Hirntumoren: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Ein Hirntumor ist eine Gewebewucherung innerhalb des Schädels, die das Gehirn in seiner Funktion beeinträchtigt. Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems, das heißt an Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks. Obwohl ein Hirntumor in jedem Alter vorkommen kann, stellt der Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie ihn meistens bei Kindern zwischen dem 3. und 12. Lebensjahr fest sowie bei Erwachsenen zwischen dem 65. und 85. Lebensjahr. Etwa 8.000 Menschen bekommen in Deutschland jährlich die Diagnose „Hirn-Tumor“ neu gestellt.

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumoren, einschließlich ihrer Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Das komplexe Organ: Das Gehirn

Das Gehirn ist ein hoch spezialisiertes Organ, das komplexe Körperfunktionen steuert: Sinnesreize wahrnehmen und verarbeiten, Gedächtnisinhalte anlegen und speichern, Lernprozesse und Bewegungen steuern, Sprache verstehen und formulieren, Gefühle entwickeln, verstehen und ausdrücken. Es ist außerdem für die Ausprägung der Persönlichkeit verantwortlich.

Das Gehirn liegt im Inneren des knöchernen Schädels und wird dadurch außerordentlich gut vor äußeren Einwirkungen - etwa Stößen, Schlägen, aber auch extremen Temperaturen - geschützt. Diese starre äußere Begrenzung führt allerdings dazu, dass Erkrankungen, bei denen die Gehirnmasse zunimmt, den Druck im Schädelinneren lebensbedrohlich erhöhen können.

Gut zu wissen: Gehirn und Rückenmark bilden gemeinsam das zentrale Nervensystem (ZNS), das aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen) besteht. Die Nervenzellen wiederum bestehen aus den Zellkernen und den Nervenzellfortsätzen (Axonen). Die Gesamtheit der Zellkerne wird auch graue Substanz genannt. Sie liegt im äußeren Teil des Gehirns und bildet unter anderem die Großhirnrinde. Die Gesamtheit der Nervenzellfortsätze wird als weiße Substanz bezeichnet. Hier sind die Nervenzellfortsätze kompliziert verschaltet und vermitteln Informationen in Richtung des Gehirns oder vom Gehirn in den Körper.

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Zwischen dem Schädelknochen und der Gehirnoberfläche befinden sich die Hirnhäute sowie das Nervenwasser (Liquor), welches das gesamte Gehirn und das Rückenmark umspült. Nervenwasser befindet sich auch im Inneren des Gehirns, wo es die Gehirnkammern (Ventrikel) ausfüllt.

Gut zu wissen: Die wesentlichen Anteile des menschlichen Gehirns werden als Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm bezeichnet. Das Großhirn (Cerebrum) nimmt etwa 80 Prozent der Gehirnmasse ein. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch das Corpus callosum miteinander verbunden sind. Jede Gehirnhälfte wird in vier Gehirnlappen unterteilt, die unterschiedliche Körperfunktionen steuern.

  • Frontallappen: Bewegung, Sprache, Geistige Leistungen, Persönlichkeitsmerkmale, Willkürliche Bewegungen der Augen
  • Scheitellappen: Erinnerung und Gedächtnis, Gefühlsempfindungen (z. B.
  • Das Kleinhirn (Cerebellum) liegt im hinteren Bereich des Schädels unter dem Großhirn. Es ist mit dem Hirnstamm verbunden, der seinerseits das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet.
  • Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen und sorgt unter anderem dafür, dass wir das Gleichgewicht halten können.
  • Der Hirnstamm beherbergt die Nervenbahnverbindungen zwischen Gehirn und Rückenmark. Er ist zuständig für unbewusst ablaufende Funktionen und Reflexe (beispielsweise Schluckreflex, Husten, Speichelproduktion und andere).

Ein Mensch hat zirka 200 Milliarden Nervenzellen. Eine einzelne Nervenzelle kann bis zu zehntausend Fortsätze (Axone) aussenden, um mit anderen Nervenzellen Kontakte (Synapsen) auszubilden und über diese Informationen auszutauschen. Diese Zahlen zeigen, wie vielfältig und komplex das Gehirn aufgebaut ist.

Übrigens: Anders als normale Körperzellen können Nervenzellen sich nach der Geburt nur noch begrenzt teilen. Die zahlreichen feinen Blutgefäße (Kapillaren) des Gehirns bilden die sogenannte Blut-Hirn-Schranke. Diese grenzt das zentrale Nervensystem gegen den Blutkreislauf ab. So können Krankheitserreger und andere schädliche Stoffe nicht ins Gehirn gelangen. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sitzt an der Basis des Gehirns etwa auf Höhe der Augen.

