Astrazeneca-Impfstoff und Hirnvenenthrombosen: Eine detaillierte Analyse der Nebenwirkungen

Einführung

Der Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca stand im Zusammenhang mit Berichten über seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen, insbesondere Hirnvenenthrombosen. Dieser Artikel untersucht die gemeldeten Fälle, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die daraus resultierenden Empfehlungen und Maßnahmen.

Gemeldete Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen

Bis zum 15. April wurden dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gemeldet. Betroffen waren 45 Frauen und 14 Männer. Die Beschwerden traten ausschließlich nach der ersten Impfung auf, innerhalb von sechs Wochen zwischen dem 13. Februar und dem 31. März. Bei 57 der 59 Fälle traten die Thrombosen innerhalb von 29 Tagen nach der Impfung symptomatisch auf. Bei 31 der 59 Betroffenen kam es auch zur Thrombozytopenie, spätestens nach 17 Tagen.

Von den betroffenen Frauen waren fünf älter als 60 Jahre, sechs sind verstorben. Von den betroffenen Männern waren zwei zwischen 60 und 70 Jahre alt, alle übrigen jünger als 60. Auch von den Männern sind sechs Betroffene gestorben.

In Großbritannien wurden unter mehr als 20 Millionen Menschen, die mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft worden waren, 79 Fälle der seltenen Thrombosen und Thrombozytopenien gemeldet, 19 dieser Patienten starben.

Das Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS)

AstraZeneca hat vor dem britischen High Court in London eingestanden, dass sein Mittel „Vaxzevria“ in sehr seltenen Fällen TTS verursachen kann. TTS führt zu Blutgerinnseln in den Gehirn- oder Bauchgefäßen sowie zu einer verminderten Blutplättchenzahl. Andere Impfreaktionen und Nebenwirkungen von „Vaxzevria“ sind laut Paul-Ehrlich-Institut „vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen“ wie Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Müdigkeit.

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Fallbeispiel: Isa Lehnert

Isa Lehnert erlitt 2021 infolge der Corona-Impfung mit Vaxzevria eine Thrombose im Gehirn. Sie ist heute schwerbehindert und erhält eine staatliche Rente als anerkannt Impfgeschädigte. Knapp zwei Wochen nach der Impfung erlitt Lehnert eine schwere Sinusvenenthrombose im Gehirn. Ein Gefäß ist mit einem Blutgerinnsel verschlossen und platzt schließlich infolge des Blutstaus. Lehnert musste notoperiert werden und lag tagelang im Koma.

Lehnert ist seither zu 70 Prozent behindert. Sie hat das zweite Staatsexamen geschafft, aber die praktischen Anforderungen im Krankenhaus überforderten sie. Im Sommer 2024 befindet sie sich in einer Traumaklinik zur Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung infolge des Impfschadens.

Rücknahme der Zulassung und Verwendung des Impfstoffs

AstraZeneca hat die Zulassung für den Impfstoff Vaxzevria in Europa zurückgezogen. In Deutschland wird der Impfstoff schon seit Dezember 2021 nicht mehr verwendet. Weltweit ist er aber das meist verabreichte und billigste Vakzin. Mehr als drei Milliarden Mal wurde es bis 2024 gespritzt.

VITT: Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie

Es ist mittlerweile klar nachgewiesen, dass Corona-Impfstoffe, die ein Virus als Vehikel nutzen, wie Vaxzevria, in sehr seltenen Fällen schwere Sinusvenenthrombosen hervorrufen können. Das Syndrom hat aufgrund der immensen Zahl an Geimpften mittlerweile auch international einen Namen: VITT für „vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie“. Es tritt bei 1 bis 2 von 100.000 Personen auf, die mit Vaxzevria geimpft wurden.

Der Grund für die lebensbedrohliche Komplikation ist, dass ein Eiweiß auf den Blutplättchen, der Plättchenfaktor 4, bei den Betroffenen an Bestandteile des Impfstoffs bindet. Das aktiviert Immunzellen, die dann Antikörper gegen die eigenen Blutplättchen bilden.

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Klagen gegen AstraZeneca

Geschädigte wie Lehnert können nicht wie vor der Pandemie weiterleben. Lehnert möchte die Unterlagen des Herstellers einsehen und Schadensersatz erhalten. AstraZeneca weigerte sich jedoch, ihr Akteneinsicht zu gewähren. Das Gericht entschied, dass das Pharmaunternehmen ihr umfassend Auskunft zu Wirkungen und Nebenwirkungen des Impfstoffs erteilen muss.

