Migräne nach Manueller Therapie: Ursachen und Behandlung

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich hauptsächlich durch episodische oder chronische Kopfschmerzen äußert. Für die Betroffenen bedeutet sie oft eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität, die den ganzen Körper erfasst und den Alltag zum Stillstand bringen kann. Viele Betroffene suchen neben der medikamentösen Behandlung alternative Behandlungsmöglichkeiten, um nicht nur den akuten Schmerz zu lindern, sondern auch langfristig ihre Lebensqualität zu verbessern. Neben der medikamentösen Behandlung gibt es wirksame therapeutische Ansätze, die Linderung verschaffen können. Physiotherapie und Osteopathie gewinnen zunehmend an Bedeutung, um Migränebeschwerden zu lindern. Die Physiotherapie bietet eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können.

Was ist Migräne?

Migräne äußert sich in Form neurologischer Symptome wie einen periodisch wiederkehrenden, anfallsartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz, der häufig begleitet wird von Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit. Die Ursachen für Migräne sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Schmerzen können so stark sein, dass sie die täglichen Aktivitäten beeinträchtigen und zu Einschränkungen im Berufs- und Privatleben führen.

Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und ist in Deutschland weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind bis zu 8 % aller Männer und 15 % aller Frauen betroffen. Migräne kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken, da die anfallsartig auftretenden Kopfschmerzen häufig die Funktions- und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Dies kann sich negativ auf das Berufsleben, aber auch auf Freizeitaktiväten und das Sozialleben auswirken.

Migräne ist ein Kopfschmerz, der anfallsartig in unregelmäßigen Abständen auftritt, zwischen 4 und 72 Stunden andauern kann und als pulsierend, hämmernd oder bohrend empfunden wird, wobei die Intensität des Schmerzes bei jeder Attacke unterschiedlich ausfallen kann. Bei Bewegung und anderer körperlicher Anstrengung verstärken sich die Kopfschmerzen, die mit weiteren Beschwerden einhergehen können. Etwa 10-15 % der Betroffenen leiden an der sogenannten Migräne mit Aura. Dabei können neurologische Ausfälle wie Schwäche oder Taubheitsgefühle und Sehstörungen plötzlich auftreten. Deshalb spricht man in der Medizin auch von Migräneanfällen oder Migräneattacken. Die Kopfschmerzen bei einer Migräne lassen sich am besten als pulsierend oder hämmernd, manchmal auch als bohrend beschreiben und können sich über die Stirn und Schläfen bis zum Bereich der Augen und auf die andere Kopfseite ausbreiten. Auf welcher Seite der Kopfschmerz beginnt, ist nicht festgelegt, sondern kann sich von Attacke zu Attacke ändern.

Bei der Migräne mit Aura kann es darüber hinaus zu neurologischen Ausfällen wie Schwäche oder Taubheitsgefühlen und Sehstörungen kommen. Die betroffenen Patienten sehen dabei häufig Lichtblitze, die im Zickzack über das Gesichtsfeld verlaufen oder es entstehen blinde Flecken, die sich langsam über das gesamte Sehfeld ausbreiten. Einige Patienten sehen bei einem Anfall Doppelbilder und berichten von Unsicherheiten beim Gehen oder Schwindel. Typisch für Migräne ist, dass sämtliche Symptome und Beeinträchtigungen vorübergehend sind und nach einer gewissen Zeit von selbst wieder abklingen, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Dies geschieht häufig während des Schlafs, der vielen Migräneattacken folgt.

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Manuelle Therapie als Behandlungsansatz

Die manuelle Therapie ist ein spezialisiertes Verfahren innerhalb der Physiotherapie, bei dem durch gezielte Handgriffe Funktionsstörungen des Bewegungsapparates behandelt werden. Im Zentrum steht die Arbeit mit den Händen - daher der Name „manuell“. Sie bietet einen natürlichen, nebenwirkungsfreien Ansatz, der sowohl zur Akutbehandlung als auch zur langfristigen Prävention beitragen kann.

Was ist manuelle Therapie?

