Schädel-Hirn-Trauma: Folgen, Behandlung und Prävention

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung des Gehirns, die durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf verursacht wird. Dies kann durch einen Sturz, einen Unfall oder einen Schlag auf den Kopf geschehen. Die Schwere des Traumas kann von einer leichten Gehirnerschütterung bis zu einer lebensbedrohlichen Verletzung reichen. In Deutschland erleiden pro Jahr ca. 270.000 Menschen eine Schädelhirnverletzung. Trotz der hohen Standards in der Prävention und Versorgung von Schädelhirnverletzungen in Mitteleuropa bleibt diese eine der Hauptursachen für Invalidität und Tod.

Ursachen und Mechanismen

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht durch äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf. In der Regel ein Verkehrsunfall. Bei einem Schlag auf den Kopf oder einem Aufprall des Kopfes auf den Boden oder einen anderen Gegenstand schützt der Knochen das Gehirn. Die Ursache eines Schädel-Hirn-Traumas ist eine Gewalteinwirkung von außen auf den Kopf. Dazu kann es durch Unfälle oder Stürze kommen. Jeder Stoß auf den Kopf kann, wenn er kräftig genug ist, das Gehirn erreichen.

Im Augenblick der Gewalteinwirkung kann es durch die ruckartige Bewegung zum Anprall des Gehirns gegen den Schädel und durch Scherbewegungen des Gehirns zu Verletzungen der Nervenzellen mit Zerreißungen der Nervenverbindungen, aber auch zu Zerreißungen kleiner Blutgefäße kommen. Dieser Schaden ist nicht behebbar und es gibt keine Behandlung. In der Folgezeit kommt es zu einer ganzen Reihe von Reaktionen des Gehirns. Durch verschiedene Mechanismen wie mangelnde Blutversorgung und Entzündungsreaktionen kommt es in den verletzten Arealen insbesondere durch eine Wassereinlagerung (Ödem) zu einer weiteren Schädigung des Nervengewebes. Diesen zusätzlichen, sich später entwickelnden Schaden bezeichnet man als sekundären Hirnschaden.

Arten von Schädel-Hirn-Traumata

Es gibt verschiedene Arten von Schädel-Hirn-Traumata, die sich hinsichtlich ihrer Ursache, Schwere und Auswirkungen unterscheiden.

  • Offenes vs. Gedecktes SHT: Bei einem gedeckten Hirntrauma ist die Dura, die äußerste Hirnhaut, noch intakt. Bei einem offenen hingegen zerrissen. Hirnwasser, Blut und Gehirnmasse können austreten. Bei einem offenen SHT sind der Schädelknochen und die Hirnhaut verletzt. Bei einem gedeckten SHT sind der Schädelknochen und die Dura mater (harte Hirnhaut) intakt.

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  • Schweregrade: Das Schädel-Hirn-Trauma wird in verschiedene Grade eingeteilt. Ein wichtiges Instrument für diese Einteilung ist der Glasgow Coma Scale, bei der Bewegung, Augenöffnung und die Sprache bewertet werden. Je höher der Wert, desto geringer ist die Verletzung. Die Schwere der Bewusstseinsstörung und somit auch des Traumas lässt sich mittels der so genannten Glasgow-Koma-Skala einschätzen. Sie nimmt drei Funktionen des Bewusstseins in den Blick: Augen öffnen, verbale Kommunikation und motorische Reaktion. Je höher der Wert auf einer Skala von drei bis 15 ausfällt, umso leichter ist die Bewusstseinsstörung und das Schädel-Hirn-Trauma. Es gibt verschiedene Schweregrade - eins bis drei eingeteilt anhand einer Skala. Standardmäßig wird das Schädel-Hirn-Trauma in Grade eingeteilt. Dazu ist der Glasgow Coma Scale (GCS) die internationale Standardmethode. Je höher die Punktzahl im GCS, desto niedriger der Grad und desto leichter die Verletzung.

