Morbus Parkinson, auch bekannt als Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dies führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen. Zu den nicht-motorischen Symptomen gehören Atembeschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die in erster Linie das dopaminproduzierende Neuronen im Gehirn betrifft. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt. Durch den Dopaminmangel kommt es zu den typischen Parkinson-Symptomen wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und Haltungsinstabilität.
Ursachen von Atembeschwerden bei Parkinson
Atembeschwerden bei Parkinson können verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenhängen:
- Muskelsteifheit (Rigor) und Bewegungsarmut (Akinese): Die durch den Dopaminmangel verursachte Akinese und Rigor führen dazu, dass sich die Atemmuskeln weniger bewegen. Eine erhöhte Spannung (Rigor) und eingeschränkte Beweglichkeit (Hypokinese) der Atemmuskeln führen häufig zu einer flachen, kurzen und hastigen Atmung. Auch können die Stimmlippen, die wir zur Erzeugung eines Tones brauchen, nicht immer komplett geschlossen werden und es entweicht beim Sprechen zuviel Luft, sogenannte "wilde Luft". Die Spannung in der Streck- und Beugemuskulatur ist Auslöser für die oft gebeugte und manchmal seitwärts geneigte Haltung vieler Parkinson-Patienten. Dieses könnte nicht nur mit der erhöhten Brustwandsteifigkeit und eingeschränkter Atemmuskelaktivität, sondern auch auf ein vermindertes Lungenvolumen aufgrund der Kyphoskoliose (übermäßige seitliche und hintere Krümmung der Wirbelsäule) bei Morbus Parkinson hindeuten.
- Funktionsstörung der oberen Atemwegsmuskulatur: Eine der häufigsten festgestellten Ursachen für Atemnot bei Parkinson ist eine Funktionsstörung der oberen Atemwegsmuskulatur. Die dadurch beeinträchtigte Atmung ist in erster Linie mit Haltungsschwäche der Atemmuskulatur und Veränderungen der Aktivierung und Koordination der oberen Atemwege verbunden. Es wird aber auch diskutiert, ob die muskuläre Komponente die Hauptursache für die Atmungsstörung ist.
- Schluckstörungen und Aspiration: Schluckstörungen (Dysphagie) sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten. Sie können dazu führen, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre (Aspiration) gelangt, was zu Husten, Atemnot und im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen kann. Auf die Frage, ob man sich verschluckt, ist die häufigste Antwort: "Nein, aber ich huste oft beim Essen oder danach!" Das Husten ist ein sehr wichtiges Anzeichen dafür, dass während des Schluckens flüssige oder feste Nahrung in die 'falsche Kehle' (Luftröhre) gelangt ist (dies nennt man Aspiration), was zu einem ausgeprägten Hustenreiz führen kann. Sicherlich ist die häufigste Todesursache bei Parkinson-Patienten die Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch eingeatmete Speisereste) aufgrund von Schluckstörungen und gestörtem Hustenreflex.
- Eingeschränkte Stimmbandfunktion: Auch können die Stimmlippen, die wir zur Erzeugung eines Tones brauchen, nicht immer komplett geschlossen werden und es entweicht beim Sprechen zuviel Luft, sogenannte "wilde Luft".
- Zusätzliche Faktoren: Weitere Faktoren, die zu Atembeschwerden bei Parkinson beitragen können, sind bestehende Lungenerkrankungen, Herzprobleme, Übergewicht, Angstzustände und Depressionen.
Symptome von Atembeschwerden bei Parkinson
Die Symptome von Atembeschwerden bei Parkinson können vielfältig sein und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Häufige Symptome sind:
- Atemnot (Dyspnoe)
- Kurzatmigkeit
- Engegefühl in der Brust
- Husten
- Keuchen
- Pfeifende Atemgeräusche (Giemen)
- Erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe)
- Verminderte körperliche Belastbarkeit
- Schlafbezogene Atmungsstörungen
Diagnose von Atembeschwerden bei Parkinson
Die Diagnose von Atembeschwerden bei Parkinson erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt, idealerweise einen Pneumologen oder Neurologen. Zu den diagnostischen Maßnahmen können gehören:
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden.
- Körperliche Untersuchung: Abhören der Lunge, Beurteilung der Atemmuskulatur und der Körperhaltung.
- Lungenfunktionstest: Messung der Lungenvolumina und der Atemflussgeschwindigkeiten.
- Blutgasanalyse: Messung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalts im Blut.
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Darstellung der Lunge und des Herzens.
- Computertomographie (CT) des Brustkorbs: Detailliertere Darstellung der Lunge und der Atemwege.
- Schlafapnoe-Screening: Untersuchung auf schlafbezogene Atmungsstörungen.
- Schluckuntersuchung: Beurteilung der Schluckfunktion, um Aspiration auszuschließen. Eine klinische Diagnostik durch einen Logopäden umfasst:Ein Gespräch zum Krankheitsverlauf und zu Beschwerden in Bezug auf das Schlucken inklusive Angaben von Angehörigen (Anamnesegespräch), Eine Untersuchung der am Schlucken beteiligten Organe (Lippen, Kiefer, Wangen, Zunge, Gaumensegel, Kehlkopf), Testen der Funktionsfähigkeit des Schluckablaufs anhand unterschiedlicher Konsistenzen, Beobachtung des Schluckens in unterschiedlichen Wirkphasen der Medikation, Testen der Schutzreflexe Räuspern und Husten, Beobachtungen zur Häufigkeit des Schluckens und Auslösung des Schluckreflexes, Beurteilung des Stimmklanges (feuchte oder gurgelnde Stimme/"wet voice").
