Atemstörungen bei Parkinson: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich motorische Funktionen beeinträchtigt. Neben den klassischen Symptomen wie Muskelzittern, verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor) und Gleichgewichtsstörungen, können auch nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Atemstörungen gehören zu diesen oft unterschätzten, nicht-motorischen Symptomen.

Einführung

Atemstörungen bei Parkinson-Patienten sind ein wichtiges Thema, da sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Bereits James Parkinson erkannte im Jahr 1817 einen Zusammenhang zwischen Parkinson und der Atmung. Es ist wichtig, diese Beschwerden zu erkennen und adäquat zu behandeln.

Ursachen von Atemstörungen bei Parkinson

Verschiedene Faktoren können zu Atemstörungen bei Parkinson führen:

  • Funktionsstörung der oberen Atemwegsmuskulatur: Eine der häufigsten Ursachen ist eine Beeinträchtigung der Atemmuskulatur, die mit Haltungsschwäche und Veränderungen der Aktivierung und Koordination der oberen Atemwege verbunden ist.
  • Eingeschränkte Atemmuskulaturaktivität: Die restriktive Form der Atemstörung, bei der die Lunge weniger flexibel ist, tritt bei einem Großteil der Parkinsonpatienten auf. Dies kann auf eine erhöhte Brustwandsteifigkeit und eingeschränkte Atemmuskelaktivität zurückzuführen sein.
  • Vermindertes Lungenvolumen: Eine Kyphoskoliose (übermäßige seitliche und hintere Krümmung der Wirbelsäule) kann ebenfalls zu einem verminderten Lungenvolumen beitragen.
  • Schluckstörungen und gestörter Hustenreflex: Diese können zu einer Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch eingeatmete Speisereste) führen, die eine häufige Todesursache bei Parkinson-Patienten darstellt.
  • Medikamentöse Behandlung: Auch Parkinson-Medikamente können theoretisch zu Kreislaufproblemen führen, die sich wiederum auf die Atmung auswirken können.

Arten von Atemstörungen bei Parkinson

Bei Parkinson-Patienten können verschiedene Arten von Atemstörungen auftreten:

  • Tachypnoe: Erhöhte Atemfrequenz.
  • Dyspnoe: Atemnot, die als Kurzatmigkeit empfunden wird. Die Dyspnoe kann mit der Schwere der Erkrankung zunehmen.
  • Verminderter Atmungsdruck.
  • Schlafbezogene Atmungsstörungen.
  • Verminderte körperliche Belastbarkeit.
  • Obstruktive Atemstörungen: Verengung der Atemwege.
  • Restriktive Atemstörungen: Die Lunge ist weniger flexibel.

Symptome von Atemstörungen bei Parkinson

Atemstörungen bei Parkinson können sich durch verschiedene Symptome äußern:

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  • Atemnot (Dyspnoe): Subjektives Gefühl der Kurzatmigkeit, das sich bei Belastung verstärken kann.
  • Erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe): Schnelleres Atmen als normal.
  • Husten: Kann durch Verschlucken oder eine beginnende Lungenentzündung verursacht werden.
  • Verminderte Belastbarkeit: Schnellere Erschöpfung bei körperlicher Anstrengung.
  • Schlafstörungen: Atemprobleme können den Schlaf beeinträchtigen und zu Müdigkeit am Tag führen.
  • Veränderte Stimme: Hypophonie, brüchige Stimme oder Stridor können auf obstruktive Symptome der oberen Atemwege hinweisen.
  • Angst und Panik: Atemnot kann Angst und Panik auslösen, was die Symptome zusätzlich verstärken kann.

Diagnose von Atemstörungen bei Parkinson

Die Diagnose von Atemstörungen bei Parkinson erfordert eine umfassende Untersuchung, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln und andere Erkrankungen auszuschließen. Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

  • Lungenfunktionsprüfung: Messung der Lungenvolumina und des Atemflusses, um obstruktive oder restriktive Muster zu erkennen.
  • Blutgasanalyse: Messung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalts im Blut, um die Effizienz der Atmung zu beurteilen.
  • Pulsoxymetrie: Messung der Sauerstoffsättigung im Blut.
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs: Darstellung der Lunge und des Herzens, um andere Ursachen für Atemnot auszuschließen.
  • Schlafapnoe-Screening: Untersuchung auf schlafbezogene Atmungsstörungen.
  • HNO-ärztliche Untersuchung: Beurteilung der oberen Atemwege, um Verengungen oder andere Probleme zu erkennen.

