Genickbruch, Rückenmarksverletzung und Atemzentrum: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Ein Genickbruch, medizinisch als Halswirbelsäulenfraktur (HWS-Fraktur) bezeichnet, ist ein Bruch eines oder mehrerer der sieben Halswirbel. Obwohl der Begriff "Genickbruch" oft mit tödlichen Unfällen assoziiert wird, überleben die meisten Menschen diese Verletzung, oft ohne langfristige gesundheitliche Folgen. Allerdings können Quetschungen und Verletzungen des Rückenmarks oder des Hirnstamms, die mit einem Genickbruch einhergehen, schwerwiegende Folgen haben, einschließlich bleibender Lähmungen oder sogar des Todes.

Anatomie der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern, zwischen denen sich knorpelige Bandscheiben sowie Bänder, Muskel- und Nervenstrukturen befinden. Die obere Halswirbelsäule, insbesondere das Gelenk zwischen dem ersten Halswirbel (Atlas) und dem zweiten Halswirbel (Axis), ermöglicht uns, den Kopf zu drehen. Die untere Halswirbelsäule ermöglicht uns, den Kopf zu beugen und zu strecken.

Klassifikation von Genickbrüchen

Je nach Lage der Verletzung wird der Genickbruch (Halswirbelbruch) in zwei Gruppen unterteilt:

  • Genickbruch der oberen Halswirbelsäule: Hierbei sind Atlas und/oder Axis betroffen. Man unterscheidet Genickbruch der Okzipitalkondylen, Atlanto-okzipitale Dislokation sowie sonstige Verletzungen des Atlas oder des Axis.
  • Genickbruch der unteren Halswirbelsäule: Verletzungen des dritten bis siebten Halswirbels.

Genickbruch der Okzipitalkondylen

Die Okzipitalkondylen sind die Gelenkflächen für den ersten Halswirbel, die sich auf der Schädelbasis befinden. Ein Genickbruch der Okzipitalkondylen ist selten und tritt meist als Begleitverletzung auf. Ein isolierter Genickbruch der Okzipitalkondylen wird konservativ behandelt und mit einer weichen Halskrawatte ruhiggestellt. Tritt die Verletzung zusammen mit einer anderen Fraktur auf, richtet sich die Behandlung nach der Hauptverletzung.

Atlanto-okzipitale Dislokation

Bei der Atlanto-okzipitalen Dislokation wird die Schädelbasis von der Halswirbelsäule getrennt. Die beiden Teile sind gegeneinander verschoben (disloziert). Diese Form von Genickbruch ist selten und in der Regel tödlich oder wird nur wenige Stunden überlebt. Wird eine Atlanto-okzipitale Dislokation überlebt, muss sie unter Röntgenkontrolle rasch wieder ausgerichtet und stabilisiert werden (etwa mit einem Halo-Fixateur). Dauerhaft ist jedoch eine Operation erforderlich, bei dem der Schädel mit der Halswirbelsäule stabilisiert wird.

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Verletzungen des Atlas (Jefferson-Fraktur)

Ein Genickbruch des 1. Halswirbels (Atlas) betrifft den vorderen und hinteren Atlasbogen oder den Dornfortsatz. Ein isolierter Bruch ist selten. Häufiger ist ein kombinierter Bruch des vorderen und hinteren Atlasbogens, wobei er einfach oder doppelt gebrochen sein kann. Dieser Genickbruch wird auch Jefferson-Fraktur genannt und ist sehr instabil. Bei 30 bis 70 Prozent aller Atlasfrakturen sind zusätzlich noch andere Abschnitte der Halswirbelsäule verletzt - oft ist der Axis (2. Halswirbel) mitbetroffen. Der Genickbruch des Atlas wird fast immer konservativ behandelt. Mithilfe einer Reposition (Extension) mit der sogenannten Crutchfield-Klammer versucht man zu verhindern, dass der Atlasring verbreitert wird. Nach sechs Wochen stellt man auf einen Thorax-Hals-Gips mit Abstützung am Kopf (Minerva-Gips) für weitere sechs Wochen um. Damit der Patient während dieser Zeit nicht ständig liegen muss, kann die Behandlung mit dem Halo-Fixateur fortgeführt werden. Ein Halo-Fixateur besteht aus einem Ring, der an der Schädelkalotte fixiert wird, und aus einer Oberkörperweste, die auf den Schultern liegt und über einen Längsträger verbunden ist. Die Halswirbelsäule lässt sich damit unter Zug ruhigstellen. In seltenen Fällen ist der Genickbruch nach dem Versuch, den Atlas wieder auszurichten (Extension), weiterhin verschoben. Dann kommt nur eine Operation in Frage. Dabei wird der Atlas mit dem Axis versteift. Mediziner nennen diese Operation atlantoaxiale Spondylodese.

