Die menschliche Gesundheit ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, und oft treten Erkrankungen nicht isoliert auf, sondern in Verbindung miteinander. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und möglichen Zusammenhänge zwischen Asthma, Migräne und bipolaren Störungen und stützt sich dabei auf aktuelle Forschungsergebnisse.
Asthma
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch Atemnot, Husten und pfeifende Atemgeräusche gekennzeichnet ist.
Migräne
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen äußert, die von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein können.
Bipolare Störung
Die bipolare Störung, früher manisch-depressive Erkrankung genannt, ist eine psychische Erkrankung, die durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist. Diese Schwankungen umfassen manische Phasen, in denen Betroffene euphorisch, überaktiv und gereizt sind, sowie depressive Phasen, die von Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Interessenlosigkeit geprägt sind.
Manische Phasen
Eine Manie oder manische Episode ist eine Form der affektiven Störungen, also der Stimmungserkrankungen. Betroffene fühlen sich dabei häufig besonders stark, euphorisch und voller Energie. Die Folge dieser extrem positiven Gefühle ist jedoch oft eine gefährliche Selbstüberschätzung, zum Teil mit erheblichen negativen Folgen für Lebensbereiche wie Arbeit, Beziehung und Finanzen der Betroffenen. Auch kann die Euphorie in eine gereizte Stimmungslage kippen. Eine Manie gilt als psychische Erkrankung (ICD-10: F30.-). Wo die genauen Ursachen einer manischen Erkrankung liegen, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Es gibt neurobiologische Hypothesen zu bestimmten Neurotransmittern und neuronalen Netzwerken, die allerdings unvollständig sind. Wie bei anderen psychischen Erkrankungen auch, gehen wir von biologischen, psychischen und sozialen Einflussfaktoren aus. Derartige Ereignisse können, vor allem in Kombination mit bestimmten körperlichen/genetischen/neuronalen Voraussetzungen, eine Manie auslösen. Eine manische, affektive Störung ist nicht einfach nur eine Phase guter Laune. Menschen mit einer Manie geben unter Umständen Unmengen an Geld aus, sprechen viel, verhalten sich impulsiv, wagen sich in gefährliche Situationen, erleben einen verstärkten Sexualtrieb. Sie fühlen sich unruhig und besonders leistungsfähig, manchmal auch gereizt. Das Schlafbedürfnis ist herabgesetzt. Es fällt ihnen während einer Episode schwer, Distanz zu anderen Menschen zu wahren und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. Angehörige bemerken in dieser Phase zum Beispiel, dass der oder die Betroffene viel redet, aber ständig das Thema wechselt und möglicherweise undeutlich und extrem schnell spricht. Ist die manische Episode vorüber, erkennen Betroffene häufig, welchen Schaden sie angerichtet haben, und versuchen, diesen wieder zu beheben. Die Hypomanie ist eine abgeschwächte Form der Manie. Betroffene fühlen sich während einer hypomanischen Episode leistungsfähiger, kreativer und fröhlicher als üblich. Während einer Manie können auch psychotische Symptome auftreten. Dazu gehören etwa ein Größenwahn, zum Beispiel die Überzeugung, die Welt retten zu müssen oder Gott zu sein, oder Halluzinationen. Manischen Patientinnen und Patienten fällt es oft schwer, ihre Erkrankung zu erkennen und Hilfe zu suchen. Die Manien erleben sie meist als positiv und befreiend. Während dieser Phasen ist es vielen also nicht möglich, ihre Krankheit anzuerkennen. Die Diagnose erfolgt schließlich vor allem über psychiatrische Gespräche.
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Depressive Phasen
In einer depressiven Phase leiden Patienten unter Symptomen wie Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Teilnahmslosigkeit, Interessenlosigkeit sowie Denk- und Konzentrationsstörungen. Dabei kann das Ausmaß der Symptomatik zwischen einer leicht gedrückten Stimmung bis hin zu einer starken Gefühllosigkeit und Schwermütigkeit reichen. Bei einer schweren Depression ist zudem das Suizidrisiko hoch. Wenn sich Patienten in einer manischen Phase befinden, ist ihre Stimmung oft unangemessen gehoben und gereizt. Der Antrieb ist stark gesteigert und auch das Denken ist beschleunigt. Hieraus resultiert eine gefährliche Selbstüberschätzung. Oft geben Betroffene leichtsinnig sehr viel Geld aus oder zeigen sich sexuell enthemmt. In einigen Fällen kommt es auch vor, dass sich wahnhafte Symptome wie ein Größenwahn zeigen.
