Einführung
Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex (ATNR) ist ein frühkindlicher Reflex, der eine wesentliche Rolle in der Entwicklung eines Babys spielt. Er entsteht bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel und sollte idealerweise bis zum 9. Lebensmonat integriert sein. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Funktion und die potenziellen Auswirkungen eines nicht integrierten ATNR.
Definition des Asymmetrisch Tonischen Nackenreflexes
Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex (ATNR) ist ein frühkindlicher Reflex, der durch die Drehung des Kopfes zur Seite ausgelöst wird. Das Reflexmuster des ATNR zeigt sich deutlich, wenn der Kopf eines Babys zur Seite gedreht wird: Arm und Bein auf der Gesichtsseite strecken sich, während sich die gegenüberliegenden Gliedmaßen beugen. Dieses Muster wird auch als "Fechterstellung" bezeichnet.
Funktion des ATNR in der frühkindlichen Entwicklung
Der ATNR spielt eine entscheidende Rolle in der frühkindlichen Entwicklung, da er eng mit der motorischen Koordination und der sensorischen Integration verbunden ist. Seine Hauptaufgabe ist es, die Muskelspannung im Körper über die Kopfhaltung zu regulieren.
Unterstützung bei der Geburt
Der ATNR entsteht bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel und spielt auch bei der Geburt eine aktive Rolle: Durch die Wehen wird er vollständig ausgelöst und unterstützt das Baby, im Rhythmus der Mutter bei der Geburt mitzuhelfen.
Förderung der motorischen Entwicklung
Auch frühe Rollbewegungen (vom Rücken auf den Bauch und zurück) werden durch den ATNR mitgesteuert. Ist das Reflexmuster gut integriert, gelingt das Rollen in beide Richtungen. Während das Baby seinen Kopf dreht, entstehen automatische Bewegungsmuster, die wichtige neuronale Verbindungen aufbauen - insbesondere zwischen beiden Gehirnhälften. Die vollständige Integration erfolgt idealerweise zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat - sobald das Baby beginnt, beide Körperhälften gezielt zu koordinieren, etwa beim Krabbeln oder gezielten Greifen.
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Auswirkungen eines nicht integrierten ATNR
Bleibt der ATNR über das Kleinkindalter hinaus aktiv, wirkt er unbewusst bei jeder Kopfdrehung auf die Körperhaltung und Muskelspannung ein. Die Folge ist eine ständige innere Ablenkung, weil der Körper gleichzeitig versucht, alltägliche Aufgaben zu bewältigen und dabei die Reflexantwort zu kompensieren.
Motorische und kognitive Herausforderungen
Ein nicht integrierter ATNR kann sich in verschiedenen motorischen und kognitiven Herausforderungen äußern:
- Leseschwierigkeiten: Zeilen werden übersprungen, verlangsamt oder stockendes Lesen, Schwierigkeiten beim Verfolgen der Zeile, häufiges Verlieren der Position im Text. Verwechslung von Buchstaben, insbesondere solcher, die eine Drehung oder Spiegelung erfordern. Bei nahezu jedem Kind, bei dem eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Legasthenie festgestellt wird, zeigt sich eine Restaktivität des ATNR.
- Mathematikschwäche: Schwierigkeiten bei der räumlichen Anordnung von Zahlen, Probleme beim Stellenwertverständnis, Verwechslung von ähnlichen Ziffern.
- Wechselnde Händigkeit: Unsicherheit bei der Dominanz kann zu Verwirrung führen. Kinder kompensieren mit Kopf- oder Oberkörperverdrehung, um mit der dominanten Hand bis zur gegenüberliegenden Blattseite zu kommen.
- Beeinträchtigte Hand-Auge-Koordination
- Chronische innere Anspannung: Der ATNR gilt als einer der Reflexe, die mit dem frühkindlichen Schutzmechanismus vor Gefahr verbunden sind.
- Verstärkte Ängstlichkeit: Kinder mit aktivem ATNR wirken oft übervorsichtig, zurückhaltend oder gereizt - besonders in neuen oder ungewohnten Situationen.
Emotionale und soziale Auswirkungen
Die beschriebenen motorischen und kognitiven Herausforderungen erzeugen bei den betroffenen Kindern häufig Frustration, Rückzug oder Unsicherheit. Sie spüren, dass ihnen alltägliche Aufgaben schwerer fallen - ohne zu verstehen, warum.
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