Verletzungen des Axis (Densfraktur, Bogenwurzelfraktur)

Bei einem Genickbruch des 2. Halswirbels (Axis) handelt es sich meist um eine sogenannte Densfraktur - einen Bruch des Dens axis. Seltener ist eine Bogenwurzelfraktur.

Densfraktur

Der Dens axis ist ein Fortsatz, der wie ein Zahn auf der Oberseite des 2. Halswirbels (Axis) sitzt. Eine Fraktur dieses Fortsatzes (Densfraktur oder Dens-axis-Fraktur) macht etwa sieben bis 15 Prozent aller Halswirbelsäulen-Verletzungen bei Erwachsenen aus. Bei über 70-Jährigen stellt sie sogar den Großteil aller isolierten Halswirbelsäulenverletzungen dar. In der Hälfte der Fälle treten zusätzliche Brüche im weiteren Verlauf der Halswirbelsäule auf. Etwa 12 bis 42 Prozent der Betroffenen zeigen auch Nervenschäden und damit neurologische Ausfälle. Typischer Verletzungsmechanismus bei der Densfraktur ist ein stark gestreckter oder gebeugter Kopf, der zusammen mit seitlichen Scherkräften frontal anstößt. Dabei kann eine Stirnprellmarke ein entscheidender Hinweis sein. Häufige Ursache bei alten Menschen ist ein Sturz auf das Gesicht. Nach Anderson und D’Alonzo unterscheiden Mediziner drei Typen von Densfraktur:

  • Typ I Densfraktur: Die Abrissfraktur der Densspitze (meist Schrägfraktur) ist selten. Es handelt sich dabei um einen stabilen Genickbruch.
  • Typ II Densfraktur: Der häufigste Frakturtyp. Die Bruchlinie befindet sich oberhalb der Densbasis. Dies ist ein instabiler Genickbruch.
  • Typ III Densfraktur: Die Fraktur verläuft unterhalb der Densbasis durch den spongiösen Teil des Wirbelkörpers. Dieser Halswirbelbruch ist stabil.

Bogenwurzelfraktur (Hangman-Fracture)

Ein Genickbruch des 2. Halswirbels kann auch als Bogenwurzelbruch vorliegen, verursacht durch Überstreckung und Kompression. Eine doppelseitige Bogenfraktur wird als "Hangman-Fracture" bezeichnet, da sie oft bei erhängten Menschen vorzufinden ist. Der Hals wird dabei extrem überstreckt und auseinander gezogen, wodurch meist das verlängerte Rückenmark (Medulla oblongata) zerreißt. Handelt es sich bei einem Bogenwurzelbruch um einen nicht-verschobenen Bruch, kann die Behandlung konservativ im Halo-Fixateur oder Minerva-Gips für acht bis zwölf Wochen erfolgen.

Genickbruch der unteren Halswirbelsäule

Bei Verletzungen der unteren Halswirbelsäule unterscheidet man folgende Formen:

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  • rein knöcherne Verletzungen
  • Verletzungen der Bandscheiben und Bandstrukturen (disko-ligamentäre Verletzungen)
  • Kombinationsformen aus knöcherner, Band- und Bandscheiben-Verletzung

Bei allen Verletzungstypen der unteren Halswirbelsäule kann zusätzlich ein Zwischenwirbelgelenk (Facettengelenk) verrenkt sein. Die Verrenkung (Luxation) kann einseitig oder beidseitig, unvollständig oder vollständig sein.

Kompressionsfrakturen unterscheiden sich je nach Ausmaß der Gewalteinwirkung. Es können geringe Deformitäten bis zu vollständigen Berstungsfrakturen auftreten, bei denen die Frakturfragmente in den Wirbelkanal verlagert sind und diesen einengen.

