Atogepant, ein oraler CGRP-Rezeptor-Antagonist, hat sich als vielversprechende Option zur Migräneprophylaxe etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Atogepant, um ein umfassendes Verständnis dieser Therapieoption zu ermöglichen.
Einleitung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Prophylaxe spielt eine wichtige Rolle bei der Reduktion der Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken. Atogepant bietet hier einen neuen Therapieansatz, der gezielt in die Pathophysiologie der Migräne eingreift.
Was ist Atogepant?
Atogepant, vermarktet unter dem Handelsnamen Aquipta®, ist ein oraler CGRP-Rezeptor-Antagonist, der zur Prophylaxe von Migräne bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat zugelassen ist. Es gehört zur Klasse der Gepante, kleinen Molekülen, die oral verabreicht werden können und als Antagonisten am CGRP-Rezeptor wirken.
Wirkmechanismus
Atogepant blockiert gezielt den CGRP-Rezeptor und unterbindet so die Effekte von CGRP auf das trigemino-vaskuläre System. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Neuropeptid, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielt. Es wirkt gefäßerweiternd, fördert die Neuroinflammation und sensibilisiert schmerzleitende Nervenbahnen. Durch die Blockade des Rezeptors werden Gefäßerweiterung, Entzündungsgeschehen und die Übertragung von Schmerzsignalen gehemmt.
Anwendungsgebiete
Atogepant ist indiziert zur Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Es ist nicht zur Akutbehandlung von Migräneattacken vorgesehen.
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Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Dosis von Atogepant beträgt 60 mg einmal täglich. Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz sollte die Dosis auf 10 mg reduziert werden. Dialysepatienten sollten die Dosis möglichst nach der Dialyse einnehmen. Die Tabletten können mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden. Es ist wichtig, die Tablette täglich zur gleichen Zeit einzunehmen. Wenn eine Einnahme versäumt wurde, sollte diese so schnell wie möglich nachgeholt werden.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
- AQUIPTA® ist ein vorbeugendes Medikament, daher ist es wichtig, täglich eine Tablette einzunehmen.
- Sie können die Tablette mit oder ohne Mahlzeit einnehmen.
- Versuchen Sie, die Tablette jeden Tag zur gleichen Zeit einzunehmen.
- Nehmen Sie stets die ganze Tablette ein. Die Tablette darf nicht geteilt, zerkleinert, gemörsert oder zerkaut werden.
- Für den Erfolg Ihrer Behandlung ist es wichtig, AQUIPTA® täglich und regelmäßig, idealerweise immer zur gleichen Zeit, einzunehmen, z. B. gleich nach dem Aufstehen oder zum Frühstück, auch wenn Sie zwischenzeitlich eine Migräneattacke hatten.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Atogepant auftreten können, zählen:
- Übelkeit
- Verstopfung
- Müdigkeit und Schläfrigkeit (Fatigue und Somnolenz)
- Verminderter Appetit
- Gewichtsabnahme
Weitere mögliche Nebenwirkungen umfassen Überempfindlichkeit und erhöhte Werte von ALT/AST (Leberwerte).
Überempfindlichkeitsreaktionen
Eine Atogepant-Therapie kann mit schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktionen einhergehen, einschließlich Anaphylaxie, Dyspnoe, Ausschlag, Juckreiz, Nesselsucht und Gesichtsödem. Die meisten Reaktionen treten innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Einnahme des Wirkstoffs auf. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion ist umgehend ein Arzt zu kontaktieren.
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Atogepant sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:
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- Starke CYP3A4-Inhibitoren: Substanzen wie Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin oder Ritonavir können die Konzentration von Atogepant im Blut deutlich erhöhen. In Kombination mit Itraconazol wurde ein mehr als doppelt so hoher Cmax-Wert und eine fünffach erhöhte AUC beobachtet. Daher ist bei gleichzeitiger Gabe eine Dosisreduktion auf 10 mg täglich erforderlich.
