Anatomie des Plexus: Ein umfassender Überblick

Die Anatomie des Plexus ist ein komplexes und faszinierendes Thema, das für Medizinstudenten, Ärzte und andere medizinische Fachkräfte von großer Bedeutung ist. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Plexus im menschlichen Körper, ihre Zusammensetzung, Funktion und klinische Relevanz.

Einführung in die Plexus

Ein Plexus ist ein Netzwerk von Nervenfasern, das aus der Vereinigung mehrerer Spinalnerven entsteht. Diese Nerven vereinigen und sortieren sich neu, um Nerven zu bilden, die bestimmte Körperregionen innervieren. Plexus ermöglichen eine komplexere und vielfältigere Innervation als einzelne Spinalnerven.

Überblick über die wichtigsten Plexus

Im menschlichen Körper gibt es mehrere wichtige Plexus, darunter:

  • Plexus cervicalis: Innerviert die Halsregion und teilweise die oberen Extremitäten.
  • Plexus brachialis: Innerviert die obere Extremität.
  • Plexus lumbalis: Innerviert die untere Extremität, die kaudalen Anteile der Bauchmuskulatur, die Hüftbeuger, die Oberschenkelextensoren und -adduktoren sowie des einzigen Kniestreckers (M. quadriceps femoris). Zudem innerviert er sensibel die Regionen um die Leiste und Genitalien, des Ober- und teils des Unterschenkels.
  • Plexus sacralis: Innerviert das Becken und die untere Extremität.

Plexus cervicalis: Innervation der Halsregion

Der Plexus cervicalis ist für die Innervation der Halsregion und teilweise der oberen Extremitäten verantwortlich. Zudem innerviert er über den N. phrenicus das Zwerchfell und damit die Atmung. Auf der sensorischen Seite versorgt der Plexus cervicalis die Haut des Halses und Teile des Kopfes.

Nerven des Plexus cervicalis

Zu den wichtigsten Nerven des Plexus cervicalis gehören:

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  • N. occipitalis minor: Versorgt die Haut im hinteren Kopfbereich.
  • N. auricularis magnus: Versorgt die Haut der Ohrmuschel und der Region um das Ohr.
  • N. transversus colli: Versorgt die Haut an der Vorderseite des Halses.
  • Nn. supraclaviculares: Versorgen die Haut über dem Schlüsselbein und der Schulter.
  • N. phrenicus: Innerviert das Zwerchfell und ist somit für die Atmung unerlässlich.

Plexus brachialis: Innervation der oberen Extremität

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das die gesamte obere Extremität innerviert. Er entsteht aus den Spinalnerven C5 bis Th1 und verläuft durch den Hals und die Achselhöhle, bevor er sich in verschiedene Nerven aufteilt, die Arm, Unterarm und Hand versorgen.

Aufbau des Plexus brachialis

Der Plexus brachialis besteht aus mehreren Abschnitten:

  1. Nervenwurzeln: Die Spinalnerven C5 bis Th1 bilden die Wurzeln des Plexus brachialis.
  2. Trunci: Die Wurzeln vereinigen sich zu drei Trunci: Truncus superior (C5-C6), Truncus medius (C7) und Truncus inferior (C8-Th1). Die Truncusbildung kannst du erkennen, indem du die Rr. ventrales vom Neuroforamen nach kaudal sonographisch darstellst. Du kannst den Zusammenschluss der Rr. ventrales aus C5 und C6 zum Truncus superior darzustellen. Beobachte dabei den Verlauf der Nerven.
  3. Divisiones: Jeder Truncus teilt sich in eine vordere (anterior) und eine hintere (posterior) Division. Nach der anatomischen Definition, findet die Bildung der Divisiones in Höhe der Clavicula statt. Das ist sonografisch zu erkennen, denn bei geneigter Sonde schaust du „hinter“ das Schlüsselbein. Somit ist die Frage beantwortet: Die klassische und in zahlreichen Lehrbüchern beschriebene Position ist eine Darstellung der Divisiones.
  4. Fasciculi: Die Divisiones vereinigen sich zu drei Fasciculi: Fasciculus lateralis, Fasciculus medialis und Fasciculus posterior.
  5. Endnerven: Die Fasciculi geben die Hauptnerven der oberen Extremität ab.