Behandlung von Atembeschwerden bei Parkinson
Die Behandlung von Atembeschwerden bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen vorzubeugen. Die Therapie kann verschiedene Ansätze umfassen:
- Medikamentöse Therapie:
- Anpassung der Parkinson-Medikation: Eine Optimierung der Parkinson-Medikation kann dazu beitragen, die Muskelsteifheit und Bewegungsarmut zu reduzieren und somit die Atemfunktion zu verbessern.
- Bronchodilatatoren: Bei Verengung der Atemwege können Bronchodilatatoren eingesetzt werden, um die Atemwege zu erweitern und die Atmung zu erleichtern.
- Mukolytika: Bei vermehrter Schleimproduktion können Mukolytika helfen, den Schleim zu lösen und das Abhusten zu erleichtern.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen der Atemwege können Antibiotika erforderlich sein.
- Atemtherapie:
- Atemübungen: Atemübungen können helfen, die Atemmuskulatur zu stärken, die Atemtechnik zu verbessern und die Atemnot zu reduzieren. Respiratorisches Training ist wirksam bei Morbus Parkinson und Dyspnoe. In einer ersten Studie wurden die Auswirkungen eines hochintensiven Atemmuskeltrainings (kombiniertes inspiratorisches und exspiratorisches Muskeltraining) bei Personen mit Parkinson untersucht. Dabei zeigte sich, dass hochintensives Atemmuskeltraining das Potenzial hat, die inspiratorische und exspiratorische Muskelkraft bei den Parkinsonpatienten zu verbessern. Weiterhin kann es die inspiratorische Muskelausdauer, die Dyspnoe-Wahrnehmung, die Müdigkeit, Belastbarkeit und Lebensqualität verbessern. Atemmuskeltraining ist einfach, leicht verständlich und kann vor Ort durchgeführt werden. Eine Erhöhung des Trainingsvolumens (Belastung, Dauer oder Häufigkeit) kann die Ergebnisse verbessern.
- Inspiratorisches Muskeltraining: Dieses Training zielt darauf ab, die Kraft und Ausdauer der Einatemmuskulatur zu verbessern.
- Exspiratorisches Muskeltraining: Dieses Training zielt darauf ab, die Kraft und Ausdauer der Ausatemmuskulatur zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, die Sprech- und Schluckfunktion zu verbessern und das Risiko einer Aspiration zu verringern. Durch die Beeinträchtigung der Verständlichkeit kommt es zu häufigem Nachfragen, was zu Sprechangst, Sprechvermeidung und Frust führt. Deswegen ist es wichtig, dass man möglichst direkt nach der Diagnosestellung "Parkinson" ein Stimm- und Sprechtraining beginnt.
- Physiotherapie:
- Körperhaltung und Beweglichkeit: Physiotherapie kann helfen, die Körperhaltung zu verbessern, die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule zu fördern und die Atemmuskulatur zu dehnen.
- Mobilisierungstechniken: Diese Techniken können helfen, die Beweglichkeit des Brustkorbs und der Rippen zu verbessern.
- Hustentechniken: Physiotherapeuten können Patienten Hustentechniken beibringen, um das Abhusten von Schleim zu erleichtern.
- Ernährungstherapie:
- Anpassung der Konsistenz: Bei Schluckstörungen kann es erforderlich sein, die Konsistenz der Nahrung anzupassen, um das Schlucken zu erleichtern und das Risiko einer Aspiration zu verringern.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um den Schleim zu verflüssigen und das Abhusten zu erleichtern.
- Weitere Maßnahmen:
- Sauerstofftherapie: Bei schwerer Atemnot kann eine Sauerstofftherapie erforderlich sein, um den Sauerstoffgehalt im Blut zu erhöhen.
- Nicht-invasive Beatmung (NIV): In einigen Fällen kann eine nicht-invasive Beatmung erforderlich sein, um die Atmung zu unterstützen.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Lungenerkrankungen, Herzproblemen, Angstzuständen und Depressionen kann ebenfalls zur Verbesserung der Atembeschwerden beitragen.
- Hilfsmittel: In bestimmten Fällen können Hilfsmittel wie Atemtrainer oder Inhalationsgeräte die Therapie unterstützen.
Schluckstrategien im Eigentraining
Es gibt verschiedene, zielgerichtete Behandlungsmethoden und Übungen, um bestehende Schluckstörungen zu überwinden. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen:
- RESTITUIERENDE VERFAHREN (RV): Dienen zum Aufbau erhaltener Restfunktionen und streben eine maximale Beweglichkeit an (Mobilisation).
- KOMPENSATORISCHE VERFAHREN (KV): Zum Erlernen von Schlucktechniken und Haltungsänderungen, um den Schluckakt zu unterstützen.
- ADAPTIERENDE VERFAHREN (AV): Beinhalten eine Kostanpassung bzw. einen Einsatz spezieller Ess- und Trinkhilfen (z. B. Andickungsmittel).
Selbsthilfe und Vorbeugung
Neben der ärztlichen Behandlung können Parkinson-Patienten selbst einiges tun, um Atembeschwerden vorzubeugen oder zu lindern:
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Atemmuskulatur zu stärken und die allgemeine körperliche Fitness zu verbessern.
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken und Infektionen der Atemwege vorzubeugen.
- Vermeidung von Reizstoffen: Das Vermeiden von Reizstoffen wie Tabakrauch, Staub und Chemikalien kann helfen, die Atemwege zu schonen.
- Ausreichend trinken: Ausreichend trinken kann helfen, den Schleim zu verflüssigen und das Abhusten zu erleichtern.
- Inhalation: Inhalation mit Salzlösung oder ätherischen Ölen kann helfen, die Atemwege zu befeuchten und zu beruhigen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt können helfen, Atembeschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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