Bei der Behandlung kommen verschiedene Techniken zum Einsatz: sanfte Mobilisationen, die die Beweglichkeit der Gelenke verbessern, spezifische Dehnungen der Muskulatur und fasziale Techniken, die das Bindegewebe lösen. Migräne entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel aus neuronalen und vaskulären Prozessen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die oberen Halswirbel und die dort ansetzende Muskulatur. Durch diese Techniken werden Nervenreizungen gemindert und die Durchblutung verbessert.

Die Manuelle Therapie zielt darauf ab, die Funktion von Muskeln und Gelenken wiederherzustellen oder zu optimieren. Dazu kommen spezielle Handgriffe und Techniken zum Einsatz, die der Mobilisation der Strukturen dienen und die Beweglichkeit erhöhen und Schmerzen verringern sollen. Gerade Verspannungen der Hals-, Brust-, Nacken- und Schultermuskulatur können Schmerzen verursachen, die bis in den Kopf ausstrahlen. Aber auch Probleme mit dem Kiefergelenk haben nicht selten Kopfschmerzen zur Folge. Studien bestätigen, dass die Manuelle Therapie bei Kopfschmerzpatienten zu signifikant besseren Ergebnissen führt als eine medikamentöse Behandlung oder Placebo.

Vorteile der Manuellen Therapie bei Migräne

Die manuelle Therapie bietet bei der Migränebehandlung einige entscheidende Vorteile gegenüber rein medikamentösen Ansätzen. Ein weiterer Vorteil liegt in der nachhaltigen Wirkung. Statt nur den akuten Anfall zu unterbrechen, können regelmäßige manuelle Behandlungen die Häufigkeit und Intensität künftiger Attacken reduzieren. Die manuelle Therapie lässt sich zudem hervorragend mit anderen Ansätzen kombinieren - sei es mit einer angepassten medikamentösen Behandlung, Entspannungstechniken oder Lebensstiländerungen.

Triggerpunkttherapie

Eine Variante ist die Triggerpunkttherapie. Triggerpunkte sind lokal begrenzte Muskelverkrampfungen, die Schmerzen verursachen. Dabei muss der Schmerz jedoch nicht unbedingt direkt am Triggerpunkt liegen, sondern kann ausstrahlen und an einem weiter entfernten Ort liegen. Auch diese Behandlung zielt darauf ab, Verhärtungen in der Muskulatur und dem umliegenden Bindegewebe zu lockern und dadurch die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Mit speziellen Übungen können Sie bestimmte Triggerpunkte sogar selbst behandeln, zum Beispiel mit einem Ball an der Wand oder auf dem Boden.

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Physiotherapie und Osteopathie als alternative Therapieansätze

Neben der medikamentösen Behandlung gewinnen alternative Therapieansätze zunehmend an Bedeutung. In diesem Zusammenhang stellen Physiotherapie und Osteopathie vielversprechende Optionen dar, um Migränebeschwerden zu lindern. Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die einen multidisziplinären Behandlungsansatz erfordert. Physiotherapie und Osteopathie bieten nicht-medikamentöse Alternativen, die helfen können, die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen zu reduzieren. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Therapien am besten in Kombination mit einer medizinischen Behandlung und einer gesunden Lebensweise wirken.

Rolle der Physiotherapie

Physiotherapie kann eine wichtige Rolle in der Behandlung von Migräne spielen. Manuelle Therapie umfasst Techniken wie Massage, Dehnungsübungen und Gelenkmobilisation. Eine schlechte Haltung kann zu einer erhöhten Spannung in den Muskeln des Nackens und des oberen Rückens führen, was Migräneanfälle auslösen oder verschlimmern kann. Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne.

Eine weitere wichtige Methode der Physiotherapie bei Migräne ist die Körperhaltung und -bewegung. Eine ungünstige Körperhaltung kann zu Verspannungen führen und somit die Schmerzen verstärken. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entspannung. Stress und Anspannung können ein Auslöser für Migräne sein. Insgesamt bietet die Physiotherapie eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können.