Ursachen und Behandlung
Die genaue Ursache ist unbekannt. Infrage kommen eine erbliche Veranlagung oder aber auch innere und äußere Faktoren. Darüber hinaus scheinen auch biologische Faktoren eine Rolle zu spielen. Untersuchungen zufolge können Patienten mit einer Manie eine erhöhte Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin aufweisen. Patienten mit einer Depression haben hingegen häufig eine zu geringe Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin. Akutbehandlung: Hier kommen Medikamente zum Einsatz, die die Symptome einer Depression oder einer Manie lindern. Stabilisierungsphase: In der Regel kann es Wochen oder Monate dauern, bis eine deutliche Symptomverbesserung auftritt. Hiernach beginnt die Stabilisierungsphase, in der Patienten eine Psychotherapie in Anspruch nehmen sollten.
Komorbiditäten und Zusammenhänge
Studien haben gezeigt, dass bestimmte Erkrankungen häufiger zusammen auftreten. Dies wird als Komorbidität bezeichnet. Im Zusammenhang mit Asthma, Migräne und bipolaren Störungen gibt es einige interessante Beobachtungen:
- Migräne und Bipolare Störung: Die Bipolare Störung und Migräne treten häufig gemeinsam auf. Klinische Studien deuten auf mehr Rückfälle bei bipolaren Personen mit Migräne unter Lithium. Daten von 538 Patienten mit Bipolarer Störung Typ 1 zeigten nun Therapie-unabhängig stärkere Symptome der Patienten mit Migräne. Die Bipolare Störung und Migräne treten häufig gemeinsam auf, sind also komorbid. Ihnen gemeinsam könnte eine leichte Erregbarkeit von Nervenzellen sein, die sich sowohl in der Gehirnrinde (Cortex) bei Migränepatienten zeigte, als auch in Nervenzellen von Patienten mit der Bipolaren Störung, bei denen eine Lithium-Therapie wirksam war. Klinische Studien deuten auf eine höhere Zahl von Rückfällen bei bipolaren Personen mit Migräne, die mit Lithium behandelt wurden. Daten bipolarer Patienten wurden danach kategorisiert, ob eine Migräne komorbid vorlag und ob eine Behandlung mit Lithium erfolgte. Die Autoren konnten Daten von 538 Patienten mit Bipolarer Störung Typ 1 analysieren. Migräne in der Vergangenheit war, unabhängig von einer Lithium-Behandlung, mit schlechteren klinischen Verläufen assoziiert, sowohl in Bezug auf Depression (p = 0,002), Manie (p = 0,005) sowie mentale (p = 0,004) und körperliche Lebensqualität (p = 0,005). Die Analyse bestätigte somit vorherige Daten zu schlechteren Verläufen der Bipolaren Störung bei komorbider Migräne. Zusätzlich deuten die Daten jedoch auch auf stärkere Symptome, speziell in Bezug auf Manien, bei einer Behandlung mit Lithium in dieser speziellen Patientengruppe.
- Asthma und Bipolare Störung bei Kindern und Jugendlichen: In einer Kohortenstudie wurden fast 2000 Kinder und Jugendliche mit bipolarer Erkrankung auf das Vorliegen komorbider Krankheiten untersucht. Nach den Daten des South Carolina Medicaid Program, das alle Therapiemaßnahmen und Medikamentenverordnungen der Versicherten zwischen 1996 und 2005 umfasst, wurden 1841 Kinder und Jugendliche ausgewählt, die im durchschnittlichen Alter von 11,9 Jahren die Diagnose einer bipolaren Störung nach DSM-IV-TR-Kriterien erhalten hatten. Sie wurden verglichen mit einer Stichprobe von 4500 Kindern und Jugendlichen ohne psychiatrische Erkrankung. Erhoben wurden die zeitlichen Umstände von zwölf medizinischen/psychiatrischen Erkrankungen. Ein primärer Studienendpunkt war die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen im Zeitraum von 24 Monaten vor und 30 Monaten nach der Bipolar-Diagnose. Von den zwölf untersuchten Komorbiditäten waren zehn bei den Bipolar-Patienten signifikant häufiger als in der Vergleichsgruppe: Die erhöhte Wahrscheinlichkeit betraf Übergewicht (Odds Ratio: 1,92), Typ-2-Diabetes mellitus (OR: 1,59), endokrine Störungen (OR: 2,06), Migräne/Kopfschmerz (OR: 1,84), ZNS-Erkrankungen/Epilepsie (OR: 3,38), organische Hirnerkrankungen/ geistige Entwicklungsverzögerung (OR: 1,81), kardiovaskuläre Erkrankungen (OR: 1,38), Asthma (OR: 1,43) und Substanzmissbrauch (OR: 4,80) sowie eine ADHS (p jeweils ≤ 0,01). Lediglich Dyslipidämie und Hypertonie unterschieden sich in ihrer Prävalenz und Wahrscheinlichkeit nicht signifikant von der Kontrollgruppe. 