Aufblasbare Handschiene zur Spastiktherapie: Eine umfassende Übersicht

Die Behandlung von Spastik, insbesondere in Hand und Arm, stellt eine große Herausforderung dar. Eine vielversprechende Option ist die Verwendung von aufblasbaren Handschienen, die in der Therapie eine wichtige Rolle spielen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Hilfsmittel, von ihrer Funktionsweise und Anwendungsbereichen bis hin zu den Vor- und Nachteilen.

Einführung in die aufblasbare Handschiene

Aufblasbare Handschienen, auch bekannt als URIAS Luftpolsterschienen oder Johnstone Splints, sind Hilfsmittel, die in der neurologischen Rehabilitation eingesetzt werden. Diese Schienen wurden in den 1960er-Jahren von den schottischen Physiotherapeutinnen Margaret Johnstone und Ann Thorp entwickelt. Ihr Ziel war es, Behandlungen zu ermöglichen, die nicht ständig die Anwesenheit eines Therapeuten erfordern. Die Schienen bestehen aus Luftpolstern, die sich an die Form des jeweiligen Körperteils anpassen und in verschiedenen Größen für Arm und Hand erhältlich sind.

Anwendungsbereiche der URIAS Luftpolsterschienen

URIAS Luftpolsterschienen finden in der Ergotherapie breite Anwendung. Sie werden häufig bei Patienten eingesetzt, die einen Schlaganfall erlitten haben, sowie bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) und Kindern mit zerebraler Lähmung. Ein wesentlicher Vorteil ist ihre Eignung für den Einsatz zu Hause, wodurch sie sowohl in der Hands-on- als auch in der Hand-off-Therapie genutzt werden können. Die Anwendung erstreckt sich nicht nur auf den Arm, sondern auch auf andere obere und untere Extremitäten wie Ellbogen, Beine, Knie oder Knöchel.

Therapeutische Ziele und Nutzen

Die Anwendung von Luftpolsterschienen dient verschiedenen therapeutischen Zielen. Sie können helfen, den Muskeltonus zu regulieren und die Kontrolle von Haltungs- und Bewegungsmustern zu verbessern. Zudem bieten sie zusätzliche Stabilität bei Bewegungen und ermöglichen ein eigenständiges Training in den eigenen vier Wänden.

  • Muskeltonusregulierung: Reduzierung von Spastik und Förderung normaler Muskelspannung.
  • Haltungs- und Bewegungskontrolle: Verbesserung der Körperwahrnehmung und Koordination.
  • Stabilität und Sicherheit: Unterstützung bei der Durchführung von Bewegungen.
  • Autonomie: Ermöglichung selbstständigen Übens zu Hause.

Anwendung der URIAS Splints

Das Anlegen der URIAS Luftpolsterschienen ist unkompliziert. Die Schienen werden um die entsprechende Extremität gelegt und anschließend aufgeblasen. Der Druck sollte dabei 40 Millimeter Hg (Quecksilbersäule) nicht überschreiten. Die Tragedauer beträgt in den meisten Fällen nicht länger als 20 Minuten, kann aber je nach Zweck und Art der Schiene bei Erwachsenen bis zu einer Stunde betragen. Es ist wichtig, diese Zeitdauer nicht zu überschreiten.

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Kontraindikationen

Unter bestimmten Umständen sollte von der Verwendung von Johnstone Splints abgesehen werden. Dazu gehören:

  • Verdacht auf tiefe Venenthrombose in der zu behandelnden Extremität
  • Rechtsseitige Herzinsuffizienz
  • Offene Wunden oder Hautläsionen
  • Hypersensibilität oder somatosensiblen Dysbalancen

Doppelkammerluftpolsterschienen sind nicht zum Gehen geeignet, sondern nur zum Stehen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da sich die Luft in den Polstern sonst zu stark erhitzen kann. Es ist ratsam, Anwendungs- und Behandlungsdetails mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Weitere Therapieansätze und Hilfsmittel

Neben den aufblasbaren Handschienen gibt es weitere Therapieprodukte und Zubehörartikel, die in der Behandlung von Spastik eingesetzt werden können. Ein Paraffinbad kann beispielsweise ergänzend in der Physiotherapie oder im Wellnessbereich eingesetzt werden. Eine Spiegeltherapie mit T-Spiegeln® bietet eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei neurologischen Beschwerden.

Erfahrungen mit aufblasbaren Handorthesen (Pucci® Air)

Die mit Luft befüllbaren Pucci® Air Handorthesen zielen darauf ab, die Spastizität der Fingerflexoren durch konstante Dehnung zu reduzieren. Anwenderberichte sind hier besonders wertvoll, um die Wirksamkeit und den Komfort dieser Orthesen zu beurteilen. Es ist wichtig zu beachten, dass solche Lagerungsschienen kontraproduktiv sein können, wenn sie nicht richtig angewendet werden, insbesondere wenn keine aktive Auf- und Abbewegung der Luft erfolgt, wie bei einer Antidekubitusmatratze.

