität im Gehirn beeinflussen und die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien in vielerlei Hinsicht beeinflussen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, eine gute medizinische Versorgung zu erhalten und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen des Lebens mit Epilepsie umzugehen.
Selbsthilfegruppen und Unterstützung
Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Organisationen, die Menschen mit Epilepsie und ihren Familien Unterstützung und Informationen bieten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, mit den emotionalen und sozialen Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.
Führerschein und Epilepsie
Die Frage, ob Menschen mit Epilepsie Auto fahren dürfen, ist in Deutschland gesetzlich geregelt. In der Regel dürfen Menschen mit Epilepsie Auto fahren, wenn sie seit einem bestimmten Zeitraum anfallsfrei sind und keine anderen gesundheitlichen Probleme haben, die das Fahren beeinträchtigen könnten. Die genauen Bestimmungen können je nach Art der Epilepsie und den individuellen Umständen variieren. Es ist wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen, um festzustellen, ob man Auto fahren darf.
Epilepsie und Arbeit
Menschen mit Epilepsie können in den meisten Berufen arbeiten. Es gibt jedoch einige Berufe, die aufgrund des Risikos von Anfällen während der Arbeit möglicherweise nicht geeignet sind. Es ist wichtig, den Arbeitgeber über die Epilepsie zu informieren und gegebenenfalls Anpassungen am Arbeitsplatz vorzunehmen, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Dravet-Syndrom: Eine spezielle Form der Epilepsie
Das Dravet-Syndrom ist eine seltene, schwere Form der Epilepsie, die typischerweise im ersten Lebensjahr auftritt. Charakteristisch sind häufige, langanhaltende Anfälle, die oft durch Fieber ausgelöst werden. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickeln die Kinder meist auch Entwicklungsverzögerungen, motorische Störungen und kognitiven Abbau.
Ursachen und Diagnose
Ursache des Dravet-Syndroms ist in den meisten Fällen eine Mutation im SCN1A-Gen. Die Diagnose wird in der Regel anhand der klinischen Symptome und einer genetischen Untersuchung gestellt.
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