Verletzungen der Bandscheibe und Bandstrukturen (disko-ligamentäre Verletzungen) werden leicht übersehen, wenn keine Verrenkung (Luxation) vorliegt. Wird der Kopf extrem gebeugt, reißen das vordere Längsband und die Bandscheibe. Da die hinteren Bandverbindungen erhalten sind, ist die Halswirbelsäule noch stabil. Wird der Kopf extrem gestreckt und verschoben, reißen auch die hinteren Bandverbindungen. Nur das vordere Längsband bleibt erhalten.

Bei einer Luxationsfraktur liegen gleichzeitig eine Verrenkung eines Facettengelenks und eine Bruchverletzung vor. Eine Verrenkung ohne Bogenfraktur ist sehr gefährlich. Durch die Verrenkung wird der Wirbelkanal stark eingeengt. Je nach Ausmaß der Verrenkung liegen neurologische Symptome bis hin zur Querschnittslähmung vor. Tritt jedoch gleichzeitig ein Bruch des Wirbelbogens auf, ist der Wirbelkanal erweitert. Dann ist die Gefahr, dass er eingeengt wird, weitaus geringer. Dieser Genickbruch wird auch als "rettender Bogenbruch" bezeichnet.

Quer- und Dornfortsatzfrakturen finden sich oft als Kombinationsverletzung mit den oben genannten Frakturen. Nur in seltenen Fällen liegen sie als isolierte Verletzung vor.

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Schleudertrauma

Das Schleudertrauma ist eine reine Weichteilverletzung der Halswirbelsäule und eine häufige Verletzung bei Verkehrsunfällen, insbesondere bei Auffahrunfällen. Betroffene leiden oft unter langwierigen schmerzhaften Zuständen. Sichtbare Veränderungen wie Verletzungen der Bandscheiben oder Gelenkkapseln sowie gedehnte Bänder sind selten.

Ursachen und Risikofaktoren

Genickbrüche entstehen durch Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Straßenverkehrsunfälle (40 Prozent)
  • Arbeitsunfälle und Sportunfälle (je etwa 25 Prozent)
  • Stürze aus mehr als einem Meter Höhe sowie Sprünge in seichtes Wasser
  • Überstreckung der Halswirbelsäule durch Aufprall nach einem Sturz aus geringer Höhe bei Senioren oder Menschen mit Osteoporose (Knochenschwund)

Risikofaktoren für einen Genickbruch sind Vorerkrankungen wie:

  • Verschleißbedingte Veränderungen von Bandscheiben und Wirbeln (Osteochondrose)
  • Osteoporose
  • Tumorerkrankungen (Metastasen)
  • Versteifte Gelenke im Bereich der Halswirbelsäule (zum Beispiel durch Morbus Bechterew)

Symptome

Nicht jeder Genickbruch macht sich mit eindeutigen Symptomen bemerkbar. Ein Genickbruch kann daher sogar manchmal übersehen werden. Symptome eines Genickbruchs sind:

  • Akuter Nackenschmerz mit Kopfschmerzen
  • Schmerzen beim Bewegen des Halses, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit
  • Schwierigkeiten, den Kopf zu halten
  • Schluckstörungen

Treten in Verbindung mit einem Sturz oder Unfall neurologische Ausfallerscheinungen auf, kann das auf einen Genickbruch mit Verletzung des Rückenmarks hindeuten. Anzeichen für Rückenmarksverletzungen sind:

  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Beinen oder Armen

Rückenmarksverletzungen können allerdings auch ohne Wirbelbrüche entstehen. Weiterhin kann auch ein Schädelhirntrauma Lähmungen verursachen. In jedem Fall müssen Betroffene unverzüglich notärztlich versorgt werden.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule sollte der Hals sofort in einer steifen Halsstütze (Stiff-Neck) ruhiggestellt werden. Der Spezialist für die weitere medizinische Versorgung ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Um herauszufinden, ob tatsächlich ein Genickbruch vorliegt, wird er zuerst die genaue Krankengeschichte erheben (Anamnese), dann den Patienten körperlich untersuchen und auch bildgebende Verfahren einsetzen.

Anamnese

Zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt Ihnen verschiedene Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Wann genau ist der Unfall passiert?
  • Können Sie sich an den Unfallhergang erinnern?
  • Wie stark war der Aufprall?
  • Beschreiben Sie die Richtung der Gewalteinwirkung genau.
  • Haben Sie starke Schmerzen wie zum Beispiel Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen?