Was ist ein Hirntumor?

Bei einem Gehirntumor handelt es sich um eine Wucherung im Gehirn. Dieser Tumor kann gutartig, auch benigne genannt, oder bösartig, maligne, sein. Hirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe oder den Gehirnhäuten, dann spricht man von einem primären Hirntumor. Sitzt der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion und hat im Gehirn Metastasen gebildet, handelt es sich um einen sekundären Hirntumor.

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Gutartig oder bösartig?

Die meisten Hirntumore sind gutartig. Zwei Drittel aller Tumore im Gehirn sind gutartig. Bösartige Tumore kommen eher selten vor. Bei Erwachsenen machen sie ein Prozent aller Krebserkrankungen aus, bei Kindern 20 Prozent. Auch gutartige Gehirntumore können lebensbedrohlich sein, da sie Gehirnmasse verdrängen, wegen der festen Schädeldecke aber keine Möglichkeit der Ausdehnung besteht.

Verschiedene Arten von Hirntumoren

Es gibt mehr als 100 verschiedene Tumoren bekannt, die sich im Gehirn bilden können. Mit etwa 50 Prozent aller primären Tumoren des zentralen Nervensystems sind Gliome die häufigsten Hirntumoren. Sie leiten sich von den Gliazellen ab. Da das Gehirn mehrere Arten dieser Stützzellen enthält, lassen sich Gliome wiederum in verschiedene Untergruppen einteilen.

Gliale Hirntumoren werden nach folgenden Kriterien eingeteilt:

  • Histopathologisch: Untersuchung einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop
  • Molekulare Analyse: Untersuchung von genetischen Merkmalen

Einige Beispiele für Hirntumoren sind:

  • Astrozytome: Entstehen aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten). Sie sind die häufigsten Gliome und können in allen vier WHO-Graden auftreten. Dabei ist das pilozytische Astrozytom (WHO-Grad 1) ein gutartiger Hirntumor, an der überwiegend Kinder und junge Erwachsene erkranken. Diffuse Astrozytome der WHO-Grade 2 und 3 wachsen langsam und haben keine deutliche Grenze zum umliegenden Gewebe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zunächst wenig bösartig (maligne) sind, im Laufe der Erkrankung aber bösartiger werden können. Das bösartigste Gliom ist das Glioblastom (Glioblastoma multiforme - WHO-Grad 4).
  • Oligodendrogliome: Entstehen aus den Stützzellen, welche die Markscheiden bilden (Oligodendrozyten).
  • Ependymome: Entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.
  • Medulloblastom: Das Medulloblastom gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter. Es handelt sich um eine Geschwulst des Kleinhirns, die aus unreifen Zellen des kindlichen Gehirns entsteht.
  • Meningeome: Entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus. Betroffen sind überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter, vor allem Frauen. In 85 Prozent der Fälle werden Meningeome als gutartige Hirntumoren in den WHO-Grad 1 eingestuft und können durch operative Entfernung geheilt werden. Etwa zehn Prozent der Meningeome sind jedoch sogenannte atypische Meningeome (WHO-Grad 2). Bösartige Meningeome (WHO-Grad 3) werden nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen beobachtet.
  • Neurinome: Bilden sich aus den die markscheidenbildenden Schwann-Zellen der Hirn- und Rückenmarknerven. Sie entstehen meist in der hinteren Schädelgrube, wo sie Strukturen des Hirnstamms und des Kleinhirns in Mitleidenschaft ziehen können. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen, der für den Gehör- und Gleichgewichtssinn zuständig ist (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom). Auch Neurinome sind gutartige Hirntumoren, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle dem WHO-Grad 1 entsprechen.
  • Lymphome: Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können im Gehirngewebe Tumoren aus Lymphzellen entstehen. Das sind Zellen, die an der körpereigenen Abwehr beteiligt sind und zum Beispiel in Lymphknoten, Milz und Blut vorkommen.
  • Hypophysenadenome: Hypophysenadenome zählen im engeren Sinn nicht zu den Hirntumoren. Diese entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. In den meisten Fällen sind Hypophysenadenome gutartige Tumoren (WHO-Grad 1) mit günstiger Prognose.
  • Gehirnmetastasen: Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen). Diese Metastasen im Kopf sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns.

Ursachen von Hirntumoren

Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen, die zur Entstehung eines Hirn-Tumors führen, nicht bekannt. Einige Lebensgewohnheiten sollen jedoch eine Rolle spielen. Etwa das Rauchen und ein übermäßiger Alkoholkonsum. Als Risikofaktoren gelten auch Pestizide oder Herbizide sowie krebsfördernde Viren (Tumorviren). Menschen mit einer HIV-Infektion, bei denen die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, dass ein Hirn-Tumor festgestellt wird. Außerdem tritt er bei der Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen), einer erblichen Erkrankung, häufiger auf.