- OATP-Inhibitoren: Wirkstoffe wie Rifampicin, Ciclosporin oder Ritonavir, die den OATP-Transport hemmen, steigern ebenfalls die Exposition gegenüber Atogepant erheblich. In Kombination mit Rifampicin wurde ein mehr als doppelt so hoher Cmax- und AUC-Wert festgestellt. Auch hier wird eine Dosisanpassung empfohlen.
- Gängige Begleitmedikation: Bei gleichzeitiger Anwendung mit oralen Kontrazeptiva (Ethinylestradiol/Levonorgestrel), Paracetamol, Naproxen, Sumatriptan oder Ubrogepant wurden keine relevanten Wechselwirkungen festgestellt.
Patienten sollten ihren Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Gegenanzeigen
Atogepant darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Stark eingeschränkte Leberfunktion
- Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten
Studienergebnisse zur Wirksamkeit
Die Zulassung von Atogepant basiert auf den Ergebnissen der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien ADVANCE und PROGRESS.
ADVANCE-Studie
An der ADVANCE-Studie nahmen Patienten mit episodischer Migräne teil, die durchschnittlich an etwa acht Tagen pro Monat Migräne hatten. Sie erhielten randomisiert entweder 60 mg Atogepant (n = 226) oder Placebo (n = 216) einmal täglich. Unter Atogepant verringerte sich signifikant die Anzahl der Migränetage von durchschnittlich 7,8 auf 3,7 Tage; in der Placebogruppe gingen die Migränetage von 7,5 auf 5,0 Tage zurück. Außerdem erreichte die Mehrzahl der mit Atogepant Behandelten eine mindestens 50-prozentige Reduktion der mittleren monatlichen Migränetage (50-Prozent-Responderrate) über drei Monate hinweg (sekundärer Endpunkt).
PROGRESS-Studie
In die PROGRESS-Studie waren Patienten mit chronischer Migräne eingeschlossen. Die durchschnittliche Anzahl der Migränetage pro Monat betrug bei Studienbeginn rund 19 Tage. Sie verringerte sich nach zwölfwöchiger Behandlung mit einmal täglich 60 mg Atogepant um 6,9 Tage und unter Placebo um 5,1 Tage.
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ELEVATE-Studie
Die ELEVATE-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit bei Patient:innen mit episodischer Migräne, bei denen herkömmliche orale präventive Migränetherapien versagt haben. Atogepant war sicher und gut verträglich und zeigte im Vergleich zu Placebo eine signifikante klinisch relevante Reduktion der monatlichen Migränetage über 12 Wochen.
Vergleich mit anderen Migräneprophylaktika
Atogepant gehört zu den CGRP-Rezeptor-Antagonisten, einer Klasse von Medikamenten, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Andere Vertreter dieser Klasse sind die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor (z.B. Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab). Im Gegensatz zu den Antikörpern ist Atogepant ein kleines Molekül, das oral eingenommen werden kann.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: Orale Einnahme, schnelle Absetzbarkeit, gute Verträglichkeit
- Nachteile: Mögliche zentralnervöse Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bedeutung eines Migräne-Tagebuchs
Die Verwendung eines Migräne- bzw. Kopfschmerztagebuchs ist ein wichtiges Hilfsmittel für Patienten. Durch die Dokumentation von Häufigkeit, Dauer, Intensität und möglichen Auslösern von Migräneattacken und Kopfschmerzen kann der Überblick über die Erkrankung verbessert und die Vorbereitung auf den nächsten Arzttermin erleichtert werden.
Tipps zum Umgang mit Migräne
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie können folgende Tipps helfen, die Migränebeschwerden zu reduzieren:
- Regelmäßige Tagesroutine
- Ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige Schlafenszeiten
- Regelmäßige sportliche Betätigung
- Stressreduktion durch Entspannungsübungen
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