28,4% der Patienten wiesen dabei mindestens zwei komorbide Erkrankungen auf. Für die Bildung klinischer Subtypen interessant: Mädchen litten häufiger unter Übergewicht und Substanzmissbrauch, Jungen häufiger unter organischen Hirnerkrankungen/geistiger Entwicklungsverzögerung und einer ADHS. Die nähere Untersuchung brachte zu Tage, dass eine Bipolar-Erkrankung in der Adoleszenz (im Alter ≥ 13 Jahren) in signifikanter Relation mit einem schon zuvor existierenden Übergewicht, Hypertonus, Migräne/ Kopfschmerz, geistige Retardierung, endokrine Störungen und Substanzmissbrauch stand (p jeweils ≤ 0,05), eine frühe Bipolar-Erkrankung (im Alter ≤ 12 Jahren) dagegen nur mit einer vorbestehenden ADHS. Die Komorbidität mit einem breiten Spektrum an Erkrankungen war in diesem Kollektiv von bipolar erkrankten Kindern und Jugendlichen hoch und bedingte eine erhöhte Rate ärztlicher Behandlungen. Dies entspricht der Situation bei erwachsenen Patienten und muss in der Versorgung beachtet werden.
- Kopfschmerzen und Schlafstörungen: Viele Studien haben eine enge Korrelation zwischen Kopfschmerzen und Schlafstörungen beschrieben. Die Zusammenhänge zwischen primären Kopfschmerzen und Schlafstörungen ist nur unzureichend geklärt. Die Komorbidität zwischen Kopfschmerzerkrankung, Angst, Depression und Schlafstörung bedingt höhere gesundheitsbedingte Einschränkungen. Diese drei Komorbiditäten spielen auch eine zentrale Rolle in der Schmerzmodulation.
- Migräne und Depression: Migränepatienten haben ein erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angststörung oder eine bipolare Störung. Nach Daten von 468 Patienten mit Migräne korreliert die Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat mit dem Risiko von Angstzuständen (r = 0,273; p < 0,001) und Depression (r = 0,337; p < 0,001). Das Risiko von Angstzuständen ist höher bei Patienten mit ≥ 3 Kopfschmerztagen pro Monat, Patienten mit ≥ 19 Kopfschmerztagen pro Monat haben ein höheres Risiko für Depressionen.
Therapieansätze bei Komorbiditäten
Die Behandlung von Patienten mit komorbiden Erkrankungen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Es ist wichtig, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Erkrankungen zu berücksichtigen und die Therapie entsprechend anzupassen.
- Migräne und Depression: Für die Migräneprophylaxe bei Patienten mit einer Depression eignet sich insbesondere Amitriptylin. Für die Anwendung von Flunarizin besteht bei Vorliegen einer Depression eine Kontraindikation, für Topiramat eine relative Kontraindikation. Bei Patienten mit einer Angststörung können SSNRI (selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt werden. Für Venlafaxin gibt es hier Hinweise für eine migräneprophylaktische Wirkung. Eine aktuelle Studie an 80 Patienten mit episodischer Migräne, aber ohne Depressionen, konnte im direkten Vergleich von Amitriptylin 25 mg/Tag und Venlafaxin 37,5 mg/Tag nach acht Wochen Therapie eine vergleichbare Wirkung mit signifikanter Reduktion der monatlichen Migränetage und Alltagseinschränkung in beiden Gruppen nachweisen, mit höherer Nebenwirkungsrate im Amitriptylin-Arm.
- Betablocker: Eine Analyse von 285 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 53.533 Patienten wies Depression nicht als mögliche Nebenwirkung von Betablockern nach, demzufolge ist Depression auch keine Kontraindikation für eine Betablockertherapie. Jedoch zeigte die Analyse eine Zunahme von Schlafstörungen unter Betablockern, weshalb diese als relative Kontraindikation gelten. Betablocker können indes Angstsymptome reduzieren und bei Patienten mit Panikattacken die vegetativen Begleiterscheinungen der Attacken dämpfen.