    • Leichtes SHT (Grad 1): GCS 13-15 Punkte. Es kommt unter Umständen zu einer kurzen Bewusstlosigkeit, aber nicht länger als fünf Minuten. Andere Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit bilden sich innerhalb von wenigen Tagen zurück. Für die Zeit vor oder nach dem Unfall kann eine Erinnerungslücke bestehen. Ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades, eine „Gehirnerschütterung“, entspricht einem Wert von 13-15 Punkten. Hierbei lässt sich keine dauerhafte Schädigung der Hirnstrukturen nachweisen. Zu den Symptomen zählt eine unmittelbar einsetzende Bewusstlosigkeit. Sie dauert jedoch nicht länger als Sekunden bis Minuten an. Die Höchstpunktzahl beträgt 15 Punkte. Dies bezeichnet ein leichtes Trauma und wird auch als Gehirnerschütterung oder Commotio cerebri bezeichnet. Es handelt sich in der Regel um ein gedecktes SHT. Es kann zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit kommen sowie zu einer retrograden Amnesie. Die Funktionsstörungen sind kurzfristig und bilden sich wieder zurück.
    • Mittelschweres SHT (Grad 2): GCS 9-12 Punkte. Die Bewusstlosigkeit dauert länger als fünf Minuten bis hin zu 30 Minuten an. Die Symptome bilden sich innerhalb von einem Monat zurück. Von einem Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades, einer „Gehirnprellung“, spricht man bei einem Wert von 9-12 Punkten auf der Koma-Skala. Die Hirnsubstanz ist geschädigt. Die Symptome entsprechen denen des ersten Grades. Allerdings hält die Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an. Hierbei handelt es sich um ein mittleres Schädel-Hirn-Trauma, welches auch als Gehirnprellung oder Contusio cerebri bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich in der Regel auch um eine gedeckte Form. Die Betroffenen können etwas länger bewusstlos sein als bei einer Gehirnerschütterung. Die Symptome und Spätfolgen des Schädel-Hirn-Traumas 2. Grades hängen von der Lokalisation der Verletzung ab.
    • Schweres SHT (Grad 3): GCS 3-8 Punkte. Kennzeichnend ist eine andauernde Bewusstlosigkeit, länger als 30 Minuten. Ein Hirntrauma dritten Grades, eine „Gehirnquetschung“, liegt bei 3-8 Punkten vor. Es wird durch Drucksteigerungen im Schädel oder direkte Verletzung verursacht. Die Symptome entsprechen denen von Hirntraumata ersten und zweiten Grades. Hierbei handelt es sich um ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit einem GCS zwischen 3 und 8 Punkten. Es wird auch als Compressio cerebri oder Gehirnquetschung bezeichnet. Häufig handelt es sich um ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, bei welchem die Betroffenen ins Koma fallen. Möglich ist auch eine Hirnschwellung bis hin zur Einklemmung.

Symptome

Die Symptome eines Schädel-Hirn-Traumas hängen von der Schwere der Verletzung und dem betroffenen Bereich des Gehirns ab. Neurologische Symptome sind eine Vielzahl von Auffälligkeiten: von der Benommenheit, der Konzentrationsstörung über Erbrechen, Krampfanfälle oder gar Lähmungen bis zur tiefen Bewusstlosigkeit.Die Schädel-Hirn-Trauma Symptome zeigen sich in Abhängigkeit zur Lokalisation der Verletzung und des Schweregrads des Hirntraumas. Häufig treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auf. Auch eine Amnesie (Erinnerungslücken vor und nach dem Unfall) tritt bei vielen Betroffenen auf. Teilweise kehren die Erinnerungen wieder zurück, es gibt aber auch einige Fälle, bei denen das Erinnerungsvermögen nicht wieder zurückkehrt. Wie weit und wie schnell sich diese Symptome zurückbilden, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen spielt der Grad der Verletzung eine Rolle.

Nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (Commotio cerebri), im Volksmund auch Gehirnerschütterung genannt, kann es unter anderem zu diffusem Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit und Reizbarkeit, Apathie sowie zu vermehrtem Schwitzen kommen. Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (Contusio cerebri) tritt nach dem Unfall in aller Regel zunächst ein Zustand ein, bei dem der Patient die Augen wie im Halbschlaf geschlossen hat. aus dem er durch nichts geweckt werden kann. Das sogenannte Koma kann mehrere Stunden, Tage oder gar Wochen anhalten. Solange der Patient komatös ist, liegt immer noch eine akute Erkrankung des Gehirns vor. Der Druck im Inneren des Schädels kann weiterhin erhöht und die Hirnfunktion durch Wassereinlagerungen im Hirngewebe gestört sein. In Teilen des Gehirns können die Stoffwechselvorgänge stark beeinträchtigt sein.

Im Folgenden ist eine Vielzahl von Symptomen aufgeführt, die nach Schädel-Hirn-Traumen beobachtet werden:

  • Bewusstseinsstörungen: Ein wichtiges Symptom ist die Bewusstseinsstörung. Die Tiefe und Dauer der Bewusstlosigkeit geben Aufschluss über die Schwere der Verletzung.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Sehr häufig treten bei Patienten nach einem SHT Konzentrationsschwierigkeiten auf. Es können zumeist nicht mehr zwei Sachen gleichzeitig erledigt werden oder die Aufmerksamkeit erlischt bereits nach kurzer Zeit. Die Geschwindigkeit der Denkabläufe verlang-samt sich. Gleichzeitig kommt es häufig zu Lern- und Gedächtnisstörungen, besonders nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte. Eine Gedächtnisstörung (Amnesie) kann sich sowohl in der Unfähigkeit äußern, sich an Vergangenes zu erinnern (retrograde Amnesie), als auch neue Gedächtnisinhalte zu speichern (anterograde Amnesie). Durch die Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit kann es zu Orientierungsstörungen kommen. Der Patient ist sich über Zeit, Ort und Situation, in der er sich befindet, nicht oder nur unzureichend im Klaren.
  • Sprachstörungen: Eine Sprachstörung tritt zumeist nach Schädigung der motorischen (Broca-Zentrum) oder sensorischen (Wernicke-Zentrum) Regionen in der linken Hirnhälfte auf. Hier befinden sich bei den meisten Menschen die Sprachregionen. Nur bei wenigen liegen diese Funktionen in der rechten oder in beiden Hirnseiten. Kommt es zu einer Schädigung der Sprachregionen, treten Sprachstörungen (Aphasien) auf. Typisch dafür ist eine schwerfällige, mühevolle und langsame Sprechweise mit undeutlicher Aussprache. Von Aphasie Betroffene können unter unkontrollierten Wutausbrüchen leiden, fluchen oder andere beschimpfen, ohne dies zu wollen oder es beeinflussen zu können. Viele Aphasie-Patienten wirken in ihrem Antrieb gestört oder sind depressiv.
  • Apraxie: Bei Verletzungen des Gehirns kann es zu Störungen beim Umsetzen von Handlungsabsichten in Bewegungen und Handlungen kommen (Apraxie). Trotz erhaltener Bewegungs-fähigkeit und Wahrnehmung werden Teile von Handlungen wiederholt, weggelassen oder Elemente vorangegangener Handlungen übernommen. Dies betrifft alltägliche Bewegungen wie eine Begrüßung und Handlungen wie das selbständige Zubereiten einer Tasse Kaffee. Patienten wissen oft nicht mehr, wie man mit bestimmten Objekten umgeht, zeigen im Umgang mit Objekten eine gewisse Ratlosigkeit und benutzen sie falsch.
  • Gesichtsfeldausfälle: Sind durch das SHT Blutungen im Hinterhauptlappen aufgetreten, kann es zu halbseitigen Gesichtsfeldausfällen (Hemianopsien) kommen. Es gibt unterschiedliche Arten von Gesichtsfeldeinschränkungen. Es kann das rechte oder das linke Gesichtsfeld, oder nur ein kleiner Ausschnitt betroffen sein. So kann der Betroffene, wenn er geradeaus blickt, Sehreize, die von rechts kommen, nicht bemerken.