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Symptome von Hirntumoren

Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Bis ein Hirntumor Symptome verursacht, vergeht manchmal eine längere Zeitspanne. Oft löst ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als erst- oder zweitgradig eingestufter Hirntumor erst nach Monaten Symptome aus. Bei WHO-Grad 3 oder 4 entstehen die ersten Anzeichen für einen Hirntumor dagegen schon nach wenigen Wochen bis Tagen.

Wenn ein Hirntumor Symptome verursacht, hat das verschiedene Gründe:

  • Der Tumor nimmt - egal, ob gut- oder bösartig - meist sehr viel Platz ein. Mediziner bezeichnen diese Tumore als raumfordernd. Dadurch verdrängt der Tumor wichtige Strukturen im Gehirn und beeinträchtigt diese in ihrer Funktion. Es ist auch möglich, dass er in das umliegende Hirngewebe einwächst (statt es zu verdrängen) und es zerstört - je nach betroffenem Gebiet resultieren daraus entsprechende Symptome.
  • Ein raumfordernder Tumor lässt je nach Größe in der Regel den Druck im Schädel ansteigen. Denn anders als in anderen Organen ist der Raum innerhalb des knöchernen Schädels begrenzt. So resultieren etwa neu auftretende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oft aus dem Druckanstieg und sind mögliche Anzeichen für einen Hirntumor.
  • Insbesondere bösartige Hirntumoren zerstören Teile des Nerven- beziehungsweise Hirngewebes, das die Tumorzellen befallen haben. So kommt es auch bei kleineren Tumoren, die wenig bis gar keinen Raum fordern, zu entsprechenden neurologischen Ausfällen und Symptomen.

Es gibt aber einige Symptome, die als Warnzeichen dienen können. Das sind beispielsweise:

  • Kopfschmerzen: Neu auftretende Kopfschmerzen, die über einige Tage oder Wochen immer heftiger werden und im Liegen zunehmen, sind ein verdächtiges und typisches Anzeichen, das meist zuerst bei Hirntumoren auftritt. Kopfschmerzen wegen eines Hirntumors äußern sich dadurch, dass sie nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten. Sie bessern sich tagsüber häufig spontan. Schmerzintensität oder Schmerzcharakter beschreiben Betroffene oft als ganz anders im Vergleich zu vorher erlebten Kopfschmerzen. Meistens lassen sich tumorbedingte Kopfschmerzen durch herkömmliche Schmerzmittel nur wenig oder gar nicht lindern, da der Druckanstieg im Schädel durch den wachsenden Tumor die Beschwerden auslöst.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Menschen entwickeln bei einem Hirntumor Symptome wie Übelkeit und Erbrechen. Auch diese Beschwerden sind meist die Folge des erhöhten Hirndrucks. Oft ist den Betroffenen in den Morgenstunden übel, obwohl sie nichts gegessen haben.
  • Sehstörungen: An praktisch jeder Stelle dieses Weges ist es möglich, dass ein Hirntumor Symptome im Sinne von Sehstörungen auslöst. Meistens fällt ein bestimmtes Areal im Gesichtsfeld aus - Betroffene nehmen es einfach als schwarzen Fleck wahr. Mediziner nennen das Gesichtsfeldausfälle. Sehstörungen zeigen sich mitunter auch dadurch, dass Betroffene Bilder doppelt sehen. Sehstörungen treten besonders oft bei einem Hypophysenadenom auf.
  • Weitere neurologische Ausfälle: Neben Sehstörungen deuten auch andere neurologische Ausfälle auf einen Hirntumor hin. Mögliche Symptome im Sinne neurologischer Ausfälle sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle (etwa an einzelnen Gliedmaßen) oder Sprachstörungen. Ebenso typisch sind Zuckungen beispielsweise der Augenlider und plötzliches Kribbeln. Weiterhin sind Schluckstörungen oder eine veränderte Geschmackswahrnehmung mögliche tumorbedingte Symptome. Betroffene leiden oft unter Schwindel und Schwerhörigkeit oder Ohrenpfeifen (Tinnitus).
  • Krampfanfall: Ein neu auftretender epileptischer Krampfanfall ist vor allem bei Kindern oft eines der allerersten Hirntumor-Symptome, das vorrangig bei primären Hirntumoren auftritt.
  • Hormonelle Störungen: Hirntumor-Symptome treten auch in Form verschiedenster hormoneller Störungen auf. Das ist beispielsweise bei einem Hypophysenadenom der Fall: Die Hypophyse ist eine wichtige Drüse im Gehirn, die Hormone produziert, welche die Funktion anderer Hormondrüsen im Körper regulieren. Ein Tumor der Hypophyse greift hier störend ein. Mögliche Folgen sind Symptome, die etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Körperwachstum oder die Sexualität betreffen.
  • Beeinträchtigung des Gedächtnisses: Ein bösartiger Prozess im Kopf verursacht teilweise auch kognitive Symptome. Hirntumor-Erkrankte sind beispielsweise in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt und schlechter in der Lage, sich bestimmte Dinge zu merken.
  • Veränderungen der psychischen Gesundheit: Es ist möglich, dass ein Hirntumor die psychische Gesundheit beeinträchtigt. So sind manchmal Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie) und Angst auf die Erkrankung zurückzuführen.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Persönlichkeitsstörungen zählen ebenfalls zu den Symptomen, die möglicherweise auf einen Hirntumor zurückzuführen sind. Meist fällt das den Betroffenen selbst gar nicht auf, wohl aber ihren Mitmenschen. Erkrankte sind zum Beispiel leichter reizbar oder weniger konzentriert und leichter abgelenkt.