- Fremanezumab: In Studien mit Fremanezumab zeigten Subgruppenanalysen bei Patienten mit komorbider Depression und Angststörung eine signifikante Abnahme der Zahl der Patienten, die Antidepressiva (Ausgangswert 68,6 %; Nachuntersuchung 56,4 %; p = 0,0025) bzw. Anxiolytika (Ausgangswert 55,0 %; Nachuntersuchung 47,2 %; p = 0,037) erhielten.
Weitere Aspekte
- Schmerzmodulation: Die drei häufigen Komorbiditäten von Kopfschmerzerkrankungen, Angst, Depression und Schlafstörung spielen auch eine zentrale Rolle in der Schmerzmodulation.
- Entzündliche Prozesse: Nach neuen Studiendaten könnten entzündliche Prozesse bei Kopfschmerz eine messbare Rolle spielen. Speziell mithilfe des im Speichel nachweisbaren entzündungsfördernden IL1-β konnten Kopfschmerzpatienten und Kontrollpersonen unterschieden werden.
- Stress: Kraftraubender Stress kann sowohl Migränetrigger als auch Depressionsauslöser sein. Körperliche Verletzung führt zu freier Mitochondrien-DNA (mtDNA) im Blut. Forscher zeigten nun, dass auch psychischer Stress bei gesunden Menschen die Menge zellfreier mtDNA steigen lassen kann. Auslöser für diesen Anstieg scheint ein Stresshormon zu sein. Mehr freie mtDNA wurde früher auch bei Depressionen gefunden.
- Aromatherapie: Aromatherapie mit Lavendelöl kann gegen Ängste helfen.
- Stimulation mit Direktstrom: Stimulation mit Direktstrom konnte in diesem Zusammenhang die Schmerzempfindlichkeit bei Migränepatienten verringern, wie sich diese Behandlung zur Vorbeuge über einen längeren Zeitraum verhält wurde in dieser Studie untersucht.
- Psychologische Hilfestellung: Türkische Forscher ermittelten Einstellungen von Migränepatienten zum Thema psychologische Hilfestellung und Stigmatisierung. Demnach leiden Betroffene stärker unter psychiatrischen Symptomen als gesunde Kontrollen, aber nur eine Minderheit nahm professionelle Hilfe in Anspruch.
Cannabis und Bipolare Störung
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Cannabinoide aus der Cannabispflanze wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) positive Auswirkungen auf Depressionen und Angstzustände haben können (1). An der Lancaster University in Großbritannien wurden 24 bipolare Patienten, die Cannabis für Freizeitzwecke mindestens dreimal in der Woche konsumierten, gebeten, ein Tagebuch zu führen (2). Im Ergebnis heißt es, dass der Cannabiskonsum mit verschiedenen psychologischen Folgeerscheinungen verbunden sei. Etwas aussagekräftiger sind die Ergebnisse der Harvard Medical School in Boston (3). Die University of Oslo nahm 133 bipolare Probanden und 140 schizophrene Probanden in ihre Studie auf und untersuchte, welche Auswirkungen der Konsum von Cannabis auf die neurokognitiven Funktionen hat (4). Brasilianische Forscher der University of Sao Paulo untersuchten im Rahmen ihrer Studie die Wirkung von Cannabidiol (CBD) bei zwei Probanden mit einer bipolaren Störung (5). An den ersten fünf Tagen erhielten die Probanden ein Placebo (Scheinmedikament). Ab dem sechsten Tag bekamen sie täglich eine Dosis von 600 Milligramm CBD. Diese Dosis wurde bis zum 30. Tag auf 1200 Milligramm CBD pro Tag erhöht. Ein Proband nahm zudem zwischen dem 6. bis zum 20. Die Behandlung mit CBD wurde am 31. Tag unterbrochen. Danach erhielten die Probanden fünf Tage lang ein Placebo. Eine Verbesserung der Symptome zeigte sich bei dem Probanden, der CBD und Olanzapin erhielt. Unter der alleinigen CBD-Behandlung verbesserte sich das Zustandsbild der beiden Probanden jedoch nicht. Die Forscher schlussfolgerten, dass CBD gut verträglich sei. Eine systematische Übersichtsarbeit über die Wirkung und Nebenwirkungen von CBD bei der Therapie von psychischen Störungen erstellten die Forscher der Federal University of Minas Gerais in Brasilien im Jahr 2017 (6). Das Endocannabinoid-System könnte ein vielversprechendes therapeutisches Ziel sein. Dieses kann mit der Gabe von medizinischen Cannabinoiden aktiviert werden. Das Cannabinoid CBD scheint ebenso wie das THC möglicherweise in der Lage zu sein, die Symptome einer Depression zu reduzieren. So konnten unter anderem spanische Forscher in ihrer Studie zeigen, dass CBD an den Serotonin-Rezeptor 5-HT1A andocken kann, um so antidepressiv wirken zu können (8). Die Studienlage zur Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei einer bipolaren Störung ist aktuell sehr dünn. Die bisher (wenigen) Studien legen nahe, dass Cannabinoide bei einer manischen Episode kein ausreichendes Wirkungsspektrum besitzen. Hingegen ist das therapeutische Potenzial von Cannabis gegen die Symptome einer Depression schon deutlich besser untersucht worden. Zu beachten ist jedoch, dass der Cannabiskonsum für Freizeitzwecke häufig bei bipolaren Patienten anzutreffen ist. (7) Huang WJ, Chen WW, Zhang X., Mol Med Rep. 2016 Oct;14(4):2899-903.