  • Neglect: Als Folge einer Verletzung des Gehirns kann es dazu kommen, dass ein Patient bei unversehrtem Gesichtsfeld eine seiner Körperhälften oder auch eine Raumhälfte vernachlässigt. Die halbseitige Vernachlässigung ist nach einer Verletzung der rechten Gehirnhälfte häufiger. Verletzungen der rechten Gehirnhälfte führen zu Vernachlässigungen der linken Körper- oder Raumhälfte. In diesem Fall würde der Betroffene zum Beispiel nur seine rechte Gesichtshälfte rasieren, nur seine rechte Körperhälfte waschen und nur die rechte Hälfte seines Tellers leer essen.
  • Lähmungen: In der Nachbarschaft der Sprachzentren befinden sich motorische und sensible Regionen, die für die Bewegungssteuerung und die Körperwahrnehmung der jeweils gegenüberliegenden Körperseite zuständig sind. Lähmungen sind wie Sprachstörungen ein häufiges Symptom nach Schädel-Hirn-Verletzungen. Beide Störungen treten oftmals zusammen auf. Bei Halbseitenlähmung (Hemiplegie) tritt durch Verletzung einer Gehirnhälfte eine Lähmung der gegenüberliegenden Körperhälfte auf. Häufig können die betroffene Seite des eigenen Körpers sowie der ihn umgebende Raum nicht mehr wahrgenommen werden (Neglect). Spastische Lähmungen gehen mit einer erhöhten Muskelspannung einher. Davon können alle vier Gliedmaßen oder nur eine Körperhälfte betroffen sein. Willkürliche Bewegungen sind erschwert und der Patient leidet häufig an Schmerzen.
  • Sprechstörungen: Bei Sprechstörungen (Dysarthrien) ist im Gegensatz zur Sprachstörung nur die Sprech-motorik gestört ist. Patienten mit einer Sprechstörung können ohne Probleme verstehen, lesen und schreiben, jedoch infolge ihrer Hirnverletzung Laute, Wörter und Sätze nicht mehr deutlich und verständlich aussprechen. Wenn auch die Atmung und die Stimmbildung beeinträchtigt sind, spricht man von Dysarthrophonie.
  • Schluckstörungen: Zu Schluckstörungen (Dysphagien) kommt es nach Hirnverletzungen häufiger als früher angenommen. Vor allem in der ersten Phase nach dem Unfall können Schwierigkeiten beim Essen, Trinken und Abhusten auftreten. Schluckstörungen sind eine ernste Bedrohung für den Organismus, denn das Schlucken gehört zu den lebenserhaltenden Funktionen. Es besteht zu-dem die Gefahr, dass Nahrung und Flüssigkeit statt in die Speiseröhre in die Luftröhre gelangen.
  • Psychische Veränderungen: Nach schwerer Hirnschädigung werden psychische Veränderungen jeden Grades beobachtet. So kann es infolge einer posttraumatischen Hirnleistungsschwäche zu einer allgemeinen Verlangsamung, leichter Ermüdbarkeit, Lethargie, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche, Gedächtnis- und Denkstörung, depressiver Verstimmung, Kopf-schmerz und Schwindel kommen. Auch Sprachstörungen (Aphasie) und Störungen beim Umsetzen von Bewegungsabläufen und Handlungsabsichten (Apraxie) sind häufig. Die Stimmung von Menschen mit schweren Hirnverletzungen kann starken Schwankungen unterliegen, die Betroffenen sind häufig leichter reizbar als vor dem Unfall. Neben Auffälligkeiten im Gefühlsbereich zeigen sich auch Störungen im Sozialverhalten. Nach einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung kann es zu einer tiefgreifenden und bleibenden Veränderung des psychischen Zustandes des Patienten kommen. Bei den Persönlichkeitsveränderungen können zwei Formen unterschieden werden: Im ersten Fall verhält sich der Patient aggressiver und distanzloser. Er kann sich nur schlecht beherrschen. Dies ist dann der Fall, wenn im Stirnhirn die Regionen verletzt sind, die über den Augenhöhlen liegen. Manche Patienten können tragischerweise nicht erkennen, dass sie beeinträchtigt sind und es fehlt ihnen daher an der Bereitschaft und Möglichkeit, sich mit den tatsächlich vorhandenen Problemen auseinander zu setzen. Andere Patienten erleben ihre Einschränkungen im täglichen Leben wiederum sehr bewusst und reagieren darauf mutlos oder traurig.
  • Epileptische Anfälle: Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können sich verletzungsbedingt am Gehirn Narben bilden, die epileptische Anfälle verursachen können. Die Gefahr einer Narbenbildung ist nach offenen Hirnverletzungen höher als nach geschlossenen. Epileptischen Anfällen kann mit antiepileptischen Medikamenten entgegengewirkt werden.

