Eine Saphena Nerv Verletzung kann eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten dieser oft übersehenen Erkrankung.
Einführung
Der Nervus saphenus ist ein rein sensibler Hautnerv, der aus dem Nervus femoralis hervorgeht. Er versorgt die Haut an der Innenseite des Unterschenkels und des Knies mit sensorischen Informationen. Eine Schädigung dieses Nervs kann zu einer Vielzahl von unangenehmen Symptomen führen.
Anatomie und Funktion des Nervus Saphenus
Der Nervus saphenus ist ein Ast des Nervus femoralis, einem wichtigen Nerven im Oberschenkel. Der Nervus femoralis entspringt den Wurzeln L2-L4 und zieht durch das Becken zwischen dem Musculus iliacus und dem Musculus psoas major nach distal. Er innerviert diese Muskeln und teilt sich unterhalb des Leistenbandes in seine Äste auf.
Der Nervus saphenus ist ein sensibler Nerv, der keine Muskeln steuert. Er leitet ausschließlich Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindungen weiter. Er tritt im mittleren Oberschenkel durch den Adduktorenkanal (auch Hunter-Kanal) an die Körperoberfläche. Von dort verläuft er entlang der Knieinnenseite bis zur Innenseite des Unterschenkels und zieht weiter bis zum Innenknöchel. Ein bedeutender Abzweig ist der Ramus infrapatellaris (oder auch Nervus infrapatellaris genannt), der den Bereich unterhalb der Kniescheibe versorgt.
Ursachen einer Saphena Nerv Verletzung
Der Nervus saphenus kann an verschiedenen Stellen entlang seines Verlaufs gereizt oder geschädigt werden. Besonders anfällig ist der Bereich entlang der Vena saphena magna, mit der der Nerv oft eng verbunden verläuft - insbesondere im Bereich des Unterschenkels und des Knies. Auch Verletzungen des Ramus infrapatellaris, eines oberflächlichen Astes des Nerven unterhalb der Kniescheibe, können zu typischen Beschwerden führen.
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Mögliche Ursachen sind:
- Operationen am Knie oder Unterschenkel: Knieprothesen, Arthroskopien, Venenoperationen können den Nervus saphenus verletzen.
- Venenentnahmen im Rahmen von Bypass-Operationen: Insbesondere die Entnahme der Vena saphena magna kann zu einer Schädigung des Nervs führen.
- Verletzungen durch Quetschung oder Hämatome im Weichteilbereich: Direkte Traumata können den Nervus saphenus schädigen.
- Narbenbildung und Zug an Nervenästen: Insbesondere nach Eingriffen im medialen Unterschenkel kann Narbengewebe den Nerv einklemmen oder reizen.
- Druckbelastung: Bandagen, Kompressionsstrümpfe oder enge Kleidung können den Nervus saphenus komprimieren.
- Sportliche Überlastung: Wiederholte Bewegungsabläufe können zu einer Reizung des Nervs führen.
- Kompression des Nervs: Engpasssyndrome, z. B. in der Lacuna musculorum unter dem Leistenband, wo der Nerv in den Oberschenkel zieht.
- Psoas-Syndrom: Eine Verspannung oder Verkürzung des Musculus psoas major kann den N. femoralis beeinträchtigen.
- Infektionen oder Entzündungen: Lokale Entzündungen (z. B. Abszesse oder Eiteransammlungen im Becken oder Leistenbereich) können den Nerv reizen. Gürtelrose (Herpes zoster) entlang der Versorgungsgebiete des N. femoralis.
- Operationen in der Leisten- oder Beckenregion: Nach chirurgischen Eingriffen kann es zu einer Schädigung des Nervs kommen.
- Anästhesiekomplikationen: Eine fehlerhafte Regionalanästhesie kann den Nerv verletzen.
- Arterielle Durchblutungsstörungen: Ischämien durch Stenosen in der A. iliaca oder A. femoralis.
- Verletzung des Nervus femoralis: Vor allem bei chirurgischen Eingriffen an der Hüfte oder im Unterleib kann der Nervus femoralis versehentlich verletzt werden.
Symptome einer Saphena Nerv Verletzung
Da der Nervus saphenus ein rein sensibler Hautnerv ist, äußert sich eine Schädigung ausschließlich durch Gefühlsstörungen, nicht durch Lähmungen. Die Beschwerden treten typischerweise auf der Innenseite des Knies, des Unterschenkels oder des Sprunggelenks auf - abhängig davon, welcher Abschnitt des Nervs betroffen ist.
Typische Symptome sind:
- Brennende, stechende oder ziehende Schmerzen
- Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ entlang der Innenseite des Beins
- Taubheit oder ein pelziges Gefühl
- Überempfindlichkeit bei Berührung (Allodynie)
- Verstärkung der Beschwerden bei Bewegung, Druck oder längerem Stehen
- Intermittierende Knieschmerzen, die ein Einknicken im Gelenk bewirken können
In manchen Fällen sind die Symptome belastungsabhängig oder treten erst nach längerer Aktivität auf. Auch nächtliche Missempfindungen oder das Unbehagen beim Tragen enger Kleidung oder Bandagen werden häufiger beschrieben. Die Beschwerden sind in der Regel einseitig, können aber bei beidseitiger Belastung auch beidseitig auftreten.
Diagnose einer Saphena Nerv Verletzung
Die Diagnose einer Saphenus-Neuropathie kann eine Herausforderung sein, da die Beschwerden leicht mit anderen Ursachen - etwa Gelenkproblemen, Gefäßerkrankungen oder Hautirritationen - verwechselt werden können. Umso wichtiger ist eine strukturierte Abklärung mit gezielter klinischer Untersuchung und geeigneter Bildgebung.
