Fußfehlstellungen sind Abweichungen von der normalen Fußform, die sowohl angeboren als auch erworben sein können. Während manche Abweichungen normal sind, können andere auf eine Fußfehlstellung hinweisen, die in der Regel progressiv ist und sich mit der Zeit verschlimmert. Dies führt oft zu Schmerzen in den Füßen und anderen Bereichen wie Rücken und Knie. Es ist wichtig, Fußfehlstellungen rechtzeitig zu erkennen, da sie unbehandelt die Lebensqualität negativ beeinflussen können.
Arten von Fußfehlstellungen
Es gibt verschiedene Arten von Fußfehlstellungen, darunter:
- Knickfuß (Pes valgus): Das Fersenbein knickt nach innen.
- Senkfuß: Das Fußlängsgewölbe senkt sich ab.
- Spreizfuß (Pes transversoplanus): Das Fußquergewölbe senkt sich ab, wodurch das Körpergewicht auf die mittleren Mittelfußknochen verlagert wird.
- Knick-Senk-Spreizfuß: Eine Kombination aus Knickfuß, Senkfuß und Spreizfuß.
- Hohlfuß (Pes cavus): Das Fußlängsgewölbe ist überhöht.
- Plattfuß (Pes planus): Längs- und Quergewölbe sind komplett abgesunken.
- Klumpfuß: Umfasst bis zu 5 verschiedene Fußdeformitäten (Pes equinus, varus, excavatus, supinatus und adductus).
- Sichelfuß (Pes adductus): Der Vorfuß weicht nach medial ab.
- Hackenfuß (Pes calcaneus): Die Ferse steht steil, und der Fuß ist in übermäßiger Dorsalflexion fixiert.
- Spitzfuß (Pes equinus): Eine dauerhafte Fehlstellung des Fußes in Plantarflexion, bei der die Ferse den Boden nicht mehr berührt.
Ursachen von Fußfehlstellungen
Fußfehlstellungen können angeboren oder erworben sein. Angeborene Fehlstellungen sind bereits bei der Geburt vorhanden, während erworbene Fehlstellungen sich im Laufe des Lebens entwickeln.
Angeborene Ursachen:
- Genetische Faktoren: Familiäre Häufung von Fußfehlstellungen deutet auf eine genetische Komponente hin.
- Intrauterine Lageanomalien: Eine Enge in der Gebärmutter oder Lageanomalien können zu Fußfehlstellungen führen.
- Fehlwachstum der Knochen, Sehnen und Bänder: Bei der Embryonalentwicklung kann es zu einer Störung der Wachstumsbalance zwischen den plantaren und dorsalen Strukturen des Fußes kommen.
- Arthrogryposis multiplex congenita (AMC): Ein seltenes Krankheitsbild, das durch Gelenkversteifungen oder Luxationen bei Muskelatrophie gekennzeichnet ist.
Erworbene Ursachen:
- Fehlbelastung: Langanhaltende Fehl- bzw. Überlastung der Füße, z. B. durch Übergewicht, falsches Schuhwerk (High Heels, ungepolsterte Schuhe) oder berufsbedingtes langes Stehen.
- Muskel- und Bänderschwäche: Eine Schwäche der Fußmuskulatur (insbesondere des M. tibialis posterior) und der Bänder kann zu einem Absinken des Fußgewölbes führen.
- Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie Apoplexie (Schlaganfall), Spina bifida, zerebrale Lähmung, Poliomyelitis, periphere Neuropathie oder Friedreich-Ataxie können zu Lähmungen und Muskelungleichgewichten führen, die Fußfehlstellungen verursachen.
- Traumata: Verletzungen der Fußmuskulatur, Sehnen und Bänder können ebenfalls Fußfehlstellungen zur Folge haben.
- Rheumatoide Arthritis: Diese Autoimmunerkrankung kann die Gelenke im Fuß schädigen und zu Fehlstellungen führen.
- Nervenschädigungen: Schädigungen der Nerven, die die Fußmuskulatur versorgen, können zu einem Ungleichgewicht der Muskelkräfte und somit zu Fußfehlstellungen führen.
- Kompartmentsyndrom: Eine Druckerhöhung in den Muskelkompartimenten des Unterschenkels kann zu Schädigungen der Fußmuskulatur und Nerven führen.