Diagnose

Um das Ausmaß der Schädelverletzung festzustellen, müssen verschiedene Untersuchungen gemacht werden: Der Arzt oder die Ärztin führt eine neurologische Untersuchung durch. Röntgenaufnahmen des Schädels helfen festzustellen, ob Knochen verletzt wurden und ein Computertomogramm (CT) lässt eine mögliche Schädigung des Gehirns erkennen.

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Nach einem Unfall besteht häufig der Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Klientinnen werden üblicherweise noch am Unfallort durch den Rettungsdienst nach dem GCS eingeordnet. Die endgültige Diagnose wird jedoch erst in der Klinik gestellt. Neben der Einteilung nach der Glasgow-Koma-Skala spielen die Krankenvorgeschichte des Verunfallten sowie der Unfallhergang eine wichtige Rolle. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Hier wird der sogenannte neurologische Status erhoben. Dazu zählen Motorik, Sensibilität, Reflexe, Sprache, Pupillen und die Kognition. Zudem wird der Kopf auf Verletzungen untersucht. Standardmäßig erhalten Klientinnen, die weniger als 13 Punkte im GCS erreichen, eine cranielle Computertomographie (CCT, CT des Schädels). Dort werden intrakranielle Blutungen oder Verletzungen ersichtlich. Hierbei dürfen bildgebende Verfahren der oberen Halswirbelsäule nicht fehlen, um eine instabile Wirbelsäulenverletzung auszuschließen, die eine hohe Querschnittlähmung verursachen kann. Aus diesem Grund dürfen verunfallte Personen nicht ruckartig bewegt werden. Der Rettungsdienst legt bereits am Unfallort eine Cervikalstütze (Halskrause) an. Betroffene, die einen höheren GCS als 13 erreichen, erhalten teilweise auch ein CCT. Ergänzend zu diesen Untersuchungen erfolgt auch eine Blutuntersuchung. Bei dieser liegt das Augenmerk vor allem auf den Gerinnungsparametern sowie dem Hämoglobin. Bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch wird auch der Blutalkoholspiegel ermittelt. Es gibt ein kalziumbindendes Protein, S100B, welches sich unter anderem in Nervenzellen befindet. Es dient als Marker für neuronale Schädigungen und wird deshalb in der Blutuntersuchung ermittelt. Allein auf diesen Wert sollte man sich nicht verlassen, da diese Proteine auch in Knorpel- und Fettgewebe vorkommen und dementsprechend bei Sportler*innen oder in einer Diät das Ergebnis verfälschen können.