Besonderheit bei Kindern mit Hirntumor

Babys und Kleinkinder, die bereits an einem Hirntumor leiden, haben oft einen vergrößerten Kopf (Hydrozephalus), im Volksmund Wasserkopf genannt. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten. Dadurch benötigt das Gehirn mehr Platz und der Schädel vergrößert sich. Kinder mit einem Hydrozephalus sind meist zusätzlich durch Entwicklungsstörungen wie geistige Behinderungen gekennzeichnet.

Diagnose von Hirntumoren

Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Der erste Schritt zur Diagnose ist immer die Anamnese, d. h. ein Abfragen der Krankheitsgeschichte. Anschließend ist eine neurologische Untersuchung notwendig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.

Im Rahmen der Diagnose eines Hirntumors wird Ihr Arzt in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut, Ginkgopräparate oder grüner Tee). Denn auch diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.

Tipp: Vielleicht machen Sie sich vor dem Arztbesuch schon ein paar Notizen, damit Sie in dem Gespräch auch an alles denken. Beschreiben Sie Ihrem Arzt all Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Selbst Einzelheiten, die Ihnen unwichtig erscheinen, können für Ihren Arzt wichtig sein. Dazu gehören auch Informationen darüber, ob Sie vielleicht in Ihrem Beruf Faktoren ausgesetzt sind, die das Risiko für einen Hirntumor erhöhen können.

Spätestens bei dem Nachweis einer Lähmung oder ungewöhnlicher psychischer Veränderungen ist eine Schnittbildgebung des Gehirns erforderlich. In der Notfallmedizin erfolgt diese aufgrund der besseren Verfügbarkeit oft durch eine Computertomografie (CT), zur optimalen Sichtbarmachung eines Tumors im Schädelinneren ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich. Diese Untersuchungen können ggf.

Die bildgebenden Untersuchungen können einen Tumor im Gehirn sehr genau darstellen, ermöglichen aber keine ausreichend zuverlässige Diagnose.

Weitere diagnostische Verfahren

  • Computertomographie (CT): Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist erforderlich, um einen Tumor im Schädelinneren optimal sichtbar zu machen.
  • Positronenemissionstomographie (PET): Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe. Ein Stoff mit chemisch veränderten Molekülen, die der Körper bei vielen Stoffwechselprozessen umsetzt oder als Energiequelle braucht (Tracer, engl. to trace = ausfindig machen), wird mit einer leicht radioaktiven Substanz beladen. Die Spur dieser kleinsten Teilchen wird durch die besondere Technik der PET sichtbar. Auf diese Weise lassen sich auch Tochtergeschwülste besser erkennen.
  • Liquorpunktion (Lumbalpunktion): In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen.

Behandlungsmöglichkeiten von Hirntumoren

Es erfolgt immer eine für die Patientin oder den Patienten individuell passende Behandlung. Jeder einzelne Fall wird in unseren Kliniken in der interdisziplinären Tumorkonferenz thematisiert - von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie.

Nach der Diagnose werden dann die verschiedenen Möglichkeiten einer Therapie geklärt, um die Gehirntumore zu bekämpfen.