- Immobilität: Längere Phasen der Ruhigstellung ohne Abstützung des Fußes können zu einer Verkürzung der Achillessehne und anderen Muskeln führen.
Auswirkungen von Fußfehlstellungen
Fußfehlstellungen können eine Vielzahl von Auswirkungen auf den Körper haben, sowohl lokal im Fußbereich als auch in anderen Körperregionen.
Lokale Auswirkungen:
- Schmerzen: Schmerzen im Fuß, Knöchel oder in den Zehen sind häufige Symptome. Druckstellen, Schwielen und Hühneraugen können sich an den Stellen bilden, an denen der Fuß übermäßig belastet wird.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit in den Sprunggelenken kann vermindert sein, was die natürliche Abrollbewegung des Fußes beeinträchtigt.
- Instabilität: Ein instabiler Knöchel kann zu häufigem Umknicken führen.
- Zehenfehlstellungen: Krallenzehen oder Hammerzehen können sich als Folge von Muskelungleichgewichten entwickeln.
- Erhöhtes Risiko für Pilzerkrankungen und Wundheilungsstörungen: Stauungen in den Blutgefäßen und Lymphgefäßen des Fußes können zu trophischen Störungen an Nägeln und Haut führen.
Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat:
- Knie- und Hüftprobleme: Fußfehlstellungen können die Biomechanik des gesamten Beins verändern und zu Schmerzen und Arthrose in den Knie- und Hüftgelenken führen. Eine Tendenz zur X-Bein- oder O-Bein-Stellung kann sich entwickeln.
- Rückenschmerzen: Die veränderte Körperhaltung aufgrund von Fußfehlstellungen kann zu Verspannungen und Schmerzen im Rücken führen.
- Beckenschmerzen: Eine asymmetrische Spannung der Hüftmuskulatur kann zu Beckenschmerzen, Dysmenorrhö (Menstruationsbeschwerden) oder einem chronischen Beckenschmerzsyndrom (CPPS) führen.
- Kopfschmerzen: Über die Faszienketten kann die Spannung im Fuß bis zum Kopf übertragen werden und Kopfschmerzen verursachen.
Ataxie und Fußfehlstellungen
Ataxie ist eine Störung der Bewegungskoordination, die durch eine gestörte Steuerung und Abstimmung der Bewegungen entsteht. Sie kann verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Faktoren, Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumata, Entzündungen und toxische Einflüsse.
Lesen Sie auch: Die Bedeutung der MRT-Bildgebung für Kleinhirn-Ataxie
Eine häufige Fußfehlstellung bei Patienten mit Ataxie, insbesondere bei der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT), ist der Hohlfuß. CMT ist eine genetisch bedingte Erkrankung des peripheren Nervensystems, die zu Muskelschwäche und -atrophie führt. Die Veränderungen der Muskelaktivität können zu einer Hohlfußbildung führen, bei der das Längsgewölbe des Fußes stark überhöht ist.
Die Schwäche der Fußhebermuskeln, die bei vielen Nerven- und Muskelerkrankungen auftritt, kann ebenfalls zu Fußfehlstellungen führen. In leichten Fällen kann ein Therapieversuch mit Kräftigungstherapie unterstützt durch eine Lagerungsorthese empfohlen werden. Bei schwereren Formen ist die Verwendung einer Gehorthese („Toe-off-Orthese“) sehr wirksam. Auch die Verwendung von äußeren oder implantierten elektrischen Fußheber-Muskelstimulatoren kann das Gangbild deutlich verbessern. Soll eine gute Fußheberfunktion ohne dauerhaftes Tragen einer Orthese oder eines Stimulationsapparates erzielt werden, kann die operative Verkürzung der Fußhebermuskeln oder eine motorische Ersatzoperation durch einen Sehnentransfer einen dauerhaften Erfolg ermöglichen.
Diagnose
Die Diagnose von Fußfehlstellungen basiert in der Regel auf einer körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt die Fußform, die Beweglichkeit der Gelenke und die Muskelkraft beurteilt. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen eingesetzt werden, um die Knochenstruktur zu beurteilen und den Grad der Fehlstellung zu bestimmen. Eine Fußdruckmessung (Pedobarometrie) kann ebenfalls hilfreich sein, um die Druckverteilung unter dem Fuß zu analysieren.
Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache der Fußfehlstellung kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven und Muskeln zu überprüfen. In einigen Fällen können auch genetische Tests erforderlich sein, um eine erbliche Ataxie zu diagnostizieren.
Behandlung
Die Behandlung von Fußfehlstellungen richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Fehlstellung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
Lesen Sie auch: Schlaganfall und Ataxie: Was Sie wissen müssen
Konservative Behandlung:
- Schuheinlagen: Orthopädische Einlagen können helfen, das Fußgewölbe zu unterstützen und die Druckverteilung zu verbessern. Bei fast allen Beschwerden schaffen hochwertige Schuheinlagen Abhilfe.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Fußmuskulatur zu kräftigen, die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren. Neurophysiologische Therapiekonzepte können zum Einsatz kommen, um Potenziale von Muskeln zu wecken und Bewegungen anzubahnen. Übungen sollen die ausgleichende Muskulatur sowie Rumpf und rumpfnahe Muskeln trainieren. Sturzprophylaxe helfen den Betroffenen, ihren Alltag leichter und sicherer zu bewältigen.
- Dehnungsübungen: Dehnungsübungen können helfen, verkürzte Muskeln und Sehnen zu dehnen und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Orthesen: Orthesen können verwendet werden, um den Fuß zu stabilisieren und die Fehlstellung zu korrigieren. Nachtlagerungsorthesen können in Überkorrekturstellung einen wirkungsvollen wachstumslenkenden Effekt erreichen.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Bei spastischen Muskelverkürzungen können Botulinumtoxin-Injektionen eingesetzt werden, um die Muskeln zu entspannen.
- Fußgerechtes Schuhwerk: Das Tragen von Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen und einer guten Unterstützung des Fußgewölbes ist wichtig, um die Beschwerden zu lindern und die Entwicklung der Fehlstellung zu verlangsamen.
Operative Behandlung:
In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Fußfehlstellung zu korrigieren. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Art und Schweregrad der Fehlstellung eingesetzt werden können.
- Sehnenverlagerungen (Sehnentransfers): Bei Muskelungleichgewichten können Sehnenverlagerungen durchgeführt werden, um die Muskelkräfte auszugleichen. Vor allem bei jungen Patienten erzielen durch solche Eingriffe nach einer Umlernphase extrem gute Ergebnisse. Der Sehnentransfer soll in erster Linie die Progression der Erkrankung vermeiden.
- Knochenkorrekturen (Osteotomien): Bei knöchernen Fehlstellungen können Osteotomien durchgeführt werden, um die Knochen in die richtige Position zu bringen. Die Entfernung eines Fußkeiles am höchsten Punkt des Hohlfußes bietet eine gute Möglichkeit der Korrektur.
- Arthrodese (Gelenkversteifung): In schweren Fällen kann eine Arthrodese durchgeführt werden, um ein Gelenk zu versteifen und die Schmerzen zu lindern. Nach Wachstumsabschluss können strukturelle Knickplattfüße mittels Chopart- oder Triple-Arthrodese (Versteifung des Rückfußes in normaler Stellung) korrigiert werden, um eine Belastbarkeit und Schuhfähigkeit für das Sitzen, Stehen oder Gehen zu erreichen.
- Weichteiloperationen: Bei schweren Fällen sind knöcherne Operationen mit einer Verkürzung des äußeren oder Verlängerung des inneren Fußrandes indiziert.
Prävention
Einem angeborenen Hohlfuß können Sie nicht vorbeugen. Ein erworbener Hohlfuß kann durch zu kleine Schuhe oder zu hohe Absätze entstehen. Daher ist es wichtig, auf fußgerechtes Schuhwerk zu achten.
- Fußgerechtes Schuhwerk: Das Tragen von Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen und einer guten Unterstützung des Fußgewölbes ist wichtig, um die Entwicklung von Fußfehlstellungen zu verhindern.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie langes Stehen oder Gehen auf hartem Untergrund oder in ungeeignetem Schuhwerk.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Füße zusätzlich und kann die Entwicklung von Fußfehlstellungen begünstigen.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Kräftigung der Fußmuskulatur können helfen, die Füße gesund zu halten.
Lesen Sie auch: SAP: Ein Überblick