Behandlung von Atemstörungen bei Parkinson

Die Behandlung von Atemstörungen bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lungenfunktion zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.

  • Medikamentöse Therapie:
    • Anpassung der Parkinson-Medikation, um mögliche Nebenwirkungen auf die Atmung zu minimieren.
    • Behandlung von Begleiterkrankungen wie Asthma oder COPD.
  • Atemtherapie:
    • Atemmuskeltraining zur Stärkung der Atemmuskulatur und Verbesserung der Atemtechnik. Hochintensives Atemmuskeltraining kann die inspiratorische und exspiratorische Muskelkraft verbessern, die Dyspnoe-Wahrnehmung reduzieren und die Belastbarkeit steigern.
    • Erlernen von Entspannungstechniken zur Reduzierung von Angst und Panik bei Atemnot.
    • Sekretmobilisationstechniken zur Unterstützung des Abhustens von Schleim.
  • Logopädie:
    • Behandlung von Schluckstörungen, um das Risiko einer Aspirationspneumonie zu verringern.
    • Verbesserung der Stimmfunktion und Sprechweise.
  • Physiotherapie:
    • Krankengymnastik zur Verbesserung der Körperhaltung und Beweglichkeit des Brustkorbs.
    • Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur.
  • Sauerstofftherapie:
    • Bei schwerer Atemnot kann die Zufuhr von Sauerstoff über eine Nasensonde oder Maske erforderlich sein.
  • Nicht-invasive Beatmung (NIV):
    • In einigen Fällen kann eine NIV-Therapie erforderlich sein, um die Atmung zu unterstützen, insbesondere während des Schlafs.
  • Ernährungstherapie:
    • Anpassung der Ernährung bei Schluckstörungen, um das Risiko des Verschluckens zu minimieren.
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Schleimproduktion zu verflüssigen.
  • Weitere Maßnahmen:
    • Regelmäßige Bewegung und körperliche Aktivität zur Verbesserung der allgemeinen Fitness und Lungenfunktion.
    • Vermeidung von Reizstoffen wie Rauch und Staub.
    • Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen.
    • Psychologische Unterstützung zur Bewältigung von Angst und Depressionen.

Künstliche Intelligenz zur Früherkennung

Ein vielversprechender Ansatz zur Früherkennung von Parkinson ist die Nutzung künstlicher Intelligenz (KI). Forscher haben ein KI-System entwickelt, das anhand der nächtlichen Atemmuster eines Menschen die Anzeichen der Erkrankung erkennen kann. Die Datenerfassung erfolgt kontaktlos über ein kleines Gerät im Schlafzimmer. Dieses System kann mit einer Treffsicherheit von über 80 Prozent die Erkrankung erkennen und eignet sich somit als Hinweissystem, das mit weiteren Tests verbunden werden kann.

Weitere Aspekte der Parkinson-Behandlung

Neben der Behandlung von Atemstörungen ist es wichtig, auch andere Aspekte der Parkinson-Erkrankung zu berücksichtigen:

  • Motorische Symptome: Medikamentöse Therapie mit L-Dopa, Dopaminagonisten, COMT-Hemmern, MAO-Hemmern und NMDA-Antagonisten. In einigen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden.
  • Nicht-motorische Symptome: Behandlung von neuropsychiatrischen Störungen (Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen), kognitiven Störungen und autonomen Funktionsstörungen (Blutdruckschwankungen, Blasen- und Darmfunktionsstörungen).
  • Begleittherapien: Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Unterstützung.

Mythen und Fakten über Parkinson

Es gibt viele Mythen über die Parkinson-Krankheit und ihre Behandlung. Es ist wichtig, zwischen Fakten und Fiktionen zu unterscheiden:

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  • Mythos: Parkinson hat nur Einfluss auf die Bewegung.
    • Fakt: Viele Symptome sind bewegungsunabhängig.
  • Mythos: Die Symptome sind immer sichtbar.
    • Fakt: Die Symptome können schwanken und nicht immer sichtbar sein.
  • Mythos: Levodopa wirkt nur für einen Zeitraum von ungefähr fünf Jahren.
    • Fakt: Levodopa wirkt Jahrzehnte.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von Parkinson erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, darunter Neurologen, Pneumologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Psychologen. Durch eine interdisziplinäre Betreuung können die individuellen Bedürfnisse der Patienten optimal berücksichtigt und die bestmöglichen Behandlungsergebnisse erzielt werden.

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