Behandlung

Wie ein Schädel-Hirn-Trauma behandelt wird, hängt entscheidend von der Schwere des Traumas ab. Die Therapie des Schädel-Hirn-Traumas richtet sich nach der Art der Verletzung und nach dem Ausmaß der Hirnschädigung. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose.

Sind alle Untersuchungen abgeschlossen, beginnt die Schädel-Hirn-Trauma-Therapie. Diese richtet sich nach dem neurologischen Befund und eventueller weiterer Verletzungen. In der Regel werden Betroffene mit einer Gehirnerschütterung ambulant behandelt. Kinder oder Risikoklientinnen werden über etwa 24 Stunden stationär überwacht, um Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. So kann bei neu auftretenden Symptomen schnell gehandelt werden. Als Risikoklientin gelten Personen, die über 60 Jahre alt sind, blutverdünnende Medikamente einnehmen, eine angeborene Gerinnungsstörung haben oder unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. Oftmals sind Betroffene mit einer Contusio Cerebri oder einem schweren Schädel-Hirn-Trauma bewusstlos und zeigen deutliche neurologische Ausfälle. Hier ist die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen wie Herz-Kreislauf-System und der Atmung oberstes Ziel der Therapie. Teilweise werden Operationen notwendig, um Schädelfrakturen oder Hirnblutungen zu behandeln.

  • Leichtes SHT: Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma können zum Beispiel auftretende Kopf- oder Nackenschmerzen durch Medikamente oder Physiotherapie gelindert werden. In all diesen Fällen sollte die Patientin oder der Patient mindestens 24 Stunden stationär beobachtet werden, denn viele Patientinnen und Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma entwickeln ein sogenanntes posttraumatisches Syndrom. Dessen Symptome bestehen aus Schwindel, Übelkeit, Kopf- und Nackenschmerzen, Abgeschlagenheit, depressiver Verstimmung sowie Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit. Die Therapie erfolgt medikamentös mit Schmerzmitteln sowie mit Physiotherapie und Entspannungsverfahren. Bei etwa zehn Prozent bleibt die Symptomatik länger, gegebenenfalls bis zu einem Jahr lang bestehen. Man spricht dann von einem chronischen posttraumatischen Syndrom.
  • Mittelschweres SHT: Ein Patient oder eine Patientin mit einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma wird in der Regel auf einer speziellen Station der Klinik überwacht. Patienten mit einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma müssen auf einer speziellen Überwachungsstation aufgenommen werden.
  • Schweres SHT: Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma müssen auf der Intensivstation überwacht und künstlich beatmet werden. Sauerstoffmangel und Blutdruckabfälle sollen damit vermieden werden. Das weitere Vorgehen richtet sich nach den Befunden der bildgebenden Verfahren des Gehirns. Bei schweren Bewusstseinsstörungen zeigt bereits die Hälfte der Patienten einen auffälligen Befund in der Computertomografie. Bei bewusstlosen Patienten wird die Überwachung des Hirndrucks notwendig. Hierzu wird eine Hirndrucksonde gelegt. Wenn der Druck im Schädelinneren durch eine Schwellung des Gehirns oder eine entstandene Blutung stark ansteigt, kann das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und somit mit Sauerstoff versorgt werden. Hier muss durch einen operativen Eingriff Entlastung geschaffen werden. Liegt in der Akutphase ein Hirnwasser-Aufstau vor, muss eine Hirnwasser-Außenableitung angelegt werden. Wenn der Patient sich soweit von seinem Trauma erholt hat und die Schwellung des Gehirns zurückgegangen ist, kann das Schädeldach rekonstruiert werden. Der Patient oder die Patientin kommt auf die Intensivstation und wird künstlich beatmet. Meist wird der Patient oder die Patientin mit permanenter Überwachung in einem künstlichen Koma gehalten, damit das Gehirn sich besser erholen kann. Manchmal muss auch ein Stück Schädelknochen entfernt und das Gehirn für einige Zeit offengehalten werden, damit der Druck im Gehirn nicht weiter ansteigt.