Wichtige Nerven des Plexus brachialis

Zu den wichtigsten Nerven, die aus dem Plexus brachialis hervorgehen, gehören:

  • N. musculocutaneus: Innerviert die Beugemuskeln des Oberarms (M. biceps brachii, M. brachialis) und die Haut an der lateralen Seite des Unterarms.
  • N. medianus: Innerviert die Beugemuskeln des Unterarms (mit Ausnahme des M. flexor carpi ulnaris und eines Teils des M. flexor digitorum profundus) sowie die Haut an der radialen Seite der Hand.
  • N. ulnaris: Innerviert den M. flexor carpi ulnaris, einen Teil des M. flexor digitorum profundus sowie die Haut an der ulnaren Seite der Hand.
  • N. radialis: Innerviert die Streckmuskeln des Arms und Unterarms sowie die Haut an der dorsalen Seite des Arms, Unterarms und Hand.
  • N. axillaris: Innerviert den M. deltoideus und den M. teres minor sowie die Haut über dem M. deltoideus.
  • N. suprascapularis: Er muss für eine erfolgreiche Regionalanästhesie für die Schulteroperation blockiert werden. Variabel ist die Höhe des Nervenabganges aus dem Truncus superior.

Klinische Relevanz des Plexus brachialis

Verletzungen des Plexus brachialis können zu einer Vielzahl von neurologischen Ausfällen in der oberen Extremität führen, wie z.B. Schwäche, Lähmung, Sensibilitätsverlust und Schmerzen. Diese Verletzungen können durch Traumata, Kompression oder Entzündungen verursacht werden.

Plexus lumbalis: Innervation der unteren Extremität und des Bauchraums

Der Plexus lumbalis innerviert die untere Extremität, die kaudalen Anteile der Bauchmuskulatur, die Hüftbeuger, die Oberschenkelextensoren und -adduktoren sowie des einzigen Kniestreckers (M. quadriceps femoris). Zudem innerviert er sensibel die Regionen um die Leiste und Genitalien, des Ober- und teils des Unterschenkels. Gebildet wird der Plexus aus den anterioren Ästen der Spinalnerven.

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Nerven des Plexus lumbalis

Zu den wichtigsten Nerven des Plexus lumbalis gehören:

  • N. iliohypogastricus: Innerviert die seitliche Bauchwand und die Haut über dem Hüftbereich.
  • N. ilioinguinalis: Innerviert die Haut der Leistenregion und des oberen Teils der Oberschenkelinnenseite.
  • N. genitofemoralis: Innerviert die Haut der Genitalien und des Oberschenkels.
  • N. cutaneus femoris lateralis: Innerviert die Haut an der lateralen Seite des Oberschenkels.
  • N. femoralis: Innerviert die Oberschenkelvorderseite und die Innenseite des Unterschenkels.
  • N. obturatorius: Innerviert die Adduktoren des Oberschenkels.

Plexus sacralis: Innervation des Beckens und der unteren Extremität

Der Plexus sacralis innerviert das Becken, das Gesäß und die gesamte untere Extremität. Er entsteht aus den Spinalnerven L4 bis S4 und liegt im kleinen Becken vor dem M. piriformis.

Nerven des Plexus sacralis

Zu den wichtigsten Nerven des Plexus sacralis gehören:

  • N. gluteus superior: Innerviert den M. gluteus medius und minimus sowie den M. tensor fasciae latae.
  • N. gluteus inferior: Innerviert den M. gluteus maximus.
  • N. cutaneus femoris posterior: Innerviert die Haut an der Rückseite des Oberschenkels.
  • N. ischiadicus (Ischiasnerv): Der größte Nerv des Körpers, der sich in den N. tibialis und den N. fibularis communis aufteilt und die gesamte untere Extremität unterhalb des Knies innerviert.
  • N. pudendus: Innerviert die Beckenbodenmuskulatur, die Genitalien und den Dammbereich.

Klinische Relevanz des Plexus sacralis

Verletzungen oder Kompressionen des Plexus sacralis können zu Ischiasschmerzen, Schwäche oder Lähmung der Beinmuskulatur, Sensibilitätsstörungen und Blasen- oder Darmfunktionsstörungen führen.

Regionale Anästhesie und Plexusblockaden

Das Verständnis der Anatomie der Plexus ist entscheidend für die Durchführung regionaler Anästhesieverfahren, bei denen Lokalanästhetika in die Nähe eines Plexus injiziert werden, um eine Schmerzausschaltung in dem von diesem Plexus innervierten Gebiet zu erreichen. Plexusblockaden werden häufig für Operationen an den Extremitäten, zur Schmerztherapie und zur Behandlung von chronischen Schmerzzuständen eingesetzt.