Osteopathie als ganzheitlicher Ansatz

Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die sich auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts im Körper konzentriert. Diese sanfte Form der Osteopathie konzentriert sich auf die Strukturen des Schädels, der Nerven und der Wirbelsäule. Durch leichte Berührungen wird versucht, Spannungen im Bereich des Kopfes und Nackens zu lösen, was sich positiv auf Migräne auswirken kann. Die viszerale Osteopathie befasst sich mit den inneren Organen und deren Verbindung zum muskuloskelettalen System. Durch die Verbesserung der Mobilität und Funktion der Organe kann indirekt Einfluss auf Migränebeschwerden genommen werden. Diese Methode konzentriert sich auf die Knochen, Muskeln und Gelenke.

Osteopathie bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne, der nicht nur die Symptome, sondern auch die zugrunde liegenden Ursachen behandelt. Osteopathie ist eine manuelle Therapieform, die darauf abzielt, Funktionsstörungen im Körper zu diagnostizieren und zu behandeln. Osteopathen verwenden ihre Hände, um Spannungen und Blockaden im Gewebe zu erspüren und zu lösen. Dieser ganzheitliche Ansatz kann besonders bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne wirksam sein.

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Osteopathen betrachten den gesamten Körper, um die zugrunde liegenden Ursachen der Kopfschmerzen und Migräne zu identifizieren. Dazu gehören:

  • Muskuläre Verspannungen: Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Spannungskopfschmerzen und Migräne auslösen.
  • Gelenkblockaden: Blockaden in der Halswirbelsäule können Durchblutungsstörungen verursachen, die zu Kopfschmerzen führen.
  • Fasziale Spannungen: Verklebungen und Spannungen im Bindegewebe können die Beweglichkeit einschränken und Schmerzen verursachen.
  • Stress und emotionale Anspannung: Stress kann muskuläre Verspannungen und hormonelle Veränderungen verursachen, die Migräne und Kopfschmerzen auslösen.

Osteopathen verwenden eine Vielzahl von Techniken, um Kopfschmerzen und Migräne zu lindern:

  • Kraniösakrale Therapie: Diese Technik konzentriert sich auf den Schädel und das Kreuzbein. Durch sanfte Berührungen wird das Nervensystem beruhigt und das Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt.
  • Weichteiltechniken: Sanfte Dehnungen und Massagegriffe lösen Verspannungen in den Muskeln und verbessern die Durchblutung.
  • Mobilisation und Manipulation: Gezielte Bewegungen verbessern die Mobilität der Gelenke und lösen Blockaden.
  • Faszientechniken: Durch die Behandlung des Bindegewebes werden Verklebungen und Spannungen gelöst.

Durch die ganzheitliche Betrachtung des Körpers können Osteopathen nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne behandeln.

Weitere physiotherapeutische Behandlungsansätze

Die Physiotherapie leistet einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Linderung von Migräne und zur Prävention neuer Attacken - sowohl als eigenständige Therapie als auch als Ergänzung zu ärztlicher Behandlung.

  • Manuelle Therapie: Durch gezielte Mobilisation der Halswirbelsäule lassen sich Bewegungseinschränkungen lösen, muskuläre Verspannungen abbauen und Schmerzreize deutlich reduzieren. Studien zeigen, dass dies die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken senken kann.
  • Kräftigungsübungen: Spezielle Übungen für die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur sorgen für eine bessere Stabilität und beugen erneuten Verspannungen vor. Gerade für Patientinnen und Patienten, die ihre Migräne ohne Medikamente behandeln möchten, sind solche aktiven Ansätze entscheidend.
  • Entspannungsverfahren: Methoden wie progressive Muskelentspannung, Atemtechniken oder Yoga senken nachweislich das Migränerisiko, reduzieren Stress und helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
  • Lebensstilberatung: Physiotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu einem gesunden Schlafrhythmus, regelmäßiger Bewegung und alltagstauglichen Strategien zur Stressbewältigung - alles zentrale Säulen zur Vorbeugung von Migräneattacken.

Gerne beraten wir Sie über physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten, mit denen sich die Beschwerden einer Migräne lindern lassen.

Übungen zur Selbstbehandlung

Darüber hinaus können Sie die physiotherapeutische Behandlung der Migräne bzw. des Spannungskopfschmerzes durch einige Übungen zu Hause sinnvoll ergänzen.