Wichtig für die Diagnose ist die genaue Analyse des Unfallmechanismus: Mögliche Verletzungsmechanismen der Halswirbelsäule sind Überstreckung, Überbeugung, axiale Stauchung und Verschiebung.

Körperliche Untersuchung

Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt muss die Bewusstseinslage des Patienten einschätzen und die Halswirbelsäule begutachten. Dabei prüft er, ob sich ein Buckel gebildet hat oder die Dornfortsätze auseinanderweichen. Er achtet zudem auf Druck- beziehungsweise Schmerzpunkte sowie auf Stauchungs- und Ausstrahlungsschmerzen.

Die körperliche Untersuchung beinhaltet immer auch eine neurologische Untersuchung, um eine Querschnittslähmung auszuschließen. Der Untersucher prüft dabei einige Kennmuskeln und die Sensibilität der segmentalen Hautgebiete (Dermatome) - Hautareale, die von einzelnen Nervenfasern einer bestimmten Rückenmarkswurzel autonom versorgt werden. Fällt ein Muskel oder die Sensibilität eines Dermatoms aus, kann der Arzt abschätzen, in welcher Höhe der Wirbelsäule eine Verletzung vorliegt.

Anschließend testet der Arzt die wichtigen Regionen des Rückenmarks. Spürt der Betroffene zum Beispiel, dass er an der Schulter berührt wird, oder kann er die Schultern heben, ist das Rückenmark bis zum vierten Halswirbel intakt. Der vierte Halswirbel ist eine besondere Höhe, da von dort aus das Zwerchfell mit Nerven versorgt wird. Ein Trauma oberhalb des vierten Halswirbels beeinträchtigt die Atmung so weit, dass eine Beatmung über eine Intubation nötig wird.

Apparative Diagnostik

Wirbelsäulenverletzungen werden oft gar nicht oder zu spät erkannt. Deshalb ist eine korrekte Röntgenuntersuchung und - falls die Areale schlecht einsehbar sind - eine Computertomografie (CT) von großer Bedeutung.

Eine Röntgenübersichtsaufnahme von Atlas und Axis aus verschiedenen Richtungen gehören demnach zur Standarddiagnostik bei Genickbruch - sie wird von Medizinern oft als "Dens-Zielaufnahme" bezeichnet.

Kann ein Genickbruch nicht sicher ausgeschlossen werden, folgt eine Computertomografie (CT). Es wird dann ein sogenanntes Spiral-CT mit multiplanarer Rekonstruktion angefertigt, womit Wirbelbögen, Gelenkfrakturen sowie der Wirbelsäulenkanal exakt darstellbar sind. Die CT-Untersuchung ermöglicht es auch, den Genickbruch genau zu klassifizieren.

Bei neurologischen Ausfällen muss bereits im Rahmen der Notfalldiagnostik eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) durchgeführt werden. Damit lassen sich die Weichteilstrukturen gut darstellen, und zwar ohne eine Strahlenbelastung, wie sie beim CT besteht.

Besonders bei Schleudertraumen ist eine gute Dokumentation wichtig, da später oft versicherungsrechtliche Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet werden müssen. Bestehen die Beschwerden länger als fünf Tage, sollte eine Magnetresonanztomografie durchgeführt werden.

Behandlung

Ob ein Genickbruch konservativ oder operativ behandelt wird, hängt von der Art der Verletzung und der neurologischen Symptome ab. Die Form der Verletzung bestimmt, wie stabil der Genickbruch ist. Eine rasche Erstversorgung sowie adäquate Behandlung auf der Notfallstation sind besonders wichtig.

Erstversorgung am Unfallort

Allgemein gilt: Ein bewusstloses Unfallopfer hat solange einen Genickbruch, bis das Gegenteil bewiesen ist. In 20 bis 45 Prozent der Fälle tritt der Genickbruch in Kombination mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf.

Bevor der Patient bewegt wird, sollte er eine steife Halskrawatte (Philadelphiakrawatte) bekommen. Danach wird er mit einer ausreichenden Zahl an Helfern vorsichtig geborgen und gelagert. Zum Transport wird er anschließend auf einer Vakuummatratze gelagert und so stabilisiert, dass er erst wieder in der Klinik umgelagert werden muss.