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Organische Psychosen (Delir)
Die verschiedenen Ausprägungen und Ausgestaltungen akut auftretender organischer Psychosen werden heute unter der Kategorie „Delir“ zusammengefasst. Vor allem historisch bedingt werden jedoch weiterhin einige Begriffe verwendet, die besondere Formen organisch psychischer Störungen beschreiben: Eine häufige Form der akuten organischen Psychose (Delir) ist das sogenannte hirnorganische Psychosyndrom, das mit Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisstörungen, Orientierungsstörungen, Ich-Erlebensstörungen, Wahn und Halluzinationen einhergeht. Als Ursachen hierfür wurden vielfältige Veränderungen im zentralen Nervensystem ausgemacht, die auf Hirntumore, Schädel-Hirn-Traumata, frühkindliche Hirnschädigungen, Vergiftungen, Infektionen (z. B. Gehirn-/ Hirnhautentzündung), Epilepsie oder Durchblutungsstörungen des Gehirns zurückzuführen sind. Eine ähnliche Form der organischen Psychose kann im Rahmen von hohem Fieber, bei Vergiftungen, Infektionen oder Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) auftreten. Als „Durchgangssyndrom“ bezeichnet man den Sonderfall der akuten organischen Psychose, die zeitlich begrenzt nach operativen Eingriffen auftreten kann. Typische Symptome sind Vergesslichkeit, eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit oder Schwindel.
Schlafqualität und Migräne
Eine vergleichende Querschnittsstudie über 1 399 Personen mit und ohne Migräne fand Korrelationen zwischen schlechter Schlafqualität und einem höheren Schweregrad von Migräne.
Depression und Migräne
Forscher untersuchten bei Patienten mit Depression, ob sie unter Schmerzen litten und ob dies mit einer Migränediagnose in Zusammenhang stand. Patienten mit Depression und Migräne mit aktiven Kopfschmerzen in der letzten Woche litten demnach häufiger unter weiteren körperlichen Schmerzen und erreichten seltener im untersuchten Zeitraum eine Remission von der Depression. Die vorliegende Multizentrenstudie untersuchte das klinische Profil von Patienten mit Depression und komorbider Migräne. Die Prävalenz von Migräne unter 1 410 depressiven Patienten betrug 13,5 % bei Frauen und 6,2 % bei Männern. Patienten mit Depression und Migräne schienen häufig eher schlecht auf ihre Pharmakotherapie anzusprechen.
Vorboten von Migräne
Es kommt häufig vor, dass Migränepatienten Symptome vor der eigentlichen Migräne aufweisen, die diese ankündigen. Dazu kann ein Flimmern im Sichtfeld oder auch erhöhte Geräuschempfindlichkeit zählen. Sie können durch Umwelteinflüsse ausgelöst werden und gelten als beginnende Veränderung in der Hirnfunktion. Migränepatienten leiden neben anderen Symptomen besonders unter starken Kopfschmerzen, die mehrfach monatlich auftreten und über längere Zeiträume anhalten können. Verschriebene Medikamente, die in erster Linie helfen sollten, werden allerdings bei zu häufiger Einnahme zum Problem und verursachen wiederum zusätzliche Kopfschmerzen.
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