Progressive Muskelentspannung: Stress gehört zu den häufigsten Auslösern von Migräne. Die Vermeidung von Stress gilt daher als eine der wichtigsten Maßnahmen, um Migräneanfälle zu verhindern. Mit der Progressiven Muskelentspannung können Sie Ihre Muskeln ganz bewusst entspannen und so auch Stressreaktionen effektiv zu lockern. Dabei werden verschiedene Muskelgruppen in einer bestimmten Reihenfolge beansprucht. Positiver Nebeneffekt: Die gezielte Anspannung fördert die Durchblutung, was viele als sehr angenehmes Gefühl beschreiben.

Dehnübungen: Migräne-Patienten oder Personen mit Spannungskopfschmerzen leiden häufig unter Muskelverspannungen. Mit den folgenden Übungen können Sie die Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich dehnen und damit möglicherweise die Entstehung der Kopfschmerzen verhindern.

  • Setzen Sie sich entspannt, aber mit aufrechtem Oberkörper auf einen Stuhl. Drehen Sie den Kopf um ca. 45° nach rechts und ziehen Sie die rechte Schulter herunter. Legen Sie Ihre linke Hand leicht schräg auf den Hinterkopf über dem rechten Ohr und bewegen Sie Ihr Kinn etwas nach unten in Richtung Kehlkopf. Ziehen Sie Ihren Kopf mit der linken Hand leicht schräg nach links vorne und halten Sie diese Dehnung für etwa 2 Minuten. Atmen Sie dabei ruhig und tief.
  • Stellen Sie sich in aufrechter Position hin und falten Sie die Hände hinter Ihrem Rücken. Schieben Sie den Kopf nach hinten, als würden Sie ein Doppelkinn machen möchten, und ziehen Sie beide Schultern dann zurück - so weit es möglich ist. Diese Position halten Sie für einige Sekunden, dann entspannen Sie sich.
  • Setzen oder stellen Sie sich entspannt hin. Legen Sie eine Hand an die Stirn, die andere an den Unterkiefer. Öffnen Sie den Mund und drücken den Kiefer sanft nach rechts, während Sie die Hand an der Stirn in die andere Richtung (links) drücken. Halten Sie die Übung einige Sekunden, dann lassen Sie los.

Evidenzbasierte Chiropraktik

Die Forschung zur Wirkung chiropraktischer Maßnahmen bei Migräne hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien, die veröffentlicht wurden, bestätigen, dass regelmäßige chiropraktische Eingriffe zu einer signifikanten Reduktion der Migränetage und -intensität führen können. So berichtete eine Studie, dass Patienten, die eine evidenzbasierte Chiropraktik erhielten, ihre Migränetage um bis zu 50 % reduzieren konnten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Korrektur von Fehlstellungen und muskulären Dysbalancen durch einen qualifizierten Chiropraktor positive Effekte auf die neuronale Schmerzverarbeitung hat und somit eine sinnvolle Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie darstellt. Die kontinuierliche Veröffentlichung neuer Studien in Fachzeitschriften stärkt den wissenschaftlichen Konsens, dass alternative Therapieansätze wie diese nicht nur akute Symptome lindern, sondern auch langfristig die Lebensqualität verbessern können.

Regelmäßige chiropraktische Betreuung bietet nicht nur eine unmittelbare Schmerzlinderung der Migränesymptome, sondern auch langfristige Vorteile:

  • Prävention chronischer Beschwerden: Frühzeitige Korrekturen von Fehlstellungen können verhindern, dass sich akute Migräne in chronische Beschwerden verwandeln.
  • Ganzheitliche Gesundheitsförderung: Ein integrierter Therapieansatz, der chiropraktische Anpassungen mit Empfehlungen zu Lebensstil und Stressmanagement kombiniert, verbessert nachhaltig Ihre Lebensqualität.
  • Reduktion der Medikamenteneinnahme: Durch eine effektive chiropraktische Behandlung kann der Bedarf an Schmerzmitteln und anderen Migränepräparaten verringert werden - was langfristig Nebenwirkungen reduziert.

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