Bei Genickbruch ist das Transportmittel der Wahl der Helikopter. Ist ein Helikoptertransport nicht möglich, sollte der Patient mit einem Notarztwagen und einem begleitenden Arzt möglichst rasch in ein Wirbelsäulenzentrum gebracht werden. Dort stehen rund um die Uhr alle nötigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung.

Behandlung auf der Notfallstation

Oft geht ein Genickbruch mit Gehirnverletzungen oder lebensbedrohlichen inneren Verletzungen einher. Insbesondere wenn das Rückenmark verletzt ist, muss der Bruch ohne Zeitverlust wieder ausgerichtet werden, damit kein Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird.

Der Genickbruch kann entweder geschlossen unter Röntgenkontrolle auf der Notfallstation ausgerichtet werden, um ihn anschließend äußerlich ruhig zu stellen. Besser ist jedoch das offene Ausrichten im Operationssaal, um den Genickbruch von innen zu stabilisieren.

Fixierung

Je nach Art der Fraktur können verschiedene Systeme angewendet werden, um die Halswirbelsäule zu fixieren:

  • Ein weicher Kragen (Schanz-Krawatte) verhindert nur, dass der Kopf extrem gebeugt wird.
  • In einem steifen Kragen (Philadelphia-Krawatte oder Stiffneck) ist auch das Kinn gelagert. Dies schränkt die Beweglichkeit des Kopfes (Beugen, Strecken, Drehen) stark ein.
  • Die sogenannte Halo-Weste besitzt die zusätzliche Möglichkeit, den Kopf in die Länge zu strecken.
  • Ein Kopf-Brust-Gipsverband (Minerva-Gips) bezieht Kopf, Schultern und Brustkorb (Thorax) ein und wird vor allem bei Kindern angewendet.

Mit all diesen Fixationssystemen kann jedoch nur ein Genickbruch der oberen Halswirbelsäule fixiert werden, während sich die untere Halswirbelsäule damit nicht sicher ruhigstellen lässt.

Operative Behandlung

Eine Operation verkürzt die Behandlungszeit bei einem Genickbruch wesentlich. Dem Patienten bleibt außerdem der Halskragen beziehungsweise Gips über mehrere Monate erspart (sowie das damit einhergehende hygienische Problem). Eine Operation an der Halswirbelsäule ist jedoch einer der schwierigsten und komplikationsträchtigsten Eingriffe überhaupt. Sie sollte daher nur von einem in der Wirbelchirurgie erfahrenen Operateur durchgeführt werden.

Bei komplizierten Brüchen mit gleichzeitiger Verletzung von stabilisierenden Strukturen wie Bändern und Muskeln sowie bei fortschreitenden neurologischen Ausfällen muss ein Genickbruch operativ behandelt werden. Während der Operation bringt der Chirurg die Halswirbel wieder in die richtige Position. Zudem repariert und stabilisiert er den gebrochenen Wirbel. Das kann zum Beispiel durch Verschraubung oder durch Auffüllen mit Knochenzement (Ballonkyphoplastie) geschehen oder durch Verblockung mit benachbarten Wirbeln (Spondylodese). Im Anschluss an die OP wird die Halswirbelsäule in der Regel wie bei der konservativen Behandlung mit einer starren Halswirbelsäulenschiene (auch Zervikalstütze oder HWS-Orthese genannt) für mehrere Wochen ruhiggestellt.

Konservative Behandlung

In den Fällen, in denen keine Operation erforderlich ist, tragen Betroffene eine starre oder halbstarre Zervikalstütze, um die Halswirbelsäule zu stabilisieren. Eine heute nur noch sehr selten eingesetzte Alternative dazu ist der Minerva-Gips, ein kragenartiger Gipsverband. Bei komplizierten Frakturen, vor allem im Bereich der oberen Halswirbelsäule, kommt ein Halo-Fixateur zum Einsatz. Der Halo-Fixateur ist ein auf dem Schädelknochen abgestützter Ring, der über Stäbe mit einem Kunststoffkorsett verbunden ist. Die Halswirbelsäule muss in der Regel zwischen 6 und 12 Wochen ruhiggestellt werden. Zeigt die Bilddiagnostik, dass die Heilung abgeschlossen ist, empfiehlt sich das sogenannte „Ausschleichen“ der Immobilisierung durch zunächst stundenweises Weglassen der Stütze: Die Halsmuskulatur ist durch die lange Immobilität geschwächt. Wenn nötig, kann danach eine weiche Orthese (die sogenannte Halskrause) dem Hals zusätzlichen Halt geben.