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Verschiedene Zugangswege für Plexusblockaden

Je nach betroffenem Plexus und gewünschtem Anästhesiegebiet gibt es verschiedene Zugangswege für Plexusblockaden:

  • Interscalenäre Blockade: Für den Plexus brachialis auf Höhe der Halswirbel. Typische Anwendung / OP-Gebiet: Schulterchirurgie (C5/C6). Unerwünschte N. phrenicus-Blockade anatomisch bedingt nicht vermeidbar. Nerven zur Rumpfwand, wie die Nn. dorsalis scapulae et thoracicus longus werden erreicht, sind für die Schulterchirurgie aber nicht erforderlich. Unerwünschte Ausbreitungsmuster der Lokalanästhetika sind wegen mechanischer Barrieren nahezu unvermeidlich. Neuroforamina (Formina intervertebralia) liegen in unmittelbarer Nähe, anders als bei allen anderen Zugangswegen (Risiko!). Erreichen der Nn. supraclaviculares ist möglich, aber nicht vorhersagbar. N. suprascapularis wird auf Höhe des Truncus superior erreicht.
  • Supraclaviculäre Blockade: Für den Plexus brachialis oberhalb des Schlüsselbeins. Typische Indikation / OP-Gebiet: Operationen an Schulter und Arm (C5-Th1). Truncus superior kann gezielt blockiert werden (bestimmte Schulteroperationen). Alle Trunci können blockiert werden: Operationen am Arm und Schulter. Zugang zu den Nn. supraclaviculares oberhalb der Fascia prävertebralis möglich. N. suprascapularis wird erreicht. Pneumothorax möglich bei „blindem“ Kanülenvorschub. N. phrenicus Parese gegenüber interscalenärer Position unwahrscheinlicher. Risiko arterieller Gefäßverletzungen anatomisch betrachtet höher gegenüber anderen Positionen.
  • Infraclaviculäre Blockade: Für den Plexus brachialis unterhalb des Schlüsselbeins. Die klassische vertikal infraclaviculäre Plexus brachialis-Blockade (ViB oder ViP) mit peripherer elektrischer Nervenstimulation (PNS) ist eine etablierte Technik und antomisch begründet.
  • Axilläre Blockade: Für den Plexus brachialis in der Achselhöhle. In der dieser Ebene sind nur noch periphere Nerven vorhanden, es ist kein Plexus mehr im eigentlichen Sinne. Operationen am Ellenbogen, Unterarm und Hand können problemlos mit einer selektiven Blockade der vier relevanten Nerven durchgeführt werden: N. radialis, medianus, ulnaris und musculocutaneus. Der regelmässig zwischen den Nn. medianus et ulnaris lokalisierte N. Problematischer ist der N. cutaneus brachii medialis und seine möglichen Zusammenflüsse mit dem N. Für Operationen am medialen Oberarm ist die axilläre Ebene der einzige Ort aller klassichen Zugangswege zum Plexus brachialis, wo diese Schlüsselstelle mit dem N. intercostobrachialis zur Anästhesie erreicht werden kann. Sonografische Landmarke: Sehne des M.
  • Lumbaler Plexusblock: Für den Plexus lumbalis, typischerweise über einen Zugang in der Lendenwirbelsäule.
  • Sakraler Plexusblock: Für den Plexus sacralis, typischerweise über einen Zugang am Os sacrum.

Ultraschallgesteuerte Plexusblockaden

Die Verwendung von Ultraschall zur Visualisierung der Nerven und umliegenden Strukturen hat die Genauigkeit und Sicherheit von Plexusblockaden erheblich verbessert. Ultraschall ermöglicht es dem Arzt, die Nadel präzise zu platzieren und das Lokalanästhetikum gezielt in die Nähe des Plexus zu injizieren, wodurch das Risiko von Komplikationen reduziert wird.

Mögliche Komplikationen von Plexusblockaden

Obwohl Plexusblockaden im Allgemeinen sicher sind, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, wie z.B.:

  • Nervenverletzungen
  • Infektionen
  • Blutungen
  • Lokalanästhetika-Toxizität
  • Pneumothorax (bei supraclaviculären Blockaden)
  • N. phrenicus Parese (gegenüber interscalenärer Position unwahrscheinlicher bei supraclaviculären Blockaden)

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