Alternative Orthesen und Hilfsmittel

Neben den aufblasbaren Varianten gibt es eine Vielzahl anderer Orthesen und Hilfsmittel zur Behandlung von Spastik und zur Unterstützung der Handfunktion:

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  • NEURODYN® COMFORT: Eine dynamische Knöchelspange, die sich leicht mit einer Hand anlegen lässt und eine starke Fußanhebung sowie korrigierte Fußstellung bietet.
  • ToeOFF-Orthesen: Geeignet für Patienten mit mittelstark bis stark ausgeprägter Ausfallerscheinung der Fußhebermuskulatur und leichter bis mäßiger Sprunggelenkinstabilität.
  • Karotten Kontraktur Kit: Eine aufblasbare Karotte zur Lagerungshilfe bei Fingerkontrakturen, die die Haut schützt und die Beugespastik reduziert.
  • Dynamische Handschienen: Zur Überwindung von Spastik nach Schlaganfall oder traumatischer Hirnverletzung, um das Greifen und Loslassen zu ermöglichen.

Zusätzliche unterstützende Produkte

Ergänzend zu den genannten Orthesen und Schienen gibt es eine Reihe weiterer Produkte, die zur Unterstützung der Therapie und zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen beitragen können:

  • Elastische Stützen: Bieten starken und angenehmen Druck auf Muskeln und Gelenke, um Beschwerden zu lindern und das Risiko von Sekundärschäden zu verringern.
  • Kompressionstechnologie: Wird in Kniebandagen und Arm-Kompressionshülsen eingesetzt, um die Blutzirkulation zu stimulieren und Muskelstabilisierung zu fördern.
  • Wärmende Bandagen: Aus Wolle für Knie und Ellenbogen, um Wärme und Unterstützung zu bieten.
  • Handgelenk- und Daumenstützen: Stabilisieren das Handgelenk, ohne die Beweglichkeit einzuschränken.
  • Kniescheibenstabilisatoren: Reduzieren die Kräfte auf die Oberschenkelrinne.

Spezielle Orthesen für Brustkorbdeformitäten

Für Patienten mit Brustkorbdeformitäten gibt es spezielle Orthesen, die eine nicht-chirurgische Behandlung ermöglichen:

  • Gpad Pectus Carinatum Orthese: Für die Behandlung von Kielbrust.
  • Gpad ASYMMETRISCH KIELBRUST ORTHESE: Für Patienten mit asymmetrischer Brustkorbdeformität.
  • Gpad Rib Flare Orthese: Zur Behandlung der flügelförmigen Vorwölbung des Brustkorbs.

Orthesen für weitere Körperbereiche

Auch für andere Körperbereiche gibt es spezielle Orthesen, die Unterstützung und Stabilität bieten:

  • Schulterorthesen: Bieten Wärme und Unterstützung für das Schultergelenk bei chronischen Schmerzen.
  • Oberarmorthesen: Zur Stabilisierung des Oberarmknochens nach Operationen und bei Gipseinlagen.
  • Ellenbogenorthesen: Bieten Wärme und Unterstützung für das Ellenbogengelenk bei Tennisarm-Syndrom und Epicondylitis.
  • Kniebandagen: Zur Behandlung von Verletzungen der Seitenbänder, Instabilität des Knies, Meniskusverletzungen und Arthrose des Knies.
  • Dynamic Walk AFO: Für Menschen mit Dorsalflexionsparese oder -lähmung.
  • Front Closure Clavicle Support: Zur Unterstützung des Schlüsselbeins.
  • FUZION ELLENBOGENORTHESE: Für Patienten, die eine individuelle Orthese mit mehr Komfort und Kontrolle benötigen.
  • Boston Soft AFO: Zur Behandlung von Myelomeningozele, Muskeldystrophie, Zerebralparese, Trauma, Dekubitusprophylaxe und Plantarfasziitis.
  • Dicarre Classique TLSO: Bietet eine wirksame Bewegungseinschränkung für den Brust- und Lendenbereich.

Materialien und Technologien

Die Materialien und Technologien, die bei der Herstellung von Orthesen verwendet werden, spielen eine entscheidende Rolle für deren Wirksamkeit und Komfort:

  • Neopren-Gewebe: Bietet Wärme und Unterstützung.
  • Thermoplastisches Material: Für die Herstellung von Oberarmorthesen.
  • Ohio (Schienungsmaterial): Ein Niedrigtemperatur-Thermoplast mit 100 % Memory, ideal für eine Vielzahl von Schienen.
  • Elastisches Gewebe: Für NOVATHANE-Orthesen zur Stabilisierung des Handgelenks und/oder der Hand.
  • Kompressionstechnologie: Wird in Kniebandagen und Arm-Kompressionshülsen eingesetzt, um die Blutzirkulation zu stimulieren und Muskelstabilisierung zu fördern.

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