Rehabilitation

Nachdem der Knochen geheilt ist, ist eine sogenannte Anschlussheilbehandlung (Rehabilitationsbehandlung) erforderlich, um Haltung und Beweglichkeit der Halswirbelsäule bestmöglich wiederherzustellen. Die je nach Ausgangslage ambulante oder stationäre Reha dauert mehrere Wochen bis Monate und umfasst Ergo- und Physiotherapie. Auch eine Schmerztherapie kann noch für einige Zeit notwendig sein. Mithilfe stabilisierender Übungen der Rücken- und Rumpfmuskulatur soll die Wirbelsäule entlastet werden, um das Risiko für einen w…

Rückenmarksverletzungen und ihre Folgen

Ein Genickbruch kann zu Verletzungen des Rückenmarks führen, was schwerwiegende neurologische Ausfälle zur Folge haben kann. Das Rückenmark ist eine wichtige Struktur des zentralen Nervensystems, die Nervenimpulse zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers überträgt. Eine Schädigung des Rückenmarks kann zu Lähmungen, Sensibilitätsverlust und Funktionsstörungen verschiedener Organe führen.

Querschnittslähmung

Eine der schwerwiegendsten Folgen einer Rückenmarksverletzung ist die Querschnittslähmung. Je nach Höhe der Verletzung können unterschiedliche Körperregionen betroffen sein. Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule können zu Tetraplegie (Lähmung aller vier Gliedmaßen) führen, während Verletzungen im Bereich der Brust- oder Lendenwirbelsäule zu Paraplegie (Lähmung der Beine) führen können.

Auswirkungen auf die Atmung

Verletzungen der Halswirbelsäule, insbesondere im Bereich des vierten Halswirbels (C4) oder darüber, können die Atmung beeinträchtigen. Der vierte Halswirbel ist eine besondere Höhe, da von dort aus das Zwerchfell mit Nerven versorgt wird. Ein Trauma oberhalb des vierten Halswirbels beeinträchtigt die Atmung so weit, dass eine Beatmung über eine Intubation nötig wird. Das Zwerchfell ist der wichtigste Muskel für die Atmung, und seine Funktion kann durch eine Rückenmarksverletzung beeinträchtigt werden. In schweren Fällen kann eine vollständige Lähmung der Atemmuskulatur erforderlich sein, die eine dauerhafte Beatmung erforderlich macht.

Störungen des Atemzentrums

Das Atemzentrum befindet sich im Hirnstamm, genauer gesagt in der Medulla oblongata und der Pons. Dieses Zentrum steuert die Atmung, indem es die Atemfrequenz und das Atemzugvolumen reguliert. Verletzungen des Hirnstamms, beispielsweise durch einen Genickbruch, können das Atemzentrum schädigen und zu schweren Atemstörungen führen.

Zentrale Atemstörungen

Zentralnervöse Atemstörungen können durch Hirnstammläsionen bedingt sein, finden sich aber auch medikamentös bedingt, bei Hypothyreose, metabolischer Alkalose, Hungerzuständen oder Schlafapnoe. Sie sind bei der klinischen (Erst-) Untersuchung hilfreich zu kennen und u. U. richtungsweisend bei der weiteren Diagnostik.

Cheyne-Stokes-Atmung

Die Cheyne-Stokes-Atmung ist charakterisiert durch periodisch zu- und abnehmende Atemzugvolumina, ausgehend von einer Apnoephase. Zugrunde liegt eine gestörte CO2-Reagibilität des zentralen Atemzentrums. Erst eine CO2-Akkumulation während einer Apnoephase steigert den Atemantrieb, durch zunehmende Ventilation sinkt der paCO2 und damit der Atemantrieb bis zur nächsten Apnoephase.

Zentrale Hyperventilation

Die zentrale Hyperventilation ist meist durch Läsionen des zentralen Hirnstamms bedingt und klassischerweise gekennzeichnet durch Erhöhung des paO2 bei gleichzeitiger Hypokapnie und respiratorischer Alkalose. Hier kann die Gabe von Neuroleptika oder Benzodiazepinen erfolgreich sein.

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