Zur weiteren Therapie des Schädel-Hirn-Traumas werden Fachkliniken und Reha-Einrichtungen empfohlen, die sich auf das Wiedererlangen der Motorik, Sprache, Schluckfähigkeit und anderen eingeschränkten Körperfunktionen spezialisieren.

Neurorehabilitation

Mit einer funktionellen Behandlung, der sogenannten Neurorehabilitation versucht man, in den ersten Monaten und manchmal auch noch Jahre nach dem Unfall bedeutende Erfolge und Verbesserungen der verloren gegangenen Fähigkeiten zu erreichen. Je länger aber der Unfall zurückliegt, umso deutlicher treten - meist durch Spastik und Lähmung - Folgeschäden an Muskeln, Sehnen und Gelenken auf. Diese Folgeschäden gefährden weitere Rehabilitationsziele wie beispielsweise die Wiedererlangung der Steh- und Gehfähigkeit. In der Neuroorthopädie werden diese Folgeschäden und -probleme durch konservative Maßnahmen wie Gipsbehandlung, Hilfsmittel, Botulinumtoxin-Behandlung oder auch durch Operationen wie Sehnenverlängerungen, knöcherne Korrekturen und Stabilisierungen, behandelt.

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Nach der akuten Behandlung erfolgt je nach Schweregrad der Schädelverletzung ein intensives Reha-Programm. Logopädie behandelt Störungen in der Kommunikation, beim Sprechen und Schlucken. Physiotherapie, oft auch Krankengymnastik genannt, hilft die motorischen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Balance zu verbessern oder zu erhalten. Ergotherapie konzentriert sich auf Alltagsaktivitäten und hilft den Patienten, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. Sporttherapie verbessert Ausdauer, Kraft und allgemeine körperliche Fitness.

Prognose und Spätfolgen

Die Heilungsdauer des Schädel-Hirn-Traumas kann zwischen wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren betragen. Direkt nach dem Unfall kann nicht abgeschätzt werden, welche Folgen das Schädel-Hirn-Trauma haben wird. Sie hängen vor allem davon ab, welcher Bereich des Gehirns geschädigt wurde.

Leichte Schädel-Hirn-Traumata heilen meistens, ohne dass Betroffene bleibend eingeschränkt sind. Allerdings gibt es vermehrt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Demenz oder Parkinsonerkrankungen, wenn leichte Schädel-Hirn-Traumata sich sehr häufig wiederholen. Bei schwereren Schädel-Hirn-Traumata richtet sich der weitere Verlauf nach vielen Faktoren. Das sind unter anderem das Lebensalter, die Größe und Lage des verletzten Hirngewebes. Bei schweren Hirnverletzungen sind bleibende Schäden wahrscheinlich. Sie können von leichten Störungen der Persönlichkeit und Merkfähigkeit bis zu schweren Ausfällen wie einem Wachkoma (Apallisches Syndrom) reichen.

Das postkommotionelle Syndrom tritt nach einem SHT Grad 1 auf und zeigt sich mit Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel. Während sich das postkommotionelle Syndrom zurückbildet, kann es auch zu länger andauernden Symptomen kommen. Teilweise haben die Betroffenen mit diesen Spätfolgen des Schädel-Hirn-Traumas nach Jahren noch zu kämpfen. Welche Einschränkungen auftreten, hängt vom Ort und der Schwere der Verletzung ab. Neben den körperlichen Folgen sind die psychischen Folgen des Schädel-Hirn-Traumas teilweise ebenfalls schwerwiegend. In der Behandlung und Rehabilitation nach dem Schädel-Hirn-Trauma sollte deshalb bei der Betreuung auch auf die psychosoziale und psychische Situation der Betroffenen geachtet werden.

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