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Klinische Untersuchung:
- Abfrage von Art, Ort und Verlauf der Beschwerden
- Prüfung der Berührungsempfindung an der Innenseite des Knies, Unterschenkels und Sprunggelenks
- Suche nach Druckpunkten, z. B. am medialen Knie oder entlang der V. saphena magna
- Tinel-Zeichen über dem Ramus infrapatellaris oder im Verlauf des Nervs kann auf eine Reizung hindeuten
Nervenultraschall (Neurosonographie):
- Der hochfrequente Nervenultraschall eignet sich besonders gut zur Darstellung des Nervus saphenus, da dieser oberflächlich verläuft. Der Nerv kann über weite Strecken - vom Adduktorenkanal bis zur Innenseite des Sprunggelenks - sichtbar gemacht werden.
- Mit modernen Sonden lassen sich Schwellungen, Verklebungen oder Narbennanheftungen erkennen. Auch dynamische Untersuchungen sind möglich, bei denen die Beweglichkeit des Nervs unter Belastung beurteilt wird. Dies kann helfen, funktionelle Engstellen zu erkennen, die in statischen Verfahren wie MRT oder CT nicht auffallen. Schmerzhafte Stellen lassen sich spezifisch mit der Sonopalpation untersuchen.
Elektroneurographie (ENG):
- Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit am Nervus saphenus ist technisch möglich, jedoch anspruchsvoll. Aufgrund der feinen Struktur und der rein sensiblen Nervenfunktion ist sie oft gerade bei unfallbedingten Hautveränderungen oder -schwellungen nur eingeschränkt aussagekräftig.
- In ausgewählten Fällen kann die ENG eine ergänzende Information zur Bildgebung liefern, ersetzt jedoch nicht die strukturelle Beurteilung durch den hochauflösenden Nervenultraschall.
Behandlung einer Saphena Nerv Verletzung
Die Behandlung einer Saphenus-Neuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, dem Schweregrad der Beschwerden und dem individuellen Verlauf.
Je nach Befund kommen unter anderem folgende Optionen infrage:
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Entlastung der betroffenen Region: Vermeidung von Druck oder Reibung.
Physikalische oder physiotherapeutische Maßnahmen: Diese können andere Muskeln stärken und das Bein entlasten.
Medikamentöse Behandlungsansätze zur Linderung von Beschwerden:
- Schmerztherapie mit Gabapentin, Pregabalin oder Carbamazepin/Oxcarbazepin.
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
- Opioide
- Topische Anwendungen
Injektionen mit Kortikosteroiden: Diese können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern.
Nervus femoralis-Blockade: Eine vorübergehende, medikamentös herbeigeführte Betäubung des Oberschenkelnervs (Nervus femoralis), die typischerweise im Rahmen von Operationen am Bein oder zur Schmerzbehandlung eingesetzt wird.
Chirurgischer Eingriff: In bestimmten Fällen, etwa bei nachgewiesener Einengung des Nervs, kann eine Operation erforderlich sein.
Komplikationen und Prognose
Neurologische Komplikationen nach Varizenoperationen sind selten und betreffen meist den Nervus saphenus, Nervus peronaeus oder Nervus suralis. Beim Stripping der Vena saphena parva in der Kniekehle besteht aufgrund der engen topographischen Beziehung auch die Gefahr, den Nervus tibialis zu verletzen.
Die Dauer einer Nervus femoralis-Entzündung kann je nach Ursache und Behandlung variieren. Prinzipiell kann eine Entzündung des N. femoralis innerhalb weniger Wochen bis Monate abheilen. Wurde die Entzündung beispielsweise durch eine Verletzung oder Infektion verursacht, kann die Behandlung dieser Ursache die Heilung beschleunigen. Wird eine Entzündung nicht behandelt, kommt es in einigen Fällen zur Chronifizierung.
Die Heilungsdauer hängt vom Ausmaß der Schädigung ab und kann Krankengymnastik oder andere Behandlungen erfordern.
Fallbeispiel: Schmerzensgeld nach Nervenverletzung bei Knieoperation
Ein Gericht sprach einer Patientin 40.000 € Schmerzensgeld zu, nachdem bei einer Knieoperation der Nervus saphenus durchtrennt wurde. Der Operateur hatte bei der Anlage des Zugangs zum Kniegelenk ein scharfes Skalpell verwendet und dabei den Nerv verletzt. Die Patientin litt in Folge unter dauerhafter Taubheit und Missempfindungen im Unterschenkel. Das Gericht wertete dies als Behandlungsfehler, da der Arzt nicht die gebotene Sorgfalt walten ließ und den Nerv nicht ausreichend geschützt hatte.
Prävention
Einige Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko einer Saphena Nerv Verletzung zu reduzieren:
- Sorgfältige Operationstechnik: Bei Operationen in der Nähe des Nervus saphenus sollte der Operateur besonders vorsichtig vorgehen und den Nerv identifizieren und schützen.
- Vermeidung von Druckbelastung: Das Tragen von lockerer Kleidung und das Vermeiden von übermäßigem Druck auf den Nerv können helfen, eine Kompression zu verhindern.
- Ergonomische Maßnahmen: Bei sportlichen oder beruflichen Tätigkeiten, die den Nervus saphenus belasten, sollten ergonomische Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Reizung zu minimieren.
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