  • Operation: Das Standardverfahren zur Behandlung von Hirntumoren ist eine Hirnoperation. Bei diesen Eingriffen wird die Geschwulst chirurgisch entfernt. Allerdings sind diese Operationen nicht immer möglich. Das gilt beispielsweise, wenn der Tumor sehr nah an einer lebenswichtigen Hirnstruktur wie dem Atemzentrum liegt oder wenn der Tumor sich weit verästelt hat.
  • Strahlentherapie: Neben der konventionellen Strahlentherapie wenden Fachärzte für Neurologie oder Neurochirurgie auch die so genannte stereotaktische Radiochirurgie an. Der Tumor wird dabei durch einen Energiestrahl zerstört.
  • Chemotherapie: Eine Chemotherapie ist beim Hirn-Tumor seltener.
  • Abwartendes Verhalten: In manchen Fällen von Tumoren im Gehirn wird auch abgewartet, wie sich der Gehirntumor entwickelt.
  • Weitere medikamentöse Therapiekonzepte: Zudem gibt es noch weitere medikamentöse Therapiekonzepte (beispielsweise die Krebsimmuntherapie oder Immuntoxinbehandlung) in Form von individuellen Heilversuchen.

Ist eine vollständige Heilung durch den Neurologen oder Neurochirurgen nicht mehr möglich, lässt sich durch eine gezielte (Behandlung) Therapie das Wachstum des Tumors hinauszögern. Außerdem ergreifen Neurologen und Neurochirurgen Maßnahmen, um die Lebensqualität des Patienten zu erhalten und die Beschwerden zu lindern.

Vorbeugung von Hirntumoren

Auslösende Faktoren eines Hirn-Tumors sind von Neurologen noch nicht gefunden worden. Deshalb ist nicht bekannt, wie einem Hirn-Tumor vorgebeugt werden kann. Es gibt nur allgemeine Empfehlungen von Fachärzten für Neurologie und Neurochirurgie. Dazu gehört, sich vor UV-Strahlung zu schützen und den Kontakt mit schädlichen Substanzen (z.B. Pflanzenschutzmitteln) zu vermeiden. Eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise ist grundsätzlich wichtig.

Je früher der Hirn-Tumor vom Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Sie hängen aber auch davon ab, wie bösartig der Hirn-Tumor ist. Bei einer guten Prognose ist er prinzipiell durch den Neurologen heilbar, bei einer sehr schlechten haben die Patienten oft nur noch wenige Monate zu leben.

Das Glioblastom: Eine besonders aggressive Form

Das Glioblastom, lateinisch Glioblastoma multiforme, ist ein sehr aggressiver Tumor des Gehirns. Dieser Hirntumor wuchert schnell in das gesunde Gewebe hinein und infiltriert es, so dass eine vollständige Entfernung des Tumors quasi nicht möglich ist. Die Prognosen bei einem Glioblastom sind daher sehr schlecht. Meist beträgt die Überlebenszeit nach der Diagnose nur wenige Monate. Weniger als drei Prozent der Glioblastom Patienten überleben die folgenden fünf Jahre.

Auf Grund des aggressiven Wachstums zeigen sich die ersten Symptome beim Glioblastom-Patienten oft frühzeitig. Heftige Kopfschmerzen stehen häufig am Anfang. Epileptische Anfälle, Lähmungen und Sprach- und Sehstörungen kommen als Symptome bei diesem Hirntumor hinzu. Typischerweise bilden sich Hirnödeme. Der wachsende Druck im Gehirn aufgrund des Hirntumors kann schließlich zum Koma führen.

Die entarteten Zellen des Glioblastoms ähneln den Stützzellen des Gehirns, den so genannten Gliazellen. Bei Kindern sind Glioblastome sehr selten. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt über 60 Jahren. Dabei sind mehr Männer als Frauen von einem Glioblastom betroffen.

Behandlungsoptionen beim Glioblastom

Die Diagnose auf einen Tumor erfolgt mit Hilfe bildgebender Verfahren. Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen dem Arzt den Glioblastom. Nach der Diagnose folgt eine Operation. Der Neurochirurg verringert zunächst die Tumormasse. Anschließend folgen Chemotherapie und Bestrahlung als Behandlung. Eine vollständige Heilung und Therapie ist bei diesem Hirntumor bisher nicht möglich.

Psychische Belastung und Unterstützung

Die Diagnose „Hirn-Tumor“ ist für viele Patienten ein Schock und eine psychische Belastung. Um die Krankheit besser zu bewältigen, gibt es Gesprächsangebote in Selbsthilfegruppen. Patienten und Angehörige können sich dort mit anderen, die in einer ähnlichen Situation sind, austauschen. Falls Sie emotionale Unterstützung wünschen, wird Ihr Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie Sie über solche Hilfsangebote informieren.

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