Deutschlandweit sollen über 180 Zivilklagen im Zusammenhang mit Corona-Impfungen anhängig sein, die sich gegen alle vier Impfstoff-Hersteller richten, also gegen AstraZeneca, Biontech, Moderna und Johnson&Johnson.

Zeitliche Einordnung der Warnungen

Lehnerts Impftermin liegt exakt in der Zeit, in der Meldungen aus verschiedenen Ländern auftauchen, dass bei der Impfung mit Vaxzevria sehr selten, mitunter tödliche Sinusvenenthrombosen insbesondere bei jüngeren Frauen auftreten.

Am Tag, an dem Lehnert geimpft wird, stoppen Dänemark und Norwegen den Einsatz des Produktes - der Grund: Sinusvenenthrombosen. Am 16. März 2021, fünf Tage nach Lehnerts Impfung, setzt Deutschland nach anderen Ländern die Impfungen mit AstraZeneca vorerst aus. Ab 18. März 2021 muss bei der Impfung mit Vaxzevria über das Risiko einer Thrombose aufgeklärt werden.

Erkenntnisse und Reaktionen der Behörden

Klinische Prüfungen können tatsächlich keine sehr seltenen Nebenwirkungen detektieren, da dies eine sechsstellige Anzahl von Probandinnen und Probanden erfordern würde. Im Fall von Vaxzevria von AstraZeneca hat das Paul-Ehrlich-Institut bereits kurz nach Beginn der Impfungen im Februar 2021, zusammen mit Norwegen, den zuständigen Fachausschuss bei der Europäischen Arzneimittelbehörde, PRAC, über ein Signal auf Sinusvenenthrombosen, insbesondere bei jüngeren Frauen, informiert.

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Mögliche Ursachen und Mechanismen

Forscher vermuten, dass in seltenen Einzelfällen über die Immunantwort des Körpers die Blutplättchen aktiviert werden könnten. Auch andere Forscher vermuten, dass die Bildung der Gerinnsel über eine starke Immunantwort und dabei entstehende Antikörper, die an die Blutplättchen andocken und diese aktivieren, laufen könnte. Es könnte das Vektorvirus sein, das den eigentlichen Impfstoff in den Körper transportiert. Oder das Spikeprotein, das die Immunität vor Corona auslösen soll. Möglicherweise verursacht aber auch eine zu starke Immunantwort die Thrombosen.

Therapie bei Sinusvenenthrombose

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie empfiehlt auch bei Sinusvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung eine Behandlung wie bei HIT (Heparin-induzierten Thrombozytopenie).

Risikogruppen und Empfehlungen

Sinusvenenthrombosen sind sehr selten. Frauen sind dabei häufiger betroffen und jüngere Menschen häufiger als ältere. Das höchste Risiko haben Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Ein Grund ist, dass weibliche Geschlechtshormone die Blutgerinnung erhöhen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl am 30. März, den Impfstoff nur an Menschen im Alter über 60 Jahre zu verimpfen. Inzwischen wird in Großbritannien jedoch Personen unter 30 Jahren, die kein hohes Risiko für eine problematische COVID-19 Erkrankung haben, empfohlen, wenn möglich auf einen anderen Impfstoff als Astrazeneca auszuweichen.

DGN-Studie zu zerebrovaskulären Ereignissen

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zeigte, dass es nach Impfung mit dem SARS-CoV-2-AstraZeneca-Impfstoff zu signifikant mehr zerebralen Sinus- und Hirnvenenthrombosen (CVT) kam als nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Die Rate der aufgetretenen CVT-Ereignisse war nach einer Erstimpfung mit Vakzinierung mit ChAdOx1 um mehr als neunmal höher als nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen.

Bei Frauen unter 60 Jahren, die eine Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin erhalten hatten, betrug die Ereignisrate für CVT innerhalb eines Monats nach der Erstimpfung 24,2/100.000 Personenjahre, bei gleichaltrigen Männern 8,9/100.000, lag damit also deutlich niedriger. Auch ältere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Hirnvenenthrombosen nach Gabe des AstraZeneca-Vakzins zu erleiden.

VITT und der Pathomechanismus

Nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin ChAdOx1 kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Vakzine-induzierten immunogenen thrombotischen Thrombozytopenie (VITT) kommen. Der Pathomechanismus dieser seltenen Impf-Nebenwirkung ähnelt der heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT) Typ II, bei der es zur Antikörperbildung gegen den Komplex aus Plättchenfaktor 4 (PF4) und Heparin kommt.

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